Lektion 5 12 Min.

Lieferantenmanagement

Lieferanten systematisch bewerten mit Scorecards, Dual-Sourcing-Strategien aufbauen und KI fuer Lieferantenvergleiche nutzen.

Deine wichtigsten Geschaeftspartner

🔄 Recall: In der vorherigen Lektion hast du Nachfrageprognosen gelernt, um kuenftige Verkaeufe vorherzusagen. Aber selbst die beste Prognose nuetzt nichts, wenn dein Lieferant nicht liefern kann. Lieferantenmanagement sichert die Upstream-Seite deiner Kette.

Deine Lieferanten sind Geschaeftspartner — ob du sie so behandelst oder nicht. Die Qualitaet dieser Beziehungen bestimmt direkt die Qualitaet deiner Produkte, deine Liefergeschwindigkeit, deine Kosten und deine Flexibilitaet.

Was du in dieser Lektion lernst:

  • Lieferanten mit einer gewichteten Scorecard objektiv bewerten
  • Eine Dual-Sourcing-Strategie fuer kritische Materialien aufbauen
  • KI fuer Lieferantenvergleiche und Verhandlungsvorbereitung nutzen

Die wahren Kosten eines schlechten Lieferanten

Billig einkaufen klingt schlau — bis die versteckten Kosten kommen:

Sichtbare KostenVersteckte Kosten
Stueckpreis: 5,00 EURAusschuss (Retouren, Nacharbeit): +0,50 EUR/Stueck
Versand: 0,30 EUR/StueckVerspaetungen (Expressersatz): +0,75 EUR/Stueck
Qualitaetskontrolle: +0,20 EUR/Stueck
Kundenbeschwerden (Reputationsschaden): unberechenbar
Scheint: 5,30 EUR/StueckTatsaechlich: 6,75 EUR/Stueck

Ein Lieferant, der 5,80 EUR/Stueck nimmt, aber zuverlaessig in Top-Qualitaet liefert, ist der bessere Deal.

Quick Check: Hast du (oder ein hypothetischer Haendler) schon mal einen Lieferanten nur wegen des Preises gewaehlt und es bereut? Was waren die versteckten Kosten?

Die Lieferanten-Scorecard

Eine Scorecard macht die Lieferantenbewertung objektiv. Schluss mit „die sind doch ganz okay".

Die fuenf Dimensionen

DimensionGewichtWas messen?
Qualitaet30%Ausschussrate, Konsistenz, Einhaltung der Spezifikationen
Liefertreue25%Puenktlichkeitsrate, Lieferzeit-Genauigkeit, Flexibilitaet
Kosten20%Stueckpreis, Gesamtkosten (TCO), Zahlungsbedingungen
Kommunikation15%Reaktionszeit, proaktive Updates, Problemloesungsgeschwindigkeit
Stabilitaet10%Finanzielle Gesundheit, Kapazitaet fuer Wachstum, Notfallplaene

Bewertungsskala (1-5)

  • 5 — Herausragend (uebertrifft Erwartungen konstant)
  • 4 — Gut (erfuellt Erwartungen zuverlaessig)
  • 3 — Akzeptabel (Mindeststandards erfuellt)
  • 2 — Unter Standard (haeufige Probleme)
  • 1 — Inakzeptabel (kritische Ausfaelle)

Gewichtete Berechnung

DimensionGewichtNote (1-5)Gewichtete Note
Qualitaet30%41,20
Liefertreue25%30,75
Kosten20%51,00
Kommunikation15%40,60
Stabilitaet10%30,30
Gesamt100%3,85 / 5,00

KI-Hilfe

Ich habe drei Lieferanten fuer mein Hauptprodukt.
Hier die Daten:
- Lieferant A: 2% Ausschuss, 95% puenktlich, 4,50 EUR/Stueck,
  antwortet in 24h, 8 Jahre am Markt
- Lieferant B: 5% Ausschuss, 78% puenktlich, 3,80 EUR/Stueck,
  antwortet in 72h, 2 Jahre am Markt
- Lieferant C: 1% Ausschuss, 92% puenktlich, 5,20 EUR/Stueck,
  antwortet in 12h, 15 Jahre am Markt

Erstelle eine gewichtete Scorecard, empfiehl die Aufteilung
der Bestellmengen und erstelle eine Risikobewertung.

