Die KI-Betriebsvereinbarung (BVA)
Erstelle eine KI-Betriebsvereinbarung: Aufbau, Muster-Klauseln, Verhandlungstipps und Praxis-Vorlage.
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🔄 Kurzer Rueckblick: In Lektion 3 hast du die Mitbestimmungs-Matrix kennengelernt — welche Tatbestaende bei welchen KI-Systemen greifen. Jetzt setzen wir das Ergebnis in eine Betriebsvereinbarung um.
Die KI-Betriebsvereinbarung ist das zentrale Werkzeug der Mitbestimmung: Sie regelt, was erlaubt ist, was verboten ist und wie die laufende Kontrolle funktioniert. Eine gute BVA schuetzt Arbeitnehmer und gibt dem Arbeitgeber Rechtssicherheit.
Aufbau einer KI-BVA
Eine professionelle KI-Betriebsvereinbarung folgt dieser Struktur:
| Abschnitt | Inhalt | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1. Praeambel | Ziel, Grundsaetze, gemeinsame Haltung | Setzt den Rahmen |
| 2. Geltungsbereich | Welche Systeme, welche Bereiche | Grenzt ab |
| 3. Zweckbindung | Erlaubte und verbotene Nutzung | Kernklausel |
| 4. Datenschutz | Datenerhebung, Speicherung, Loeschung | Schuetzt Beschaeftigte |
| 5. Transparenz | Information der Betroffenen | Vertrauen |
| 6. Menschliche Aufsicht | Wann Menschen entscheiden muessen | Kontrollmechanismus |
| 7. Evaluierung | KPIs, Audits, Review-Zyklen | Laufende Kontrolle |
| 8. Qualifizierung | Schulungen fuer Betroffene und Betriebsrat | Kompetenz |
| 9. Konfliktloesung | Eskalation, Einigungsstelle | Streitbeilegung |
| 10. Laufzeit/Kuendigung | Befristung, Nachwirkung, Aenderungsklausel | Flexibilitaet |
Die 5 wichtigsten Klauseln
1. Zweckbindung (Kernklausel)
Die Zweckbindung definiert, wofuer ein KI-System eingesetzt werden darf — und wofuer nicht.
Muster-Klausel:
“Das KI-System [Name] wird ausschliesslich zu folgendem Zweck eingesetzt: [Zweck]. Eine Nutzung zu anderen Zwecken — insbesondere zur Leistungs- und Verhaltensüberwachung im Sinne des §87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG — ist unzulaessig, sofern nicht eine ergaenzende Vereinbarung getroffen wird. Bei festgestellter Zweckueberschreitung wird das System unverzueglich ausser Betrieb genommen, bis eine Einigung erzielt ist.”
2. Verbot der Leistungsueberwachung
Muster-Klausel:
“Daten, die durch das KI-System erhoben oder erzeugt werden, duerfen nicht zur individuellen Leistungs- oder Verhaltenskontrolle einzelner Beschaeftigter herangezogen werden. Aggregierte, anonymisierte Auswertungen auf Abteilungsebene (mindestens 10 Personen) sind zulaessig.”
3. Transparenz gegenueber Betroffenen
Muster-Klausel:
“Beschaeftigte, die mit dem KI-System arbeiten oder von dessen Ergebnissen betroffen sind, werden vor Einfuehrung ueber Funktionsweise, Datenverarbeitung und ihre Rechte informiert. Jede wesentliche Aenderung des Systems wird vorab kommuniziert.”
✅ Quick Check: Warum ist eine Klausel “Aggregierte Auswertungen ab 10 Personen zulaessig” wichtiger als ein pauschales Datenverbot? (Tipp: Denke an den Nutzen fuer beide Seiten — Prozessverbesserung vs. Individualueberwachung.)
4. Evaluierung und Audit
Muster-Klausel:
“Die Parteien evaluieren das KI-System halbjaehrlich anhand folgender KPIs: [KPI-Liste]. Der Betriebsrat kann einen Sachverstaendigen nach §80 Abs. 3 BetrVG hinzuziehen. Bei Abweichungen von den vereinbarten KPIs werden gemeinsam Massnahmen beschlossen.”
5. Aenderungsklausel fuer Updates
Muster-Klausel:
“Wesentliche Aenderungen am KI-System — insbesondere Modell-Updates, neue Datenquellen oder Funktionserweiterungen — erfordern eine vorherige Information des Betriebsrats. Wenn die Aenderung den Geltungsbereich oder Zweck dieser Vereinbarung beruehrt, ist eine ergaenzende Vereinbarung erforderlich.”
Rahmen-BVA vs. Einzel-BVA
Das 2-Stufen-Modell in der Praxis:
Stufe 1: Rahmen-BVA (gilt fuer alle KI-Systeme)
- Allgemeine Grundsaetze: Transparenz, Datenschutz, Zweckbindung
- Verfahren: Wie wird ein neues System eingefuehrt?
- Information: Was muss der Betriebsrat wann erfahren?
- Evaluierung: Allgemeine Review-Zyklen
- Sachverstaendiger: Regelung zur Hinzuziehung
Stufe 2: Einzel-BVA (fuer spezifische Systeme)
- Konkreter Zweck und Datenverarbeitung
- Spezifische KPIs und Schwellenwerte
- System-spezifische Regeln zur menschlichen Aufsicht
- Anbieter-bezogene Datenschutzregelungen
Verhandlungstipps
Fuer den Betriebsrat:
- Frueh einsteigen — nicht erst reagieren, wenn das System schon laeuft
- Sachverstaendigen nutzen — §80 Abs. 3 ist dein staerkstes Werkzeug
- Konkrete KPIs fordern — “wir pruefen regelmaessig” ist zu vage
- Eskalationsklausel sichern — was passiert bei Streit?
Fuer den Arbeitgeber:
- Proaktiv informieren — fruehe Transparenz baut Vertrauen auf
- Pilotphase anbieten — zeitlich befristeter Test mit Evaluierung
- Schulungen finanzieren — ein kompetenter Betriebsrat verhandelt schneller
- Rahmen-BVA priorisieren — spart Zeit bei jedem weiteren System
Key Takeaways
- Die Zweckbindungsklausel ist das Herzschueck jeder KI-BVA — sie verhindert Zweckentfremdung
- 2-Stufen-Modell: Rahmen-BVA (allgemein) + Einzel-BVA (Hochrisiko-Systeme)
- Fuenf Kernklauseln: Zweckbindung, Ueberwachungsverbot, Transparenz, Evaluierung, Aenderungsklausel
- Konkrete KPIs und Review-Zyklen statt vager Absichtserklaerungen
- Beide Seiten profitieren: Betriebsrat bekommt Kontrolle, Arbeitgeber bekommt Rechtssicherheit
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