Okay, seien wir ehrlich: Wenn ein Open-Source-Projekt in einem Monat 100.000 GitHub-Stars sammelt, ist das entweder mega gehyped – oder es trifft halt einen Nerv. Bei Moltbot ist es Letzteres.
Und das Beste? Das Ding kommt aus der DACH-Region. Peter Steinberger, Österreicher, Gründer von PSPDFKit (heute Nutrient) – wer in der iOS-Entwicklung unterwegs war, kennt den Namen. Er hat sich einen persönlichen KI-Assistenten gebaut, der auf seiner eigenen Hardware läuft, an alle seine Messenger angebunden ist, und das Ganze dann als Open Source veröffentlicht.
Einen Monat später: Hunderttausend Stars. Und eine Community, die explodiert.
Was Moltbot eigentlich ist
Moltbot (ehemals Clawdbot – das Hummermaskottchen hat sich halt “gehäutet”, daher der Name) ist ein Open-Source-KI-Agent, der auf deinem eigenen Rechner läuft. Mac Mini, Linux-Server, sogar ein Raspberry Pi reicht. Er dockt sich an deine bestehenden Messenger an – WhatsApp, Telegram, Slack, Discord, Signal, iMessage, Teams und ungefähr acht weitere – und arbeitet dort als dein persönlicher KI-Assistent.
Wichtig: Das ist kein Chatbot. Das ist ein Agent. Der Unterschied ist eben nicht nur Marketing-Sprech.
Ein Chatbot antwortet auf Fragen. Ein Agent erledigt Dinge. Moltbot kann deine E-Mails automatisieren, deinen Kalender managen, Browser-Aufgaben ausführen, Code schreiben, Cronjobs einrichten und proaktiv arbeiten, ohne dass du dauerhaft daneben sitzt. Ein User hat laut Discord damit angeblich eine Autokauf-Verhandlung per E-Mail abgewickelt. Ersparnis: 4.200 Dollar. Ob das stimmt? Tja, keine Ahnung. Aber die Möglichkeit allein ist schon krass.
Tech-Stack: Node.js, TypeScript, pnpm. Nutzt Claude, GPT-4 oder lokale Modelle über Ollama. MIT-Lizenz. Dir gehört halt alles.
Warum gerade in der DACH-Region alle aufhorchen sollten
Klar, 100K Stars auf GitHub sind überall beeindruckend. Aber für uns im deutschsprachigen Raum gibt es noch ein paar Extra-Gründe, warum Moltbot besonders spannend ist.
Datenschutz und DSGVO – endlich mal kein Problem
Mal ehrlich: Wie oft hast du schon ein cooles KI-Tool entdeckt und dann beim Datenschutz gezuckt? “Daten werden in den USA verarbeitet”, “Wir verwenden Ihre Eingaben zur Modellverbesserung” – du kennst das ja. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind wir da halt besonders sensibel. Und das zurecht.
Moltbot löst dieses Problem radikal: Alles läuft auf deiner eigenen Hardware. Jede Konversation, jede Datei, jeder API-Key bleibt bei dir. Kein Cloud-Anbieter, der deine Nachrichten mitliest. Kein Abo-Lock-in. Keine plötzlichen API-Änderungen, die deine Workflows kaputt machen.
Für Unternehmen, die unter DSGVO-Auflagen arbeiten, ist das doch eigentlich ein Traum. Dein KI-Agent, deine Infrastruktur, deine Daten. Punkt.
Ein Österreicher hinter dem Projekt
Peter Steinberger ist kein Unbekannter in der deutschsprachigen Dev-Szene. PSPDFKit war jahrelang das iOS-PDF-Framework, das in unzähligen Apps steckte – von Banken bis Verlage. Wer auf den einschlägigen Konferenzen im DACH-Raum unterwegs war, ist ihm vermutlich schon begegnet.
Dass jetzt ausgerechnet jemand aus Österreich das viralste KI-Agent-Projekt baut – das zeigt doch, dass die DACH-Region durchaus mitspielt, wenn es um KI-Innovation geht. Nicht immer nur Silicon Valley.
Der Shift von Chatbot zu Agent – und warum er diesmal echt ist
Gartner prognostiziert, dass bis Ende 2026 rund 40 Prozent aller Enterprise-Apps Task-spezifische KI-Agenten haben werden. OpenAI, Anthropic, Google – alle bauen Agent-Frameworks. Microsofts Copilot wird mit jedem Quartal agentischer.
Aber Moltbot steht für was anderes als diese ganzen Enterprise-Plattformen. Es ist der persönliche Agent. Dein Agent, auf deiner Hardware, der für dich arbeitet. Nicht für die IT-Abteilung deines Arbeitgebers. Nicht für einen SaaS-Anbieter. Für dich.
Und genau das trifft einen Nerv bei Entwicklern, die im letzten Jahr beobachtet haben, wie KI-Tools gleichzeitig leistungsfähiger und eingeschränkter wurden. Mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Vendor-Lock-in, mehr “Premium”-Tiers, mehr Datensammlung. Moltbot geht in die Gegenrichtung: mehr Power und mehr Kontrolle.
Neulich hat’s auf Hacker News jemand so zusammengefasst: “Ich will keinen KI-Dienst. Ich will einen KI-Diener.” Zynisch? Vielleicht. Aber halt auch irgendwie auf den Punkt.
Security – der Elefant im Raum
Hier muss ich mal kurz bremsen.
