Lektion 4 15 Min.

Nachfrageprognose

Nachfrage vorhersagen mit gleitendem Durchschnitt, Trendanalyse und saisonaler Anpassung. KI-Methoden fuer genauere Prognosen.

Die Zukunft vorhersagen — mit Daten

🔄 Recall: In der letzten Lektion hast du Meldebestand und Sicherheitsbestand berechnet. Beide haengen von einer Zahl ab: der erwarteten Nachfrage. Je besser deine Nachfrageprognose, desto praeziser der Bestand — weniger Ueberbestand, weniger Fehlbestaende.

Die perfekte Prognose gibt es nicht. Aber der Unterschied zwischen „ich schaetze mal" und einer datenbasierten Prognose kann 15-30% genauere Ergebnisse bringen — und das schlaegt direkt auf Lagerkosten und Liefertreue durch.

Was du in dieser Lektion lernst:

  • Drei Prognosemethoden anwenden (gleitender Durchschnitt, trendbereinigt, saisonbereinigt)
  • Die Prognosegenauigkeit mit dem MAPE messen
  • KI fuer fortgeschrittene Prognosen einsetzen

Methode 1: Gleitender Durchschnitt

Die einfachste Methode: Der Durchschnitt der letzten N Monate als Prognose fuer den naechsten Monat.

Beispiel (3-Monats-Durchschnitt)

MonatVerkaeufe3-Monats-Durchschnitt
Januar100
Februar120
Maerz110
April?(100 + 120 + 110) / 3 = 110

Vor- und Nachteile

Vorteil: Einfach, glaettet zufaellige Schwankungen.

Nachteil: Reagiert langsam auf Trends. Wenn die Verkaeufe jeden Monat steigen, unterschaetzt der Durchschnitt systematisch.

Wann nutzen: Stabile Produkte ohne starken Trend oder Saisonalitaet.

Quick Check: Wenn die Verkaeufe der letzten 3 Monate 200, 220 und 240 waren — was prognostiziert der 3-Monats-Durchschnitt? Und wird die Prognose zu hoch oder zu niedrig sein, wenn der Trend anhaelt? (Antwort: 220, und zu niedrig — der Trend zeigt aufwaerts.)

Methode 2: Trendbereinigter Durchschnitt

Wenn deine Verkaeufe steigen oder fallen, muss der Trend einberechnet werden:

Schritt fuer Schritt

  1. Berechne den gleitenden Durchschnitt (wie oben)
  2. Berechne den Trend: Differenz zwischen aufeinanderfolgenden Durchschnitten
  3. Addiere den Trend zur Prognose

Beispiel

MonatVerkaeufe3-Mo-DurchschnittTrend
Q1-Schnitt100
Q2-Schnitt115+15
Q3-Schnitt125+10
Q4-Prognose?125 + 10 = 135(Trend-Fortsetzung)

Wann nutzen: Produkte mit erkennbarem Wachstums- oder Schrumpfungstrend.

Methode 3: Saisonale Prognose

Viele Produkte haben saisonale Muster — Weihnachtsgeschaeft, Sommersaison, Schuljahresbeginn:

Der Saisonindex

  1. Berechne den Monatsdurchschnitt ueber das ganze Jahr
  2. Teile den tatsaechlichen Monatswert durch den Durchschnitt = Saisonindex

Beispiel: Online-Kerzenshop

MonatVerkaeufeMonatsdurchschnittSaisonindex
Jan-Maerz400/Monat5000,80
Apr-Jun450/Monat5000,90
Jul-Sep350/Monat5000,70
Okt-Dez800/Monat5001,60

Die Prognoseformel

Prognose = Basisprognose × Saisonindex

Wenn du fuer naechstes Jahr einen Trend von +10% erwartest:

  • Basis naechstes Jahr: 550/Monat
  • Januar-Prognose: 550 × 0,80 = 440
  • Dezember-Prognose: 550 × 1,60 = 880

Wann nutzen: Produkte mit jaehrlich wiederkehrenden Mustern.

