Lektion 7 10 Min.

Zukunft der ePA

Zukunft der elektronischen Patientenakte: KI-Unterstuetzung, europaeische Vernetzung, digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA).

🔄 Kurzer Rueckblick: In Lektion 6 hast du den digitalen Medikationsplan kennengelernt — wie er Wechselwirkungen erkennt und warum auch Selbstmedikation eingetragen werden sollte. Jetzt blicken wir nach vorne: Was kommt noch?

Die ePA ist erst der Anfang. Was wir heute haben, ist die Grundversion — wie ein Smartphone im Jahr 2007. Funktioniert, aber da kommt noch einiges. DiGA-Anbindung, KI-Unterstuetzung, europaeische Vernetzung — schauen wir mal, was auf uns zukommt.

Die ePA-Roadmap

PhaseZeitraumWas kommt
ePA 1.02021Freiwillige ePA, kaum Nutzung (<1%)
ePA 2.02025Opt-out fuer alle, automatische Befuellung
ePA 3.02026-2027DiGA-Anbindung, erweiterter Medikationsplan
ePA 4.02027-2028KI-Funktionen, europaeische Vernetzung (EHDS)
Vision2030+Praediktive Gesundheitsanalyse, Forschungsdaten

DiGA: Apps auf Rezept

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind medizinisch zertifizierte Apps, die dein Arzt verschreiben kann — bezahlt von der Krankenkasse.

DiGAEinsatzgebietWie es funktioniert
KalmedaTinnitusKognitive Verhaltenstherapie per App
ViviraRueckenschmerzenPersonalisierte Bewegungsuebungen
DeprexisDepressionOnline-Therapieprogramm
SomnioSchlafstoerungenDigitale Schlaftherapie
RehappySchlaganfall-RehaBegleitete Rehabilitation

Was das mit der ePA zu tun hat: Kuenftig werden DiGA-Daten direkt in die ePA fliessen. Dein Arzt sieht dann: „Patient nutzt Deprexis seit 6 Wochen, PHQ-9-Score verbessert sich." Das verbessert die Behandlung, weil der Arzt den Therapieverlauf eben nicht nur alle 3 Monate im Sprechzimmer sieht.

HeuteKuenftig mit ePA-Anbindung
DiGA-Daten nur in der AppTherapieverlauf in der ePA sichtbar
Arzt weiss nicht, ob Patient die App nutztArzt sieht Nutzungsintensitaet
Keine Verknuepfung mit LabordatenDiGA-Daten + Laborwerte = besseres Bild

Quick Check: Warum ist die Verknuepfung von DiGA-Daten mit der ePA sinnvoll? (Tipp: Der Arzt sieht den Therapieverlauf zwischen den Terminen — nicht nur eine Momentaufnahme im Sprechzimmer.)

KI in der ePA

KI wird die ePA nicht ersetzen — aber deutlich nuetzlicher machen. Was moeglich wird:

KI-FunktionWas sie tutNutzen
MustererkennungSteigende HbA1c-Werte ueber 3 Quartale erkennenFruehere Intervention
Wechselwirkungs-AnalyseKomplexe Medikamentenkombinationen pruefenSicherere Medikation
Vorsorge-ErinnerungFaellige Untersuchungen identifizierenKeine Vorsorge vergessen
Befund-ZusammenfassungLaborwerte verstaendlich erklaerenPatienten verstehen ihre Daten
Risiko-ScoringDiabetes-, Herzinfarkt-, Schlaganfall-Risiko berechnenPraevention statt Therapie

Wichtig: KI unterstuetzt, der Arzt entscheidet. Keine automatische Diagnose, keine automatische Behandlung. Der Mensch bleibt verantwortlich.

Beispiel: KI erkennt ein Muster

Deine ePA zeigt:

  • HbA1c: 6,1% (03/2025) → 6,5% (06/2025) → 7,0% (09/2025)
  • BMI: steigend
  • Bewegungstagebuch (DiGA): ruecklaeufig

KI-Hinweis an den Arzt: „Steigende Diabeteswerte bei ruecklaeufiger Bewegung. Therapie-Check empfohlen."

