Nachfrageprognose
Nachfrage vorhersagen mit gleitendem Durchschnitt, Trendanalyse und saisonaler Anpassung. KI-Methoden fuer genauere Prognosen.
Die Zukunft vorhersagen — mit Daten
🔄 Recall: In der letzten Lektion hast du Meldebestand und Sicherheitsbestand berechnet. Beide haengen von einer Zahl ab: der erwarteten Nachfrage. Je besser deine Nachfrageprognose, desto praeziser der Bestand — weniger Ueberbestand, weniger Fehlbestaende.
Die perfekte Prognose gibt es nicht. Aber der Unterschied zwischen „ich schaetze mal" und einer datenbasierten Prognose kann 15-30% genauere Ergebnisse bringen — und das schlaegt direkt auf Lagerkosten und Liefertreue durch.
Was du in dieser Lektion lernst:
- Drei Prognosemethoden anwenden (gleitender Durchschnitt, trendbereinigt, saisonbereinigt)
- Die Prognosegenauigkeit mit dem MAPE messen
- KI fuer fortgeschrittene Prognosen einsetzen
Methode 1: Gleitender Durchschnitt
Die einfachste Methode: Der Durchschnitt der letzten N Monate als Prognose fuer den naechsten Monat.
Beispiel (3-Monats-Durchschnitt)
| Monat | Verkaeufe | 3-Monats-Durchschnitt |
|---|---|---|
| Januar | 100 | — |
| Februar | 120 | — |
| Maerz | 110 | — |
| April | ? | (100 + 120 + 110) / 3 = 110 |
Vor- und Nachteile
Vorteil: Einfach, glaettet zufaellige Schwankungen.
Nachteil: Reagiert langsam auf Trends. Wenn die Verkaeufe jeden Monat steigen, unterschaetzt der Durchschnitt systematisch.
Wann nutzen: Stabile Produkte ohne starken Trend oder Saisonalitaet.
✅ Quick Check: Wenn die Verkaeufe der letzten 3 Monate 200, 220 und 240 waren — was prognostiziert der 3-Monats-Durchschnitt? Und wird die Prognose zu hoch oder zu niedrig sein, wenn der Trend anhaelt? (Antwort: 220, und zu niedrig — der Trend zeigt aufwaerts.)
Methode 2: Trendbereinigter Durchschnitt
Wenn deine Verkaeufe steigen oder fallen, muss der Trend einberechnet werden:
Schritt fuer Schritt
- Berechne den gleitenden Durchschnitt (wie oben)
- Berechne den Trend: Differenz zwischen aufeinanderfolgenden Durchschnitten
- Addiere den Trend zur Prognose
Beispiel
| Monat | Verkaeufe | 3-Mo-Durchschnitt | Trend |
|---|---|---|---|
| Q1-Schnitt | — | 100 | — |
| Q2-Schnitt | — | 115 | +15 |
| Q3-Schnitt | — | 125 | +10 |
| Q4-Prognose | ? | 125 + 10 = 135 | (Trend-Fortsetzung) |
Wann nutzen: Produkte mit erkennbarem Wachstums- oder Schrumpfungstrend.
Methode 3: Saisonale Prognose
Viele Produkte haben saisonale Muster — Weihnachtsgeschaeft, Sommersaison, Schuljahresbeginn:
Der Saisonindex
- Berechne den Monatsdurchschnitt ueber das ganze Jahr
- Teile den tatsaechlichen Monatswert durch den Durchschnitt = Saisonindex
Beispiel: Online-Kerzenshop
| Monat | Verkaeufe | Monatsdurchschnitt | Saisonindex |
|---|---|---|---|
| Jan-Maerz | 400/Monat | 500 | 0,80 |
| Apr-Jun | 450/Monat | 500 | 0,90 |
| Jul-Sep | 350/Monat | 500 | 0,70 |
| Okt-Dez | 800/Monat | 500 | 1,60 |
Die Prognoseformel
Prognose = Basisprognose × Saisonindex
Wenn du fuer naechstes Jahr einen Trend von +10% erwartest:
- Basis naechstes Jahr: 550/Monat
- Januar-Prognose: 550 × 0,80 = 440
- Dezember-Prognose: 550 × 1,60 = 880
Wann nutzen: Produkte mit jaehrlich wiederkehrenden Mustern.
