Supply Chain und Nachfrageprognose
Nachfrage prognostizieren, Lagerbestaende optimieren und Lieferketten resilienter machen — mit KI und ERP-Daten.
Premium-Kursinhalt
Diese Lektion gehört zu einem Premium-Kurs. Upgrade auf Pro, um alle Premium-Kurse und Inhalte freizuschalten.
- Zugang zu allen Premium-Kursen
- 1000+ KI-Skill-Vorlagen inklusive
- Jede Woche neue Inhalte
🔄 Kurzer Rueckblick: In Lektion 5 hast du KI-basierte Qualitaetskontrolle kennengelernt — Bildanalyse, Sensorik und den Hybrid-Ansatz. Jetzt verlassen wir die Fertigungshalle und schauen auf die Supply Chain.
Ein mittelstaendischer Zulieferer hat 4.200 Artikelnummern im Lager. Bei 380 davon ist der Bestand zu hoch — Kapital gebunden, das woanders fehlt. Bei 120 Artikeln gibt es regelmaessig Fehlbestaende — Produktion steht, Kunden warten. Der Disponent jongliert mit Excel-Tabellen und Bauchgefuehl.
KI kann das besser. Nicht weil sie klueger ist als der Disponent — sondern weil sie 4.200 Artikel gleichzeitig im Blick behalten kann.
Drei KI-Anwendungen in der Supply Chain
| Anwendung | Was die KI macht | ROI-Zeitrahmen |
|---|---|---|
| Nachfrageprognose | Bestellmengen vorhersagen | 3-6 Monate |
| Bestandsoptimierung | Bestellpunkte und Sicherheitsbestaende dynamisch anpassen | 3-6 Monate |
| Lieferkettenresilienz | Risiken erkennen, Alternativlieferanten vorschlagen | 6-12 Monate |
Nachfrageprognose: Der Quick Win
Vom Bauchgefuehl zur datenbasierten Prognose
| Methode | Genauigkeit | Aufwand | Kosten |
|---|---|---|---|
| Bauchgefuehl + Excel | ±30-40% | Hoch (manuell) | Niedrig |
| Statistische Methoden (ARIMA, Holt-Winters) | ±15-25% | Mittel | Niedrig |
| KI-Prognose (Machine Learning) | ±8-15% | Gering (automatisiert) | Mittel |
| KI + externe Daten | ±5-10% | Gering | Mittel-Hoch |
Der Unterschied klingt klein — 15% statt 30% Fehler — aber in Euro ist er enorm: Bei einem Lagerbestand von 2 Mio. EUR und einer Kapitalbindungskostenrate von 20% spart eine Prognoseverbesserung um 15 Prozentpunkte rund 60.000 EUR pro Jahr.
Welche Daten braucht die KI?
| Datenquelle | Relevanz | Verfuegbarkeit |
|---|---|---|
| ERP-Bestellhistorie (12-36 Monate) | Sehr hoch | Meist vorhanden |
| Saisonmuster | Hoch | Im ERP enthalten |
| Aktionsplaene / Promotions | Hoch | Meist im Marketing |
| Konjunkturindikatoren (ifo, PMI) | Mittel | Oeffentlich verfuegbar |
| Wetterdaten | Niedrig-Mittel | Je nach Branche |
| Social-Media-Trends | Niedrig | Eher fuer B2C |
✅ Quick Check: Warum reichen 3 Monate ERP-Daten nicht fuer eine KI-Prognose? (Tipp: Saisonalitaet. Ohne mindestens 12 Monate Daten kennt die KI keine Weihnachts-, Sommer- oder Quartalsmuster.)
Bestandsoptimierung: Weniger Lager, weniger Fehlbestaende
KI-basierte ABC/XYZ-Klassifikation
Traditionelle Lagerverwaltung: Feste Min/Max-Werte, einmal pro Jahr aktualisiert. KI-basierte Lagerverwaltung: Dynamische Bestellpunkte, taeglich aktualisiert.
| Klassifikation | A (hoher Wert) | B (mittlerer Wert) | C (niedriger Wert) |
|---|---|---|---|
| X (regelmaessig) | Knappe Bestellpunkte, haeufig bestellen | Automatisiert bestellen | Sammelbestellung |
| Y (schwankend) | KI-Prognose + Sicherheitsbestand | KI-Prognose | Erhoehter Puffer |
| Z (unregelmaessig) | KI-Prognose + Szenarioplanung | Bedarfsgesteuert | Nur auf Bestellung |
Der Clou: KI macht diese Klassifikation nicht einmalig, sondern aktualisiert sie fortlaufend. Ein Artikel, der letztes Jahr X war (regelmaessig), kann dieses Jahr Y werden (schwankend) — die KI passt die Strategie automatisch an.
