Hier ist der Hauptgrund, warum KI dir generische, nutzlose Antworten gibt:
Sie hat null Ahnung von deiner Situation.
Du fragst „Wie soll ich das handhaben?" und die KI weiß nicht, was „das" überhaupt bedeutet. Wer du bist. Was du schon versucht hast. Welche Einschränkungen du hast.
Also rät sie halt. Gibt dir Tipps, die für den Durchschnittsmenschen in der Durchschnittssituation passen. Das bist wahrscheinlich nicht du.
Die Lösung? Kontext. Der richtige Kontext, in der richtigen Menge.
Warum Kontext so verdammt wichtig ist
Stell dir KI wie einen brillanten Berater vor, der gerade ohne jede Vorbereitung in dein Meeting stolpert.
Der Typ ist schlau. Weiß mega viel. Aber er hat keine Ahnung:
- Was dein Unternehmen macht
- Was du schon alles ausprobiert hast
- Warum bestimmte Lösungen bei dir nicht funktionieren
- Was „Erfolg" in deinem Fall überhaupt bedeutet
Ohne diese Infos wird selbst der beste Rat halt danebengehen.
Kontext füllt diese Lücken. Er verwandelt KI von einer generischen Ratschlag-Maschine in etwas, das deine Situation wirklich kapiert.
Die fünf Kontext-Typen, die wirklich zählen
Nicht jeder Kontext ist gleich wichtig. Diese fünf machen den größten Unterschied:
1. Situations-Kontext
Was passiert gerade? Was ist der Hintergrund?
Ich bin Freelance-Designer und arbeite seit 6 Monaten mit einem Kunden.
Der hat jetzt plötzlich massive Änderungen an einem Projekt angefragt,
das wir beide als fertig abgestempelt hatten. Ich will widersprechen,
ohne die Beziehung zu ruinieren.
Ohne das könnte „Wie reagier ich auf eine schwierige Kundenanfrage" halt alles bedeuten.
2. Ziel-Kontext
Was willst du erreichen?
Mein Ziel ist, den Projektumfang gleich zu halten und die Beziehung
positiv zu lassen. Wenn ich Kompromisse machen muss, würde ich eher
die Deadline verlängern als unbezahlte Arbeit draufpacken.
Das sagt der KI, was „Erfolg" für dich heißt.
3. Einschränkungs-Kontext
Welche Grenzen hast du?
Einschränkungen:
- Budget ist fix, keine zusätzliche Bezahlung möglich
- Deadline kann ich maximal 1 Woche verschieben
- Der Kunde ist wichtig für Empfehlungen
- Ich hab schon 20 Extra-Stunden investiert
Einschränkungen eliminieren Lösungen, die eh nicht funktionieren.
4. Zielgruppen-Kontext
Für wen ist das?
Die E-Mail geht an den Projektmanager, der neu in der Rolle ist und
mit dem die Zusammenarbeit bisher super lief. Die Änderungswünsche
kamen von dessen Chef, den ich noch nie getroffen hab.
Das formt den Ton, den Grad der Direktheit und was du adressieren solltest.
5. Vorgeschichts-Kontext
Was ist schon passiert? Was hast du schon versucht?
Ich hab schon eine Nachricht geschickt und um Klärung der Änderungen
gebeten. Die Antwort kam mit noch mehr Ergänzungen. Ich muss jetzt
eine festere Position beziehen, ohne feindselig zu wirken.
Das verhindert, dass KI dir vorschlägt, was du schon gemacht hast.
Wie viel Kontext ist zu viel?
Es gibt halt eine Balance.
Zu wenig Kontext: KI macht Annahmen, gibt generischen Rat, übersieht wichtige Faktoren.
Zu viel Kontext: Die wichtigen Infos gehen unter, du verschwendest Zeit, und KI konzentriert sich vielleicht auf die falschen Details.
