Lektion 8 20 Min.

Capstone: Eine komplette Kurzgeschichte schreiben

Bringe alles zusammen. Schreibe eine komplette Kurzgeschichte vom Konzept bis zum fertigen Text — mit KI als kreativem Partner.

🔄 Kurzer Rueckblick: Ueber sieben Lektionen hast du ein Arsenal aufgebaut: Ideenfindungs-Techniken (Lektion 2), Figurenentwicklung und Weltenbau (Lektion 3), Plotstruktur (Lektion 4), Dialog und Stimme (Lektion 5), Genre-Bewusstsein (Lektion 6) und Ueberarbeitungs-Techniken (Lektion 7). Jetzt nutzt du alles zusammen.

Du kennst die Werkzeuge. Du kennst die Techniken. Jetzt schreib etwas Echtes.

In dieser Lektion schreibst du eine komplette Kurzgeschichte — 2.000 bis 5.000 Woerter — vom Konzept bis zum polierten Text.

Schritt 1: Waehle dein Konzept (10 Minuten)

Geh zu deiner Ideen-Bank aus Lektion 2. Waehle die Idee die dich nicht loslaesst. Wenn nichts passt, generiere jetzt frische Optionen:

Gib mir 5 Kurzgeschichten-Konzepte die in 2.000-5.000
Woertern erzaehlt werden koennen. Jedes sollte haben:
- Einen klaren Protagonisten mit einem spezifischen Wunsch
- Eine begrenzte Situation (begrenzte Zeit, Raum oder Umfang)
- Einen emotionalen Kern (welches Gefuehl soll der Leser
  am Ende haben?)
- Eine Frage die die Geschichte antreibt

Misch die Vorschlaege: verschiedene Genres, verschiedene
Toene, verschiedene Konflikttypen.

Auswahlkriterien:

  • Kann das in unter 5.000 Woertern komplett erzaehlt werden? (Wenn es sich nach Roman anfuehlt, aufheben.)
  • Fokussiert es auf den Bogen einer Figur? (Mehrere Perspektiven funktionieren selten in Kurzfiktion.)
  • Gibt es eine einzige zentrale Frage? (Kurzgeschichten beantworten eine Frage gut, nicht fuenf schlecht.)
  • Begeistert dich das Konzept? (Du wirst echte Zeit damit verbringen. Begeisterung zaehlt.)

Schritt 2: Entwickle deine Figur (15 Minuten)

Deine Geschichte braucht wahrscheinlich eine Hauptfigur und hoechstens ein oder zwei Nebenfiguren. Kurzfiktion verlangt Fokus.

Meine Kurzgeschichte handelt von: [dein Konzept]
Der Protagonist ist: [Grundidee wer er/sie ist]

Entwickle diese Figur fuer eine Kurzgeschichte:
1. Der Widerspruch der sie interessant macht
2. Was sie will (aeusseres Ziel fuer diese Geschichte)
3. Was sie braucht (innere Wahrheit die sie noch nicht
   akzeptiert hat)
4. Ihre Stimme: 3 typische Ausdruecke oder Sprechweisen
5. Der spezifische Moment den die Geschichte einfaengt
   (warum JETZT, nicht letzte Woche oder naechstes Jahr?)

Fuer Kurzfiktion brauchst du kein vollstaendiges Vier-Schichten-Profil. Du brauchst eine Figur die sich im verfuegbaren Raum echt anfuehlt. Ein Widerspruch, ein Wunsch, ein blinder Fleck. Das genuegt fuer eine kraftvolle Kurzgeschichte.

