Lektion 7 15 Min.

KI-Richtlinien für dein Team erstellen

Eine praxisnahe KI-Richtlinie erstellen, die dein Team schützt — ohne die Produktivität zu bremsen.

🔄 Recall: Kundendaten geschützt — jetzt das Team befähigen

In den letzten Lektionen hast du gelernt, welche Daten du wie in KI-Tools eingeben darfst. Aber was ist mit deinen Kollegen? Ohne klare Regeln entscheidet jeder Mitarbeiter selbst — und das geht fast immer schief.

Warum eine KI-Richtlinie unverzichtbar ist

Das Szenario: 50 Mitarbeiter, jeder nutzt KI-Tools auf seine Art. Marketing kopiert Kundenlisten rein, HR gibt Bewerbungen ein, der Vertrieb lädt CRM-Exporte hoch. Niemand hat böse Absichten — aber jeder macht es halt anders.

Das Ergebnis: Unkontrollierter Datenabfluss an verschiedene KI-Anbieter. Keine Übersicht, wer was wo eingibt. Und wenn die Datenschutzbehörde fragt: keine dokumentierte Struktur.

Eine KI-Richtlinie löst das. Sie ist kein Verbot, sondern ein Rahmen, der produktive Nutzung ermöglicht.

Die 7 Bausteine einer KI-Richtlinie

1. Zweck und Geltungsbereich

Wer ist betroffen? Welche Tools sind gemeint? Was ist das Ziel?

Formulierungsbeispiel:

„Diese Richtlinie regelt die Nutzung von KI-Tools (inkl. ChatGPT, Claude, Gemini, Copilot und vergleichbare Dienste) durch alle Mitarbeiter der [Firma] für berufliche Zwecke. Ziel ist die produktive und datenschutzkonforme Nutzung."

2. Zugelassene Tools und Abos

KategorieZugelassenBedingung
Enterprise mit AVVChatGPT Enterprise, Claude BusinessFür alle Aufgaben inkl. Kundendaten
Pro-Abo (persönlich)ChatGPT Plus, Claude ProNur für allgemeine Aufgaben OHNE personenbezogene Daten
KostenlosAlleNur für öffentliche Informationen, Brainstorming, allgemeine Fragen
Gesperrt[Liste]KI-Tools ohne Impressum, ohne klare Datenschutzerklärung

3. Datenklassifikation — das Ampel-System

Übernimm das Ampel-System aus Lektion 5 direkt in die Richtlinie:

🟢 Grün🟡 Gelb🔴 Rot
Öffentliche InformationenInterne Dokumente (anonymisiert)Personenbezogene Daten
Allgemeine FragenAggregierte GeschäftsdatenKundendaten
BrainstormingEntwürfe ohne vertrauliche DetailsGesundheitsdaten
Marketing-Texte (allgemein)Meeting-Zusammenfassungen (anonymisiert)Finanzdaten einzelner Personen

Grün: Alle zugelassenen Tools. Gelb: Nur nach Anonymisierung. Rot: Nur Enterprise mit AVV — oder gar nicht.

4. Konkrete Dos und Don’ts

Abstrakte Regeln vergisst man. Konkrete Beispiele nicht.

✅ Erlaubt:

  • „Schreibe eine E-Mail-Vorlage für eine Projektverzögerung" (ohne Kundennamen)
  • „Erstelle eine Gliederung für einen Quartalsbericht" (ohne Zahlen)
  • „Korrigiere diesen Text auf Grammatik und Stil" (ohne personenbezogene Inhalte)
  • „Hilf mir, eine Präsentation zu strukturieren" (Thema abstrakt beschreiben)

❌ Verboten:

  • Kundennamen, E-Mail-Adressen oder Telefonnummern eingeben
  • Vollständige E-Mail-Verläufe einkopieren
  • Personalakten, Gehaltsdaten oder Leistungsbeurteilungen eingeben
  • Vertrauliche Strategiedokumente oder Verträge hochladen
  • Screenshots mit sichtbaren personenbezogenen Daten einfügen

5. Verantwortlichkeiten

RolleAufgabe
GeschäftsführungRichtlinie genehmigen, Budget für Enterprise-Abos bereitstellen
IT-AbteilungTools auswählen und konfigurieren, Zugänge verwalten
DatenschutzbeauftragterRichtlinie prüfen, AVVs verhandeln, Schulungen unterstützen
TeamleitungUmsetzung im Team sicherstellen, Fragen klären
Jeder MitarbeiterRichtlinie kennen und befolgen, Vorfälle melden

6. Vorfallmeldung

Was tun, wenn doch mal was schiefgeht?