KI-Hilfe

Hier sind meine monatlichen Verkaeufe der letzten 2 Jahre:
[Jahr 1: Jan 380, Feb 400, Mrz 420, ... Dez 850]
[Jahr 2: Jan 410, Feb 430, Mrz 450, ... Dez 920]

Berechne:
1. Saisonindizes fuer jeden Monat
2. Den Jahrestrend (Wachstumsrate)
3. Eine monatliche Prognose fuer Jahr 3
4. Den MAPE meiner bisherigen Prognosen (falls ich einfach
   den Vorjahreswert genommen haette)

Prognosegenauigkeit messen: MAPE

Du brauchst eine Zahl, die dir sagt, ob deine Prognosen gut sind:

MAPE-Formel

MAPE = (1/n) × Σ |Tatsaechlich − Prognose| / Tatsaechlich × 100%

Bewertung

MAPEBewertungTypisch fuer
< 10%Sehr gutStabile Produkte, gute Datenbasis
10-20%AkzeptabelDie meisten Produkte
20-30%MaessigNeue Produkte, volatile Maerkte
> 30%SchlechtUnzuverlaessig, Methode ueberpruefen

Warum MAPE tracken?

Ohne Genauigkeitsmessung ist jede Prognose Bauchgefuehl. MAPE zeigt:

  • Ob deine Methode funktioniert
  • Ob sie sich verbessert (oder verschlechtert)
  • Welche Produkte schwer vorherzusagen sind (die brauchen mehr Sicherheitsbestand)

KI-Prognosen: Was ist moeglich?

Moderne KI-Modelle kombinieren mehrere Datequellen fuer genauere Prognosen:

DatequelleWas sie liefertBeispiel
Historische VerkaeufeBasis-Muster, SaisonalitaetMonatliche Verkaufszahlen der letzten 2+ Jahre
POS-Daten (Point of Sale)Echtzeit-NachfragesignaleWas wird gerade gekauft?
WetterdatenSaisonale NachfrageverschiebungenHeisser Sommer = mehr Getraenke, weniger Kerzen
Social-Media-TrendsFruehe TrendsignalePloeztlicher TikTok-Hype fuer ein Produkt
WirtschaftsindikatorenMakro-TrendsGfK-Konsumklima, Inflation, Arbeitslosigkeit

Demand Sensing ergaenzt die klassische Planung: Kurzfristige Signale (POS-Daten, Suchanfragen) korrigieren die Langfristprognose in Echtzeit.

Quick Check: Welche Datenquellen neben historischen Verkaeufen koennten fuer dein Geschaeft relevant sein? Wetter? Social Media? Wirtschaftslage?

Die drei Methoden kombinieren

Die beste Prognose nutzt nicht eine Methode, sondern kombiniert:

  1. Gleitender Durchschnitt als Basislinie
  2. Trendanpassung fuer wachsende/schrumpfende Produkte
  3. Saisonindizes fuer jaehrliche Muster
  4. KI-Demand-Sensing fuer kurzfristige Korrekturen
Endprognose = Basislinie × (1 + Trend%) × Saisonindex × Demand-Sensing-Korrekturfaktor

Key Takeaways

  • Gleitender Durchschnitt ist die einfachste Methode — gut fuer stabile Produkte, schlecht bei Trends
  • Trendbereinigung addiert Wachstum/Schrumpfung — verhindert systematisches Unter-/Ueberschaetzen
  • Saisonindizes erfassen jaehrliche Muster — essentiell fuer Weihnachtsgeschaeft, Sommersaison & Co.
  • MAPE misst die Prognosegenauigkeit: <10% sehr gut, 10-20% akzeptabel, >30% schlecht
  • KI ergaenzt klassische Methoden mit Echtzeit-Daten (POS, Wetter, Social Media) — bis zu 15-30% genauere Prognosen
  • Gute Prognosen = kleinerer Sicherheitsbestand = weniger Kapital im Lager

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Wissenscheck

1. Warum reicht der einfache Durchschnitt der letzten 12 Monate oft nicht als Nachfrageprognose?

2. Dein Produkt verkauft sich von Januar bis November gleichmaessig (100 Stueck/Monat), aber im Dezember 250 Stueck. Was ist der Saisonindex fuer Dezember?

3. Was ist der MAPE (Mean Absolute Percentage Error) und warum ist er wichtig?

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