Lektion 2 12 Min.

Finanzielle Bestandsaufnahme

Finde heraus, was reinkommt, was rausgeht und was uebrig bleibt — die Basis fuer jede Finanzentscheidung.

Die Angst vor den eigenen Zahlen

Die meisten Leute wissen ungefaehr, was sie verdienen. Aber was sie tatsaechlich ausgeben? Keine Ahnung. Da wird’s halt unangenehm.

Eine Umfrage der Postbank zeigt: Nur jeder dritte Deutsche fuehrt ein Haushaltsbuch oder trackt seine Ausgaben systematisch. Der Rest? Faehrt auf Sicht. Solange am Monatsende noch was auf dem Konto ist, scheint alles okay zu sein.

Aber „es ist noch was uebrig" ist kein Finanzplan. In dieser Lektion machst du die ehrlichste Uebung des ganzen Kurses: Du findest heraus, was bei dir wirklich los ist.

Schritt 1: Dein Einkommen erfassen

Klingt einfach, ist es aber nicht immer. Dein Einkommen besteht aus mehr als nur dem Gehalt:

Regelmaessiges Einkommen:

  • Netto-Gehalt (das, was auf dem Konto landet)
  • Kindergeld (falls zutreffend)
  • BAföG oder Stipendium
  • Mieteinnahmen
  • Regelmaessige Nebeneinkuenfte

Unregelmaessiges Einkommen:

  • Weihnachtsgeld / Urlaubsgeld
  • Boni, Praemien
  • Steuererstattung
  • Freelance-Auftraege

Wichtig: Rechne nur mit dem Netto. Das Brutto ist fuer die Steuererklaerung relevant, aber fuer dein Budget zaehlt ausschliesslich, was auf dem Konto ankommt.

Hilf mir, mein gesamtes monatliches Einkommen zu erfassen.

Mein Netto-Gehalt: [Betrag]
Weitere regelmaessige Einnahmen: [auflisten oder "keine"]
Unregelmaessige Einnahmen (jaehrlich): [z.B. Weihnachtsgeld, Bonus]

Berechne:
1. Mein garantiertes monatliches Einkommen
2. Mein durchschnittliches Einkommen inklusive unregelmaessiger
   Zahlungen (auf Monate umgerechnet)
3. Empfehlung: Mit welchem Betrag sollte ich planen?

Schritt 2: Fixkosten und variable Ausgaben

Deine Ausgaben fallen in zwei Kategorien:

Fixkosten (jeden Monat gleich oder aehnlich):

  • Miete + Nebenkosten
  • Strom, Gas, Wasser
  • Versicherungen (Haftpflicht, BU, Hausrat, KFZ)
  • Handyvertrag, Internet
  • Streaming-Abos, Fitnessstudio
  • Kredit-Raten
  • GEZ (Rundfunkbeitrag: 18,36 Euro/Monat)

Variable Ausgaben (schwanken monatlich):

  • Lebensmittel und Drogerie
  • Essen gehen, Lieferdienste
  • Kleidung
  • Freizeit, Ausgehen
  • Transport (Tanken, ÖPNV, Deutschlandticket)
  • Geschenke

Quick Check: Was ist der Unterschied zwischen Fixkosten und variablen Ausgaben — und warum ist die Unterscheidung wichtig? (Antwort: Fixkosten fallen jeden Monat an und sind kurzfristig kaum aenderbar. Variable Ausgaben schwanken und bieten sofortiges Sparpotenzial. Wer sparen will, startet bei den variablen Ausgaben — und arbeitet langfristig an den Fixkosten.)

Schritt 3: Schulden auflisten

Hier wird es fuer viele unangenehm. Aber Schulden zu ignorieren macht sie nicht weniger. Liste alles auf:

SchuldenartTypischer Zinssatz
Dispositionskredit (Dispo)10-15%
Kreditkarte (Teilzahlung)12-20%
Ratenkredit3-8%
BAföG0% (zinslos)
Studienkredit KfWvariabel (~4%)
Autofinanzierung3-7%
Immobilienkredit3-4.5% (2026)
Hilf mir, meine Schulden zu erfassen und zu priorisieren.

Meine Schulden:
- [Art]: [Restbetrag], [Zinssatz], [monatliche Rate]
- [Art]: [Restbetrag], [Zinssatz], [monatliche Rate]

Berechne:
1. Meine gesamten Schulden
2. Wie viel ich monatlich insgesamt fuer Schulden zahle
3. Welche Schulden mich am meisten kosten (Zinslast pro Jahr)
4. In welcher Reihenfolge ich sie am besten abbaue

Schritt 4: Vermoegen erfassen

Jetzt die andere Seite — was du hast:

  • Girokonto (aktueller Stand)
  • Tagesgeldkonto
  • Festgeld
  • Depot (ETFs, Aktien, Fonds)
  • Bausparvertrag
  • Lebensversicherung (Rueckkaufswert)
  • Riester-/Ruerup-Guthaben
  • Betriebliche Altersvorsorge
  • Sachwerte (Auto, Schmuck — nur wenn verkaufbar)

Dein Netto-Vermoegen berechnen

Die eine Zahl, die alles zusammenfasst:

Netto-Vermoegen = Alles was du besitzt − Alles was du schuldest

Hier ist meine finanzielle Uebersicht:

Vermoegen:
- Girokonto: [Betrag]
- Tagesgeld: [Betrag]
- Depot: [Betrag]
- Sonstiges: [auflisten]

Schulden:
- [Art und Betrag fuer jede Schuld]

Berechne:
1. Mein Netto-Vermoegen
2. Wie das im Vergleich zu typischen Werten fuer mein Alter
   (ich bin [Alter]) einzuordnen ist
3. Meine drei wichtigsten finanziellen Prioritaeten basierend
   auf diesen Zahlen

Der Notgroschen-Check

Bevor du irgendetwas anderes machst — Investieren, extra Schulden tilgen, Altersvorsorge aufstocken — brauchst du einen Notgroschen.

Faustregel: 3-6 Netto-Monatsgehaeelter auf einem Tagesgeldkonto. Nicht auf dem Girokonto (da gibst du es aus), nicht in ETFs (da kann es kurzfristig im Minus sein).

SituationEmpfohlener Notgroschen
Angestellt, keine Kinder3 Monatsgehaeelter
Angestellt, Familie4-5 Monatsgehaeelter
Selbststaendig6+ Monatsgehaeelter
BerufseinsteigerStarte mit 1.000 Euro, dann aufbauen

Key Takeaways

  • Dein Netto-Einkommen (was auf dem Konto landet) ist die einzige Zahl, die fuer dein Budget zaehlt
  • Fixkosten und variable Ausgaben unterscheiden — Sparpotenzial liegt zuerst bei den variablen
  • Schulden nach Zinssatz priorisieren — Dispo (10-15%) kostet dich am meisten
  • Netto-Vermoegen (Besitz minus Schulden) zeigt dir, wo du wirklich stehst
  • Notgroschen vor allem anderen: 3-6 Monatsgehaeelter auf dem Tagesgeldkonto

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In Lektion 3: Ein Budget, das funktioniert baust du ein Budget-System auf, das zu deinem Leben passt — kein starres Korsett, sondern ein flexibles Werkzeug.

Wissenscheck

1. Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Netto-Einkommen?

2. Warum ist ein Notgroschen wichtiger als sofort mit dem Investieren zu starten?

3. Was versteht man unter dem Netto-Vermoegen?

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