Lektion 1 12 Min.

KI trifft Pflegepraxis

KI in der Pflege: Was geht, was nicht, und warum 109 Minuten Dokumentation pro Schicht nicht sein müssen.

109 Minuten. So lange dokumentieren Pflegekräfte pro Schicht — laut einer Sensormessung des Fraunhofer IML. Die Pflegekräfte selbst schätzten 52 Minuten. Die Realität war doppelt so hoch.

Gleichzeitig denken 35% der Pflegekräfte über einen Berufsausstieg nach (DBfK 2024). Die Frustration ist real: Zu viel Papier, zu wenig Patient.

KI kann das ändern. Nicht als Ersatz für dich — sondern als Werkzeug, das dir die Textarbeit abnimmt.

Objectives — Was du in diesem Kurs lernst

Nach 8 Lektionen kannst du:

  • Verlaufsberichte in Minuten statt in einer halben Stunde erstellen
  • Pflegeplanungen individualisiert und SIS-konform generieren lassen
  • Patienteninformationen in verschiedenen Sprachen und Leseniveaus erstellen
  • Übergaben strukturiert nach SBAR vorbereiten
  • DSGVO-konform arbeiten — mit klaren Regeln für Gesundheitsdaten
  • Deine Karriere mit digitaler Kompetenz voranbringen

What to Expect — Wie dieser Kurs funktioniert

Jede Lektion dauert etwa 12 Minuten. Du lernst ein Konzept, siehst konkrete Prompt-Beispiele für die Pflege und übst mit einem Quiz. Am Ende bekommst du ein Zertifikat.

Keine Vorkenntnisse nötig. Wenn du ein Smartphone bedienen kannst, kannst du KI nutzen.

Drei Sicherheitsregeln — nicht verhandelbar

Bevor du auch nur einen einzigen KI-Prompt schreibst, musst du diese drei Regeln verinnerlichen:

RegelWas das bedeutetKonsequenz bei Verstoß
De-identifizierenKeine Namen, Geburtsdaten, Versichertennummern in KI-ToolsArt. 9 DSGVO + §203 StGB (Schweigepflicht)
VerifizierenJede KI-Ausgabe gegen Patientenakte und Leitlinien prüfenFachliche und rechtliche Verantwortung
UrteilenDein klinisches Urteil schlägt immer die KIPflegeprozess = deine Entscheidung

So de-identifizierst du richtig:

OriginaldatenDe-identifiziert
Frau Müller, 78 Jahre78-jährige Patientin
Geb. 15.03.1948, AOK BayernVersicherte, gesetzlich
Station 3B, Zimmer 312Stationäre Patientin
Dr. Schmidt hat angeordnetÄrztliche Anordnung liegt vor

Quick Check: Dein Patient heißt Hans Weber, ist 82 Jahre alt, hat Diabetes Typ 2 und wurde am 24.02. aufgenommen. Wie gibst du das in ein KI-Tool ein? (Antwort: „82-jähriger Patient mit Diabetes Typ 2, stationäre Aufnahme vor 3 Tagen, Verlaufsbericht erstellen." Kein Name, kein Datum, keine Station.)

Wo KI in der Pflege hilft — und wo nicht

KI kann helfenKI kann NICHT
Verlaufsberichte strukturierenKlinische Einschätzung ersetzen
Pflegeplanungen entwerfenEmpathie und Zuwendung leisten
Patienteninfos übersetzenVerantwortung übernehmen
Übergaben vorbereiten (SBAR)Pflegerische Interventionen durchführen
Fachliteratur zusammenfassenPatientensicherheit garantieren
Fortbildungsinhalte aufbereitenDie Schweigepflicht für dich einhalten

Der Pflegenotstand — und warum KI jetzt wichtig wird

Die Zahlen sind dramatisch: Deutschland braucht bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 zusätzliche Pflegekräfte (Destatis). 5,7 Millionen Pflegebedürftige — Tendenz steigend.

Seit November 2025 gibt das Pflegekompetenzgesetz Pflegefachpersonen mehr Befugnisse: eigenständige Versorgung bei Diabetes, chronischen Wunden, Demenz. Mehr Verantwortung heißt aber auch: mehr Dokumentation, mehr Kommunikation, mehr Koordination.

KI-Kompetenz ist halt kein Nice-to-have mehr — es ist eine Kernkompetenz für die Pflege von morgen. Und die gute Nachricht: Du brauchst dafür keine IT-Ausbildung.

Key Takeaways

  • KI unterstützt bei Dokumentation, Edukation und Kommunikation — ersetzt aber nie dein klinisches Urteil
  • Drei Sicherheitsregeln: De-identifizieren (Art. 9 DSGVO), Verifizieren (Patientenakte), Urteilen (deine Fachkompetenz)
  • 109 Minuten Dokumentation pro Schicht sind die größte Chance für KI-Entlastung
  • Das Pflegekompetenzgesetz (Nov 2025) macht digitale Kompetenz wichtiger denn je

Up Next

In der nächsten Lektion lernst du, wie KI dir bei der täglichen Pflegedokumentation hilft — Verlaufsberichte, Assessments, Entlassbriefe und Sturzmeldungen.

Wissenscheck

1. Was ist die wichtigste Regel beim Einsatz von KI in der Pflege?

2. Welche Patientendaten dürfen NIEMALS in ein allgemeines KI-Tool eingegeben werden?

3. Welche Pflegeaufgaben profitieren am meisten von KI-Unterstützung?

Beantworte alle Fragen zum Prüfen

Erst das Quiz oben abschließen

Passende Skills