Humanoide Roboter: Warum Deutschland jetzt handeln muss – bevor China uns abhängt

China überholt Deutschland bei der Roboterdichte. NEURA Robotics, Agile Robots und die Frage: Kann Europa bei humanoiden Robotern noch mithalten?

Okay, seien wir mal ehrlich: Wenn du in den letzten Monaten irgendwas über humanoide Roboter gelesen hast, dann war’s wahrscheinlich über Tesla Optimus, Figure AI oder die ganzen chinesischen Startups, die gefühlt im Wochentakt neue Demos raushauen. Aber was ist eigentlich mit Deutschland? Mit Europa? Tja – genau darum geht’s hier.

Die unbequeme Wahrheit: China hat uns überholt

Ich hab’ lange gedacht, Deutschland sei halt das Land der Roboter. Wir haben KUKA, wir haben die Automobilindustrie, wir haben den Maschinenbau. Alles tutti, oder? Na ja, nicht ganz.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: China hat Deutschland bei der Roboterdichte überholt. 470 Industrieroboter pro 10.000 Beschäftigte in China – versus 415 bei uns. Das ist nicht nur ein statistischer Unterschied, das ist ein Weckruf.

Und es wird noch krasser: Während wir hier noch über Fachkräftemangel diskutieren, hat China über 50 Prozent aller weltweit verkauften Industrieroboter installiert. In einem einzigen Jahr. Puh.

Das kritische Zeitfenster: 2024 bis 2026

Der VDMA – also der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau – warnt schon seit Monaten: Wir befinden uns in einem kritischen 24-Monats-Fenster. Und nein, das ist kein Marketing-Sprech. Die Botschaft ist ziemlich eindeutig: „Hier geht es um die Sicherung der europäischen Souveränität."

Klingt dramatisch? Ist es auch. Denn humanoide Roboter sind eben nicht nur eine technische Spielerei. Die verbinden KI, Sensorik, Antriebstechnik und Software auf einem Level, das die nächste industrielle Revolution einleiten könnte. Und wer da nicht mitmischt, der schaut halt zu.

Hoffnungsträger aus Deutschland: NEURA und Agile Robots

Aber – und das ist wichtig – es gibt durchaus deutsche Unternehmen, die richtig Gas geben.

NEURA Robotics aus Metzingen

Die haben gerade mal eben 120 Millionen Euro in einer Series B eingesammelt. Ihr Ziel: Europas ersten massenproduzierten humanoiden Roboter bauen. Kein Prototyp, keine Forschungsdemo – echte Serienproduktion.

Der Ansatz ist dabei ziemlich clever: Statt direkt mit Tesla zu konkurrieren, fokussieren sie sich auf kognitive Robotik. Also Maschinen, die nicht nur Bewegungen ausführen, sondern verstehen, was sie tun sollen. Das ist der entscheidende Unterschied.

Agile Robots aus München

Die Münchner sind auch nicht untätig. Agile Robots plant die Serienproduktion für Anfang 2026 – also quasi jetzt. Das Unternehmen hat übrigens interessante Verbindungen nach China, was die ganze Geopolitik noch komplizierter macht. Aber technisch gesehen sind sie verdammt weit.

Deutschlands Roboter-Dominanz in Europa – noch

Hier mal ein Fakt, der mich echt überrascht hat: Deutschland hat die Hälfte aller Industrieroboter in Europa. 269.427 Einheiten, um genau zu sein. Das ist massiv.

Aber – und das ist halt das Problem – Industrieroboter sind die Vergangenheit. Die Zukunft gehört humanoiden Robotern, die flexibel einsetzbar sind. Die nicht für eine spezifische Aufgabe programmiert werden müssen, sondern sich anpassen können. Und da sieht’s düsterer aus.

Die High-Tech-Strategie 2025 läuft aus

Deutschlands „High-Tech-Strategie 2025" endet dieses Jahr. Budget: 350 Millionen Euro. Klingt erstmal nach viel Geld, oder?

