Struktur, die funktioniert
Texte so organisieren, dass Leser folgen und sich erinnern.
🔄 Recall: Erst mal Wörter auf die Seite
In Lektion 2 hast du gelernt, schnell einen ersten Entwurf zu erstellen. Jetzt hast du Wörter auf der Seite — aber in welcher Reihenfolge? Struktur entscheidet darüber, ob jemand deinen Text zu Ende liest oder nach dem zweiten Absatz aufgibt.
Wie Leser wirklich lesen
Spoiler: Die meisten lesen nicht alles. Sie scannen, überfliegen, suchen nach dem Wichtigsten. Studien zeigen, dass die Mehrheit der Leser maximal 20-30% eines Textes wirklich liest.
Was das für dich bedeutet:
- Stell das Wichtigste dorthin, wo Leser hinschauen — den Anfang
- Signalisiere, was relevant ist — durch Überschriften, Fettdruck, Aufzählungen
- Vergrabe deine Kernaussage nicht — wenn sie in Absatz 4 steht, sieht sie keiner
Die umgekehrte Pyramide
Journalisten nutzen diese Technik seit über 100 Jahren — aus gutem Grund:
┌────────────────────────────┐
│ KERNAUSSAGE / ERGEBNIS │ ← Leser, die hier aufhören,
├────────────────────────────┤ haben trotzdem die Hauptinfo
│ Wichtigste Details │
├────────────────────────────┤
│ Hintergrund / Kontext │
├────────────────────────────┤
│ Zusätzliche Details │
└────────────────────────────┘
Perfekt für: E-Mails, Statusupdates, Ankündigungen, Berichte.
Das BLUF-Prinzip
BLUF steht für „Bottom Line Up Front" — ein Prinzip aus der militärischen Kommunikation, das auch im Business funktioniert:
- Kernaussage oder Bitte — direkt im ersten Satz
- Warum relevant — ein Satz Kontext
- Details — nur was nötig ist
- Handlungsaufforderung — was soll der Leser tun?
Schlecht (Kernaussage vergraben):
„Im letzten Quartal haben wir verschiedene Marketingkanäle getestet. Dabei haben wir festgestellt, dass Social Media gut performt, während Print-Anzeigen weniger effektiv waren. Aufgrund unserer Analyse der Konversionsraten über alle Kanäle hinweg empfehle ich, das Marketingbudget umzuschichten…"
Gut (BLUF):
„Empfehlung: 40% des Marketingbudgets von Print auf Social Media umschichten. Die Konversionsrate bei Social ist dreimal höher bei halben Kosten. Details und Zahlen unten."
✅ Quick Check: Warum ist es besser, die Kernaussage an den Anfang zu stellen — auch wenn du normalerweise erst „Kontext geben" würdest?
(Antwort: Weil die meisten Leser nicht bis zum Ende lesen. Wenn die Kernaussage am Ende steht, verpassen sie sie. Am Anfang hat jeder sie gesehen — wer mehr will, liest weiter.)
Die Problem-Lösung-Struktur
Wenn du jemanden überzeugen willst:
- Problem — Was ist das Problem? (Zeige, dass du es verstehst)
- Warum relevant — Was passiert, wenn wir nichts tun?
- Lösung — Dein Vorschlag
- Wie es funktioniert — Konkrete Schritte
- Nächster Schritt — Was jetzt passieren soll
Diese Struktur funktioniert für Proposals, Empfehlungen und jede Kommunikation, in der du eine Veränderung anstößt.
Die Listen-Struktur
Manchmal brauchst du keine Geschichte — nur gleichwertige Punkte:
- Wann nutzen: Mehrere gleichwertige Elemente, Schritte, Optionen, Merkmale
- Regeln: Parallele Formulierung (alle beginnen gleich), sinnvolle Reihenfolge, nicht übertreiben
Listen sind das einfachste Strukturmittel — aber auch das am häufigsten überstrapazierte. Nicht alles muss eine Liste sein.
Wegweiser setzen
Hilf dem Leser, sich zu orientieren:
| Wegweiser | Beispiel |
|---|---|
| Überschriften | Klar und beschreibend, nicht clever |
| Übergangswörter | „Erstens… Zweitens… Abschließend…" |
| Themensätze | Erster Satz eines Absatzes = Vorschau auf den Inhalt |
| Zusammenfassungssätze | Letzter Satz = Kernaussage des Abschnitts |
Struktur für verschiedene Formate
| Format | Empfohlene Struktur |
|---|---|
| E-Mails | BLUF — Kernaussage zuerst |
| Berichte | Executive Summary → Details → Empfehlungen |
| Blogposts | Hook → Versprechen → Liefern → CTA |
| Proposals | Problem → Lösung → Nutzen → Kosten → Nächste Schritte |
| Meeting-Protokolle | Entscheidungen → Action Items → Diskussion |
| Anleitungen | Nummerierte Schritte |
KI für Strukturierung nutzen
Wenn du einen unstrukturierten Entwurf hast:
Hier ist mein Entwurf:
[Text einfügen]
Schlage drei verschiedene Strukturen vor,
die den Text für [Zielgruppe] lesbarer machen.
Erkläre kurz, warum jede Struktur hier funktioniert.
Wichtigste Erkenntnisse
- Leser scannen — stell das Wichtigste dorthin, wo sie hinschauen
- BLUF (Bottom Line Up Front) — Kernaussage im ersten Satz
- Problem-Lösung-Struktur — für alles, wo du überzeugen willst
- Wegweiser — Überschriften, Übergänge und Themensätze helfen beim Navigieren
- Jedes Format hat eine bewährte Standardstruktur — nutze sie als Ausgangspunkt
Nächste Lektion
Lektion 4 zeigt dir, wie du Texte redigierst — unnötigen Ballast rausschneidest und jeden Satz schärfer machst. Denn nach Entwurf und Struktur kommt der Feinschliff.
Wissenscheck
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Lektion abgeschlossen!