KI verstehen — ohne Informatik-Studium
Wie ChatGPT, Claude und Gemini funktionieren — einfach erklärt, damit du weißt, was du von KI erwarten kannst.
Die Werkstatt-Analogie
Stell dir vor, du stellst einen neuen Mitarbeiter ein. Der Bewerber hat eine unglaubliche Allgemeinbildung — er hat praktisch das gesamte Internet gelesen. Er kann großartige Texte schreiben, komplexe Fragen beantworten und kreative Ideen entwickeln.
Aber: Er hat nie in deiner Firma gearbeitet. Er kennt weder deine Kunden noch deine Produkte. Und manchmal erzählt er mit absoluter Überzeugung Dinge, die schlicht falsch sind.
Das ist KI. Ein extrem fähiger Assistent — der Anleitung, Kontext und Kontrolle braucht.
Wie Sprachmodelle funktionieren — die 60-Sekunden-Version
Was passiert, wenn du etwas in ChatGPT tippst?
- Dein Text wird in Zahlen umgewandelt (sogenannte „Tokens")
- Das Modell berechnet, welches Wort als nächstes am wahrscheinlichsten passt
- Dann das nächste Wort. Und das nächste. Und so weiter.
- Du siehst das Ergebnis als flüssigen Text
Das ist alles. Kein Denken, kein Verstehen, keine Meinung. Statistische Vorhersage auf sehr, sehr hohem Niveau.
Warum das wichtig ist:
- KI „weiß" nichts — sie berechnet Wahrscheinlichkeiten
- Deshalb klingen falsche Antworten genauso überzeugend wie richtige
- Deshalb musst du Ergebnisse immer prüfen
- Aber: Für Texte, Zusammenfassungen und Ideen ist das erstaunlich gut
✅ Quick Check: Ein Mitarbeiter sagt: „ChatGPT hat gesagt, unsere Firma wurde 2018 gegründet." Eure Firma wurde 2012 gegründet. Was ist passiert?
(Antwort: Das Sprachmodell hat das wahrscheinlichste Wort gewählt — nicht das richtige. KI „weiß" nichts über deine Firma, sie rät statistisch. Fakten über das eigene Unternehmen immer selbst prüfen.)
Die großen Drei: ChatGPT, Claude, Gemini
| ChatGPT (OpenAI) | Claude (Anthropic) | Gemini (Google) | |
|---|---|---|---|
| Stärken | Vielseitig, riesiges Ökosystem, viele Plugins | Längere Texte, präzisere Anweisungen, weniger Halluzinationen | Google-Integration, Multimodal (Bilder, Video) |
| Kostenlos | Ja (GPT-4o mini) | Ja (begrenzt) | Ja |
| Pro-Abo | 20 $/Monat | 20 $/Monat | 20 $/Monat |
| Enterprise | Ja, mit AVV | Ja, mit AVV | Ja (Workspace) |
| Datenschutz | Training deaktivierbar | API/Pro: kein Training | Training deaktivierbar |
Empfehlung für den Einstieg: Probier alle drei kostenlos aus. Welches sich am besten anfühlt, nutzt du weiter. Die Unterschiede sind für den Büroalltag gering.
Was KI kann — und was nicht
| KI kann gut | KI kann NICHT |
|---|---|
| Texte schreiben und umformulieren | Fakten garantieren |
| Ideen brainstormen | Entscheidungen treffen |
| Daten zusammenfassen | Aktuelle Informationen liefern (Wissensgrenzen) |
| E-Mails und Briefe formulieren | Dein Unternehmen kennen |
| Präsentationen strukturieren | Kreativ „denken" (sie kombiniert Gelerntes neu) |
| Tabellen und Listen erstellen | Vertrauliche Daten schützen (das ist deine Aufgabe) |
Die 5 wichtigsten Begriffe
| Begriff | Was es bedeutet | Analogie |
|---|---|---|
| Prompt | Deine Eingabe an die KI | Der Arbeitsauftrag an den neuen Mitarbeiter |
| Modell | Das KI-System (GPT-4, Claude 3.5) | Das „Gehirn" — manche sind schlauer als andere |
| Token | Texteinheiten, die die KI verarbeitet | Wie Silben — je mehr, desto teurer und langsamer |
| Halluzination | Falsche Antwort, die überzeugend klingt | Mitarbeiter, der selbstbewusst Quatsch erzählt |
| Kontext | Informationen, die du der KI gibst | Einarbeitung — je mehr Kontext, desto besseres Ergebnis |
Wichtigste Erkenntnisse
- KI ist ein statistischer Textgenerator — sie versteht nichts, aber sie schreibt erstaunlich gut
- Halluzinationen sind normal — immer prüfen, nie blind vertrauen
- ChatGPT, Claude, Gemini sind für den Büroalltag alle brauchbar — probier aus, was dir liegt
- Prompt = Arbeitsauftrag — je besser der Auftrag, desto besser das Ergebnis
- KI ergänzt Mitarbeiter, sie ersetzt kein Fachwissen und keine Entscheidungskompetenz
- Für den Einstieg reicht die kostenlose Version — Pro-Abo lohnt sich bei täglicher Nutzung
Nächste Lektion
Lektion 3 wird praktisch: Du bekommst dein erstes KI-Ergebnis in 5 Minuten — und lernst, wie du Prompts schreibst, die funktionieren.
Wissenscheck
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