E-Rechnung: ZUGFeRD, XRechnung und die Pflicht
Verstehe die E-Rechnungspflicht ab 2025/2027/2028 — und richte dein System mit ZUGFeRD oder XRechnung ein, bevor es eng wird.
🔄 Kurzer Rueckblick: In der letzten Lektion hast du gelernt, wie du rechtskonforme Rechnungen mit allen 10 Pflichtangaben nach §14 UStG erstellst. Jetzt kommt das Format dazu — denn ab 2025 reicht eine PDF allein nicht mehr.
PDF per E-Mail — das war jahrelang der Standard. Damit ist bald Schluss. Das Wachstumschancengesetz macht E-Rechnungen im B2B-Bereich zur Pflicht. Und nein: Eine PDF per E-Mail ist keine E-Rechnung.
Was ist eine E-Rechnung (und was nicht)?
Hier liegt der groesste Irrtum: Viele denken, eine Rechnung als PDF-Anhang sei bereits eine E-Rechnung. Ist sie nicht.
| PDF per E-Mail | E-Rechnung | |
|---|---|---|
| Format | Bild einer Rechnung | Strukturierte Daten (XML) |
| Maschinenlesbar | Nein — muss abgetippt werden | Ja — automatische Verarbeitung |
| Gesetzeskonform ab 2028 | Nein | Ja |
| Beispielformate | .pdf, .jpg | ZUGFeRD, XRechnung |
Eine E-Rechnung ist ein strukturiertes Datenformat, das Computer automatisch auslesen und verarbeiten koennen. Das spart dem Empfaenger die manuelle Dateneingabe — und genau das ist der Sinn.
✅ Quick Check: Verschickst du Rechnungen aktuell als PDF? Dann ist das ab 2028 im B2B-Bereich nicht mehr gesetzeskonform. Zeit zum Umstellen.
Der Zeitplan: Wann gilt was?
Das Wachstumschancengesetz definiert einen klaren Stufenplan:
| Datum | Pflicht | Wer ist betroffen |
|---|---|---|
| 1. Januar 2025 | E-Rechnungen empfangen | Alle B2B-Unternehmen |
| 1. Januar 2027 | E-Rechnungen versenden | Unternehmen > 800.000 EUR Vorjahresumsatz |
| 1. Januar 2028 | E-Rechnungen versenden | Alle B2B-Unternehmen (auch Freelancer, KMU) |
Wichtig: Die Empfangspflicht laeuft bereits seit Januar 2025. Wenn dir ein Kunde eine E-Rechnung schickt, musst du sie verarbeiten koennen. Die Versandpflicht kommt gestaffelt.
Ausnahmen:
- Rechnungen an Privatpersonen (B2C) sind nicht betroffen
- Kleinbetragsrechnungen unter 250 EUR sind ausgenommen
- Fahrausweise sind ausgenommen
ZUGFeRD vs. XRechnung: Die zwei Formate
In Deutschland gibt es zwei zugelassene E-Rechnungsformate. Beide erfuellen die EU-Norm EN 16931:
ZUGFeRD (ab Version 2.0)
PDF + XML in einer Datei. Der Empfaenger sieht eine normale PDF-Rechnung — und die Buchhaltungssoftware liest die eingebetteten XML-Daten automatisch aus.
- Vorteil: Menschenlesbar UND maschinenlesbar
- Ideal fuer: KMU, Freelancer, normaler Geschaeftsverkehr
- So funktioniert’s: Du erstellst eine Rechnung wie gewohnt, die Software bettet die strukturierten Daten unsichtbar ein
XRechnung
Reines XML. Nur maschinenlesbar — ohne Software siehst du nur Code.
- Vorteil: Maximale Automatisierung, kein visuelles „Rauschen"
- Ideal fuer: Oeffentliche Auftraggeber (Behoerden verlangen es), grosse Unternehmen
- Pflicht bei: Rechnungen an Bundesbehoerden (seit November 2020)
| Kriterium | ZUGFeRD | XRechnung |
|---|---|---|
| Menschenlesbar | Ja (PDF-Ansicht) | Nein (nur XML) |
| Maschinenlesbar | Ja (eingebettetes XML) | Ja |
| Gesetzeskonform | Ja (ab Version 2.0) | Ja |
| Ideal fuer | KMU, Freelancer | Behoerden, Grossunternehmen |
| Empfehlung | Standard fuer die meisten | Nur wenn Behoerden es verlangen |
Faustregel: Wenn du nicht an Behoerden fakturierst, nimm ZUGFeRD. Es ist praktikabler und deine Kunden koennen die Rechnung auch ohne Spezialsoftware oeffnen.
Welche Software kann E-Rechnungen?
Die gute Nachricht: Die meisten gaengigen Buchhaltungstools unterstuetzen E-Rechnungen bereits — oder bauen es gerade ein.
| Software | ZUGFeRD | XRechnung | Preis ab |
|---|---|---|---|
| lexoffice | Ja | Ja | 7,90 EUR/Monat |
| sevDesk | Ja | Ja | 8,90 EUR/Monat |
| FastBill | Ja | Ja | 9,99 EUR/Monat |
| BuchhaltungsButler | Ja | Ja | 24,95 EUR/Monat |
| DATEV | Ja | Ja | ueber Steuerberater |
| SAP Business One | Ja | Ja | Enterprise |
Pruefliste fuer deine Software:
- Kann sie ZUGFeRD 2.0 oder hoeher erstellen?
- Kann sie eingehende E-Rechnungen automatisch einlesen?
- Werden die Pflichtangaben nach §14 UStG automatisch validiert?
Umstellung: So gehst du vor
Erstelle einen Umstellungsplan fuer E-Rechnungen:
AKTUELLER STAND:
Rechnungssoftware: [Name und Version]
Rechnungsformat aktuell: [PDF/Word/Excel]
Rechnungen pro Monat: [Anzahl]
Kunden im B2B-Bereich: [Anzahl]
Rechnungen an Behoerden: [ja/nein]
ANFORDERUNGEN:
Gewuenschtes Format: [ZUGFeRD/XRechnung/beides]
Budget fuer Umstellung: [EUR]
Technische Kenntnisse: [Anfaenger/Fortgeschritten]
Erstelle:
1. Empfehlung: Welches Format und welche Software
2. Schritt-fuer-Schritt Umstellungsplan
3. Testlauf: Wie teste ich die erste E-Rechnung
4. Checkliste: Was muss vor dem Go-Live erledigt sein
Key Takeaways
- PDF per E-Mail ist KEINE E-Rechnung — es muss ein strukturiertes XML-Format sein (ZUGFeRD oder XRechnung)
- Empfangspflicht laeuft seit Januar 2025, Versandpflicht ab 2027/2028 — die Uhr tickt
- ZUGFeRD (PDF + XML) ist fuer die meisten KMU die beste Wahl — menschenlesbar und maschinenlesbar
- XRechnung (reines XML) nur noetig bei Rechnungen an Behoerden
- Die meisten Cloud-Buchhaltungstools (lexoffice, sevDesk, FastBill) unterstuetzen E-Rechnungen bereits
Up Next
In der naechsten Lektion geht es um das, was nach der Rechnung kommt: Zahlungsverfolgung, Mahnwesen und wie KI dir unangenehme Texte abnimmt.
Wissenscheck
Erst das Quiz oben abschließen
Lektion abgeschlossen!