Lieferantenmanagement
Lieferanten systematisch bewerten mit Scorecards, Dual-Sourcing-Strategien aufbauen und KI fuer Lieferantenvergleiche nutzen.
Deine wichtigsten Geschaeftspartner
🔄 Recall: In der vorherigen Lektion hast du Nachfrageprognosen gelernt, um kuenftige Verkaeufe vorherzusagen. Aber selbst die beste Prognose nuetzt nichts, wenn dein Lieferant nicht liefern kann. Lieferantenmanagement sichert die Upstream-Seite deiner Kette.
Deine Lieferanten sind Geschaeftspartner — ob du sie so behandelst oder nicht. Die Qualitaet dieser Beziehungen bestimmt direkt die Qualitaet deiner Produkte, deine Liefergeschwindigkeit, deine Kosten und deine Flexibilitaet.
Was du in dieser Lektion lernst:
- Lieferanten mit einer gewichteten Scorecard objektiv bewerten
- Eine Dual-Sourcing-Strategie fuer kritische Materialien aufbauen
- KI fuer Lieferantenvergleiche und Verhandlungsvorbereitung nutzen
Die wahren Kosten eines schlechten Lieferanten
Billig einkaufen klingt schlau — bis die versteckten Kosten kommen:
| Sichtbare Kosten | Versteckte Kosten |
|---|---|
| Stueckpreis: 5,00 EUR | Ausschuss (Retouren, Nacharbeit): +0,50 EUR/Stueck |
| Versand: 0,30 EUR/Stueck | Verspaetungen (Expressersatz): +0,75 EUR/Stueck |
| Qualitaetskontrolle: +0,20 EUR/Stueck | |
| Kundenbeschwerden (Reputationsschaden): unberechenbar | |
| Scheint: 5,30 EUR/Stueck | Tatsaechlich: 6,75 EUR/Stueck |
Ein Lieferant, der 5,80 EUR/Stueck nimmt, aber zuverlaessig in Top-Qualitaet liefert, ist der bessere Deal.
✅ Quick Check: Hast du (oder ein hypothetischer Haendler) schon mal einen Lieferanten nur wegen des Preises gewaehlt und es bereut? Was waren die versteckten Kosten?
Die Lieferanten-Scorecard
Eine Scorecard macht die Lieferantenbewertung objektiv. Schluss mit „die sind doch ganz okay".
Die fuenf Dimensionen
| Dimension | Gewicht | Was messen? |
|---|---|---|
| Qualitaet | 30% | Ausschussrate, Konsistenz, Einhaltung der Spezifikationen |
| Liefertreue | 25% | Puenktlichkeitsrate, Lieferzeit-Genauigkeit, Flexibilitaet |
| Kosten | 20% | Stueckpreis, Gesamtkosten (TCO), Zahlungsbedingungen |
| Kommunikation | 15% | Reaktionszeit, proaktive Updates, Problemloesungsgeschwindigkeit |
| Stabilitaet | 10% | Finanzielle Gesundheit, Kapazitaet fuer Wachstum, Notfallplaene |
Bewertungsskala (1-5)
- 5 — Herausragend (uebertrifft Erwartungen konstant)
- 4 — Gut (erfuellt Erwartungen zuverlaessig)
- 3 — Akzeptabel (Mindeststandards erfuellt)
- 2 — Unter Standard (haeufige Probleme)
- 1 — Inakzeptabel (kritische Ausfaelle)
Gewichtete Berechnung
| Dimension | Gewicht | Note (1-5) | Gewichtete Note |
|---|---|---|---|
| Qualitaet | 30% | 4 | 1,20 |
| Liefertreue | 25% | 3 | 0,75 |
| Kosten | 20% | 5 | 1,00 |
| Kommunikation | 15% | 4 | 0,60 |
| Stabilitaet | 10% | 3 | 0,30 |
| Gesamt | 100% | 3,85 / 5,00 |
KI-Hilfe
Ich habe drei Lieferanten fuer mein Hauptprodukt.
