Kennst du das? Du bittest die KI um eine kurze, lockere E-Mail – und kriegst trotzdem drei Absätze mit „Ich hoffe, diese Nachricht erreicht Sie wohlauf" am Anfang.
Frustrierend, oder?
Das Problem: Du sagst der KI nur, was sie tun soll. Aber nicht, was sie lassen soll.
Das ist Negative Prompting. Und es ist eine der unterschätztesten Techniken überhaupt.
Was Negative Prompting bedeutet
Statt nur zu beschreiben, was du willst, schließt du explizit aus, was du NICHT willst.
Klingt simpel. Ist es auch. Aber der Effekt ist krass.
Normaler Prompt:
Schreib eine professionelle E-Mail an einen Kunden.
Mit Negative Prompting:
Schreib eine professionelle E-Mail an einen Kunden. Kein Firmen-Jargon. Keine Floskeln wie „Ich hoffe, es geht Ihnen gut". Maximal 100 Wörter.
Die zweite Version schaltet die nervigen Defaults aus, die du eh nie wolltest.
Warum die KI immer dasselbe macht
KI-Modelle werden mit Millionen von Texten trainiert. Wenn du „professionelle E-Mail" sagst, aktiviert das Gehirn der KI alle Muster, die es mit diesem Begriff verknüpft:
- Formelle Anreden
- Standardphrasen wie „bezugnehmend auf unser Gespräch"
- Übermäßig höfliche Formulierungen
- Viel zu lange Texte
Das sind halt die Defaults. Die KI denkt, so sehen professionelle E-Mails aus – weil das in den Trainingsdaten so war.
Aber du willst diese Defaults wahrscheinlich gar nicht.
Negative Prompting ist, wie du sie überschreibst.
Die häufigsten Probleme und ihre Fixes
Problem: Zu lang
Negativ-Anweisung:
- „Nicht mehr als X Wörter"
- „Keine langen Einleitungen"
- „Kein Fazit, das alles nochmal wiederholt"
Problem: Zu förmlich
Negativ-Anweisung:
- „Kein Sie, duze mich"
- „Keine steifen Formulierungen"
- „Keine Floskeln wie ‚Mit freundlichen Grüßen'"
Problem: Zu generisch
Negativ-Anweisung:
- „Keine allgemeinen Tipps, die überall stehen"
- „Keine Plattitüden"
- „Vermeide ‚Es gibt viele Möglichkeiten'"
Problem: Zu viele Listen
Negativ-Anweisung:
- „Keine Bullet Points, schreib Fließtext"
- „Keine nummerierten Listen"
- „Formatiere das nicht, gib mir reinen Text"
Problem: Zu viel Erklärung
Negativ-Anweisung:
- „Erkläre nicht, was du tust – tu es einfach"
- „Keine Meta-Kommentare"
- „Keine Einleitung, fang direkt an"
Echtes Beispiel: Vorher und Nachher
Prompt ohne Negativ-Anweisungen:
Schreib eine Produktbeschreibung für unsere neue Kaffeemaschine.
Output:
„Willkommen in der Welt des perfekten Kaffeegenusses! Unsere neue innovative Kaffeemaschine revolutioniert die Art, wie Sie Ihren Morgenkaffee genießen. Mit modernster Technologie und elegantem Design vereint sie Funktionalität und Ästhetik auf höchstem Niveau. Die intuitive Bedienung ermöglicht es Ihnen, auf Knopfdruck Ihren Lieblingskaffee zuzubereiten…"
Gähn. Das klingt wie jede andere Produktbeschreibung ever.
Prompt mit Negativ-Anweisungen:
Schreib eine Produktbeschreibung für unsere Kaffeemaschine. Keine Superlative. Kein „revolutionär" oder „innovativ". Keine Wörter wie „ermöglicht" oder „höchstes Niveau". Sag konkret, was die Maschine kann.
Output:
„Brüht in 45 Sekunden. Passt unter jeden Küchenschrank. Macht 1-4 Tassen auf einmal. Die Reinigung dauert 30 Sekunden – einfach Wassertank raus, abspülen, fertig. 2 Jahre Garantie."
Merkst du den Unterschied? Konkret. Nützlich. Kein Marketing-Bullshit.
Wann Negative Prompting besonders hilft
Bei kreativem Schreiben
KI liebt Klischees. Die sind halt überall in den Trainingsdaten.
Schreib eine Kurzgeschichte. Keine Klischees wie „Es war eine dunkle und stürmische Nacht". Keine vorhersehbaren Wendungen. Keine Happy Ends.
Bei Code-Generierung
Schreib eine Python-Funktion für X. Keine Kommentare im Code. Keine Type Hints. Keine Exception Handling – das mache ich selbst.
Bei Erklärungen
Erklär mir Quantencomputing. Keine Analogien mit Katzen in Boxen. Keine Vereinfachungen, die falsch sind. Keine Einleitung à la „In der faszinierenden Welt der Physik".
Bei Zusammenfassungen
Fass diesen Artikel zusammen. Keine Phrasen wie „Der Autor argumentiert". Keine eigenen Bewertungen. Nur die Fakten.
Die Kombinationstechnik
Das Beste: Kombinier Positive und Negative Prompting.
Sag, was du willst UND was du nicht willst.
Template:
Ich brauche [was du brauchst].
Stil: [so soll es klingen]
Länge: [so lang soll es sein]
VERMEIDE:
- [Ding 1, das du nicht willst]
- [Ding 2, das du nicht willst]
- [Ding 3, das du nicht willst]
Beispiel:
Ich brauche eine LinkedIn-Nachricht an einen potenziellen Kunden.
Stil: Locker aber professionell
Länge: Maximal 3 Sätze
VERMEIDE:
- „Ich bin auf Ihr Profil gestoßen"
- Fragen wie „Haben Sie 15 Minuten Zeit?"
- Jegliche Erwähnung meiner Firma in den ersten 2 Sätzen
Die häufigsten Negativ-Phrasen
Diese kannst du fast überall einsetzen:
Für Länge:
- „Nicht mehr als X Wörter/Sätze"
- „Keine Einleitung, starte direkt"
- „Kein Fazit"
Für Ton:
- „Kein Marketing-Speak"
- „Keine Superlative"
- „Nicht förmlich"
Für Inhalt:
- „Keine Allgemeinplätze"
- „Keine offensichtlichen Punkte"
- „Keine Wiederholungen"
Für Format:
- „Keine Listen"
- „Keine Überschriften"
- „Keine Emojis"
Wann Negative Prompting NICHT hilft
Ehrlich gesagt: Manchmal ist es auch egal.
Bei simplen Faktenfragen brauchst du keine Negativ-Anweisungen. „Was ist die Hauptstadt von Peru?" – da gibt’s halt nicht viel zu vermeiden.
Aber bei allem, wo die KI kreativ wird oder einen Ton treffen soll, ist Negative Prompting Gold wert.
Fazit: Sag der KI auch, was sie lassen soll
Das nächste Mal, wenn die KI-Antwort nicht passt: Überleg mal, was genau dich stört.
Zu lang? Zu förmlich? Zu generisch? Zu viele Listen?
Dann sag das explizit. „Mach das nicht."
Negative Prompting ist kein Trick. Es ist einfach präzisere Kommunikation. Und präzise Kommunikation ist halt das, was KI am besten versteht.
Probier’s aus. Der Unterschied ist echt krass.