Nachfassen ohne Nervfaktor
Die Kunst des Follow-ups — Timing, Formulierung und Hartnäckigkeit, die nicht nervt.
🔄 Recall: Schwierige E-Mails — geschafft. Und jetzt?
In Lektion 5 hast du gelernt, Absagen, Beschwerden und schlechte Nachrichten professionell zu formulieren. Jetzt geht es um eine andere Herausforderung: Was tun, wenn auf deine E-Mail einfach keine Antwort kommt?
Das Follow-up-Dilemma
Du hast eine E-Mail geschickt. Keine Antwort. Was jetzt?
Manche Leute warten ewig und hoffen. Andere schicken aggressive Nachfasser, die Beziehungen beschädigen.
Beides ist falsch.
Die Wahrheit: Die meisten Menschen antworten nicht, weil sie beschäftigt sind — nicht weil sie dich ignorieren. Nachfassen ist erwartet. Es ist professionell. Es ist oft nötig.
Der Schlüssel: So nachfassen, dass es hilft statt nervt.
Warum E-Mails unbeantwortet bleiben
Das zu verstehen hilft dir, besser nachzufassen:
- Postfach-Überflutung — Gesehen, wollten antworten, ging in der Flut unter
- Unklare Bitte — War nicht klar, was du brauchst
- Zu hoher Aufwand — Die Antwort braucht Recherche oder Denkarbeit, für die gerade keine Zeit ist
- Schlechtes Timing — Urlaub, Messezeit, Jahresabschluss
- Keine Priorität — Deine E-Mail ist für dich wichtig, für den Empfänger weniger
Beachte: Keiner dieser Gründe ist „böse Absicht".
Timing für Follow-ups
| Situation | Wartezeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Dringende Bitte | 24-48 Stunden | Dringlichkeit klar machen |
| Standard-Geschäft | 3-5 Werktage | Häufigster Fall |
| Kaltakquise | 5-7 Werktage | Erwarte niedrigere Antwortquote |
| Meeting-Ergebnis | 3-5 Werktage | Der andere hat etwas zugesagt |
| Bewerbung | 1 Woche | Außer es wurde ein konkreter Zeitrahmen genannt |
Nach dem ersten Follow-up: Weitere 5-7 Tage warten vor dem zweiten.
Nach dem zweiten Follow-up: Entweder aufhören oder deutlich mehr Abstand (2+ Wochen).
Fünf Follow-up-Vorlagen
Vorlage 1: Der kurze Bump
Wann: Die Original-E-Mail war klar, muss nur wieder nach oben im Postfach.
Betreff: AW: [Originalbetreff]
Hallo [Name],
wollte das nochmal nach oben holen. Kannst du diese Woche dazu kommen?
[Optional: Ein-Satz-Zusammenfassung der Bitte]
Danke, [Du]
Vorlage 2: Der Mehrwert
Wann: Du hast neue Infos oder kannst die Bitte vereinfachen.
Betreff: AW: [Originalbetreff]
Hallo [Name],
ich fasse nochmal nach zu meiner Nachricht von letzter Woche. Dazu ein Update, das vielleicht hilft:
[Neue Info / vereinfachte Bitte / alternativer Ansatz]
Ändert das was auf deiner Seite?
Viele Grüße, [Du]
Vorlage 3: Der Termincheck
Wann: Du willst einen Termin vereinbaren.
Betreff: AW: [Originalbetreff]
Hallo [Name],
wollte sichergehen, dass das nicht untergegangen ist. Würde einer davon passen?
- Dienstag 14 Uhr
- Mittwoch vormittags
- Freitag nachmittags
Falls nicht: sag mir, was besser passt.
Danke, [Du]
Vorlage 4: Die sanfte Deadline
Wann: Du brauchst eine Antwort bis zu einem bestimmten Datum.
Betreff: AW: [Originalbetreff]
Hallo [Name],
ich fasse nach, weil ich [Projekt/Entscheidung] bis [Datum] abschließen muss.
Falls ich bis [konkretes Datum] nichts höre, gehe ich mit [Plan A] vor.
Sag Bescheid, falls du mehr Zeit brauchst oder ich etwas beachten sollte.
