Lektion 3 15 Min.

Struktur, die funktioniert

Texte so organisieren, dass Leser folgen und sich erinnern.

🔄 Recall: Erst mal Wörter auf die Seite

In Lektion 2 hast du gelernt, schnell einen ersten Entwurf zu erstellen. Jetzt hast du Wörter auf der Seite — aber in welcher Reihenfolge? Struktur entscheidet darüber, ob jemand deinen Text zu Ende liest oder nach dem zweiten Absatz aufgibt.

Wie Leser wirklich lesen

Spoiler: Die meisten lesen nicht alles. Sie scannen, überfliegen, suchen nach dem Wichtigsten. Studien zeigen, dass die Mehrheit der Leser maximal 20-30% eines Textes wirklich liest.

Was das für dich bedeutet:

  • Stell das Wichtigste dorthin, wo Leser hinschauen — den Anfang
  • Signalisiere, was relevant ist — durch Überschriften, Fettdruck, Aufzählungen
  • Vergrabe deine Kernaussage nicht — wenn sie in Absatz 4 steht, sieht sie keiner

Die umgekehrte Pyramide

Journalisten nutzen diese Technik seit über 100 Jahren — aus gutem Grund:

┌────────────────────────────┐
│    KERNAUSSAGE / ERGEBNIS  │  ← Leser, die hier aufhören,
├────────────────────────────┤     haben trotzdem die Hauptinfo
│    Wichtigste Details      │
├────────────────────────────┤
│    Hintergrund / Kontext   │
├────────────────────────────┤
│    Zusätzliche Details     │
└────────────────────────────┘

Perfekt für: E-Mails, Statusupdates, Ankündigungen, Berichte.

Das BLUF-Prinzip

BLUF steht für „Bottom Line Up Front" — ein Prinzip aus der militärischen Kommunikation, das auch im Business funktioniert:

  1. Kernaussage oder Bitte — direkt im ersten Satz
  2. Warum relevant — ein Satz Kontext
  3. Details — nur was nötig ist
  4. Handlungsaufforderung — was soll der Leser tun?

Schlecht (Kernaussage vergraben):

„Im letzten Quartal haben wir verschiedene Marketingkanäle getestet. Dabei haben wir festgestellt, dass Social Media gut performt, während Print-Anzeigen weniger effektiv waren. Aufgrund unserer Analyse der Konversionsraten über alle Kanäle hinweg empfehle ich, das Marketingbudget umzuschichten…"

Gut (BLUF):

„Empfehlung: 40% des Marketingbudgets von Print auf Social Media umschichten. Die Konversionsrate bei Social ist dreimal höher bei halben Kosten. Details und Zahlen unten."

Quick Check: Warum ist es besser, die Kernaussage an den Anfang zu stellen — auch wenn du normalerweise erst „Kontext geben" würdest?

(Antwort: Weil die meisten Leser nicht bis zum Ende lesen. Wenn die Kernaussage am Ende steht, verpassen sie sie. Am Anfang hat jeder sie gesehen — wer mehr will, liest weiter.)

Die Problem-Lösung-Struktur

Wenn du jemanden überzeugen willst:

  1. Problem — Was ist das Problem? (Zeige, dass du es verstehst)
  2. Warum relevant — Was passiert, wenn wir nichts tun?
  3. Lösung — Dein Vorschlag
  4. Wie es funktioniert — Konkrete Schritte
  5. Nächster Schritt — Was jetzt passieren soll

Diese Struktur funktioniert für Proposals, Empfehlungen und jede Kommunikation, in der du eine Veränderung anstößt.

Die Listen-Struktur

Manchmal brauchst du keine Geschichte — nur gleichwertige Punkte:

  • Wann nutzen: Mehrere gleichwertige Elemente, Schritte, Optionen, Merkmale
  • Regeln: Parallele Formulierung (alle beginnen gleich), sinnvolle Reihenfolge, nicht übertreiben

Listen sind das einfachste Strukturmittel — aber auch das am häufigsten überstrapazierte. Nicht alles muss eine Liste sein.

Wegweiser setzen

Hilf dem Leser, sich zu orientieren:

WegweiserBeispiel
ÜberschriftenKlar und beschreibend, nicht clever
Übergangswörter„Erstens… Zweitens… Abschließend…"
ThemensätzeErster Satz eines Absatzes = Vorschau auf den Inhalt
ZusammenfassungssätzeLetzter Satz = Kernaussage des Abschnitts

Struktur für verschiedene Formate

FormatEmpfohlene Struktur
E-MailsBLUF — Kernaussage zuerst
BerichteExecutive Summary → Details → Empfehlungen
BlogpostsHook → Versprechen → Liefern → CTA
ProposalsProblem → Lösung → Nutzen → Kosten → Nächste Schritte
Meeting-ProtokolleEntscheidungen → Action Items → Diskussion
AnleitungenNummerierte Schritte

KI für Strukturierung nutzen

Wenn du einen unstrukturierten Entwurf hast:

Hier ist mein Entwurf:
[Text einfügen]

Schlage drei verschiedene Strukturen vor,
die den Text für [Zielgruppe] lesbarer machen.
Erkläre kurz, warum jede Struktur hier funktioniert.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Leser scannen — stell das Wichtigste dorthin, wo sie hinschauen
  • BLUF (Bottom Line Up Front) — Kernaussage im ersten Satz
  • Problem-Lösung-Struktur — für alles, wo du überzeugen willst
  • Wegweiser — Überschriften, Übergänge und Themensätze helfen beim Navigieren
  • Jedes Format hat eine bewährte Standardstruktur — nutze sie als Ausgangspunkt

Nächste Lektion

Lektion 4 zeigt dir, wie du Texte redigierst — unnötigen Ballast rausschneidest und jeden Satz schärfer machst. Denn nach Entwurf und Struktur kommt der Feinschliff.

Wissenscheck

1. Warum ist Struktur wichtiger als Wortwahl?

2. Was ist das BLUF-Prinzip?

3. Wann ist die Problem-Lösung-Struktur am besten geeignet?

Beantworte alle Fragen zum Prüfen

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Passende Skills