Lektion 2 12 Min.

DSGVO-Grundlagen für KI-Nutzer

Die wichtigsten DSGVO-Prinzipien für den KI-Alltag — ohne Juristen-Deutsch.

Die 6 DSGVO-Grundsätze — praktisch erklärt

Die DSGVO hat sechs Grundsätze. Klingt trocken — aber für deinen KI-Alltag sind sie überraschend relevant.

1. Rechtmäßigkeit, Transparenz

Was es bedeutet: Du brauchst eine Rechtsgrundlage, um personenbezogene Daten zu verarbeiten. Und die Betroffenen müssen wissen, was mit ihren Daten passiert.

Im KI-Alltag: Wenn du Kundendaten in ein KI-Tool eingibst, verarbeitest du diese Daten. Dafür brauchst du eine Grundlage — und der Kunde muss darüber informiert sein.

2. Zweckbindung

Was es bedeutet: Daten dürfen nur für den Zweck verwendet werden, für den sie erhoben wurden.

Im KI-Alltag: Kundendaten, die für die Auftragsabwicklung erhoben wurden, darfst du nicht einfach in ein KI-Tool zur Marktanalyse einspeisen.

3. Datenminimierung

Was es bedeutet: Nur so viele Daten verarbeiten, wie für den Zweck nötig.

Im KI-Alltag: Du brauchst eine E-Mail-Vorlage? Dann braucht die KI den Namen des Kunden — aber nicht seine Adresse, Bestellhistorie und Geburtsdatum.

4. Richtigkeit

Was es bedeutet: Daten müssen korrekt und aktuell sein.

Im KI-Alltag: KI-Tools können „halluzinieren" — falsche Informationen als Fakten präsentieren. Wenn du KI-Outputs als Basis für Entscheidungen nutzt, prüfe die Daten.

5. Speicherbegrenzung

Was es bedeutet: Daten nicht länger speichern als nötig.

Im KI-Alltag: Lösche Chat-Verläufe in KI-Tools, wenn du sie nicht mehr brauchst. Prüfe, ob der Anbieter Daten automatisch löscht.

6. Integrität und Vertraulichkeit

Was es bedeutet: Daten müssen angemessen geschützt werden.

Im KI-Alltag: Nutzt du ein KI-Tool im offenen WLAN im Café? Dann sind die Daten unterwegs nicht sicher.

Quick Check: Du willst eine Kundenliste in ein KI-Tool eingeben, um Muster zu erkennen. Welche DSGVO-Grundsätze sind hier relevant?

(Antwort: Mindestens drei — Zweckbindung (darf ich die Daten für diesen Zweck nutzen?), Datenminimierung (brauche ich wirklich alle Felder?) und Integrität (ist das Tool sicher?). Richtige Antwort: Vorher anonymisieren.)

Rechtsgrundlagen: Wann darf ich Daten in KI eingeben?

RechtsgrundlageBeispielPraxis
Einwilligung (Art. 6 Abs. 1a)Kunde stimmt ausdrücklich zuSelten praktikabel für KI-Nutzung
Vertragserfüllung (Art. 6 Abs. 1b)Daten für Auftragsbearbeitung nötigNur wenn KI direkt dem Vertragszweck dient
Berechtigtes Interesse (Art. 6 Abs. 1f)Effizienzsteigerung durch KIHäufigste Grundlage — aber Interessenabwägung nötig

In der Praxis: Für die meisten KI-Anwendungen im Büro gilt „berechtigtes Interesse" — aber du musst abwägen, ob das Interesse des Unternehmens (Effizienz) schwerer wiegt als das Recht der Betroffenen (Datenschutz). Im Zweifel: Anonymisieren.

Der Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV)

Wenn ein KI-Anbieter personenbezogene Daten in deinem Auftrag verarbeitet, brauchst du einen AVV (Art. 28 DSGVO).

Was im AVV stehen muss:

  • Welche Daten verarbeitet werden
  • Zu welchem Zweck
  • Wie lange
  • Welche Sicherheitsmaßnahmen der Anbieter trifft
  • Ob Unterauftragnehmer beteiligt sind
  • Ob Daten in Drittländer (z.B. USA) übertragen werden

Praxis: Die meisten großen KI-Anbieter (OpenAI, Anthropic, Google) bieten Standard-AVVs für Business-Kunden. Aber: Kostenlose Accounts haben oft keinen AVV — ein Risiko, das viele Unternehmen übersehen.

Der EU AI Act — Was du wissen musst

Der EU AI Act ist seit 2024 in Kraft und wird stufenweise umgesetzt:

ZeitlinieWas passiert
Feb 2025Verbotene KI-Praktiken gelten (Social Scoring, Emotionserkennung am Arbeitsplatz)
Aug 2025Pflichten für Allzweck-KI-Modelle (GPT-4, Claude, Gemini)
Aug 2026Volle Anwendung — auch für Hochrisiko-KI-Systeme

Für deinen Alltag relevant: Wenn du KI-Systeme in Bereichen wie HR, Personalauswahl, Kreditwürdigkeit oder Bildung einsetzt, gelten besondere Pflichten. Für allgemeine Büro-KI (Texte schreiben, E-Mails, Zusammenfassungen) sind die Anforderungen geringer.

Wer ist verantwortlich?

RolleVerantwortung
Du als NutzerDatenminimierung, keine personenbezogenen Daten ohne Grundlage eingeben
Dein UnternehmenAVV abschließen, Richtlinien erstellen, Mitarbeiter schulen
Der KI-AnbieterTechnische Sicherheit, Datenverarbeitung gemäß AVV
Der DatenschutzbeauftragteBeratung, Überwachung, Kontakt zur Aufsichtsbehörde

Wichtig: „Ich wusste nicht, dass das nicht erlaubt ist" schützt weder dich noch dein Unternehmen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • 6 DSGVO-Grundsätze gelten auch für KI — Datenminimierung und Zweckbindung sind im Alltag am relevantesten
  • Rechtsgrundlage nötig — meistens „berechtigtes Interesse", aber Abwägung erforderlich
  • AVV ist Pflicht bei geschäftlicher Nutzung von KI-Cloud-Diensten
  • EU AI Act bringt ab 2026 zusätzliche Pflichten — besonders für Hochrisiko-Bereiche
  • Verantwortung verteilt sich — du trägst als Nutzer einen Teil
  • Im Zweifel anonymisieren — das löst die meisten Datenschutz-Probleme

Nächste Lektion

Lektion 3 zeigt dir konkret, wie du die großen KI-Anbieter datenschutzkonform einsetzen kannst — mit den richtigen Einstellungen und Abos.

Wissenscheck

1. Was bedeutet 'Datenminimierung' bei der KI-Nutzung?

2. Was ist der EU AI Act?

3. Was braucht ein Unternehmen, bevor es einen KI-Cloud-Dienst nutzen darf?

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Passende Skills