Cloud-Sicherheit und DSGVO
Cloud-Sicherheit verstehen: IAM, Least Privilege, Verschluesselung, Zero Trust — plus DSGVO-konforme Cloud-Nutzung und die haeufigsten Sicherheitsfehler.
🔄 Quick Recall: In der vorherigen Lektion hast du dein erstes Cloud-Deployment gemacht — Billing-Alerts eingerichtet, Free Tiers kennengelernt und KI als Cloud-Tutor entdeckt. Jetzt geht es um das Thema, das deutsche Unternehmen am meisten beschaeftigt: Sicherheit und Datenschutz.
Die haeufigsten Cloud-Sicherheitsprobleme
Die groessten Sicherheitsrisiken in der Cloud sind nicht technisch — sie sind menschlich:
| Fehler | Wie es passiert | Konsequenz |
|---|---|---|
| Oeffentlicher Speicher | S3-Bucket oder Blob Storage versehentlich auf „oeffentlich" gestellt | Kundendaten fuer jeden im Internet sichtbar |
| Zugangsdaten im Code | AWS-Keys oder Passwoerter direkt im Quellcode gespeichert | Automatisierte Bots scannen GitHub und missbrauchen die Keys innerhalb von Minuten |
| Zu viele Rechte | „Admin fuer alle, dann laeuft es" | Ein kompromittierter Account kann das gesamte System zerstoeren |
| Keine MFA | Multi-Faktor-Authentifizierung nicht aktiviert | Ein gestohlenes Passwort reicht fuer vollen Zugang |
| Vergessene Ressourcen | Test-Server, die monatelang weiterlaufen | Kosten und potenzielle Angriffsflaeche |
99% der Cloud-Sicherheitsvorfaelle gehen auf Fehlkonfigurationen zurueck — nicht auf raffinierte Hacker-Angriffe.
IAM: Wer darf was?
Identity and Access Management (IAM) ist das Herzsstueck der Cloud-Sicherheit. Es beantwortet drei Fragen:
- Wer bist du? (Authentifizierung — Login)
- Was darfst du? (Autorisierung — Berechtigungen)
- Was hast du getan? (Audit — Protokollierung)
Das Least-Privilege-Prinzip
Jeder Nutzer und jeder Dienst bekommt nur die minimalen Rechte, die fuer die konkrete Aufgabe noetig sind.
Schlecht: „Max braucht Zugang zur Cloud → Max bekommt Admin-Rechte" Gut: „Max muss Berichte in den Berichts-Bucket hochladen → Max bekommt Schreibzugriff nur auf den Berichts-Bucket"
KI-Prompt fuer IAM-Konfiguration:
„Erstelle eine IAM-Policy fuer [AWS/Azure/Google Cloud], die einem Nutzer erlaubt, Dateien in den Bucket ‘berichte-2026’ hochzuladen und zu lesen, aber nicht zu loeschen und keinen Zugriff auf andere Buckets hat. Erklaere jede Zeile der Policy."
✅ Quick Check: Was bedeutet „Least Privilege" in einfachen Worten? (Antwort: Jeder bekommt nur die Rechte, die er fuer seine konkrete Aufgabe braucht — und nicht einen Rechte-Zugang mehr. Wie ein Hotelzimmer-Schluessel: Er oeffnet dein Zimmer, aber nicht alle anderen.)
Verschluesselung: Daten schuetzen
Verschluesselung schuetzt Daten an zwei Stellen:
| Typ | Was es schuetzt | Beispiel |
|---|---|---|
| At Rest (ruhend) | Gespeicherte Daten | Dateien im S3-Bucket sind verschluesselt — selbst bei physischem Diebstahl der Festplatte unlesbar |
| In Transit (unterwegs) | Daten waehrend der Uebertragung | HTTPS verschluesselt die Verbindung zwischen Browser und Cloud-Server |
Customer-Managed Keys (CMK): Du verwaltest den Verschluesselungsschluessel selbst. Vorteil: Selbst der Cloud-Anbieter kann deine Daten nicht entschluesseln. Besonders relevant fuer DSGVO-sensible Daten.
