Struktur, die trägt
Baue eine Präsentationsstruktur, die Aufmerksamkeit erzeugt, hält und deine Botschaft mit maximaler Wirkung transportiert.
🔄 Recall: Publikum analysiert — jetzt die Architektur
In Lektion 2 hast du dein Publikum profiliert, dein Purpose Statement geschrieben und Einwände vorweggenommen. Jetzt baust du die Struktur, die das alles zusammenhält — den roten Faden, der dein Publikum von Anfang bis Ende mitnimmt.
Die Architektur der Aufmerksamkeit
Denk an den letzten guten Film. Starke Eröffnung, Spannung aufbauen, Rhythmus zwischen schnell und langsam, befriedigender Schluss. Kein Zufall — das ist Struktur.
Deine Präsentation braucht dieselbe Architektur. Struktur = Aufmerksamkeitsmanagement.
Das Fundament: Situation-Komplikation-Lösung (SKL)
Situation: Der aktuelle Zustand — etwas, das dein Publikum kennt Komplikation: Warum der Status quo nicht reicht — das Problem, die Herausforderung Lösung: Dein Vorschlag — was sich ändern muss
Beispiel:
- Situation: Unsere Kundenzufriedenheit lag drei Jahre bei 85%.
- Komplikation: In den letzten 6 Monaten ist sie auf 72% gefallen — und die Kündigungsrate steigt.
- Lösung: Mit drei gezielten Maßnahmen können wir in 90 Tagen auf 80% zurück.
Prompt:
Hilf mir, mein Situation-Komplikation-Lösung-Framework zu finden.
Mein Thema: [Worum geht es?]
Mein Publikum: [Wer hört zu?]
Mein Ziel: [Was soll das Publikum tun?]
Formuliere:
- Die Situation (was alle akzeptieren)
- Die Komplikation (warum das so nicht weitergeht)
- Die Lösung (mein Vorschlag)
Stark einsteigen: Die ersten 60 Sekunden
Die ersten 60 Sekunden entscheiden, ob dein Publikum dabei bleibt. Erzeuge eine Wissenslücke — eine Kluft zwischen dem, was sie wissen, und dem, was sie wissen wollen.
5 Einstiegs-Techniken:
| Technik | Beispiel |
|---|---|
| Überraschende Zahl | „73% aller Meetings produzieren keine einzige Entscheidung." |
| Frage | „Wann war das letzte Meeting, nach dem Sie dachten: Das war wirklich produktiv?" |
| Geschichte | „Letzte Woche hat eine Kundin den Checkout-Prozess abgebrochen. Dreimal." |
| Mutige These | „Unser Einstellungsprozess ist kaputt. Nicht ein bisschen — fundamental." |
| Kontrast | „Der Wettbewerber liefert in 2 Tagen. Wir brauchen 9." |
Was NICHT funktioniert: „Hallo, ich bin [Name], heute spreche ich über…" — einschläfernd. Spar die Vorstellung für nach dem Einstieg.
✅ Quick Check: Du präsentierst eine neue CRM-Software. Welche Einstiegs-Technik würdest du wählen? Überleg kurz, bevor du weiterliest.
(Antwort: Kontrast oder Überraschende Zahl funktionieren hier besonders gut. Z.B.: „Wir verlieren 40% unserer Leads, weil niemand innerhalb einer Stunde antwortet." Sofort klar, warum das Thema wichtig ist.)
Die Drei-Punkte-Struktur
Warum drei? Drei Punkte lassen sich merken (Miller’s Law). Drei erzeugen natürlichen Rhythmus. Drei erzwingen Priorisierung — du kannst nicht alles erzählen.
Prompt:
Mein Thema: [Thema]
Mein Purpose Statement: [DENKEN/FÜHLEN/TUN]
Meine Kernbotschaft: [Ein Satz]
Organisiere mein Material in 3 Hauptpunkte.
Für jeden Punkt:
- BEHAUPTUNG: Was ich sage (1 Satz)
- BEWEIS: Daten, Beispiel oder Geschichte
- BEDEUTUNG: Warum das für mein Publikum wichtig ist
- ÜBERLEITUNG: Brücke zum nächsten Punkt
Interne Struktur jedes Punktes: BEHAUPTUNG → BEWEIS → BEDEUTUNG → ÜBERLEITUNG
Wegweiser: Das GPS deines Publikums
Dein Publikum kann deine Struktur nicht sehen. Du brauchst verbale Hinweisschilder:
Am Anfang: „Drei Dinge zeige ich Ihnen heute: Erstens…, zweitens…, drittens…" Beim Übergang: „Das war die Ursache. Jetzt zur Lösung." Zusammenfassend: „Das Wichtigste aus diesem Teil: …"
Was sich für dich wie Wiederholung anfühlt, ist für dein Publikum Orientierung. Dein Publikum hört zum ersten Mal — du hast die Präsentation zehnmal geprobt.
Der Schluss: Sicher landen
Drei Elemente:
- Zusammenfassen — Die drei Hauptpunkte in je einem Satz
- Kernbotschaft wiederholen — Nochmal der eine Satz
- Handlungsaufforderung — Was soll das Publikum jetzt konkret tun?
Prompt:
Schreibe den Schluss meiner Präsentation.
Meine drei Hauptpunkte: [1, 2, 3]
Meine Kernbotschaft: [Ein Satz]
Mein Call to Action: [Was soll passieren?]
Der Schluss soll unter 90 Sekunden dauern (ca. 200 Wörter).
Niemals: „Ja, das war’s" / „Hat noch jemand Fragen?" als letzten Satz. Der letzte Satz muss sitzen.
Zeitmanagement: Das Folienbudget
| Phase | 10-Min-Talk | 30-Min-Talk |
|---|---|---|
| Einstieg | 1 Min. | 3 Min. |
| Punkt 1 | 2,5 Min. | 7,5 Min. |
| Punkt 2 | 2,5 Min. | 7,5 Min. |
| Punkt 3 | 2 Min. | 6 Min. |
| Schluss | 1 Min. | 3 Min. |
| Puffer | 1 Min. | 3 Min. |
Faustregel: Eine Folie pro Minute. 10-Minuten-Talk = maximal 10 Folien.
Wichtigste Erkenntnisse
- SKL-Framework (Situation-Komplikation-Lösung) gibt deiner Präsentation einen narrativen Bogen
- Erste 60 Sekunden entscheiden — Wissenslücke erzeugen, nicht mit Vorstellung starten
- Drei Hauptpunkte sind ideal — jeder mit BEHAUPTUNG → BEWEIS → BEDEUTUNG → ÜBERLEITUNG
- Wegweiser geben dem Publikum Orientierung — was für dich Wiederholung ist, ist für sie GPS
- Schluss = Zusammenfassung + Kernbotschaft + Call to Action — der letzte Satz muss sitzen
- Folienbudget: Eine Folie pro Minute, 10% Puffer
Nächste Lektion
Lektion 4 zeigt dir, wie du Folien textest, die wirklich wirken — mit Headlines, die Botschaften transportieren, und visueller Hierarchie, die das Auge führt.
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