KI-basierte Qualitaetskontrolle
Defekte per Bildanalyse und Sensordaten erkennen — schneller, zuverlaessiger und konsistenter als manuelle Pruefung.
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🔄 Kurzer Rueckblick: In Lektion 4 hast du Predictive Maintenance kennengelernt — Anomalie-Erkennung und RUL als zwei Stufen, den 12-Wochen-Implementierungsplan und die typischen Fallstricke. Jetzt geht es um den zweiten grossen KI-Anwendungsfall: Qualitaetskontrolle.
Ein Pruefer kontrolliert Spritzgussteile. 200 Teile pro Stunde. Riss, Kratzer, Verfaerbung, Einfallstelle, Grat — fuenf Defekttypen, die er erkennen muss. In der ersten Stunde findet er 95% der Fehler. Nach sechs Stunden? Noch 78%. Am Freitagnachmittag? Lieber nicht fragen.
Die KI findet um 15 Uhr genauso viel wie um 7 Uhr. Und sie findet Dinge, die kein Mensch sieht.
Zwei Ansaetze: Bildanalyse und Sensordaten
| Ansatz | Technologie | Erkennt | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Visuelle Inspektion | Kamera + Deep Learning | Oberflaechenfehler, Form, Farbe | Spritzguss, Metallbearbeitung, Montage |
| Sensordaten-Analyse | Prozessdaten + ML | Prozessabweichungen, die zu Qualitaetsmaengeln fuehren | Schweissen, Giessen, Waermebehandlung |
| Hybrid | Beides kombiniert | Oberflaechenfehler + Ursachen | Automotive, Elektronik |
Visuelle Inspektion im Detail
Die Bildverarbeitungs-Pipeline
Beleuchtung → Kamera → Bildaufnahme → Vorverarbeitung → KI-Modell → Entscheidung
↓ ↓ ↓ ↓ ↓ ↓
Diffus/ Industrial Trigger bei Normalisierung Defekt? Gut/Schlecht
Durchlicht GigE/USB3 Teilposition Zuschnitt Wo? Was? + Sortierung
Beleuchtung — Der unterschaetzte Erfolgsfaktor
Na ja, man wuerde denken, es geht um Algorithmen. Tatsaechlich entscheidet die Beleuchtung ueber Erfolg und Misserfolg:
| Beleuchtungstyp | Macht sichtbar | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Auflicht diffus | Oberflaechenstrukturen gleichmaessig | Allgemeine Inspektion |
| Auflicht gerichtet | Kratzer, Riefen (Glanzeffekt) | Metallteile, polierte Flaechen |
| Durchlicht | Risse, Loecher, Einschluesse | Duenne Teile, Folien, Glas |
| Dunkelfeld | Erhabene Defekte (Grate, Partikel) | Halbleiter, Optik |
| Strukturiertes Licht | 3D-Geometrie, Hoehenfehler | Ebenheitspruefung, Volumendefekte |
Budget-Faustregel: 30-40% des Gesamtbudgets fuer Beleuchtung und Optik, 30-40% fuer KI/Software, 20-30% fuer Kamera und Hardware. Ja, wirklich — die Beleuchtung kostet fast so viel wie die KI.
✅ Quick Check: Warum investieren professionelle Machine-Vision-Integratoren 30-40% des Budgets in Beleuchtung? (Tipp: Die beste KI kann Defekte nicht erkennen, die im Bild nicht sichtbar sind. Beleuchtung bestimmt, was die Kamera sieht.)
Trainingsdaten: Qualitaet vor Quantitaet
| Datenmenge | Strategie | Ergebnis |
|---|---|---|
| < 200 Bilder/Klasse | Transfer Learning mit vortrainiertem Modell | Brauchbar, aber instabil |
| 500-2.000 Bilder/Klasse | Standard-Training mit Augmentation | Gut fuer Produktion |
| 5.000+ Bilder/Klasse | Volles Training, hohe Robustheit | Produktionsreif mit hoher Konfidenz |
Data Augmentation hilft: Rotation, Spiegelung, Helligkeitsvariation, Rauschen. Aus 500 echten Bildern werden so 5.000 Trainingsdaten — das stabilisiert das Modell deutlich.