DSGVO und Cloud: Was du wissen musst
Die DSGVO ist der Grund, warum Cloud-Nutzung in Deutschland anders aussieht als in den USA. Drei Kernpunkte:
1. Datenresidenz
Personenbezogene Daten sollten in Europa verarbeitet werden. Alle grossen Anbieter haben Rechenzentren in Frankfurt und anderen EU-Standorten. Du musst aktiv die richtige Region waehlen.
2. Auftragsverarbeitung (AVV)
Wenn ein Cloud-Anbieter deine Daten verarbeitet, brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag. AWS, Azure und Google Cloud bieten Standard-AVVs an — aber du musst sie pruefen und akzeptieren.
3. US-CLOUD-Act vs. DSGVO
Der Konflikt: US-Behoerden koennen von US-Unternehmen (AWS, Azure, Google) Herausgabe von Daten verlangen — auch wenn die Daten in Europa liegen. Loesungsansaetze:
- Verschluesselung mit CMK: Anbieter kann die Daten nicht entschluesseln
- European Sovereign Cloud: Physisch und logisch getrennte Infrastruktur, nur europaeisches Personal
- Europaeische Anbieter: IONOS, T-Systems, Hetzner unterliegen nicht dem CLOUD Act
KI-Prompt fuer DSGVO-Check:
„Pruefe mein Cloud-Setup auf DSGVO-Konformitaet: Ich nutze [Anbieter] in der Region [Region] fuer [Art der Daten]. Welche DSGVO-Anforderungen muss ich erfuellen? Gibt es Risiken durch den US-CLOUD-Act? Was sollte ich aendern?"
✅ Quick Check: Was ist der Hauptkonflikt zwischen DSGVO und US-CLOUD-Act? (Antwort: Die DSGVO verbietet die Weitergabe personenbezogener Daten ausserhalb der EU ohne Rechtsgrundlage. Der US-CLOUD-Act erlaubt US-Behoerden, von US-Unternehmen Daten zu verlangen — auch aus EU-Rechenzentren. Verschluesselung mit eigenen Schluesseln ist der gaengigste Loesungsansatz.)
Zero Trust: Vertraue niemandem
Das alte Sicherheitsmodell: Innerhalb der Firmenfirewall ist sicher, ausserhalb ist gefaehrlich.
Das Problem: In der Cloud gibt es kein „innerhalb." Mitarbeiter arbeiten von ueberall, Dienste kommunizieren ueber das Internet, und eine einzige kompromittierte Identitaet kann alles erreichen.
Zero Trust loest das: Jeder Zugriff wird einzeln geprueft — egal woher er kommt.
| Pruefen | Was wird verifiziert |
|---|---|
| Identitaet | Bist du wirklich Max? (MFA, Biometrie) |
| Geraet | Ist dein Laptop aktuell und sicher? |
| Kontext | Zugriff um 3 Uhr morgens aus einem fremden Land? Verdaechtig. |
| Berechtigung | Darfst du auf DIESE Ressource zugreifen? |
Key Takeaways
- 99% der Cloud-Sicherheitsvorfaelle entstehen durch Fehlkonfigurationen, nicht durch Hacker — oeffentliche Buckets, zu viele Rechte, fehlende MFA
- Least Privilege: Jeder Nutzer bekommt nur die minimalen Rechte fuer seine konkrete Aufgabe
- Verschluesselung schuetzt Daten at rest (gespeichert) und in transit (uebertragen) — Customer-Managed Keys geben dir die volle Kontrolle
- DSGVO erfordert Datenresidenz in Europa, AVV mit dem Anbieter und Loesungen fuer den US-CLOUD-Act-Konflikt
- Zero Trust ersetzt die alte Firewall-Mentalitaet: Jeder Zugriff wird einzeln geprueft, egal ob aus dem Buero oder von unterwegs
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