Security-Forscher haben bereits Probleme bei Moltbot-Installationen gefunden. Offene API-Keys. OAuth-Tokens, die frei zugänglich waren. Konversationsverläufe, die jeder lesen konnte, der den richtigen Port kannte.
In einem Land, in dem der CCC regelmäßig Sicherheitslücken aufdeckt und das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) klare Richtlinien herausgibt, muss man das doch mal ansprechen. Ein always-on KI-Agent, der Zugriff auf deine E-Mails, deinen Browser und deine Messenger hat, ist halt ein verdammt attraktives Ziel. Und die meisten, die Moltbot installieren, sind eben keine Security-Experten.
Das Projekt hat Sicherheitsfeatures – DM-Pairing-Codes für unbekannte Absender, Docker-Sandboxing, Tailscale-Integration für Remote-Zugriff. Aber wenn du Moltbot ernsthaft nutzen willst, solltest du ein paar Sachen beachten:
- Port 18789 niemals öffentlich ins Internet stellen
- Docker-Sandboxing für jede Session aktivieren
- Skills vor der Installation prüfen (sind halt einfach Code)
- Tailscale oder VPN für Fernzugriff einrichten
- API-Keys regelmäßig rotieren
Das ist kein Schwarzmalerei. Das ist dasselbe, was man jedem raten würde, der einen selbstgehosteten Dienst mit Zugriff auf sensible Daten betreibt. Gerade wenn du in einem regulierten Umfeld arbeitest – und welches deutsche Unternehmen tut das nicht – solltest du hier aufpassen.
Was Moltbot richtig macht
Drei Dinge stechen raus:
Multi-Channel ist die richtige Abstraktion. Niemand will noch eine neue App. Dass Moltbot dich dort abholt, wo du eh schon bist – in WhatsApp, Slack, Signal, iMessage – ist genau so, wie KI-Assistenten funktionieren sollten. 15+ Integrationen out of the box. Das ist doch eigentlich der Killer-Feature, den die meisten übersehen. Die Adoptionshürde fällt quasi komplett weg.
Skills als Plattform. Moltbot hat ein Skill-System (ClawdHub), in dem die Community Fähigkeiten baut und teilt. Kommt dir bekannt vor? Genau dasselbe Prinzip verfolgen wir bei FindSkill – wiederverwendbare KI-Skills, die jeder kopieren, anpassen und nutzen kann. Die Erkenntnis, dass KI-Power aus gut geschriebenen Prompts und Workflows kommt und nicht nur aus roher Modell-Leistung, setzt sich halt durch.
Lokal-first ist keine Kompromisslösung mehr. KI lokal laufen zu lassen hieß früher: schlechte Qualität. Aber mit Modellen wie Claude, GPT-4 und lokalen Optionen über Ollama ist Self-Hosting mittlerweile eine echte Wahl, kein Notbehelf. Gerade in Verbindung mit der DSGVO-Thematik ergibt das für den deutschen Markt total Sinn.
Lohnt sich das für dich?
Kommt drauf an, wer du bist.
Wenn du Entwicklerin oder Entwickler bist und dich mit Node.js, Docker und Self-Hosting auskennst: Ja, definitiv ausprobieren. Moltbot ist eins der spannendsten Open-Source-Projekte der aktuellen KI-Agent-Welle. 130+ Contributors und 8.900+ Discord-Mitglieder zeigen, dass die Community lebt.
Wenn du nicht technisch bist, aber KI-Agenten für dich arbeiten lassen willst: Noch nicht. Das Setup erfordert Kommandozeilen-Kenntnisse. Aber das ändert sich schnell – die Lücke zwischen “Developer-Tool” und “Tool für alle” wird doch immer kleiner.
Wenn du einfach heute bessere KI-Ergebnisse willst: Du brauchst gar nicht selbst zu hosten. Ein gut geschriebener Prompt in Claude oder ChatGPT kann die meisten Einzelaufgaben genauso erledigen. Der Unterschied ist, dass Moltbot halt kontinuierlich läuft, plattformübergreifend, ohne dass du jedes Mal aktiv werden musst.
Das Bigger Picture
Moltbot beweist was: Leute wollen KI-Agenten, keine KI-Chatbots. Sie wollen Werkzeuge, die im Hintergrund für sie arbeiten, quer über alle Plattformen, auf Hardware, die ihnen gehört.
Das ist eine fundamental andere Vision als “Geh auf chatgpt.com und tipp eine Frage ein.”
Ob Moltbot selbst zum Standard wird, ist ja eigentlich nicht der Punkt. Das Muster ist der Punkt. Und das Muster ist klar: KI entwickelt sich von etwas, das man besucht, zu etwas, das neben dir lebt.
Der Hummer hat sich gehäutet. Und er kriecht nicht zurück in seinen alten Panzer.
Starte mit KI-Agenten und Skills
Noch nicht bereit fürs Self-Hosting? Du kannst KI schon heute wie einen Agenten nutzen – mit den richtigen Skills:
- Autonomer Task-Planer – Komplexe Ziele in ausführbare Schritte zerlegen
- Browser-Automatisierungs-Agent – Web-Aufgaben automatisieren mit KI
- System-Prompt-Architekt – Maßgeschneiderte KI-Personas für jede Aufgabe
- KI-Agenten-Designer – Eigene KI-Agent-Workflows bauen
- Docker-Experte – Self-Hosting mit Zuversicht meistern
- Agenten-Leitplanken & Sicherheit – KI-Agenten sicher betreiben
Oder stöber durch alle KI-Assistenten-Skills, um zu finden, was zu deinem Workflow passt.