Ideen finden und Schreibblockaden ueberwinden
Lerne KI-gestuetzte Brainstorming-Techniken die Schreibblockaden aufloesen und einen endlosen Vorrat an Story-Ideen liefern.
Du willst schreiben. Du setzt dich hin. Und dann… nichts. Der Kopf ist so leer wie das Dokument vor dir.
Schreibblockaden sind kein Zeichen von fehlendem Talent. Sie sind ein ganz normaler Teil des kreativen Prozesses. Hemingway sass manchmal stundenlang vor leeren Blaettern. Kafka schrieb in sein Tagebuch: „Schreiben kann ich nicht." Und trotzdem haben beide Weltliteratur produziert.
Der Unterschied? Sie hatten Techniken um die Blockade zu ueberwinden. Du hast jetzt etwas das sie nicht hatten: KI als Brainstorming-Partner.
Warum Schreibblockaden passieren
Schreibblockaden haben selten eine einzige Ursache. Meistens ist es eine Kombination:
| Blockade-Typ | Was passiert | KI-Loesung |
|---|---|---|
| Leere Seite | Kein Startpunkt, keine Idee | KI liefert 20 Startpunkte in 30 Sekunden |
| Perfektionismus | Der erste Satz muss perfekt sein | KI liefert 5 Varianten — keine muss perfekt sein |
| Festgefahren | Du weisst nicht wie es weitergeht | KI schlaegt 3 moegliche Wege vor |
| Innerer Kritiker | „Das ist eh nicht gut genug" | KI urteilt nicht — sie liefert einfach |
| Ueberwaeltigung | Zu viele Ideen, keine Struktur | KI hilft sortieren und priorisieren |
✅ Quick Check: Welcher Blockade-Typ beschreibt dich am ehesten? (Es gibt keine falsche Antwort — aber die Antwort hilft dir die richtigen KI-Techniken zu waehlen.)
Technik 1: Der Constraint-Generator
Das Paradoxe an Kreativitaet: Mehr Freiheit fuehrt oft zu weniger Ideen. „Schreib eine Geschichte" — und du starrst die Wand an. „Schreib eine Geschichte die komplett in einer Arztpraxis-Wartezone spielt, zwischen zwei Personen die sich nicht ausstehen koennen aber aufeinander angewiesen sind" — und sofort rattert der Kopf los.
Constraints befreien.
Gib mir 10 Kurzgeschichten-Constraints. Jeder Constraint hat:
- Einen Ort (spezifisch, nicht generisch)
- Eine Zeitbeschraenkung (die Geschichte spielt innerhalb von X)
- Eine Beziehung zwischen zwei Figuren
- Eine Einschraenkung (etwas das die Figuren nicht tun koennen)
Mach die Kombinationen ueberraschend. Vermeide Klischees.
Lies die zehn Vorschlaege. Mindestens einer wird dich aufhorchen lassen. Das ist dein Startpunkt.
Technik 2: Das Was-Waere-Wenn-Spiel
Die meisten grossen Geschichten beginnen mit einer simplen Frage: Was waere wenn?
- Was waere wenn du eines Morgens aufwachst und alle erinnern sich an einen Streit den du nie gefuehrt hast? (Das ist im Grunde der Kern von Kafkas Verwandlung — eine absurde Praemisse, menschlich durchgespielt.)
- Was waere wenn eine Lehrerin entdeckt dass ihre beste Schuelerin alle Aufsaetze von der Grossmutter schreiben laesst?
- Was waere wenn der einzige Mensch dem du vertraust ploetzlich behauptet dich nie getroffen zu haben?
Generiere 15 "Was waere wenn"-Fragen fuer Kurzgeschichten.
Regeln:
- Jede Frage muss in einem Satz formulierbar sein
- Mische Genres: Alltag, Fantasy, Krimi, Drama, Humor
- Mindestens 5 sollten im deutschsprachigen Alltag spielen
koennen (Buerokratie, Nachbarschaft, S-Bahn, Schrebergarten)
- Vermeide Weltuntergangs-Szenarien und Zeitreisen-Klischees
- Fokus auf zwischenmenschliche Spannung, nicht auf
Spezialeffekte
Markiere die drei Fragen die dich am meisten fesseln. Das sind keine fertigen Geschichten — das sind Samen.
Technik 3: Die Figur-Zuerst-Methode
Manchmal startest du nicht mit einem Plot sondern mit einem Menschen. Eine Figur taucht in deinem Kopf auf — ein bestimmtes Gesicht, eine Geste, ein Satz — und du willst wissen was fuer eine Geschichte diese Person erzaehlt.
Erschaffe 5 Figuren fuer moegliche Kurzgeschichten.
Fuer jede Figur:
- Name und Alter
- Ein spezifisches aeusseres Detail (nicht generisch-attraktiv)
- Ihr groesstes Geheimnis
- Die eine Sache die sie am meisten fuerchtet
- Ein Satz den sie typischerweise sagen wuerde
- Warum jetzt? (Was passiert gerade in ihrem Leben das
eine Geschichte in Gang setzt?)