Labeling-Qualitaet ist entscheidend: Der Defekt muss praezise markiert sein — nicht „irgendwo auf dem Bild ist ein Kratzer", sondern „Kratzer, Pixel 340-520, Laenge 12mm, Tiefe geschaetzt 0,05mm." Je praeziser das Label, desto besser das Modell.
Sensorbasierte Qualitaetskontrolle
Nicht alle Qualitaetsprobleme sind sichtbar. Manche stecken im Prozess:
| Prozess | Relevante Sensoren | KI erkennt |
|---|---|---|
| Schweissen | Strom, Spannung, Drahtvorschub, Schutzgas | Bindefehler, Poren, Spritzer |
| Spritzguss | Druck, Temperatur, Einspritzgeschwindigkeit | Einfallstellen, Lunker, Verzug |
| Waermebehandlung | Ofentemperatur, Haltezeit, Abkuehlrate | Haerteverzug, Risse, Gefuegefehler |
| CNC-Bearbeitung | Spindelstrom, Vorschubkraft, Vibration | Werkzeugverschleiss → Massfehler |
Der Vorteil: Sensorbasierte QK erkennt Probleme WAEHREND der Fertigung — nicht erst danach. Wenn der Einspritzdruck beim Spritzguss um 3% abweicht, kann die KI das Teil sofort als verdaechtig markieren.
✅ Quick Check: Was ist der Vorteil von sensorbasierter gegenueber visueller Qualitaetskontrolle? (Tipp: Du erkennst das Problem waehrend der Fertigung — und kannst den Prozess korrigieren, bevor ein ganzer Batch Ausschuss wird.)
Implementierung: 8-Wochen-Plan
| Woche | Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1-2 | Defekttypen definieren, Beleuchtungstest, Kameraposition | Systemdesign fertig |
| 3-4 | Bilder sammeln (500+ pro Klasse), labeln | Trainingsdaten bereit |
| 5-6 | Modell trainieren, Schwellenwerte kalibrieren | Erstes Modell |
| 7-8 | Paralleltest (KI + manuelle Pruefung), Feintuning | System produktionsbereit |
Kosten fuer einen Pruefplatz:
| Position | Budget |
|---|---|
| Industriekamera + Optik | 1.500-5.000 EUR |
| Beleuchtung (professionell) | 2.000-8.000 EUR |
| Edge-PC mit GPU | 1.500-4.000 EUR |
| KI-Software/Plattform | 200-800 EUR/Monat |
| Integration + Kalibrierung | 5.000-15.000 EUR |
| Gesamt pro Pruefplatz | 12.000-35.000 EUR |
Hybrid-Ansatz: Das Beste aus beiden Welten
Die stärksten Systeme kombinieren Bild und Sensor:
- Sensordaten waehrend der Fertigung → „Teil verdaechtig" markieren
- Kamerainspektion am Ende → Verdacht bestaetigen oder entkraeften
- Feedback-Schleife → Sensordaten + Bilddaten verknuepfen → Modell wird besser
Dieses Zusammenspiel reduziert die Pruefzeit (nicht jedes Teil muss zur Kamera) und erhoet gleichzeitig die Erkennungsrate.
Key Takeaways
- KI-Qualitaetskontrolle ist konsistent — keine Ermuedung, keine Tagesformabhaengigkeit
- Beleuchtung ist der wichtigste Erfolgsfaktor bei visueller Inspektion — 30-40% des Budgets einplanen
- 500-2.000 gelabelte Bilder pro Defektklasse als Minimum, Labeling-Qualitaet ist entscheidend
- Sensorbasierte QK erkennt Probleme waehrend der Fertigung — nicht erst am Ende
- Hybrid-Ansatz (Sensor + Bild) liefert die besten Ergebnisse
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