Lektion 7 15 Min.

Fortgeschrittene Techniken

Meistere fortgeschrittene Prompting-Techniken wie Chain-of-Thought, Persona-Stacking und strukturiertes Denken.

🔄 Recall: Typische Fehler

In Lektion 6 hast du gelernt, häufige Prompting-Fehler zu diagnostizieren und zu beheben. Jetzt geht’s ans Eingemachte — Techniken, die das volle Potenzial der KI erschließen.

Nach dieser Lektion kannst du:

  • Chain-of-Thought-Prompting für besseres Reasoning einsetzen
  • Personas für vielschichtige Aufgaben kombinieren
  • Strukturierte Denk-Frameworks anwenden
  • Einschätzen, wann fortgeschrittene Methoden sinnvoll sind (und wann eben nicht)

Technik 1: Chain-of-Thought (CoT)

Was das ist: Die KI bitten, ihre Argumentation Schritt für Schritt zu zeigen, bevor sie eine Antwort gibt.

Warum es funktioniert: Wenn die KI „laut denkt", macht sie weniger Fehler. Jeder Schritt schränkt den nächsten ein — das Ergebnis ist kohärenter.

Einfacher CoT-Prompt

„Denke Schritt für Schritt durch, bevor du deine Antwort gibst:

[Deine Frage oder Aufgabe hier]"

Fortgeschrittener CoT mit Struktur

„Ich muss eine Entscheidung über [Thema] treffen. Hilf mir, das systematisch durchzudenken:

  1. Identifiziere zuerst die Schlüsselfaktoren
  2. Analysiere dann jeden Faktor
  3. Berücksichtige mögliche Gegenargumente
  4. Gib mir deine Empfehlung mit Konfidenz-Einschätzung

Zeige deine Argumentation für jeden Schritt."

Wann CoT nutzen

  • Komplexe Entscheidungen mit vielen Faktoren
  • Mathe- oder Logikprobleme
  • Abwägen von Vor- und Nachteilen
  • Aufgaben, bei denen du die KI-Argumentation nachvollziehen willst

Wann CoT NICHT nutzen

  • Einfache Faktenfragen („Was ist die Hauptstadt von Frankreich?")
  • Kreatives Schreiben (kann steif wirken)
  • Wenn du schnelle, kurze Antworten brauchst

Technik 2: Persona-Stacking

Was das ist: Mehrere Experten-Rollen in einem Prompt kombinieren.

Warum es funktioniert: Manche Aufgaben profitieren von mehreren Blickwinkeln. Statt zweimal zu fragen (einmal als Entwickler, einmal als Security-Experte), kombinierst du halt beides.

Beispiel: Einzelne Persona

„Du bist ein erfahrener Software-Entwickler. Prüfe diesen Code."

Beispiel: Gestapelte Personas

„Du bist ein erfahrener Software-Entwickler UND ein IT-Security-Spezialist. Prüfe diesen Code sowohl auf Funktionalität als auch auf Sicherheitslücken. Betrachte ihn aus beiden Perspektiven."

Starke Kombinationen

AufgabePersona-Stack
GeschäftsentscheidungMBA-Strategin + Branchenveteranin + Advocatus Diaboli
Content-ErstellungTexterin + SEO-Expertin + Markenstratege
Code-ReviewSenior-Entwicklerin + Security-Spezialist + Performance-Engineer
ProduktdesignUX-Designerin + Barrierefreiheits-Experte + Business-Analyst

Vorlage

„Du bist ein/e [Expertise 1] UND ein/e [Expertise 2]. Geh diese Aufgabe aus beiden Perspektiven an:

[Deine Aufgabe hier]

Gib bei jedem wichtigen Punkt an, welche Perspektive du gerade einnimmst."

Technik 3: Strukturierte Denk-Frameworks

KI kann klassische Denk-Frameworks anwenden, wenn du sie darum bittest. Hier die nützlichsten:

Das Premortem

„Stell dir vor, dieses Projekt ist in sechs Monaten spektakulär gescheitert. Was ist schiefgelaufen? Arbeite vom Scheitern rückwärts und identifiziere die wahrscheinlichsten Ursachen und wie man sie verhindern kann."

Steelmanning

„Ich erwäge [Position X]. Bevor ich mich festlege: Steelmanne das Gegenargument — gib mir die stärkste mögliche Argumentation gegen meine Position. Halte dich nicht zurück."

First Principles

„Brich das auf Grundprinzipien runter. Was sind die fundamentalen Wahrheiten hier? Bau die Analyse von diesen Grundlagen auf und hinterfrage jede Annahme."

Die Fünf Warums

„Wende bei diesem Problem [Problem beschreiben] die Fünf-Warum-Technik an — frage so lange warum, bis wir die Grundursache erreichen."

Quick Check: Bevor du weiterliest — kannst du die Techniken, die wir gerade besprochen haben, in eigenen Worten erklären? Versuch’s mal.