Die Regel: Pack rein, was den Rat ändern würde
Frag dich: „Würde die KI anders antworten, wenn sie das wüsste?"
Wenn ja, pack es rein. Wenn nein, lass es weg.
Pack rein:
- Alles, was deine Situation ungewöhnlich macht
- Einschränkungen, die übliche Lösungen ausschließen
- Ziele, die nicht offensichtlich sind
- Wichtige Beziehungen oder Dynamiken
Lass weg:
- Hintergrund, der das Ergebnis nicht beeinflusst
- Geschichte, die nicht mehr relevant ist
- Details, die die Empfehlung nicht ändern
Beispiel für zu viel
Ich hab 2019 angefangen zu freelancen, nach 3 Jahren in einem Startup.
Mein erstes Projekt war ein kleines Bäckerei-Logo. Seitdem hab ich mit
etwa 40 Kunden in verschiedenen Branchen gearbeitet. Momentan hab ich
5 aktive Kunden. Einer davon, mit dem ich seit 6 Monaten an einem
Website-Redesign arbeite, hat gerade Änderungen an einem Projekt
angefragt, das ich für fertig hielt. Die wollen neue Seiten hinzufügen
und das Farbschema ändern. Meine anderen Kunden laufen gut. Ich berechne
normalerweise 75€/Stunde. Letzten Monat hab ich etwa 120 Stunden
insgesamt abgerechnet. Das Wetter war übel in letzter Zeit, was mich
mehr von zu Hause aus arbeiten lässt.
Wie soll ich das handhaben?
Das meiste davon ist irrelevant. Das Wetter? Die Anzahl der Kunden? 2019?
Gleiche Anfrage, besserer Kontext
Ich bin Freelance-Designer. Ein Kunde, mit dem ich seit 6 Monaten
arbeite, hat gerade signifikante Ergänzungen zu einem Projekt
angefragt, das wir beide als fertig abgestimmt hatten. Die wollen
3 neue Seiten und ein anderes Farbschema.
Ziel: Umfang gleich halten oder für Mehrarbeit bezahlt werden.
Einschränkung: Der Kunde gibt mega gute Empfehlungen; ich will die
Beziehung nicht beschädigen.
Wie sollte ich antworten?
Alle relevanten Infos. Kein Rauschen.
Kontext-Vorlagen für typische Aufgaben
Für Ratschläge
Situation: [Was gerade passiert]
Ziel: [Was ich erreichen will]
Einschränkungen: [Was ich nicht tun kann oder vermeiden muss]
Was ich schon versucht hab: [Bisherige Versuche, falls vorhanden]
Frage: [Deine konkrete Frage]
Für Schreibaufgaben
Zweck: [Was dieser Text erreichen muss]
Zielgruppe: [Wer liest das, was wissen/erwarten die]
Ton: [Formell/locker/dringend/freundlich/etc.]
Wichtige Punkte: [Was muss rein]
Vermeiden: [Themen, Wörter oder Ansätze, die du nicht willst]
Länge: [Ungefähre Wortanzahl oder Format]
Für Analyse-Aufgaben
Hintergrund: [Was du analysierst und warum]
Was ich schon weiß: [Dein aktuelles Verständnis]
Wo ich unsicher bin: [Konkrete Verwirrungsbereiche]
Wie ich das nutzen werde: [Welche Entscheidungen das beeinflusst]
Für technische Hilfe
Was ich baue: [Kurze Beschreibung]
Tech-Stack: [Sprachen, Frameworks, Tools]
Was funktioniert: [Aktueller Stand]
Was nicht funktioniert: [Das Problem]
Was ich schon versucht hab: [Bisherige Lösungsversuche]
Fehlermeldungen: [Falls vorhanden]
Die „Background-Brief"-Technik
Für laufende Projekte erstellst du dir einen wiederverwendbaren Kontext-Block:
# Projekt-Hintergrund (an den Anfang verwandter Prompts kopieren)
Projekt: Mobile App für Gewohnheits-Tracking
Stack: React Native, Firebase, TypeScript
Zielgruppe: Vielbeschäftigte Berufstätige, 25-45 Jahre
Design-Stil: Minimalistisch, iOS-inspiriert, viel Weißraum
Aktueller Stand: MVP gelauncht, Premium-Features werden ergänzt
Wichtige Einschränkung: Muss offline funktionieren
---
[Deine konkrete Frage hier]
Speicher das irgendwo ab. Kopier es rein, wenn du an dem Projekt arbeitest. Hält den Kontext konsistent, ohne dass du alles neu tippen musst.
