Lektion 6 15 Min.

Verschiedene Zielgruppen

Passe Stil, Tiefe und Botschaft an — für Geschäftsführung, Fachpublikum, Kunden, Konferenzen und skeptische Zuhörer.

🔄 Recall: Daten können jetzt erzählen — aber für wen?

In Lektion 5 hast du gelernt, Daten in Geschichten zu verwandeln. Aber die gleiche Geschichte wirkt bei verschiedenen Zielgruppen unterschiedlich. Der CFO will andere Dinge hören als das Entwicklungsteam — auch wenn das Thema dasselbe ist.

Eine Präsentation, fünf Zielgruppen

Stell dir vor: Du hast ein neues Feature entwickelt. Jetzt präsentierst du es der Geschäftsführung, dem Vertrieb, der Technik, auf einer Konferenz und einem skeptischen Kooperationspartner. Fünfmal dasselbe Thema — fünfmal ein komplett anderer Vortrag.

Die Executive-Präsentation

Was sie brauchen: Empfehlung, Business Impact (Umsatz/Kosten/Risiko), klaren Ask Was sie NICHT brauchen: Methodik-Details, technische Tiefe, persönliche Erlebnisse

Struktur: EMPFEHLUNG → BUSINESS IMPACT → KERNBEWEIS → RISIKEN/GEGENMASSNAHMEN → ASK

Goldene Regel: Allein durch die Headlines verständlich.

Prompt:

Hilf mir, meine Präsentation für die Geschäftsführung zu framen.

Mein Thema: [Worum geht es?]
Meine Empfehlung: [Was soll passieren?]
Die wichtigsten Zahlen: [Business Impact]

Formuliere:
- Eine Executive-Summary in 3 Sätzen
- 3 Headlines, die die Kernargumente transportieren
- Den Ask (was genau soll die GF entscheiden/freigeben?)
- 2 Risiken mit Gegenmaßnahmen

Quick Check: Du hast 30 Minuten Zeit, der GF ein neues CRM-System vorzustellen. Die Hälfte der Folien zeigt Features und Screenshots. Was ist das Problem?

(Antwort: Die GF interessiert sich nicht für Features — sie will wissen: Was kostet es? Was spart es? Wann sehen wir Ergebnisse? Wie hoch ist das Risiko? Features in Backup-Folien, Business Case nach vorne.)

Die Fachpräsentation

Was sie brauchen: Methodik bewerten, Evidenz prüfen, Details, Respekt für ihre Expertise Was sie NICHT brauchen: Vereinfachung, Marketing-Sprache, Patronisierung

Struktur: PROBLEM → ANSATZ/METHODIK → ERGEBNISSE → LIMITIERUNGEN → NÄCHSTE SCHRITTE

Bereite doppelt so viele Backup-Folien vor wie für andere Zielgruppen. Fachleute stellen Detailfragen.

Die Kundenpräsentation

Was sie brauchen: Ihr Problem verstanden sehen, Ergebnis-Fokus, Vertrauen Was sie NICHT brauchen: Interne Prozesse, technische Details, Selbstbeweihräucherung

Struktur: IHR PROBLEM → DEIN ANSATZ → BEWEIS (Referenzen, Case Studies) → WAS SIE BEKOMMEN → NÄCHSTER SCHRITT

Schlüssel: Verwende ihre Sprache. Nicht deine Fachbegriffe — sondern die Worte, die sie selbst benutzen.

Prompt:

Ich präsentiere [Angebot] vor einem potenziellen Kunden.

Der Kunde: [Branche, Größe, Situation]
Sein Problem: [Was nervt ihn?]
Mein Angebot: [Was schlage ich vor?]

Formuliere die Präsentation aus seiner Perspektive:
- Wie beschreibe ich sein Problem in seinen Worten?
- Welche Ergebnisse interessieren ihn (nicht meine Features)?
- Welche Referenzen/Beweise wären überzeugend?
- Was ist der nächste konkrete Schritt?

Der Konferenz-Talk

Was sie brauchen: Teilnehmer haben freiwillig gewählt, dort zu sein — sie erwarten Lernen, Inspiration, Engagement Was sie NICHT brauchen: Werbe-Pitches, Selbstdarstellung, „Unsere Firma…"-Folien

Struktur: HOOK → ERKENNTNIS → BEWEIS → ANWENDUNG → SCHLUSS

Schlüssel: Narrativ getrieben. Geschichten schlagen Folien. Energie schlägt Details.

Das skeptische Publikum

Was sie brauchen: Transparenz, Demut, keine aggressive Überzeugung Was sie NICHT brauchen: Hype, Übertreibungen, ausweichende Antworten

Strategie: SKEPSIS ANERKENNEN → EVIDENZ → LIMITIERUNGEN → VERGLEICH → ZUVERSICHT

Goldene Regel: Nie überverkaufen. Understatement ist bei Skeptikern überzeugender als Enthusiasmus.

Prompt:

Ich präsentiere vor einem skeptischen Publikum.

Mein Thema: [Was?]
Warum sie skeptisch sind: [Bedenken, schlechte Erfahrungen, Vorurteile]

Erstelle eine Strategie:
- Wie spreche ich die Skepsis direkt an?
- Welche Evidenz ist am überzeugendsten?
- Welche Limitierungen sollte ich proaktiv nennen?
- Wie formuliere ich meine Schlussfolgerung so, dass Skeptiker sie akzeptieren?

Spontan anpassen

Manchmal weicht das tatsächliche Publikum vom erwarteten ab. Vorbereitung hilft:

  • Backup-Folien für unterschiedliche Tiefenebenen
  • Skip-Fähigkeit: Wissen, welche Folien du auslassen kannst
  • Raum lesen: Gelangweilt? Kürzen. Engagiert? Vertiefen.
  • Kurzversion im Kopf: Kannst du die Kernbotschaft in 5 Minuten statt 30 bringen?

Übung: Drei Versionen

Nimm eine bestehende Präsentation und erstelle drei Versionen:

  1. Executive-Version (5 Minuten, nur Business Impact)
  2. Peer-Version (30 Minuten, volle Tiefe)
  3. Skeptiker-Version (Limitierungen vorne, Evidenz ehrlich)

Wichtigste Erkenntnisse

  • Entscheider: Empfehlung und Impact zuerst — Details auf Nachfrage
  • Fachpublikum: Methodik respektieren, Backup-Folien vorbereiten
  • Kunden: Ihre Sprache, ihre Perspektive, ihre Probleme
  • Konferenz: Story-getrieben, Mehrwert liefern, kein Firmen-Pitch
  • Skeptiker: Ehrlichkeit, Limitierungen einräumen, nie überverkaufen
  • Drei Versionen im Kopf haben: kurz, voll, defensiv
  • Raum lesen und spontan anpassen können

Nächste Lektion

Lektion 7 zeigt dir, wie du effektiv probst, KI-gestütztes Feedback bekommst, Stressfragen vorbereitest und Lampenfieber in Souveränität verwandelst.

Wissenscheck

1. Was stellst du bei einer Präsentation vor der Geschäftsführung an den Anfang?

2. Wie gehst du mit einem skeptischen Publikum um?

3. Was ist der Hauptunterschied zwischen einem Konferenz-Talk und einer internen Präsentation?

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Passende Skills