Technik 4: Kalibriertes Vertrauen

Was das ist: Die KI bitten, ihre eigene Sicherheit einzuschätzen und Unsicherheiten einzugestehen.

Warum es funktioniert: KI klingt ja immer gleich selbstbewusst — egal ob sie sich sicher ist oder nur rät. Eine Kalibrier-Anfrage macht sie ehrlicher über ihre Grenzen.

Prompt-Ergänzung

„Bewerte nach deiner Antwort deine Konfidenz:

  • HOCH (sehr sicher, gut dokumentierter Bereich)
  • MITTEL (plausible Einschätzung, aber mit Unsicherheit)
  • NIEDRIG (fundierte Vermutung, Überprüfung empfohlen)

Nenne außerdem Bereiche, in denen du unsicher bist oder die ich verifizieren sollte."

Technik 5: Output-Beschränkungen für Qualität

Manchmal verbessert das Einschränken der KI-Optionen die Qualität:

Erzwungene Kürze

„Erkläre [Konzept] in genau 3 Sätzen. Nicht mehr, nicht weniger."

Das zwingt die KI, die wichtigsten Informationen zu priorisieren.

Strukturierte Beschränkungen

„Gib mir genau 5 Gründe, nicht mehr, nicht weniger. Sortiere sie von wichtigsten zum unwichtigsten."

Devil’s-Advocate-Beschränkung

„Du musst gegen [populäre Position] argumentieren. Auch wenn du dem Gegenargument nicht zustimmst, präsentiere es so überzeugend wie möglich."

Technik 6: Iteratives Verfeinerungs-Prompting

Statt alles beim ersten Versuch hinzubekommen, plane für Iteration:

Erster Durchgang: Generieren

„Gib mir einen Rohentwurf für [X]. Mach dir keine Gedanken um Feinschliff — konzentrier dich darauf, die Kernideen festzuhalten."

Zweiter Durchgang: Kritisieren

„Prüfe jetzt diesen Entwurf kritisch. Was ist schwach? Was fehlt? Was würde ein skeptischer Leser hinterfragen?"

Dritter Durchgang: Verfeinern

„Bau dieses Feedback ein und liefere eine stärkere Version."

Dieser Drei-Durchgang-Ansatz liefert oft bessere Ergebnisse, als sofort Perfektion zu verlangen.

Fortgeschrittene Techniken kombinieren

Die echte Stärke kommt vom Kombinieren:

Beispiel: Komplexe Entscheidungsfindung

[Persona-Stack] Du bist ein CFO mit 20 Jahren Erfahrung UND eine Gründerin, die gescheiterte Startups erlebt hat.

[Chain-of-Thought] Denke Schritt für Schritt durch:

[Steelman] Gib mir zuerst die stärkste Argumentation FÜR die Expansion in den neuen Markt.

[Premortem] Dann: Stell dir vor, wir haben expandiert und es ist schiefgegangen — was ist passiert?

[Kalibriertes Vertrauen] Gib mir deine Empfehlung mit Konfidenz-Level und nenne die zentralen Annahmen, die ich testen sollte.

[Beschränkung] Halte die Gesamtantwort unter 500 Wörtern."

Wann fortgeschrittene Techniken nach hinten losgehen

Nicht jeder Prompt braucht fortgeschrittene Techniken. Sie können kontraproduktiv sein, wenn:

  • Die Aufgabe einfach ist: Chain-of-Thought für „Was ist 2+2?" ist Overkill
  • Geschwindigkeit wichtiger als Tiefe ist: Mehrstufige Prompts dauern halt länger
  • Kreative Freiheit gefragt ist: Zu viel Struktur erstickt Kreativität
  • Du erst mal erkunden willst: Manchmal willst du zuerst die uneingeschränkte Perspektive der KI

Faustregel: Fang einfach an. Komplexität nur dann dazu, wenn einfache Prompts nicht reichen.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Chain-of-Thought verbessert Argumentation durch schrittweises Denken
  • Persona-Stacking bringt mehrere Experten-Perspektiven in eine Aufgabe
  • Strukturierte Frameworks (Premortem, Steelman, First Principles) wenden bewährte Denkmethoden an
  • Kalibriertes Vertrauen hilft der KI, ehrlich über Unsicherheiten zu sein
  • Techniken kombinieren für komplexe Aufgaben, aber einfach halten, wenn möglich

Nächste Lektion

Lektion 8 ist dein Abschlussprojekt — ein praxisnahes Szenario, in dem du alles Gelernte anwendest. Du arbeitest ein realistisches Projekt mit allen Techniken aus diesem Kurs durch.

Wissenscheck

1. Was ist 'Chain-of-Thought'-Prompting?

2. Wann ist die 'Persona-Stacking'-Technik am nützlichsten?

3. Was bedeutet es, die KI zu bitten, ein Argument zu 'steelmannen'?

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Passende Skills