Wie KI wirklich funktioniert
Verstehe die Grundlagen, wie große Sprachmodelle Text verarbeiten und Antworten generieren — kein technisches Vorwissen nötig.
Rückblick: Die Kommunikationslücke
In Lektion 1 haben wir gesehen, dass der Unterschied zwischen effektiver und ineffektiver KI-Nutzung an der Kommunikation liegt. Aber warum ist Kommunikation so entscheidend?
Um das zu beantworten, müssen wir verstehen, was eigentlich passiert, wenn du mit KI chattest.
Was du in dieser Lektion lernst:
- Wie KI Antworten generiert (die einfache Version)
- Warum KI selbstbewusst, aber falsch sein kann
- Was das „Kontextfenster" ist und warum es wichtig ist
Wie KI „denkt" (tut sie nicht)
Erstmal ein häufiges Missverständnis aus dem Weg räumen: KI denkt nicht, versteht nicht und weiß nicht wie ein Mensch.
Was tatsächlich passiert, wenn du eine Nachricht an ChatGPT, Claude oder ein anderes großes Sprachmodell schickst:
- Dein Text wird in Tokens zerlegt (grob gesagt: Wortteile)
- Die KI sagt das wahrscheinlichste nächste Token vorher — basierend auf Mustern aus dem Training
- Sie generiert dieses Token, dann sagt sie das nächste vorher
- Wiederholen, bis die Antwort fertig ist
Das war’s. Die KI spielt ein sehr ausgefeiltes Spiel von „welches Wort kommt wohl als nächstes?"
Eine einfache Analogie
Stell dir vor, du spielst ein Wort-Vorhersage-Spiel. Ich gebe dir: „Die Katze saß auf der…"
Du würdest wahrscheinlich „Matte" oder „Couch" oder „Fensterbank" raten — Dinge, auf denen Katzen halt so sitzen.
KI macht dasselbe, aber mit Billionen von Beispielen aus Büchern, Webseiten und Dokumenten. Sie hat so viele Muster gesehen, dass sie erstaunlich zusammenhängenden Text erzeugen kann. Aber es bleibt halt eine Vorhersage wahrscheinlicher Wortfolgen — kein Denken über Wahrheit.
Warum das wichtig ist: Das Sicherheitsproblem
Und jetzt der entscheidende Punkt: KI generiert, was wahrscheinlich ist — nicht was wahr ist.
Wenn du fragst „Wer hat das Telefon erfunden?", generiert die KI „Alexander Graham Bell", weil das statistisch die wahrscheinlichste Antwort ist.
Aber bei weniger bekannten Themen oder aktuellen Informationen kann die KI eine überzeugend klingende Antwort generieren, die komplett falsch ist. Das nennt man Halluzination — die KI lügt nicht absichtlich. Sie erzeugt einfach plausibel klingenden Text.
Wichtig: KI-Selbstbewusstsein ≠ KI-Genauigkeit. Der gleiche überzeugende Tonfall, der korrekte Antworten liefert, liefert auch falsche.
Quick Check
Bevor du weiterliest: Wenn dir eine KI eine selbstbewusste, detaillierte Antwort gibt — solltest du dann davon ausgehen, dass sie stimmt?
(Denk kurz drüber nach…)
Antwort: Nein. Du solltest wichtige Informationen überprüfen — besonders Fakten, Statistiken, Zitate oder alles mit realen Konsequenzen. Das Selbstbewusstsein der KI sagt nichts über die Genauigkeit aus.
Das Kontextfenster: Das Arbeitsgedächtnis der KI
Jede KI hat ein Kontextfenster — die maximale Textmenge, die sie gleichzeitig berücksichtigen kann. Stell dir das wie das Kurzzeitgedächtnis der KI vor.
| Modell | Ungefähres Kontextfenster |
|---|---|
| GPT-4 | ~128.000 Tokens (~100 Seiten) |
| Claude 3.5 | ~200.000 Tokens (~150 Seiten) |
| Gemini 1.5 | ~1.000.000 Tokens (~700 Seiten) |
Was bedeutet das für dich?
Alles in der Unterhaltung zählt. Dein Prompt, die KI-Antwort, Rückfragen — alles belegt Kontextplatz.
Länger ist nicht automatisch besser. Ein fokussierter 500-Wörter-Prompt schlägt oft einen wirren 2.000-Wörter-Prompt.
Pack rein, was wichtig ist. Da der Platz begrenzt ist, überleg dir genau, welchen Kontext du lieferst.
Praxisbeispiel
Nehmen wir an, du willst Hilfe beim Bearbeiten eines Dokuments. Du könntest:
❌ Deinen ganzen 50-seitigen Bericht reinkopieren und sagen „mach’s besser"
✅ Den konkreten Abschnitt einfügen, der Arbeit braucht, und genau erklären, welche Art von Bearbeitung du willst
Der zweite Ansatz nutzt den Kontext effizienter und liefert bessere Ergebnisse.
Was KI kann und was nicht
Basierend auf der Funktionsweise von KI, hier ein realistisches Bild:
KI ist stark bei:
- Text generieren in verschiedenen Stilen und Formaten
- Zusammenfassen langer Dokumente
- Brainstorming von Ideen und Alternativen
- Erklären von Konzepten auf verschiedene Arten
- Umwandeln von Inhalten (umschreiben, übersetzen, formatieren)
- Muster befolgen, die du vorgibst
KI tut sich schwer mit:
- Aktuelle Ereignisse (Trainingsdaten haben ein Enddatum)
- Mathematik (sie sagt wahrscheinliche Ziffern vorher, rechnet aber nicht)
- Fakten zu obskuren Themen (Halluzinations-Risiko)
- Zählen (ernsthaft — bitte sie mal, Wörter zu zählen)
- Wissen, was du meinst (sie sieht nur, was du schreibst)
Was das fürs Prompting bedeutet
Zu verstehen, wie KI funktioniert, verändert, wie du sie nutzen solltest:
Sei explizit. KI kann keine Gedanken lesen — sie sieht nur deinen Text.
Liefere Kontext. Gib der KI die Informationen, die sie braucht.
Überprüfe wichtige Fakten. Vertrau der KI nicht blind bei der Genauigkeit.
Nutze KI zum Transformieren, nicht zum Erfinden. KI ist top beim Umarbeiten von Inhalten, die du lieferst — nicht beim Erfinden akkurater neuer Informationen.
Iteriere. Wenn die erste Antwort nicht passt, verfeinere deinen Prompt — du stimmst eine Vorhersage-Maschine ab.
Wichtigste Erkenntnisse
- KI generiert Antworten, indem sie wahrscheinliche nächste Wörter vorhersagt — nicht durch Denken oder Verstehen
- KI kann selbstbewusst falsch liegen (Halluzination) — überprüfe immer wichtige Informationen
- Das Kontextfenster ist das Arbeitsgedächtnis der KI — nutze es bewusst
- Die Stärken und Grenzen der KI zu kennen hilft dir, die richtigen Aufgaben für sie zu wählen
Nächste Lektion
Jetzt, wo du verstehst, wie KI funktioniert, bist du bereit für die Grundlagen des effektiven Promptings. In Lektion 3 lernst du die Kerntechniken, die gute Prompts von richtig guten trennen.
Wissenscheck
Erst das Quiz oben abschließen
Lektion abgeschlossen!