KI-Hilfe
Hier sind meine monatlichen Verkaeufe der letzten 2 Jahre:
[Jahr 1: Jan 380, Feb 400, Mrz 420, ... Dez 850]
[Jahr 2: Jan 410, Feb 430, Mrz 450, ... Dez 920]
Berechne:
1. Saisonindizes fuer jeden Monat
2. Den Jahrestrend (Wachstumsrate)
3. Eine monatliche Prognose fuer Jahr 3
4. Den MAPE meiner bisherigen Prognosen (falls ich einfach
den Vorjahreswert genommen haette)
Prognosegenauigkeit messen: MAPE
Du brauchst eine Zahl, die dir sagt, ob deine Prognosen gut sind:
MAPE-Formel
MAPE = (1/n) × Σ |Tatsaechlich − Prognose| / Tatsaechlich × 100%
Bewertung
| MAPE | Bewertung | Typisch fuer |
|---|---|---|
| < 10% | Sehr gut | Stabile Produkte, gute Datenbasis |
| 10-20% | Akzeptabel | Die meisten Produkte |
| 20-30% | Maessig | Neue Produkte, volatile Maerkte |
| > 30% | Schlecht | Unzuverlaessig, Methode ueberpruefen |
Warum MAPE tracken?
Ohne Genauigkeitsmessung ist jede Prognose Bauchgefuehl. MAPE zeigt:
- Ob deine Methode funktioniert
- Ob sie sich verbessert (oder verschlechtert)
- Welche Produkte schwer vorherzusagen sind (die brauchen mehr Sicherheitsbestand)
KI-Prognosen: Was ist moeglich?
Moderne KI-Modelle kombinieren mehrere Datequellen fuer genauere Prognosen:
| Datequelle | Was sie liefert | Beispiel |
|---|---|---|
| Historische Verkaeufe | Basis-Muster, Saisonalitaet | Monatliche Verkaufszahlen der letzten 2+ Jahre |
| POS-Daten (Point of Sale) | Echtzeit-Nachfragesignale | Was wird gerade gekauft? |
| Wetterdaten | Saisonale Nachfrageverschiebungen | Heisser Sommer = mehr Getraenke, weniger Kerzen |
| Social-Media-Trends | Fruehe Trendsignale | Ploeztlicher TikTok-Hype fuer ein Produkt |
| Wirtschaftsindikatoren | Makro-Trends | GfK-Konsumklima, Inflation, Arbeitslosigkeit |
Demand Sensing ergaenzt die klassische Planung: Kurzfristige Signale (POS-Daten, Suchanfragen) korrigieren die Langfristprognose in Echtzeit.
✅ Quick Check: Welche Datenquellen neben historischen Verkaeufen koennten fuer dein Geschaeft relevant sein? Wetter? Social Media? Wirtschaftslage?
Die drei Methoden kombinieren
Die beste Prognose nutzt nicht eine Methode, sondern kombiniert:
- Gleitender Durchschnitt als Basislinie
- Trendanpassung fuer wachsende/schrumpfende Produkte
- Saisonindizes fuer jaehrliche Muster
- KI-Demand-Sensing fuer kurzfristige Korrekturen
Endprognose = Basislinie × (1 + Trend%) × Saisonindex × Demand-Sensing-Korrekturfaktor
Key Takeaways
- Gleitender Durchschnitt ist die einfachste Methode — gut fuer stabile Produkte, schlecht bei Trends
- Trendbereinigung addiert Wachstum/Schrumpfung — verhindert systematisches Unter-/Ueberschaetzen
- Saisonindizes erfassen jaehrliche Muster — essentiell fuer Weihnachtsgeschaeft, Sommersaison & Co.
- MAPE misst die Prognosegenauigkeit: <10% sehr gut, 10-20% akzeptabel, >30% schlecht
- KI ergaenzt klassische Methoden mit Echtzeit-Daten (POS, Wetter, Social Media) — bis zu 15-30% genauere Prognosen
- Gute Prognosen = kleinerer Sicherheitsbestand = weniger Kapital im Lager
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