Kontext für Code
Technischer Kontext hat spezifische Anforderungen:
Immer drin haben:
- Programmiersprache und Version
- Framework, das du benutzt
- Was der Code tun soll
- Aktueller Code oder relevante Ausschnitte
- Fehlermeldungen (exakter Text)
Wenn relevant:
- Entwicklungsumgebung
- Dependencies und Versionen
- Sicherheits- oder Performance-Anforderungen
- Coding-Standards, die du befolgst
Beispiel:
Python 3.11, nutze FastAPI und SQLAlchemy.
Baue einen REST-API-Endpoint für User-Authentifizierung.
Aktueller Code:
[Code hier einfügen]
Fehler:
[Exakte Fehlermeldung hier]
Erwartetes Verhalten: Sollte JWT-Token bei erfolgreichem Login zurückgeben.
Tatsächliches Verhalten: Gibt 500-Fehler nach dem Passwort-Check.
Ich hab schon geprüft, dass die Datenbankverbindung funktioniert.
Das Problem scheint beim Passwort-Vergleich zu liegen.
Wann du Kontext mitten im Gespräch ergänzt
Du musst nicht alles von Anfang an reinpacken. Ergänze Kontext, wenn er relevant wird:
Erster Prompt: „Hilf mir, eine Produktbeschreibung für eine Fitness-App zu schreiben."
Nach dem ersten Entwurf: „Guter Anfang. Ich sollte erwähnen: Unser Hauptunterschied ist, dass wir KI nutzen, um Workouts zu personalisieren. Außerdem sind unsere Zielgruppe ältere Erwachsene, also vermeid einschüchternde Fitness-Sprache."
Nach dem zweiten Entwurf: „Viel besser. Noch eine Sache: Wir launchen nur auf iOS, also erwähne keine Android-Features."
Jede Ergänzung verfeinert das Ergebnis. Dieses iterative Kontext-Aufbauen funktioniert oft besser, als zu versuchen, alles von Anfang an zu spezifizieren.
Die Kontext-Checkliste
Bevor du einen Prompt für was Wichtiges abschickst, check:
- Hab ich die Situation erklärt?
- Hab ich mein Ziel genannt?
- Hab ich relevante Einschränkungen erwähnt?
- Hab ich die Zielgruppe beschrieben (falls relevant)?
- Hab ich reingepackt, was ich schon versucht hab (falls relevant)?
- Hab ich unnötige Details rausgeworfen?
Du brauchst nicht alle davon jedes Mal. Aber für komplexe oder wichtige Anfragen fängt diese Checkliste Lücken.
Das Fazit
KI kann nur mit dem arbeiten, was du ihr gibst.
Generische Prompts bringen generische Antworten, weil KI alle Lücken mit Annahmen füllen muss. Diese Annahmen sind normalerweise Durchschnitts-Vermutungen, die nicht zu deiner spezifischen Situation passen.
Kontext ist die Lösung.
Der richtige Kontext – deine Situation, Ziele, Einschränkungen, Zielgruppe und bisherigen Versuche – verwandelt KI von einem generischen Assistenten in etwas, das wirklich versteht, was du brauchst.
Du würdest einem Berater nicht um Rat fragen, ohne ihn vorher zu briefen.
Mach das bei KI genauso.