Lektion 2 15 Min.

Die leere Seite besiegen

In 60 Sekunden zum ersten Entwurf — nie wieder vor dem blinkenden Cursor sitzen.

Das Problem mit der leeren Seite

Unendliche Möglichkeiten sind doch eigentlich was Gutes, oder? Leider nicht beim Schreiben. Wenn alles möglich ist, fällt die Entscheidung schwer, womit man überhaupt anfängt. Und dann sitzt du da. Blinkender Cursor. Zehn Minuten. Zwanzig Minuten.

Das betrifft übrigens alle — Profis genauso wie Gelegenheitsschreiber. Das Problem ist nicht Talent, sondern ein Konflikt im Kopf: Der kreative Teil will Ideen produzieren, der kritische Teil will sofort bewerten. Beide gleichzeitig? Geht nicht.

Die Lösung: Trenne die Phasen. Erst schreiben, dann bewerten.

🔄 Recall: Workflow aus Lektion 1

Erinnerst du dich an den Fünf-Schritte-Workflow? Denken → Entwurf → Perspektive → Verfeinern → Prüfen. Diese Lektion dreht sich ganz um Schritt 2: den Entwurf. Und zwar schnell.

Der Minimal-Prompt für den ersten Entwurf

Du brauchst keine perfekte Eingabe. Fünf Stichpunkte reichen:

Schreibe einen [Texttyp] über [Thema].

Kontext: [Wer liest das? Warum?]

Kernpunkte:
- [Punkt 1]
- [Punkt 2]
- [Punkt 3]

Länge: [ungefähr X Wörter]
Ton: [formell / sachlich / locker]

Beispiel:

Schreibe eine E-Mail an das Vertriebsteam.

Kontext: Monatliches Update, Team von 12 Leuten, alle remote.

Kernpunkte:
- Q1-Ziel zu 87% erreicht
- Neues CRM-Tool ab nächster Woche
- Teammeeting am Freitag verschoben auf Montag

Länge: ca. 150 Wörter
Ton: freundlich-professionell

30 Sekunden Aufwand. Dafür hast du sofort einen brauchbaren Entwurf.

Quick Check: Warum ist es sinnvoll, vor dem KI-Prompt die Kernpunkte aufzuschreiben?

(Antwort: Weil du damit die Richtung vorgibst. Ohne Kernpunkte rät die KI — und rät oft daneben.)

Ideenfindung, wenn nichts kommt

Manchmal fehlen nicht die Worte, sondern die Ideen. Auch da hilft KI — als Brainstorming-Partnerin:

Ich muss einen [Texttyp] über [Thema] schreiben.

Zielgruppe: [Wer]
Ziel: [Was soll der Text bewirken?]

Gib mir 5 verschiedene Einstiegswinkel,
die diese Zielgruppe ansprechen würden.

Dann wählst du den Winkel, der dich am meisten anspricht — und baust darauf auf.

Die „Erklär’s der KI"-Methode

Manchmal weißt du eigentlich, was du sagen willst — aber es in Textform zu bringen ist das Problem. Dann sprich einfach drauflos:

„Ich will meinem Chef erklären, dass wir das Projekt um zwei Wochen verschieben müssen, weil der Zulieferer die Bauteile nicht rechtzeitig liefern kann. Aber ich will nicht, dass es nach Ausrede klingt — wir haben schon einen Alternativplan."

Und dann:

„Mach daraus eine professionelle E-Mail. Maximal 100 Wörter. Ton: lösungsorientiert."

Das funktioniert, weil Sprechen leichter fällt als Schreiben — und die KI das Gesprochene in Geschriebenes übersetzen kann.

Mehrere Varianten auf einen Schlag

Wenn du unsicher bist, welcher Ansatz der richtige ist:

Schreibe die Einleitung für einen Projektbericht in drei Varianten:

1. Direkt — mit der Kernaussage starten
2. Kontext-gebend — erst die Ausgangslage schildern
3. Ergebnis-fokussiert — mit dem wichtigsten Ergebnis beginnen

Thema: Redesign der Kunden-Onboarding-Seite
Ergebnis: Absprungrate um 23% gesenkt

Dann vergleichst du die drei, nimmst die beste — oder mixt Elemente aus allen.

Die Speed-Draft-Challenge

Probier das mal mit deinem nächsten Text:

  1. 30 Sekunden: Drei Stichpunkte aufschreiben — was willst du sagen?
  2. 30 Sekunden: Kontext ergänzen — wer liest das, warum?
  3. Sofort: KI-Entwurf generieren
  4. 2-3 Minuten: Entwurf durchlesen, deine Stimme einbauen
  5. Fertig — unter 5 Minuten

Klar, nicht jeder Text ist in 5 Minuten fertig. Aber der Punkt ist: Du hast einen Startpunkt. Und einen Startpunkt zu verbessern ist hundertmal leichter als von null anzufangen.

Wann du den KI-Entwurf ignorierst

Nicht jeder Entwurf taugt was. Nutz ihn, wenn:

  • Die Struktur grundsätzlich stimmt
  • Der Ton ungefähr passt
  • Die Kernpunkte drin sind

Ignorier ihn, wenn:

  • Er am Thema vorbeigeht
  • Der Ansatz komplett falsch ist
  • Er absolut nicht nach dir klingt

In dem Fall: Neuer Prompt, klarere Anweisungen. Oder die „Erklär’s der KI"-Methode nutzen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Trenne Schreiben und Bewerten — erst Wörter produzieren, dann verbessern
  • Der Minimal-Prompt (Texttyp + Kontext + Kernpunkte + Länge + Ton) reicht für 90% der Entwürfe
  • KI als Brainstorming-Partnerin — wenn dir die Ideen fehlen, nicht nur die Worte
  • Die „Erklär’s der KI"-Methode funktioniert, weil Sprechen leichter ist als Schreiben
  • Ein schlechter Entwurf schlägt keinen Entwurf — immer

Nächste Lektion

Lektion 3 zeigt dir, wie du Texte so strukturierst, dass Leser tatsächlich dranbleiben. Denn der beste Inhalt bringt nichts, wenn ihn niemand bis zum Ende liest.

Wissenscheck

1. Warum ist ein schlechter erster Entwurf besser als gar keiner?

2. Was ist der effektivste Weg, KI für erste Entwürfe zu nutzen?

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Passende Skills