Bewerbung individualisieren
Anschreiben und Bewerbungen in Minuten anpassen — individuell statt generisch.
🔄 Recall: Der Lebenslauf ist optimiert — und jetzt?
In Lektion 2 hast du deinen Lebenslauf für ATS und Personaler optimiert. Jetzt geht es um das Gesamtpaket: Wie du Bewerbungen schnell individualisierst, ohne bei jeder Stelle bei null anzufangen. Und ja — das Anschreiben.
Warum Individualisierung den Unterschied macht
Personaler sehen den Unterschied sofort:
Generische Bewerbung: „Ich möchte mich hiermit auf die ausgeschriebene Stelle bewerben. Ich bin motiviert und bringe relevante Erfahrung mit…" → Nächster Stapel.
Individualisierte Bewerbung: „Ihr Fokus auf nachhaltige Lieferketten bei [Firma] hat mich angesprochen — als Supply-Chain-Manager mit 4 Jahren Erfahrung in der Dekarbonisierung von Logistikprozessen bringe ich genau das mit." → Weiterlesen.
Das Individualisierungs-Framework
Drei Fragen, die jede Bewerbung beantworten muss:
- Warum dieses Unternehmen? — Was dich konkret anzieht (nicht: „Sie sind Marktführer")
- Warum diese Stelle? — Was dich an der Aufgabe reizt
- Warum du? — Was du mitbringst, das andere nicht haben
Wenn du auf Frage 1 keine ehrliche Antwort hast, überleg dir, ob du dich wirklich bewerben solltest.
Das Anschreiben — deutsche Tradition
In Deutschland gehört das Anschreiben zur Bewerbung. Auch wenn manche Unternehmen es optional machen — ein gutes Anschreiben gibt dir einen Vorteil. Ein schlechtes schadet dir.
Das Drei-Absatz-Anschreiben:
Absatz 1: Der Einstieg (2-3 Sätze)
Warum DIESE Stelle bei DIESEM Unternehmen. Konkret, nicht generisch.
- Schlecht: „Hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle als Marketing Manager."
- Besser: „Ihr neuer Fokus auf Performance Marketing in der DACH-Region hat mich sofort angesprochen — nach 3 Jahren in genau diesem Bereich bei [Firma] bringe ich Erfahrung mit, die direkt anknüpft."
Absatz 2: Der Beweis (4-5 Sätze)
Eine relevante Geschichte, die zeigt, was du kannst. Nicht alles aus dem Lebenslauf wiederholen — eine Geschichte, die den Lebenslauf zum Leben erweckt.
Absatz 3: Der Abschluss (2-3 Sätze)
Zusammenfassung + konkrete nächste Schritte. „Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch" reicht. Kein Betteln, kein Übertreiben.
Gesamtlänge: Eine halbe bis dreiviertel Seite. Maximal.
Anschreiben mit KI schreiben
Schritt 1: Stellenanzeige analysieren
Prompt:
Analysiere diese Stellenanzeige und identifiziere:
1. Die 3 wichtigsten Anforderungen
2. Was das Unternehmen gerade herausfordert
3. Welche Soft Skills zwischen den Zeilen stehen
Stellenanzeige:
[Anzeige einfügen]
Schritt 2: Entwurf erstellen
Prompt:
Schreibe einen Entwurf für ein Anschreiben (3 Absätze, maximal dreiviertel Seite).
Stelle: [Jobtitel] bei [Firma]
Wichtigste Anforderungen: [aus Schritt 1]
Meine relevante Erfahrung: [3-4 Stichpunkte]
Warum mich die Stelle reizt: [ehrlicher Grund]
Ton: professionell, aber nicht steif. Kein Beamtendeutsch.
Schritt 3: Personalisieren
Den KI-Entwurf in deiner eigenen Stimme umschreiben. Wenn du eine Formulierung beim lauten Vorlesen nicht verwenden würdest — weg damit.
✅ Quick Check: Dein KI-generiertes Anschreiben klingt perfekt, aber generisch. Was fehlt?
(Antwort: Deine persönliche Geschichte. Ersetze generische Formulierungen durch ein konkretes Beispiel aus deiner Erfahrung, das zur Stelle passt.)
Lebenslauf-Feintuning pro Stelle
In Lektion 2 hast du den Basis-Lebenslauf optimiert. Für jede Bewerbung brauchst du noch 5-6 Minuten Feintuning:
- Kurzprofil anpassen — 1-2 Sätze auf die Stelle zuschneiden (2 Min.)
- Reihenfolge prüfen — Relevanteste Erfahrungen nach oben (1 Min.)
- Keywords checken — Begriffe aus der Anzeige natürlich einbauen (2 Min.)
- Irrelevantes kürzen — Platz für Relevantes schaffen (1 Min.)
Der Batch-Workflow
Du musst nicht jede Bewerbung einzeln angehen. Strukturiere deine Woche:
| Tag | Aufgabe | Zeitaufwand |
|---|---|---|
| Montag | Stellen recherchieren, Top-5 auswählen | 2 Stunden |
| Dienstag-Donnerstag | Bewerbungen individualisieren und absenden | 1-2 Stunden/Tag |
| Freitag | Follow-up, Tracker aktualisieren, reflektieren | 1 Stunde |
5 individualisierte Bewerbungen pro Woche schlagen 20 generische.
Wann das Anschreiben weglassen?
Manche Stellen sagen „Anschreiben optional". Faustregel:
- Schreib eins, wenn die Stelle dich wirklich reizt und du eine konkrete Geschichte hast
- Lass es weg, wenn du nichts Individuelles zu sagen hast (lieber kein Anschreiben als ein generisches)
- Bei Startups oft weniger erwartet — dafür ist die E-Mail an den Hiring Manager wichtiger
- Bei Konzernen/Mittelstand in Deutschland: fast immer erwartet
Wichtigste Erkenntnisse
- Drei Fragen beantworten: Warum dieses Unternehmen? Warum diese Stelle? Warum du?
- Drei-Absatz-Anschreiben: Einstieg (Begeisterung) → Beweis (eine Geschichte) → Abschluss
- KI für den Entwurf, du für die Persönlichkeit — nie blind Copy-Paste
- Lebenslauf-Feintuning in 5-6 Minuten pro Stelle
- 5 individualisierte Bewerbungen schlagen 20 generische
- Kein Anschreiben ist besser als ein generisches
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Lektion 4 zeigt dir, wie du Unternehmen und Stellen effizient recherchierst — damit du im Gespräch nicht nur glänzt, sondern auch bessere Entscheidungen für deine Karriere triffst.
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