Viele Grüße, [Du]
Vorlage 5: Das letzte Follow-up
Wann: Du hast ein- oder zweimal nachgefasst, ohne Antwort.
Betreff: AW: [Originalbetreff]
Hallo [Name],
ich habe keine Rückmeldung bekommen — ich nehme an, das Timing passt gerade nicht, und höre auf nachzufassen.
Falls das Thema später relevant wird, melde dich gerne.
Viele Grüße, [Du]
Das gibt dem Empfänger einen Ausweg, ohne die Tür zuzuschlagen.
✅ Quick Check: Du hast vor 4 Tagen ein Angebot an einen potenziellen Kunden geschickt und keine Antwort bekommen. Welche Vorlage passt am besten?
(Antwort: Vorlage 2 — Der Mehrwert. Statt nur zu bumpen, liefere eine zusätzliche Info oder vereinfache die Entscheidung. Das gibt dem Kunden einen neuen Grund zu antworten.)
Was Follow-ups aufdringlich macht
Frequenz
Dreimal in einer Woche bei einer nicht-dringenden Sache nachfassen = aufdringlich. Einmal nach einer Woche = völlig normal.
Ton
| Aufdringlich | Besser |
|---|---|
| „Ich bin überrascht, dass ich nichts gehört habe." | „Wollte das nochmal nach oben holen." |
| „Wie bereits in meiner letzten E-Mail erwähnt…" | „Nochmal zu meiner Nachricht von Dienstag:" |
| „Ich brauche wirklich dringend eine Antwort." | „Wäre toll, deine Einschätzung zu bekommen, wenn du dazu kommst." |
Schuldgefühle erzeugen
| Aufdringlich | Besser |
|---|---|
| „Ich habe jetzt dreimal geschrieben und immer noch nichts gehört." | „Ich weiß, es ist gerade viel los — wollte das nochmal hochholen, falls es untergegangen ist." |
Follow-ups leichter beantwortbar machen
Oft liegt das Problem bei deiner Original-E-Mail, nicht beim Empfänger.
Problem: Unklare Bitte Lösung: Im Follow-up klarstellen.
„Um es einfach zu machen: Ich brauche nur ein Ja oder Nein, ob du Donnerstag dabei bist."
Problem: Zu hoher Aufwand Lösung: Aufwand reduzieren.
„Ich hab’s auf zwei Optionen eingegrenzt — magst du A oder B?"
Problem: Zu viele Fragen Lösung: Auf eine fokussieren.
„Lass mich vereinfachen: Das Wichtigste ist deine Freigabe fürs Budget. Die anderen Punkte können warten."
Wenn gar nichts kommt: Eskalation
Falls du zweimal nachgefasst hast ohne Antwort:
- Anderen Kanal probieren — Slack, Telefon, persönlich
- Umwege gehen — „Ich versuche Sandra wegen X zu erreichen — ist sie gerade eingespannt?"
- Stille akzeptieren — Manche Leute antworten einfach nicht. Weitermachen.
Nie: Den Chef in CC setzen, um Druck zu machen (außer es ist für die Arbeit wirklich nötig).
Die Loop-schließen-Technik
Wenn du ohne Antwort weitermachst:
Hallo [Name],
ich habe keine Rückmeldung bekommen, daher gehe ich mit [Option A] vor.
Falls du Bedenken hast oder eine andere Richtung bevorzugst, sag bis [Datum] Bescheid — dann passe ich an.
Viele Grüße, [Du]
Das hält den Laden am Laufen und gibt dem anderen trotzdem die Chance, einzusteigen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Nachfassen ist normal und erwartet — nicht unhöflich
- 3-5 Werktage bei Standard-Anfragen warten, dann erstes Follow-up
- Mehrwert liefern: Neue Info, vereinfachte Bitte oder Alternative
- Aufdringlich-Signale vermeiden: Zu häufig, Vorwürfe, passiv-aggressiver Ton
- Nach 2-3 Follow-ups: Stille akzeptieren und weitermachen
- Jedes Follow-up sollte die Antwort leichter machen, nicht schwerer
Nächste Lektion
Lektion 7 gibt dir fertige Vorlagen für die häufigsten E-Mail-Situationen — damit du nicht jedes Mal bei null anfangen musst.
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