Lektion 7 15 Min.

Üben und Vorbereiten

Effektiv proben, KI-gestütztes Feedback bekommen, Stressfragen vorbereiten und Lampenfieber in Souveränität verwandeln.

🔄 Recall: Zielgruppen angepasst — jetzt der letzte Schliff

In Lektion 6 hast du gelernt, deine Präsentation für verschiedene Zielgruppen anzupassen. Die Folien stehen, die Struktur sitzt. Jetzt fehlt das, was den Unterschied zwischen „ganz gut" und „überzeugend" macht: Proben, Feedback und Vorbereitung auf alles, was schiefgehen kann.

Die Probe, die niemand sieht

Steve Jobs wirkte auf der Bühne mühelos. Was niemand sah: Wochen der Vorbereitung. Paradox: Je mehr du probst, desto natürlicher wirkst du. Nicht trotz der Vorbereitung — wegen ihr.

Drei Phasen der Probe

Phase 1: Inhaltsprobe (2-3 Solo-Durchläufe)

Laut sprechen. Nicht im Kopf durchgehen — laut. Das macht einen enormen Unterschied:

  • Du merkst, welche Formulierungen im Kopf klingen, aber sich beim Sprechen sperrig anfühlen
  • Du findest unklare Übergänge
  • Du bekommst ein Gefühl für die tatsächliche Dauer

Prompt:

Ich habe gerade meine Präsentation laut geprobt. Hier sind die Stellen, an denen ich gestolpert bin oder unsicher war:

[Problematische Stellen beschreiben]

Hilf mir:
- Formulierungen vereinfachen, die sich sperrig anfühlen
- Übergänge natürlicher gestalten
- Abschnitte kürzen, die zu lang geraten sind

Phase 2: Delivery-Probe (1-2 aufgenommene Durchläufe)

Nimm dich auf. Handy-Kamera reicht. Schau dir an:

  • Tempo: Zu schnell? Zu gleichmäßig? Variation fehlt?
  • Füllwörter: „Ähm", „also", „sozusagen" — zähle sie
  • Blickkontakt: Schaust du die Kamera an oder auf deine Notizen?
  • Gestik: Unterstützt sie oder lenkt sie ab?
  • Energie: Würdest du dir selbst zuhören?

Phase 3: Simulation (1-2 Durchläufe mit KI)

Prompt:

Spiel mein Publikum. Ich halte jetzt meine Präsentation.

Mein Publikum: [Wer?]
Thema: [Was?]

Während ich präsentiere:
- Stell Zwischenfragen wie ein echtes Publikum
- Zeig Verwirrung, wenn etwas unklar ist
- Fordere Argumente heraus
- Gib nach jedem Abschnitt kurzes Feedback

Am Ende: Umfassende Bewertung meiner Präsentation.

Q&A-Vorbereitung: Nie wieder überrumpelt

Stressfragen generieren

Prompt:

Generiere die 15 härtesten Fragen, die mein Publikum zu meiner Präsentation stellen könnte.

Mein Thema: [Was?]
Mein Publikum: [Wer?]
Meine Kernbotschaft: [Was?]

Kategorisiere die Fragen:
- 5 zur Methodik/Datengrundlage
- 5 zur Umsetzung/Machbarkeit
- 3 zu Risiken
- 2 unangenehme persönliche Fragen

Übe die Antworten laut. Nicht nur im Kopf — laut. Das zeigt dir, wo deine Argumentation Lücken hat.

Das Antwort-Framework: ANERKENNEN → ANTWORTEN → BELEGEN → ÜBERLEITEN

  • Anerkennen: „Gute Frage" / „Das ist ein wichtiger Punkt"
  • Antworten: Direkte, klare Antwort (nicht drumherum reden)
  • Belegen: Ein Datenpunkt oder Beispiel als Stütze
  • Überleiten: Zurück zur Kernbotschaft oder zum nächsten Punkt

Quick Check: Jemand fragt: „Haben Sie auch die negativen Auswirkungen untersucht?" Du hast die negativen Auswirkungen tatsächlich nicht vollständig untersucht. Was sagst du?

(Antwort: „Ehrlich gesagt haben wir den Fokus auf die Haupteffekte gelegt. Die negativen Auswirkungen sind ein guter Punkt — ich liefere bis Ende der Woche eine ergänzende Analyse nach." Ehrlichkeit + konkretes Follow-up.)