Mach die Figuren unterschiedlich: Alter, Hintergrund,
Temperament, soziale Schicht.
Jede dieser Figuren hat eine Geschichte in sich. Deine Aufgabe: Herausfinden welche.
Technik 4: Die Remix-Methode
Jede Geschichte baut auf frueheren Geschichten auf. Shakespeare hat seine Plots aus italienischen Novellen gestohlen. Disney hat Maerchen adaptiert. „Stolz und Vorurteil" wurde tausendmal neu erzaehlt — jedes Mal anders.
Remixen ist keine Faelschung. Es ist Handwerk.
Nimm diese Geschichte/dieses Maerchen/diesen Film:
[z.B. Rotkappchen, Faust, Aschenputtel]
Remixe es:
1. Gleiche Grundstruktur, komplett anderes Setting
(z.B. Rotkappchen in einer Firmen-Hierarchie)
2. Perspektivwechsel (erzaehl es aus der Sicht des
„Boesewichts")
3. Moderne Alltagsversion (gleicher Kern-Konflikt, aber
heute in einer deutschen Kleinstadt)
4. Genre-Wechsel (mach aus dem Maerchen einen Krimi
oder eine Romanze)
Fuer jede Variante: Was ist der Kern-Konflikt der
erhalten bleibt?
Deine Ideen-Bank anlegen
Gute Ideen kommen selten auf Befehl. Sie tauchen auf im Bus, unter der Dusche, um 3 Uhr nachts. Wenn du sie nicht festhaltst, verschwinden sie.
Leg dir eine Ideen-Bank an — eine einfache Notiz-Datei, ein Notizbuch, eine App. Sammle dort:
- Figuren-Fragmente: Der alte Mann der jeden Morgen auf derselben Bank sitzt und mit den Tauben spricht
- Saetze: Dialogfetzen die du aufschnappst, Formulierungen die dir gefallen
- Was-waere-wenn-Fragen: Alles was dir einfaellt, ohne Filter
- Szenen: Momente die du beobachtest oder erlebst und denkst „Das koennte in einer Geschichte vorkommen"
- Stimmungen: Ein bestimmtes Licht am Abend, das Gefuehl in einem leeren Schwimmbad, die Stille nach einem Streit
Ich moechte eine kreative Ideen-Bank aufbauen. Hilf mir
mit einem Kickstart:
Generiere fuer jede Kategorie 5 Eintraege:
1. Figuren-Fragmente (spezifische Menschen mit einem
auffaelligen Detail)
2. Eroeffnungssaetze (die sofort neugierig machen)
3. Was-waere-wenn-Fragen (ueberraschend, menschlich)
4. Szenen (atmosphaerisch dichte Momente)
5. Letzte Saetze (die nachhallen)
Kontext: deutschsprachiger Alltag, keine Fantasy-Klischees.
Ab jetzt fuegst du regelmaessig hinzu. Jedes Mal wenn dir etwas auffaellt — rein damit. In einem Monat hast du einen Fundus auf den du immer zurueckgreifen kannst.
Wenn die Blockade haerter zuschlaegt
Manchmal reichen Techniken nicht. Manchmal sitzt die Blockade tiefer. Fuer diese Momente:
Die 10-Minuten-Regel: Sag dir „Ich schreibe 10 Minuten lang. Dann darf ich aufhoeren." Schreib irgendetwas. Den groessten Mist den du je geschrieben hast. Oft loest sich die Blockade nach Minute 3 und du schreibst weiter.
Der Perspektivwechsel: Wenn deine Geschichte stockt, schreib die Szene aus der Sicht einer komplett anderen Figur. Oder schreib einen Brief den deine Figur an jemanden schreibt der nie in der Geschichte vorkommt.
Das freie Schreiben: Oeffne ein neues Dokument und schreib 500 Woerter ueber irgendetwas. Keine Regeln, keine Struktur, kein Ziel. Oft findet sich darin der Keim fuer die naechste Szene.
Key Takeaways
- Schreibblockaden sind normal — kein Zeichen von fehlendem Talent
- Constraints befreien: Je spezifischer die Vorgaben, desto kreativer die Ergebnisse
- Generiere Quantitaet (20+ Ideen), dann waehle mit deinem kreativen Instinkt
- Fuehre eine Ideen-Bank: Figuren, Saetze, Fragen, Szenen, Stimmungen sammeln
- Was-waere-wenn ist der maechtiste Geschichtengenerator — eine Frage genuegt
- Wenn nichts hilft: 10-Minuten-Regel, Perspektivwechsel, freies Schreiben
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In der naechsten Lektion geht es um das was Geschichten wirklich unvergesslich macht: Figuren die sich anfuehlen wie echte Menschen, und Welten die lebendig atmen.
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