Lektion 2 12 Min.

Zielgruppe und Zweck

Analysiere dein Publikum systematisch und definiere den Zweck deiner Präsentation — damit jede Folie für die Menschen im Raum arbeitet.

Die Präsentation, die nichts verändert hat

Eine Produktmanagerin baut ein 50-Folien-Deck. Perfekte Daten, schöne Grafiken, drei Wochen Arbeit. Die Geschäftsführung hört 15 Minuten zu und fragt: „Und was sollen wir jetzt konkret tun?"

Das Problem: Sie hatte präsentiert, was sie wusste — nicht, was ihr Publikum brauchte.

Starte beim Publikum, nicht bei den Folien

Prompt:

Hilf mir, mein Präsentationspublikum zu analysieren.

Wer sitzt im Raum: [z.B. Geschäftsführung, 5 Personen, alle über 45]
Ihr aktueller Stand zum Thema: [Was wissen sie schon?]
Mein Thema: [Worum geht es?]

Analysiere:
1. Was sind ihre größten Bedenken bei diesem Thema?
2. Was wissen sie schon — und was nicht?
3. Welche Einstellung haben sie wahrscheinlich?
4. Was wäre für sie Zeitverschwendung?
5. Was würde sie wirklich zufriedenstellen?
6. Wer hat Entscheidungsgewalt?
7. Was sind die wahrscheinlichsten Einwände?

Das Purpose Statement

Bevor du eine einzige Folie öffnest, beantworte diese drei Fragen:

Nach meiner Präsentation soll mein Publikum…

  • DENKEN: _______________
  • FÜHLEN: _______________
  • TUN: _______________

Beispiel Quarterly Review:

  • DENKEN: „Unser Produkt wächst in die richtige Richtung"
  • FÜHLEN: Zuversicht und Vertrauen ins Team
  • TUN: Das zusätzliche Budget für Q2 freigeben

Der Grillparty-Test: Kannst du deine Kernbotschaft in einem lockeren Satz zusammenfassen, so dass dein Gegenüber „Oh, interessant!" sagt? Wenn nicht — noch nicht klar genug.

Quick Check: Du präsentierst eine neue Software-Lösung vor der Geschäftsführung. Was ist dein Purpose Statement? Denk an DENKEN/FÜHLEN/TUN, bevor du weiterliest.

Zielgruppentypen und was sie brauchen

Entscheider (Geschäftsführung, Vorstand)

Brauchen: Empfehlung, Business Impact (Umsatz/Kosten/Risiko), klaren Ask Brauchen nicht: Methodik-Details, technische Tiefe, persönliche Geschichte

Struktur: EMPFEHLUNG → BUSINESS IMPACT → KERNBEWEIS → RISIKEN → ASK

Goldene Regel: Deine Präsentation muss allein durch die Headlines verständlich sein.

Fachpublikum (Technik, Spezialisten)

Brauchen: Methodik nachvollziehen, Evidenz prüfen, Details, Respekt für ihre Expertise Brauchen nicht: Vereinfachung, Marketing-Sprache, Patronisierung

Struktur: PROBLEM → ANSATZ/METHODIK → ERGEBNISSE → LIMITIERUNGEN → NÄCHSTE SCHRITTE

Gemischtes Publikum

Brauchen: Mehrschichtige Kommunikation mit klaren Orientierungshilfen

Technik: Verständlich für alle — mit Hinweisen, wo es tiefer wird: „Für die Techniker unter euch: Die Details stehen auf den Backup-Folien."

Einwände vorwegnehmen

Prompt:

Ich präsentiere [Thema] vor [Publikum].

Generiere die 5 wahrscheinlichsten Einwände, die mein Publikum haben könnte.

Für jeden Einwand:
- Der Einwand
- Warum er berechtigt ist
- Wie ich ihn in der Präsentation proaktiv adressiere
- Ein konkreter Satz, den ich sagen kann

Warum das wichtig ist: Einwände, die im Kopf des Zuhörers unbeantwortet bleiben, blockieren alles weitere Zuhören. Proaktiv ansprechen = Blocker räumen.

Dein Zielgruppen-Spickzettel

Erstelle vor jeder Präsentation diese einseitige Referenz:

FeldAusfüllen
WERWer sitzt im Raum? Rollen, Hierarchie
STIMMUNGWie stehen sie zum Thema?
INTERESSIERT ANWas ist ihnen wichtig?
WISSEN SCHONWas muss ich nicht erklären?
ZWECKDENKEN / FÜHLEN / TUN
KERNBOTSCHAFTGrillparty-Test bestanden?
TOP-EINWÄNDEDie 3 wahrscheinlichsten
ERFOLG SIEHT AUS WIEWoran erkenne ich, dass es funktioniert hat?

Diesen Spickzettel wirst du in den nächsten Lektionen immer wieder brauchen.

Übung: Dein Zielgruppen-Profil

  1. Erstelle ein vollständiges Zielgruppen-Profil für deine nächste echte Präsentation
  2. Schreibe dein Purpose Statement (DENKEN/FÜHLEN/TUN)
  3. Mach den Grillparty-Test — erzähl es jemandem in einem Satz
  4. Lass KI die Top-5-Einwände generieren
  5. Fülle den Spickzettel komplett aus

Wichtigste Erkenntnisse

  • Publikum zuerst, Folien danach — alles arbeitet rückwärts vom gewünschten Ergebnis
  • Purpose Statement (DENKEN/FÜHLEN/TUN) definiert jede Folie
  • Grillparty-Test: Kernbotschaft in einem Satz — sonst noch nicht klar genug
  • Zielgruppentypen brauchen verschiedene Strukturen (Entscheider ≠ Fachpublikum)
  • Einwände vorwegnehmen räumt Zuhör-Blocker aus dem Weg
  • Spickzettel ist deine einseitige Referenz vor jeder Präsentation

Nächste Lektion

Lektion 3 zeigt dir, wie du eine Struktur aufbaust, die dein Publikum von Anfang bis Ende mitnimmt — mit dem Situation-Komplikation-Lösung-Framework.

Wissenscheck

1. Was ist die erste Frage, bevor du eine einzige Folie erstellst?

2. Was ist der 'Grillparty-Test' für deine Kernbotschaft?

3. Warum solltest du die Einwände deines Publikums VOR der Präsentation kennen?

Beantworte alle Fragen zum Prüfen

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