Fragen, die du nicht beantworten kannst

Vier ehrliche Antworten, die Glaubwürdigkeit aufbauen:

  • „Diese Daten habe ich gerade nicht. Ich liefere sie bis Freitag nach."
  • „Das liegt außerhalb unseres Fokus, aber ich kann Sie mit der richtigen Person verbinden."
  • „Das haben wir geprüft und uns aus folgenden Gründen dagegen entschieden…"
  • „Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Ich kläre es und melde mich."

Jedes Mal nachhalten. Wer sagt „Ich liefere nach" und es nicht tut, verliert mehr Glaubwürdigkeit als jemand, der die Frage nie hätte beantworten können.

Lampenfieber verwandeln

Nervosität verstehen

Prompt:

Ich habe Lampenfieber vor meiner Präsentation.

Meine Situation: [Was präsentiere ich? Vor wem?]
Was mir am meisten Angst macht: [konkrete Befürchtung]

Hilf mir:
1. Was ist realistisch das Schlimmste, das passieren kann?
2. Was würde ich in dem Fall tun?
3. Was kann ich vorbereiten, um das Risiko zu reduzieren?
4. Was wird wahrscheinlich wirklich passieren?

Deine Pre-Präsentations-Routine

ZeitpunktWas tun
60 Min. vorherSpickzettel und Headlines durchgehen
30 Min. vorherEinstieg langsam 2× durchsprechen
15 Min. vorherTechnik checken, Wasser hinstellen, WC
5 Min. vorherAufstehen, 3 langsame Atemzüge, Kernbotschaft erinnern

Die ersten 30 Sekunden sind die härtesten. Deshalb: Den Einstieg am meisten üben. Wenn die ersten Sätze sitzen, löst sich die Anspannung.

Körpertechniken

  • Power Posing: 2 Minuten offene Haltung (Arme weit, Brust raus) — reduziert nachweislich Cortisol
  • Box Breathing: 4 Sekunden einatmen, 4 halten, 4 ausatmen, 4 halten — beruhigt das Nervensystem
  • Ankern: Erinnere dich an einen Moment, in dem du souverän warst. Halte das Gefühl fest. Rufe es vor dem Vortrag ab.

Nach der Präsentation: Feedback-Schleife

Prompt:

Hilf mir, meine Präsentation nachzubereiten.

Was gut lief: [Was hat funktioniert?]
Was nicht geklappt hat: [Wo wurde es holprig?]
Fragen, die kamen: [Was hat das Publikum gefragt?]
Reaktion des Publikums: [Wie haben sie reagiert?]

Erstelle einen Verbesserungsplan für die nächste Präsentation.

Wichtigste Erkenntnisse

  • 3-4 komplette Durchläufe machen den Unterschied zwischen „ganz gut" und „überzeugend"
  • Laut proben — im Kopf durchgehen reicht nicht
  • Aufnehmen und anschauen — unangenehm, aber extrem lehrreich
  • 15 Stressfragen generieren und laut beantworten üben
  • ANERKENNEN → ANTWORTEN → BELEGEN → ÜBERLEITEN für Q&A
  • „Ich weiß es nicht" + konkretes Follow-up baut Glaubwürdigkeit auf
  • Lampenfieber = Unsicherheit — Vorbereitung ist das beste Gegenmittel
  • Pre-Routine aufbauen: 60/30/15/5 Minuten vor dem Auftritt
  • Einstieg am meisten üben — die ersten 30 Sekunden sind die härtesten
  • Feedback-Schleife nach jeder Präsentation schließen

Nächste Lektion

Lektion 8 bringt alles zusammen: Du baust eine komplette Präsentation von A bis Z — Zielgruppenanalyse, Struktur, Folien, Daten, Probe und Delivery-Plan.

Wissenscheck

1. Wie oft solltest du eine Präsentation vor dem Vortrag proben?

2. Was ist die effektivste Q&A-Vorbereitung?

3. Was tust du, wenn du eine Frage nicht beantworten kannst?

4. Was ist die beste Technik gegen Lampenfieber?

Beantworte alle Fragen zum Prüfen

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Passende Skills