Schritt 3: Baue deine Struktur (15 Minuten)

Kurzgeschichten folgen komprimierten Versionen der Strukturen aus Lektion 4:

DIE KURZGESCHICHTEN-FORM

Eroeffnungshaken        → Wirf den Leser in etwas Fesselndes
Situation etabliert     → Wer, wo, was auf dem Spiel steht (schnell)
Komplikation            → Das Hindernis oder die Wende die Konflikt erzeugt
Eskalation              → Es wird schwerer, persoenlicher
Wendepunkt              → Eine Enthuelling oder Entscheidung die alles aendert
Aufloesung              → Die neue Realitaet. Die Figur veraendert (oder nicht)
Schlussbild             → Der letzte Moment der nachhallt

Quick Check: Bevor du weiterliest — kannst du fuer dein gewaehltes Konzept den Eroeffnungshaken und das Schlussbild benennen? (Tipp: Die staerksten Kurzgeschichten haben ein Schlussbild das den Eroeffnungshaken spiegelt oder kontrastiert. Dieser Rahmen erzeugt Geschlossenheit.)

Schritt 4: Schreib den Einstieg (20 Minuten)

Der Einstieg einer Kurzgeschichte traegt enormes Gewicht. Du hast etwa 200 Woerter um den Leser zu fangen und gleichzeitig Stimme, Figur und Situation zu etablieren.

Schreib deinen Einstieg. Wenn du feststeckst:

Meine Geschichte beginnt mit: [die Situation aus deiner Gliederung]
Der Ton ist: [Stimmung]
Der emotionale Zustand der Protagonistin: [was sie fuehlt]

Gib mir 3 verschiedene Eroeffnungsabsaetze:
1. Beginne mit einer spezifischen Handlung
2. Beginne mit einem sensorischen Detail
3. Beginne mit einer Dialogzeile oder einem inneren Gedanken

Jeder soll Figurenstimme etablieren und den zentralen
Konflikt innerhalb der ersten 3-4 Saetze andeuten.

Nimm den Ansatz der sich richtig anfuehlt. Nutze den KI-Absatz nicht direkt. Lass ihn dich in Richtung deines Einstiegs weisen, dann schreib ihn in deiner Stimme.

Schritt 5: Schreib den Entwurf (60-90 Minuten)

Jetzt schreib. Folge deiner Gliederung, aber sei ihr nicht versklavt. Wenn die Geschichte woanders hin will, folge ihr.

Entwurfs-Regeln:

  1. Hoer nicht auf um zu ueberarbeiten. Vorwaerts. Spaeter reparieren.
  2. Wenn du feststeckst, frag KI nach Optionen. „Gib mir 3 Wege wie diese Szene weitergehen koennte." Waehle einen und mach weiter.
  3. Bleib im Kopf der Figur. Alles gefiltert durch ihre Wahrnehmung, ihre Stimme, ihre blinden Flecken.
  4. Vertrau deinem Instinkt. Wenn eine Szene sich falsch anfuehlt, ueberspring sie und schreib die naechste. Komm spaeter zurueck.
  5. Ziele auf 2.000-5.000 Woerter. Nicht aufblaehen und nicht abwuergen. Lass die Geschichte ihre natuerliche Laenge finden.

Schritt 6: Ruhen lassen (mindestens ein paar Stunden)

Schliess das Dokument. Geh weg. Mach etwas voellig anderes.

Dieser Schritt ist nicht optional. Dein Gehirn braucht Abstand um die Geschichte klar zu sehen. Wenn du zurueckkommst, wirst du Dinge bemerken die du beim Schreiben nicht sehen konntest.

Schritt 7: Ueberarbeite (45-60 Minuten)

Wende jetzt die Ueberarbeitungs-Durchgaenge aus Lektion 7 an, komprimiert fuer eine Kurzgeschichte:

Struktureller Durchgang:

Hier ist meine komplette Kurzgeschichte: [einfuegen]

Strukturelle Bewertung:
1. Funktioniert der Eroeffnungshaken? Beginnt die Geschichte
   an der richtigen Stelle?
2. Ist die Eskalation klar und fesselnd?
3. Landet der Wendepunkt mit Wirkung?
4. Ist das Ende verdient und resonant?
5. Gibt es Szenen oder Absaetze die gestrichen werden koennten
   ohne etwas Essenzielles zu verlieren?
6. Vervollstaendigt sich der Figurenbogen?

