KI nutzen ohne DSGVO-Panik: Ein Leitfaden fuer deutsche Unternehmen

ChatGPT und Claude in deutschen Unternehmen? Geht das ueberhaupt DSGVO-konform? Ja – wenn du weisst, wie. Hier ist der praktische Guide.

„Duerfen wir ChatGPT eigentlich benutzen?"

Diese Frage hoere ich staendig. Von Teamleitern, Freelancern, Geschaeftsfuehrern – alle wollen KI nutzen, aber niemand will der sein, der einen DSGVO-Verstoss verursacht.

Und dann passiert meistens eins von zwei Dingen:

Option A: Das ganze Team nutzt KI heimlich, ohne Policy, ohne Richtlinien. Option B: KI wird komplett verboten. „Zu riskant."

Beides ist falsch.

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte – und ist viel weniger kompliziert, als die meisten denken.


Was die DSGVO wirklich verlangt

Kurze Rechts-Erinnerung (ich bin kein Anwalt, das hier ist keine Rechtsberatung):

Die DSGVO schuetzt personenbezogene Daten. Das sind:

  • Namen
  • E-Mail-Adressen
  • Telefonnummern
  • IP-Adressen
  • Alles, womit man eine Person identifizieren kann

Was die DSGVO nicht reguliert:

  • Allgemeine Geschaeftsinformationen
  • Produktbeschreibungen
  • Marketing-Texte
  • Code (solange keine Personendaten drin stecken)
  • Kreative Inhalte

Die Frage ist also nicht „Darf ich KI nutzen?" sondern „Welche Daten gebe ich der KI?"


Die goldene Regel

Gib der KI keine personenbezogenen Daten.

Das klingt simpel – und ist es auch. Aber schauen wir uns an, was das praktisch bedeutet:

Okay:

„Schreib einen Blog-Artikel ueber Projektmanagement"
„Erstell eine Produktbeschreibung fuer kabelllose Kopfhoerer"
„Analysier diesen Geschaeftsbericht (nur Zahlen, keine Namen)"

Problematisch:

„Hier ist eine E-Mail von Thomas Mueller (thomas@firma.de), bitte antworte darauf"
„Analysier diese Kundenliste mit Namen und Adressen"
„Fass dieses Meeting-Protokoll zusammen (mit Teilnehmernamen)"

Die Loesung fuer problematische Faelle:

„Hier ist eine E-Mail von einem Kunden (anonymisiert), bitte antworte darauf"
„Analysier diese anonymisierte Kundenliste"
„Fass dieses Meeting-Protokoll zusammen: [Namen durch Rollen ersetzen]"

Der praktische Workflow fuer Teams

Hier ist, wie ich es in meinen Projekten handhabe:

Schritt 1: Anonymisieren vor dem Einfuegen

Bevor irgendetwas in ChatGPT oder Claude landet:

  • Namen → Rolle (z.B. „Thomas Mueller" → „Projektleiter")
  • E-Mails → Entfernen oder [anonymisiert]
  • Telefonnummern → Entfernen
  • Firmennamen (wenn vertraulich) → „Kunde A", „Partner B"

Schritt 2: Sensible Projekte lokal verarbeiten

Fuer wirklich vertrauliche Daten (Vertraege, Personalakten, Finanzdaten):

  • Whisper lokal statt Cloud-Transkription
  • LLaMA/Mistral lokal statt ChatGPT
  • Stable Diffusion lokal statt Midjourney

Alles bleibt auf deinem Rechner. Nichts geht in die Cloud.

Schritt 3: Team-Guidelines festlegen

Ein einfaches Dokument reicht:

KI-Nutzungsrichtlinie

DO:
- KI fuer allgemeine Texte, Code, Recherche nutzen
- Oeffentliche Informationen eingeben
- Anonymisierte Daten eingeben

DON'T:
- Kundennamen/-daten eingeben
- Interne E-Mails komplett reinkopieren
- Vertrauliche Unternehmensdaten eingeben

BEI UNSICHERHEIT:
- Erst anonymisieren, dann eingeben
- Oder: Lokale KI-Loesung nutzen

Die kostenlosen Skills – und warum sie DSGVO-unkritisch sind

Hier ist, was bei KI-Skills passiert:

  1. Du kopierst einen Skill (=Prompt) in ChatGPT/Claude
  2. Der Skill enthaelt nur Anweisungen – keine Daten
  3. Du gibst deine Inhalte ein
  4. Die KI verarbeitet sie

Der Skill selbst ist datenschutzrechtlich irrelevant. Es ist Text. Es sind Anweisungen wie „Schreib eine E-Mail" oder „Erstell eine Zusammenfassung".

Die Frage ist nur: Was gibst du danach ein?

Und da gilt: Anonymisieren, fertig.


Use Cases nach Risiko sortiert

Niedriges Risiko (einfach machen)

Use CaseWarum unproblematisch
Blog-Posts schreibenKeine Personendaten
ProduktbeschreibungenKeine Personendaten
Code generierenKeine Personendaten
Social Media PostsKeine Personendaten
MarketingtexteKeine Personendaten
Praesentation erstellenKeine Personendaten

Fuer diese Faelle: Einfach loslegen. Kein Risiko.

Mittleres Risiko (anonymisieren)

Use CaseWas tun
E-Mail-AntwortenAbsender anonymisieren
Meeting-ZusammenfassungenNamen durch Rollen ersetzen
Kundenfeedback analysierenNamen entfernen
Bewerbungen screenenNamen schwaerzen

Fuer diese Faelle: 30 Sekunden anonymisieren, dann loslegen.