Das ist keine Diagnose — das ist ein Fruewarnsystem.

Europaeischer Gesundheitsdatenraum (EHDS)

Die EU arbeitet am European Health Data Space — und das betrifft dich direkt:

AspektWas es bedeutet
Grenzueberschreitender ZugriffArzt in Spanien sieht deine Notfalldaten
Einheitliche StandardsAlle EU-Laender nutzen kompatible Formate
DatenschutzDSGVO gilt EU-weit — deine Rechte bleiben
ForschungsdatenAnonymisierte Daten fuer Forschung nutzbar (mit Einwilligung)
Rezept-PortabilitaetDeutsches Rezept in der EU einloesbar

Konkretes Szenario: Du machst Urlaub in Italien und brichst dir den Arm. Der italienische Arzt sieht ueber den EHDS:

  • Allergien (z.B. Penicillin-Allergie)
  • Aktuelle Medikamente (Wechselwirkung mit Schmerzmittel pruefen)
  • Vorerkrankungen (Diabetes → besondere Wundheilung)
  • Notfallkontakt

Ohne EHDS: „Welche Medikamente nehmen Sie?" — „Aeh… irgendwas fuer den Blutdruck…" Wieder das gleiche Problem wie ohne ePA.

Forschung und Sekundaernutzung

NutzungsartWas passiertDein Recht
ForschungAnonymisierte Daten fuer medizinische StudienWiderspruchsrecht
QualitaetssicherungAnonymisierte Daten fuer VersorgungsforschungWiderspruchsrecht
PlanungAnonymisierte Daten fuer GesundheitsplanungWiderspruchsrecht

Wichtig: Nur anonymisierte Daten — kein Arzt, keine Versicherung, kein Unternehmen erfaehrt, dass es deine Daten sind. Und du kannst der Sekundaernutzung widersprechen.

Herausforderungen und offene Fragen

HerausforderungStatus
InteroperabilitaetNicht alle PVS-Systeme arbeiten reibungslos mit der ePA
DigitalkompetenzAeltere Patienten brauchen Unterstuetzung bei der App-Nutzung
DatenqualitaetMuell rein, Muell raus — die Qualitaet haengt von der Dokumentation ab
Serverkapazitaet75 Millionen Akten brauchen robuste Infrastruktur
Aerzte-AkzeptanzManche Praxen sehen die ePA noch als Mehraufwand

Tja, perfekt ist die ePA noch nicht. Aber die Richtung stimmt — und mit jeder Version wird sie besser.

Key Takeaways

  • Die ePA entwickelt sich weiter: DiGA-Anbindung (2026-2027), KI-Funktionen und europaeische Vernetzung (2027-2028)
  • DiGA (Apps auf Rezept) werden kuenftig Therapiedaten direkt in die ePA einspeisen — der Arzt sieht den Behandlungsverlauf
  • KI wird Muster erkennen (steigende Werte, vergessene Vorsorge, Wechselwirkungen) — aber der Arzt entscheidet
  • Der EHDS ermoeglicht grenzueberschreitenden Datenaustausch in der EU — wichtig fuer Urlaub und Auslandsaufenthalte
  • Anonymisierte Forschungsnutzung ist geplant — mit Widerspruchsrecht

Up Next

In der letzten Lektion baust du deine persoenliche ePA-Strategie: Was traegst du ein, welche Zugriffe richtest du ein, wie nutzt du die ePA aktiv fuer deine Gesundheit?

Wissenscheck

1. Was sind DiGA (Digitale Gesundheitsanwendungen)?

2. Wie koennte KI die ePA in Zukunft verbessern?

3. Was bedeutet der Europaeische Gesundheitsdatenraum (EHDS) fuer die ePA?

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