Typische Ergebnisse
| Metrik | Vorher (manuell) | Nachher (KI) | Verbesserung |
|---|---|---|---|
| Lagerbestand (Wert) | 2,1 Mio. EUR | 1,6 Mio. EUR | -24% |
| Fehlbestandsquote | 8,5% | 3,2% | -62% |
| Lagerdrehung | 4,2x/Jahr | 5,8x/Jahr | +38% |
| Dispositionsaufwand | 40h/Woche | 15h/Woche | -63% |
Lieferkettenresilienz: Auf Krisen vorbereitet
Corona, Suezkanal-Blockade, Halbleitermangel — die letzten Jahre haben gezeigt: Lieferketten sind fragiler als gedacht. KI kann helfen, Risiken frueh zu erkennen.
| KI-Anwendung | Datenquelle | Nutzen |
|---|---|---|
| Lieferantenrisiko-Scoring | Finanzdaten, Nachrichten, Liefertreue | Fruehwarnung bei Lieferantenproblemen |
| Alternativlieferanten-Matching | Produktkataloge, Zertifizierungen | Schnelle Umstellung bei Ausfall |
| Transportrisiko-Monitoring | Logistikdaten, Wetter, Geopolitik | Engpaesse vorhersagen |
Aber Vorsicht: KI-Prognosen basieren auf Vergangenheitsdaten. Fuer echte Black-Swan-Events (wie Corona) braucht es Szenarioplanung und menschliches Urteilsvermoegen. Die KI sagt dir nicht, dass morgen eine Pandemie ausbricht — aber sie hilft dir, schneller zu reagieren, wenn es passiert.
✅ Quick Check: Warum hat Corona viele KI-Prognosemodelle zum Scheitern gebracht? (Tipp: Die historischen Daten waren ploetzlich wertlos — das Kaufverhalten aenderte sich komplett, und die KI hatte keine Referenz dafuer.)
Implementierung: 6-Wochen-Plan fuer Nachfrageprognose
| Woche | Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | ERP-Datenexport, Datenqualitaet pruefen | Saubere Bestellhistorie |
| 2 | Top-50 Artikel identifizieren (nach Wert und Volatilitaet) | Fokus-Artikelliste |
| 3-4 | KI-Modell trainieren, Prognose vs. Realitaet vergleichen | Erstes Prognosemodell |
| 5 | Bestellpunkte anpassen, Paralleltest (KI vs. manuell) | Validierte Prognose |
| 6 | Go-Live fuer Top-50, Monitoring einrichten | System produktiv |
Kosten:
| Position | Budget |
|---|---|
| KI-Plattform (Cloud) | 200-500 EUR/Monat |
| ERP-Schnittstelle | 3.000-8.000 EUR (einmalig) |
| Konfiguration + Training | 5.000-10.000 EUR |
| Gesamt | 10.000-20.000 EUR + laufend |
Tja, und das amortisiert sich oft schon im ersten Quartal — wenn die Kapitalbindung um 15-25% sinkt.
Key Takeaways
- Nachfrageprognose ist der beste Supply-Chain-Einstieg — braucht nur ERP-Daten, kein IoT
- KI verbessert Prognosegenauigkeit von ±30-40% (Excel) auf ±8-15% — das sind tausende Euro weniger gebundenes Kapital
- Dynamische ABC/XYZ-Klassifikation passt Bestellstrategien automatisch an sich aendernde Muster an
- KI-Prognosen haben Grenzen bei Black-Swan-Events — Szenarioplanung und Human-in-the-Loop bleiben wichtig
- ERP-Datenqualitaet ist der limitierende Faktor — vor dem KI-Projekt die Daten pruefen
Up Next
In der naechsten Lektion geht es um die Einfuehrungsstrategie: Wie fuehrst du KI in deinem Produktionsunternehmen ein — von der Bestandsaufnahme bis zum Piloten?
Wissenscheck
Erst das Quiz oben abschließen
Lektion abgeschlossen!