Meldepflicht definieren:

  • An wen melden? (Datenschutzbeauftragter, IT, Vorgesetzter)
  • Wie schnell? (Sofort — nicht erst nächste Woche)
  • Was melden? (Welche Daten, welches Tool, wann, wie viel)

Wichtig: Keine Schuldzuweisungen. Wer einen Fehler meldet, muss dafür belohnt, nicht bestraft werden. Sonst meldet niemand mehr.

Quick Check: Ein Mitarbeiter hat versehentlich eine Kundenliste mit 200 Namen in ChatGPT eingefügt. Was sind die nächsten Schritte?

(Antwort: 1. Sofort den Datenschutzbeauftragten informieren. 2. Chat-Verlauf bei ChatGPT löschen. 3. Prüfen, ob Meldepflicht an die Aufsichtsbehörde besteht (72-Stunden-Frist). 4. Vorfall dokumentieren. 5. Team erneut schulen — nicht bestrafen.)

7. Schulung und Aktualisierung

Eine Richtlinie, die niemand kennt, ist wertlos.

Schulungsplan:

  • Onboarding: Jeder neue Mitarbeiter bekommt die Richtlinie + eine 30-minütige Einführung
  • Halbjährlich: Auffrischung für alle, mit aktuellen Beispielen und neuen Tools
  • Bei Änderungen: Sofortige Kommunikation, wenn sich Tools oder Regeln ändern

Aktualisierungszyklus:

  • Alle 6 Monate: Richtlinie prüfen und aktualisieren
  • Bei neuen Gesetzen (EU AI Act Stufen): Sofort anpassen
  • Bei neuen Tools: Bewerten und in die Liste aufnehmen (oder sperren)

Vorlage: KI-Richtlinie erstellen mit KI

Ja, du kannst KI nutzen, um die Richtlinie zu erstellen — solange du keine vertraulichen Unternehmensdaten eingibst:

Erstelle eine KI-Richtlinie für ein mittelständisches Unternehmen
mit ca. [Anzahl] Mitarbeitern in der Branche [Branche].

Die Richtlinie soll enthalten:
1. Zweck und Geltungsbereich
2. Zugelassene Tools (drei Kategorien)
3. Datenklassifikation (Ampel-System)
4. Konkrete Dos und Don'ts mit Beispielen
5. Verantwortlichkeiten
6. Vorfallmeldung
7. Schulungs- und Aktualisierungsplan

Ton: klar, verbindlich, aber nicht abschreckend.
Zielgruppe: Mitarbeiter ohne juristische Vorkenntnisse.

Häufige Fehler bei KI-Richtlinien

FehlerWarum problematischBesser
„KI-Nutzung verboten"Mitarbeiter nutzen KI trotzdem — nur unkontrolliertKlare Regeln statt Verbote
Zu allgemein„Datenschutz beachten" sagt nichtsKonkrete Beispiele geben
Nur für ITAlle Abteilungen nutzen KIAlle Mitarbeiter einbeziehen
Einmal erstellt, nie aktualisiertVeraltet in 6 MonatenRegelmäßiger Review-Zyklus
Keine VorfallmeldungFehler werden vertuschtMeldepflicht + Fehlerkultur

Wichtigste Erkenntnisse

  • Eine KI-Richtlinie ermöglicht, sie verbietet nicht — klare Regeln statt Unsicherheit
  • 7 Bausteine: Zweck, Tools, Datenklassifikation, Dos/Don’ts, Verantwortlichkeiten, Vorfallmeldung, Schulung
  • Konkrete Beispiele sind wichtiger als abstrakte Regeln
  • Fehlerkultur statt Schuldzuweisung — wer meldet, wird nicht bestraft
  • Halbjährlich aktualisieren — KI-Tools und Gesetze ändern sich ständig
  • KI kann beim Erstellen der Richtlinie helfen — ohne Unternehmensdaten einzugeben

Nächste Lektion

Lektion 8 bringt alles zusammen: Dein persönlicher Datenschutz-Aktionsplan für den KI-Alltag — mit Checkliste, Quick-Reference-Card und den wichtigsten Entscheidungsbäumen.

Wissenscheck

1. Was ist das Hauptziel einer KI-Richtlinie?

2. Warum sollte eine KI-Richtlinie regelmäßig aktualisiert werden?

3. Welcher Bestandteil gehört NICHT in eine KI-Richtlinie?

Beantworte alle Fragen zum Prüfen

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Passende Skills