Zum Vergleich: Figure AI allein hat über 750 Millionen Dollar an Funding bekommen. Ein einziges US-Startup hat mehr als doppelt so viel wie Deutschlands gesamte Robotik-Förderstrategie.

China? Die pumpen Milliarden in den Sektor. Subventionen, günstige Kredite, staatliche Aufträge – das volle Programm. Da kann man schon mal ins Grübeln kommen.

Was China anders macht

Ich will hier nicht alles schwarzmalen. Aber es ist halt so: China hat verstanden, dass humanoide Roboter ein strategisches Asset sind. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geopolitisch.

Ein paar Punkte, die auffallen:

  • Vertikale Integration: Chinesische Firmen kontrollieren oft die komplette Supply Chain – von Batterien über Motoren bis zur Software
  • Aggressive Preispolitik: Während westliche Hersteller Premium verlangen, arbeiten chinesische Startups an Robotern für unter 20.000 Dollar
  • Staatliche Koordination: Es gibt klare nationale Ziele und die Ressourcen, um sie zu erreichen
  • Talent-Pipeline: Massiver Fokus auf MINT-Ausbildung und Robotik-Studiengänge

Das heißt nicht, dass China automatisch gewinnt. Aber der Vorsprung wächst eben.

Wo der Westen noch punkten kann

Nicht alles ist verloren – wirklich nicht. Es gibt durchaus Bereiche, wo westliche Unternehmen noch Vorteile haben:

KI-Modelle: Die großen Sprachmodelle und multimodalen Systeme kommen größtenteils aus den USA. OpenAI, Anthropic, Google – die haben jahrelangen Vorsprung bei der Software, die humanoide Roboter eigentlich intelligent macht.

Präzision und Qualität: Deutsche Ingenieurskunst ist eben kein Mythos. Bei hochpräzisen Anwendungen – Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt – vertrauen Kunden noch auf europäische Qualität.

Regulierung als Chance: Ja, ernsthaft. Die strengeren europäischen Standards könnten sich als Vorteil erweisen, wenn’s um Safety und Zertifizierung geht. Gerade bei Robotern, die mit Menschen zusammenarbeiten sollen.

Was jetzt passieren muss

Okay, genug Analyse. Was brauchen wir konkret?

  1. Mehr Kapital: Europäische VCs müssen mutiger werden. 120 Millionen für NEURA ist gut – aber es braucht mehr davon.

  2. Schnellere Entscheidungen: Die typisch deutsche Gründlichkeit ist toll bei der Produktentwicklung. Aber bei Förderprogrammen und regulatorischen Entscheidungen? Da bremst sie.

  3. Europäische Koordination: Deutschland allein kann’s nicht stemmen. Wir brauchen echte europäische Champions, nicht nationale Alleingänge.

  4. Talente halten: Zu viele kluge Köpfe wandern in die USA ab. Das muss sich ändern – mit besseren Gehältern, weniger Bürokratie und spannenderen Projekten.

Der Ausblick: Realistisch, nicht pessimistisch

Wird Deutschland die Roboter-Weltmacht? Wahrscheinlich nicht. Aber das muss auch nicht das Ziel sein.

Was realistisch wäre: Eine starke europäische Position in bestimmten Nischen. Hochwertige, sichere, zuverlässige humanoide Roboter für spezialisierte Anwendungen. Nicht der billigste Anbieter, aber der vertrauenswürdigste.

Die nächsten 12 bis 24 Monate werden zeigen, ob das klappt. NEURA, Agile Robots und andere deutsche Startups haben die Chance, Europa auf die Landkarte zu setzen. Aber die Zeit drängt eben.


Was meinst du? Kann Deutschland bei humanoiden Robotern noch mitmischen – oder sind wir schon abgehängt? Ich bin gespannt auf deine Meinung.

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