Verschiedene Zielgruppen
Passe Stil, Tiefe und Botschaft an — für Geschäftsführung, Fachpublikum, Kunden, Konferenzen und skeptische Zuhörer.
🔄 Recall: Daten können jetzt erzählen — aber für wen?
In Lektion 5 hast du gelernt, Daten in Geschichten zu verwandeln. Aber die gleiche Geschichte wirkt bei verschiedenen Zielgruppen unterschiedlich. Der CFO will andere Dinge hören als das Entwicklungsteam — auch wenn das Thema dasselbe ist.
Eine Präsentation, fünf Zielgruppen
Stell dir vor: Du hast ein neues Feature entwickelt. Jetzt präsentierst du es der Geschäftsführung, dem Vertrieb, der Technik, auf einer Konferenz und einem skeptischen Kooperationspartner. Fünfmal dasselbe Thema — fünfmal ein komplett anderer Vortrag.
Die Executive-Präsentation
Was sie brauchen: Empfehlung, Business Impact (Umsatz/Kosten/Risiko), klaren Ask Was sie NICHT brauchen: Methodik-Details, technische Tiefe, persönliche Erlebnisse
Struktur: EMPFEHLUNG → BUSINESS IMPACT → KERNBEWEIS → RISIKEN/GEGENMASSNAHMEN → ASK
Goldene Regel: Allein durch die Headlines verständlich.
Prompt:
Hilf mir, meine Präsentation für die Geschäftsführung zu framen.
Mein Thema: [Worum geht es?]
Meine Empfehlung: [Was soll passieren?]
Die wichtigsten Zahlen: [Business Impact]
Formuliere:
- Eine Executive-Summary in 3 Sätzen
- 3 Headlines, die die Kernargumente transportieren
- Den Ask (was genau soll die GF entscheiden/freigeben?)
- 2 Risiken mit Gegenmaßnahmen
✅ Quick Check: Du hast 30 Minuten Zeit, der GF ein neues CRM-System vorzustellen. Die Hälfte der Folien zeigt Features und Screenshots. Was ist das Problem?
(Antwort: Die GF interessiert sich nicht für Features — sie will wissen: Was kostet es? Was spart es? Wann sehen wir Ergebnisse? Wie hoch ist das Risiko? Features in Backup-Folien, Business Case nach vorne.)
Die Fachpräsentation
Was sie brauchen: Methodik bewerten, Evidenz prüfen, Details, Respekt für ihre Expertise Was sie NICHT brauchen: Vereinfachung, Marketing-Sprache, Patronisierung
Struktur: PROBLEM → ANSATZ/METHODIK → ERGEBNISSE → LIMITIERUNGEN → NÄCHSTE SCHRITTE
Bereite doppelt so viele Backup-Folien vor wie für andere Zielgruppen. Fachleute stellen Detailfragen.
Die Kundenpräsentation
Was sie brauchen: Ihr Problem verstanden sehen, Ergebnis-Fokus, Vertrauen Was sie NICHT brauchen: Interne Prozesse, technische Details, Selbstbeweihräucherung
Struktur: IHR PROBLEM → DEIN ANSATZ → BEWEIS (Referenzen, Case Studies) → WAS SIE BEKOMMEN → NÄCHSTER SCHRITT
Schlüssel: Verwende ihre Sprache. Nicht deine Fachbegriffe — sondern die Worte, die sie selbst benutzen.
Prompt:
Ich präsentiere [Angebot] vor einem potenziellen Kunden.
Der Kunde: [Branche, Größe, Situation]
Sein Problem: [Was nervt ihn?]
Mein Angebot: [Was schlage ich vor?]
Formuliere die Präsentation aus seiner Perspektive:
- Wie beschreibe ich sein Problem in seinen Worten?
- Welche Ergebnisse interessieren ihn (nicht meine Features)?
- Welche Referenzen/Beweise wären überzeugend?
- Was ist der nächste konkrete Schritt?
Der Konferenz-Talk
Was sie brauchen: Teilnehmer haben freiwillig gewählt, dort zu sein — sie erwarten Lernen, Inspiration, Engagement Was sie NICHT brauchen: Werbe-Pitches, Selbstdarstellung, „Unsere Firma…"-Folien
Struktur: HOOK → ERKENNTNIS → BEWEIS → ANWENDUNG → SCHLUSS
Schlüssel: Narrativ getrieben. Geschichten schlagen Folien. Energie schlägt Details.
Das skeptische Publikum
Was sie brauchen: Transparenz, Demut, keine aggressive Überzeugung Was sie NICHT brauchen: Hype, Übertreibungen, ausweichende Antworten
Strategie: SKEPSIS ANERKENNEN → EVIDENZ → LIMITIERUNGEN → VERGLEICH → ZUVERSICHT
Goldene Regel: Nie überverkaufen. Understatement ist bei Skeptikern überzeugender als Enthusiasmus.
Prompt:
Ich präsentiere vor einem skeptischen Publikum.
Mein Thema: [Was?]
Warum sie skeptisch sind: [Bedenken, schlechte Erfahrungen, Vorurteile]
Erstelle eine Strategie:
- Wie spreche ich die Skepsis direkt an?
- Welche Evidenz ist am überzeugendsten?
- Welche Limitierungen sollte ich proaktiv nennen?
- Wie formuliere ich meine Schlussfolgerung so, dass Skeptiker sie akzeptieren?
Spontan anpassen
Manchmal weicht das tatsächliche Publikum vom erwarteten ab. Vorbereitung hilft:
- Backup-Folien für unterschiedliche Tiefenebenen
- Skip-Fähigkeit: Wissen, welche Folien du auslassen kannst
- Raum lesen: Gelangweilt? Kürzen. Engagiert? Vertiefen.
- Kurzversion im Kopf: Kannst du die Kernbotschaft in 5 Minuten statt 30 bringen?
Übung: Drei Versionen
Nimm eine bestehende Präsentation und erstelle drei Versionen:
- Executive-Version (5 Minuten, nur Business Impact)
- Peer-Version (30 Minuten, volle Tiefe)
- Skeptiker-Version (Limitierungen vorne, Evidenz ehrlich)
Wichtigste Erkenntnisse
- Entscheider: Empfehlung und Impact zuerst — Details auf Nachfrage
- Fachpublikum: Methodik respektieren, Backup-Folien vorbereiten
- Kunden: Ihre Sprache, ihre Perspektive, ihre Probleme
- Konferenz: Story-getrieben, Mehrwert liefern, kein Firmen-Pitch
- Skeptiker: Ehrlichkeit, Limitierungen einräumen, nie überverkaufen
- Drei Versionen im Kopf haben: kurz, voll, defensiv
- Raum lesen und spontan anpassen können
Nächste Lektion
Lektion 7 zeigt dir, wie du effektiv probst, KI-gestütztes Feedback bekommst, Stressfragen vorbereitest und Lampenfieber in Souveränität verwandelst.
Wissenscheck
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Lektion abgeschlossen!