Stimme- und Stil-Durchgang:

Pruefe die Prosa meiner Kurzgeschichte: [einfuegen]

Fokus auf:
1. Ist die Stimme durchgehend konsistent?
2. Wo fuehlt sich die Prosa flach oder generisch an?
3. Gibt es Passagen die erzaehlen statt zu zeigen?
4. Identifiziere die 5 schwaechsten Saetze und erklaere warum
5. Identifiziere die 5 staerksten Saetze und was sie ausmacht

Letzter Feinschliff: Korrekturlesen auf Grammatik, Dialog-Formatierung, Konsistenz und unklare Saetze.

Schritt 8: Laut vorlesen

Lies deine Geschichte laut vor, Anfang bis Ende. Jedes Wort. Markiere jede Stelle an der du stolperst, Energie verlierst oder den Drang hast vorzuspringen. Das sind die Schwachstellen. Reparier sie.

Kurs-Ueberblick

LektionSkillWas er dir gibt
1. WillkommenKI als PartnerWorkflow und Mindset
2. IdeenfindungBrainstormingEndloses Rohmaterial
3. Figuren & WeltenTiefe und KonsistenzLebendige Figuren und Orte
4. PlotStruktur und SpannungGeschichte mit Schwung
5. Dialog & StimmeHandwerkAuthentische Figuren und eigene Stimme
6. GenresKonventionenGenre-Kompetenz
7. UeberarbeitungFeinschliffQualitaet und Finish
8. CapstoneAlles zusammenEine fertige Geschichte

Deine kreative Schreibpraxis

Die Geschichte die du heute geschrieben hast ist ein Anfang, kein Ende. So baust du weiter:

Woechentlich: Eine Ideenfindungs-Session. Neue Ideen in die Bank. Mindestens 500 Woerter Fiktion schreiben.

Monatlich: Eine Kurzgeschichte oder ein Kapitel fertigstellen. Ein aelteres Stueck mit frischem Blick ueberarbeiten.

Laufend: Viel lesen in deinem Genre. Wenn du eine Technik bewunderst, reverse-engineere sie. Wenn dein Schreiben sich verbessert, geh zurueck zu frueheren Arbeiten und sieh den Fortschritt.

Die essentielle Gewohnheit: Regelmaessig schreiben, auch wenn es schwer ist. Besonders wenn es schwer ist. Konsistenz baut Handwerk schneller auf als Inspiration es je koennte.

KI ist dein Partner in dieser Praxis. Sie wird deine Geschichten nicht fuer dich schreiben, aber sie sorgt dafuer dass du nie allein vor der leeren Seite stehst.

Geh und schreib etwas das nur du schreiben kannst.

Key Takeaways

  • Der effektivste KI-Workflow: Ideenfindung → Entwicklung → Entwurf → Ruhen lassen → Ueberarbeiten → Feinschliff
  • Kurzgeschichten verlangen Fokus: eine Figur, eine zentrale Frage, minimale Nebenstraenge
  • Schreib den Entwurf ohne zu stoppen — Ueberarbeitung kommt spaeter
  • Lass den Entwurf ruhen bevor du ueberarbeitest — Abstand schafft Perspektive
  • KI ist Werkzeugkasten, nicht Ghostwriter — du triffst jede kreative Entscheidung
  • Regelmaessiges Schreiben baut Handwerk auf — die leere Seite wird mit der Zeit weniger einschuechternd

Wissenscheck

1. Was ist der ideale Ansatz fuer eine Kurzgeschichte mit KI-Unterstuetzung?

2. Wie viele Figuren und Nebenhandlungen sollte eine Kurzgeschichte (2.000-5.000 Woerter) typischerweise haben?

3. Was macht das Ende einer Kurzgeschichte befriedigend?

4. Was solltest du nach Fertigstellung deiner Kurzgeschichte tun bevor du sie fuer fertig erklaerst?

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