Dual Sourcing: Risiko-Absicherung

Sich auf einen einzigen Lieferanten fuer kritische Materialien zu verlassen, ist eine tickende Zeitbombe. COVID hat das schmerzhaft demonstriert.

Das 70/30-Modell

Primaerer Lieferant (70-80%): Dein bester Performer bekommt das Gros der Bestellungen. Volumen belohnt ihn mit deinem Geschaeft.

Sekundaerer Lieferant (20-30%): Ein qualifizierter Backup bleibt mit genug Bestellungen im Spiel, um deine Anforderungen zu kennen.

Vorteile:

  • Kontinuitaet bei Ausfall des Primaerlieferanten
  • Verhandlungsposition (Lieferanten wissen, dass Wettbewerb herrscht)
  • Kapazitaetsflexibilitaet bei Nachfragespitzen
  • Echtzeit-Performance-Vergleich

Wann Single Sourcing akzeptabel ist

  • Geringwertige Artikel mit vielen verfuegbaren Alternativen
  • Produkte mit sehr kurzer Lieferzeit (schneller Wechsel moeglich)
  • Proprietary-Komponenten, wo nur ein Anbieter existiert (dann: besonders intensive Beziehungspflege)

Lieferantenbeziehungen strategisch fuehren

Die besten Lieferantenbeziehungen gehen ueber Transaktionen hinaus:

Kommunikationsrhythmus

FrequenzAktivitaetZweck
WoechentlichBestellstatus-UpdatesLaufende Lieferungen tracken
MonatlichPerformance-ReviewScorecard-Ergebnisse teilen, Probleme adressieren
QuartalStrategisches ReviewPrognosen teilen, Kapazitaet besprechen, Verbesserungen
JaehrlichVertragsverhandlungKonditionen auf Basis der Performance anpassen

Vom Lieferanten zum Partner

  • Prognosen teilen — hilft dem Lieferanten, Kapazitaet fuer dich zu planen
  • Feedback geben — hilft ihm, Qualitaet zu verbessern
  • Puenktlich zahlen — baut Vertrauen und Prioritaet auf
  • Leistung anerkennen — Lieferanten priorisieren Kunden, die Wertschaetzung zeigen

Deutschland-Spezifisch: Der Mittelstand lebt von langfristigen Lieferantenbeziehungen. In vielen Branchen sind persoenliche Kontakte auf Messen (Hannover Messe, Automechanika) genauso wichtig wie die reine Scorecard-Bewertung.

Quick Check: Wie oft sprichst du (oder ein hypothetischer Haendler) mit deinen wichtigsten Lieferanten — nur bei Problemen, oder regelmaessig? Regelmaessiger Kontakt verhindert Ueberraschungen.

Key Takeaways

  • Gesamtkosten (TCO) statt Stueckpreis vergleichen — versteckte Kosten machen den „billigen" Lieferanten oft teurer
  • Eine gewichtete Scorecard (Qualitaet 30%, Liefertreue 25%, Kosten 20%, Kommunikation 15%, Stabilitaet 10%) macht Bewertung objektiv
  • Dual Sourcing (70/30-Split) schuetzt vor Single-Source-Risiken und staerkt die Verhandlungsposition
  • Strategische Partnerschaften (regelmaessige Reviews, Prognosenteilung, puenktliche Zahlung) machen Lieferanten zu Verbuendeten
  • KI hilft beim Scorecard-Vergleich, Risikobewertung und Verhandlungsvorbereitung

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Wissenscheck

1. Warum ist der billigste Lieferant selten der beste?

2. Was ist Dual Sourcing?

3. Welche fuenf Dimensionen gehoeren auf eine Lieferanten-Scorecard?

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