Hohes Risiko (lokale Loesung)

Use CaseWas tun
Vertrauliche VertraegeLokal mit LLaMA/Mistral
PersonalaktenLokal verarbeiten
FinanzberichteLokal oder gar nicht
Medizinische DatenLokale Loesung oder spezialisierte Software

Fuer diese Faelle: Cloud-KI vermeiden. Lokale Alternativen nutzen.


Lokale KI-Optionen (100% DSGVO-konform)

Wenn du wirklich auf Nummer sicher gehen willst – oder musst:

Ollama + LLaMA/Mistral

Laeuft auf deinem Laptop. Keine Cloud-Verbindung.

Setup:

  1. ollama.ai herunterladen
  2. Terminal: ollama run llama3.2
  3. Fertig. Lokale KI, keine Daten nach aussen.

Qualitaet: Mittlerweile sehr nah an ChatGPT fuer die meisten Aufgaben.

LM Studio

Grafische Oberflaeche fuer lokale KI-Modelle. Einsteigerfreundlicher als Ollama.

Vorteile:

  • Schicke UI
  • Einfache Modell-Auswahl
  • Laeuft offline

Whisper (Transkription)

Fuer Meeting-Aufnahmen:

  • Laeuft lokal
  • 99 Sprachen
  • Qualitaet besser als die meisten Cloud-Dienste

Was deutsche Unternehmen falsch machen

Ich seh staendig diese Fehler:

Fehler 1: KI komplett verbieten

Das Ergebnis? Das Team nutzt ChatGPT trotzdem – nur heimlich, ohne Richtlinien, ohne Schulung. Das ist gefaehrlicher als eine klare Policy.

Fehler 2: Teure „DSGVO-konforme KI-Tools" kaufen

Manche Anbieter verkaufen ueberteuertes Zeug mit „DSGVO-konform"-Label. In Wahrheit ist die DSGVO-Konformitaet meistens eine Frage der Nutzung, nicht des Tools.

Fehler 3: Keine Guidelines haben

Ohne klare Regeln macht jeder was anderes. Der eine kopiert Kundendaten rein, der andere anonymisiert brav. Chaos.

Fehler 4: Ueberreagieren

„Wir duerfen die Firmenstrategie nicht mit KI besprechen!" – Doch, duerft ihr. Solange keine Personendaten drin sind, ist das DSGVO-irrelevant.


Der Realitaets-Check

Ich frag mal so:

  • Hast du schon mal was bei Google gesucht? → Daten gingen an US-Server.
  • Nutzt du Microsoft 365? → Cloud-Verarbeitung.
  • Verwendest du Slack oder Teams? → Cloud-Nachrichten.
  • Surfst du im Internet? → Tracking ueberall.

ChatGPT ist nicht gruseliger als diese Tools. Es ist einfach neuer.

Die DSGVO fordert verhaeltnismaessigen Umgang mit personenbezogenen Daten. Sie verbietet nicht, Cloud-Dienste zu nutzen.


Konkrete Empfehlung fuer dein Team

Fuer kleine Teams (< 10 Personen):

  1. Baseline: ChatGPT/Claude Free fuer taegliche Aufgaben
  2. Guidelines: 1 Seite mit Do’s und Don’ts
  3. Bei sensiblen Daten: Anonymisieren vor Eingabe
  4. Optional: Ollama lokal fuer wirklich vertrauliches

Fuer groessere Teams:

  1. Baseline: ChatGPT Team oder Claude Team (bessere Datenschutz-Features)
  2. Schulung: 30-Minuten-Einweisung fuer alle
  3. Guidelines: Dokumentierte Richtlinie
  4. Audit: Regelmaessig pruefen, ob Guidelines eingehalten werden

Fuer regulierte Branchen (Gesundheit, Finanzen, Recht):

  1. Default: Lokale KI (Ollama, LM Studio)
  2. Cloud nur: Fuer nicht-sensible Aufgaben
  3. Dokumentation: Verfahrensverzeichnis aktualisieren
  4. Beratung: Bei Unsicherheit den Datenschutzbeauftragten fragen

Die Skills und DSGVO

Unsere kostenlosen Skills sind:

  • Reine Text-Anweisungen (keine Daten)
  • Open Source (du siehst, was drin steht)
  • Tool-agnostisch (funktionieren mit ChatGPT, Claude, lokalen Modellen)

Sie sind genauso DSGVO-relevant wie eine Word-Vorlage. Das heisst: gar nicht.

Die DSGVO-Relevanz kommt von dem, was du eingibst – nicht von der Anweisung, die du der KI gibst.


Fazit: KI ja, Panik nein

Die DSGVO ist kein KI-Verbot. Sie ist ein Rahmen fuer den Umgang mit Personendaten.

Wenn du:

  • Keine Personendaten eingibst
  • Oder vorher anonymisierst
  • Oder lokale Loesungen nutzt

…dann nutzt du KI DSGVO-konform. So einfach ist das.

Lass dich nicht von Angst lahmlegen. Lass dich nicht von teuren „Compliance-Loesungen" ueber den Tisch ziehen.

Nutz die kostenlosen Tools. Halte dich an simple Guidelines. Profitier von KI.

Deutschland kann es sich nicht leisten, KI zu ignorieren, weil jemand Angst vor der DSGVO hat.


Bereit loszulegen? Unsere kostenlosen KI-Skills funktionieren mit ChatGPT, Claude und lokalen Modellen. Ein Klick kopiert, sofort nutzbar – datenschutzkonform ist nur eine Frage der richtigen Eingabe.