Hier die Daten:
- Lieferant A: 2% Ausschuss, 95% puenktlich, 4,50 EUR/Stueck,
antwortet in 24h, 8 Jahre am Markt
- Lieferant B: 5% Ausschuss, 78% puenktlich, 3,80 EUR/Stueck,
antwortet in 72h, 2 Jahre am Markt
- Lieferant C: 1% Ausschuss, 92% puenktlich, 5,20 EUR/Stueck,
antwortet in 12h, 15 Jahre am Markt
Erstelle eine gewichtete Scorecard, empfiehl die Aufteilung
der Bestellmengen und erstelle eine Risikobewertung.
Dual Sourcing: Risiko-Absicherung
Sich auf einen einzigen Lieferanten fuer kritische Materialien zu verlassen, ist eine tickende Zeitbombe. COVID hat das schmerzhaft demonstriert.
Das 70/30-Modell
Primaerer Lieferant (70-80%): Dein bester Performer bekommt das Gros der Bestellungen. Volumen belohnt ihn mit deinem Geschaeft.
Sekundaerer Lieferant (20-30%): Ein qualifizierter Backup bleibt mit genug Bestellungen im Spiel, um deine Anforderungen zu kennen.
Vorteile:
- Kontinuitaet bei Ausfall des Primaerlieferanten
- Verhandlungsposition (Lieferanten wissen, dass Wettbewerb herrscht)
- Kapazitaetsflexibilitaet bei Nachfragespitzen
- Echtzeit-Performance-Vergleich
Wann Single Sourcing akzeptabel ist
- Geringwertige Artikel mit vielen verfuegbaren Alternativen
- Produkte mit sehr kurzer Lieferzeit (schneller Wechsel moeglich)
- Proprietary-Komponenten, wo nur ein Anbieter existiert (dann: besonders intensive Beziehungspflege)
Lieferantenbeziehungen strategisch fuehren
Die besten Lieferantenbeziehungen gehen ueber Transaktionen hinaus:
Kommunikationsrhythmus
| Frequenz | Aktivitaet | Zweck |
|---|---|---|
| Woechentlich | Bestellstatus-Updates | Laufende Lieferungen tracken |
| Monatlich | Performance-Review | Scorecard-Ergebnisse teilen, Probleme adressieren |
| Quartal | Strategisches Review | Prognosen teilen, Kapazitaet besprechen, Verbesserungen |
| Jaehrlich | Vertragsverhandlung | Konditionen auf Basis der Performance anpassen |
Vom Lieferanten zum Partner
- Prognosen teilen — hilft dem Lieferanten, Kapazitaet fuer dich zu planen
- Feedback geben — hilft ihm, Qualitaet zu verbessern
- Puenktlich zahlen — baut Vertrauen und Prioritaet auf
- Leistung anerkennen — Lieferanten priorisieren Kunden, die Wertschaetzung zeigen
Deutschland-Spezifisch: Der Mittelstand lebt von langfristigen Lieferantenbeziehungen. In vielen Branchen sind persoenliche Kontakte auf Messen (Hannover Messe, Automechanika) genauso wichtig wie die reine Scorecard-Bewertung.
✅ Quick Check: Wie oft sprichst du (oder ein hypothetischer Haendler) mit deinen wichtigsten Lieferanten — nur bei Problemen, oder regelmaessig? Regelmaessiger Kontakt verhindert Ueberraschungen.
Key Takeaways
- Gesamtkosten (TCO) statt Stueckpreis vergleichen — versteckte Kosten machen den „billigen" Lieferanten oft teurer
- Eine gewichtete Scorecard (Qualitaet 30%, Liefertreue 25%, Kosten 20%, Kommunikation 15%, Stabilitaet 10%) macht Bewertung objektiv
- Dual Sourcing (70/30-Split) schuetzt vor Single-Source-Risiken und staerkt die Verhandlungsposition
- Strategische Partnerschaften (regelmaessige Reviews, Prognosenteilung, puenktliche Zahlung) machen Lieferanten zu Verbuendeten
- KI hilft beim Scorecard-Vergleich, Risikobewertung und Verhandlungsvorbereitung
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In Lektion 6: Kostenoptimierung zoomen wir auf die gesamte Lieferkette und finden Geld, das du gar nicht wusstest, dass du es verlierst. Pareto-Prinzip, TCO-Analyse und sieben erprobte Optimierungstechniken.
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