Lektion 6 12 Min.

Der digitale Medikationsplan

Digitaler Medikationsplan in der ePA: Wechselwirkungen erkennen, Polypharmazie vermeiden, Medikamentensicherheit.

🔄 Kurzer Rueckblick: In Lektion 5 hast du gesehen, wie die ePA den Arztbesuch veraendert — fuer Patienten, Aerzte und Praxisteams. Jetzt geht es um ein Thema, das im woertlichen Sinn lebensrettend sein kann: den digitalen Medikationsplan.

5 Medikamente. 3 Aerzte. Keiner weiss genau, was die anderen verschrieben haben. Das ist in Deutschland Alltag — und das ist gefaehrlich. 250.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr gehen auf Medikamentennebenwirkungen zurueck. Der digitale Medikationsplan in der ePA soll das aendern.

Das Problem: Polypharmazie

FaktZahl
Deutsche ueber 65 nehmen durchschnittlich5-8 Medikamente taeglich
Krankenhauseinweisungen durch Arzneimittelnebenwirkungen~250.000/Jahr
Davon vermeidbarGeschaetzt 30-50%
Patienten mit 5+ Medikamenten~8 Millionen in Deutschland
Wechselwirkungsrisiko bei 5 MedikamentenTheoretisch 10 Kombinationen
Wechselwirkungsrisiko bei 10 MedikamentenTheoretisch 45 Kombinationen

Je mehr Medikamente, desto hoeher das Risiko. Und das Problem: Kein Arzt kann 45 moegliche Kombinationen im Kopf behalten. Genau dafuer ist der digitale Medikationsplan da.

Was steht im Medikationsplan?

InformationBeispiel
WirkstoffMetformin
HandelsnameGlucophage
Dosierung1000 mg
EinnahmezeitpunktMorgens und abends
Verordnender ArztDr. Mueller, Hausarzt
Grund der VerordnungDiabetes Typ 2
Seit wannSeit 03/2024
Besondere HinweiseMit dem Essen einnehmen

Und das fuer jedes einzelne Medikament. Bei 7 Praeparaten hast du halt eine komplette Uebersicht — nicht auf einem zerknitterten Zettel, sondern digital und aktuell.

Quick Check: Warum ist der digitale Medikationsplan zuverlaessiger als der Papier-Medikationsplan? (Tipp: Er wird automatisch aktualisiert, wenn ein Arzt etwas verschreibt oder die Apotheke ein Praeparat ausgibt — kein manuelles Nachfuehren noetig.)

Papier vs. Digital

AspektPapier-MedikationsplanDigitaler Plan (ePA)
AktualitaetOft veraltet, letzter Ausdruck vor MonatenAutomatisch aktuell
VollstaendigkeitNur was der Patient erinnert/mitbringtAlle verschriebenen Medikamente
Wechselwirkungs-CheckArzt prueft manuell (oder gar nicht)Automatische Pruefung
VerfuegbarkeitZettel zu Hause vergessenImmer dabei (App/eGK)
Aerzte-uebergreifendNur wenn alle denselben Zettel nutzenAutomatisch alle Aerzte und Apotheken
NotfallZettel nicht auffindbarNotfalldaten ohne PIN abrufbar

Wie der Wechselwirkungs-Check funktioniert

Ein Beispiel: Du nimmst Ramipril (Blutdruck), Metformin (Diabetes) und Ibuprofen (Schmerzen). Was passiert?

KombinationRisikoMassnahme
Ramipril + IbuprofenNierenschaedigung, Blutdruck steigtAlternatives Schmerzmittel waehlen
Metformin + IbuprofenErhoehtes NierenrisikoDosierung anpassen oder Alternative
Ramipril + Kalium-PraeparatKaliumspiegel zu hoch (gefaehrlich)Regelmaessige Blutkontrollen

Der digitale Medikationsplan prueft diese Kombinationen automatisch. Wenn dein Facharzt ein neues Medikament verschreiben will, sieht er sofort: „Achtung, Wechselwirkung mit Ramipril." Das konnte vorher kein einzelner Arzt leisten — weil er die Medikamente der anderen Aerzte nicht kannte.

Wer aktualisiert den Plan?

AkteurWas er tutWann
HausarztVerschreibt, prueft GesamtmedikationBei jedem Besuch
FacharztErgaenzt FachmedikationBei Verschreibung
KrankenhausAktualisiert bei Aufnahme und EntlassungStationaerer Aufenthalt
ApothekeErfasst abgegebenes Praeparat (inkl. Generika)Bei Rezepteinloesung
Du selbstKannst Selbstmedikation ergaenzen (z.B. Ibuprofen, Aspirin)Jederzeit in der App

Besonders wichtig: Die Apotheke. Wenn der Arzt „Metformin 1000mg" verschreibt, die Apotheke aber das Generikum „Metformin Hexal" abgibt, steht das im Plan. So weiss der naechste Arzt genau, welches Praeparat du tatsaechlich nimmst.

Selbstmedikation: Das vergessene Risiko

Freiverkaeufliches MittelHaeufige Wechselwirkung
IbuprofenBlutverdünner → Blutungsgefahr, Blutdrucksenker → Wirkungsverlust
AspirinBlutverdünner → Blutungsgefahr
JohanniskrautAntidepressiva → Serotonin-Syndrom, Pille → Wirkungsverlust
GrapefruitsaftViele Medikamente → veraenderte Aufnahme
MagnesiumAntibiotika → verminderte Wirkung

Viele Patienten vergessen, freiverkaeufliche Medikamente zu erwaehnen. „Ist ja nur Ibuprofen." Aber genau dieses „nur Ibuprofen" kann mit Blutverdünnern gefaehrlich werden. Der Medikationsplan funktioniert nur, wenn alles drin steht — auch Selbstmedikation.

Fuer Praxisteams: Medikationsplan im Workflow

SchrittAufgabeWer
1Bei jedem Kontakt: Medikationsplan in der ePA pruefenMFA/Arzt
2Patient fragen: „Nehmen Sie noch etwas anderes ein?"MFA/Arzt
3Aenderungen im PVS dokumentieren → automatisch in ePAArzt
4Wechselwirkungs-Check vor neuer VerschreibungArzt
5Patient auf Medikationsplan in der App hinweisenMFA

Key Takeaways

  • 250.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr durch Medikamentennebenwirkungen — viele vermeidbar
  • Der digitale Medikationsplan prueft Wechselwirkungen automatisch — kein Arzt kann das bei 10+ Medikamenten im Kopf behalten
  • Alle Aerzte und Apotheken aktualisieren den Plan — er ist immer aktuell und vollstaendig
  • Selbstmedikation (Ibuprofen, Aspirin, Johanniskraut) muss in der App ergaenzt werden — freiverkaeuflich heisst nicht risikofrei
  • Im Notfall sind Medikationsdaten sofort verfuegbar — ohne PIN, ohne Wartezeit

Up Next

In der naechsten Lektion schauen wir in die Zukunft: Was kommt noch zur ePA? Digitale Gesundheitsanwendungen, KI-Unterstuetzung, europaeische Vernetzung.

Wissenscheck

1. Was ist das groesste Risiko bei Polypharmazie (5+ Medikamente gleichzeitig)?

2. Wer aktualisiert den Medikationsplan in der ePA?

3. Wie viele Krankenhauseinweisungen pro Jahr in Deutschland gehen auf Medikamentennebenwirkungen zurueck?

Beantworte alle Fragen zum Prüfen

Erst das Quiz oben abschließen

Passende Skills