Üben und Vorbereiten
Effektiv proben, KI-gestütztes Feedback bekommen, Stressfragen vorbereiten und Lampenfieber in Souveränität verwandeln.
🔄 Recall: Zielgruppen angepasst — jetzt der letzte Schliff
In Lektion 6 hast du gelernt, deine Präsentation für verschiedene Zielgruppen anzupassen. Die Folien stehen, die Struktur sitzt. Jetzt fehlt das, was den Unterschied zwischen „ganz gut" und „überzeugend" macht: Proben, Feedback und Vorbereitung auf alles, was schiefgehen kann.
Die Probe, die niemand sieht
Steve Jobs wirkte auf der Bühne mühelos. Was niemand sah: Wochen der Vorbereitung. Paradox: Je mehr du probst, desto natürlicher wirkst du. Nicht trotz der Vorbereitung — wegen ihr.
Drei Phasen der Probe
Phase 1: Inhaltsprobe (2-3 Solo-Durchläufe)
Laut sprechen. Nicht im Kopf durchgehen — laut. Das macht einen enormen Unterschied:
- Du merkst, welche Formulierungen im Kopf klingen, aber sich beim Sprechen sperrig anfühlen
- Du findest unklare Übergänge
- Du bekommst ein Gefühl für die tatsächliche Dauer
Prompt:
Ich habe gerade meine Präsentation laut geprobt. Hier sind die Stellen, an denen ich gestolpert bin oder unsicher war:
[Problematische Stellen beschreiben]
Hilf mir:
- Formulierungen vereinfachen, die sich sperrig anfühlen
- Übergänge natürlicher gestalten
- Abschnitte kürzen, die zu lang geraten sind
Phase 2: Delivery-Probe (1-2 aufgenommene Durchläufe)
Nimm dich auf. Handy-Kamera reicht. Schau dir an:
- Tempo: Zu schnell? Zu gleichmäßig? Variation fehlt?
- Füllwörter: „Ähm", „also", „sozusagen" — zähle sie
- Blickkontakt: Schaust du die Kamera an oder auf deine Notizen?
- Gestik: Unterstützt sie oder lenkt sie ab?
- Energie: Würdest du dir selbst zuhören?
Phase 3: Simulation (1-2 Durchläufe mit KI)
Prompt:
Spiel mein Publikum. Ich halte jetzt meine Präsentation.
Mein Publikum: [Wer?]
Thema: [Was?]
Während ich präsentiere:
- Stell Zwischenfragen wie ein echtes Publikum
- Zeig Verwirrung, wenn etwas unklar ist
- Fordere Argumente heraus
- Gib nach jedem Abschnitt kurzes Feedback
Am Ende: Umfassende Bewertung meiner Präsentation.
Q&A-Vorbereitung: Nie wieder überrumpelt
Stressfragen generieren
Prompt:
Generiere die 15 härtesten Fragen, die mein Publikum zu meiner Präsentation stellen könnte.
Mein Thema: [Was?]
Mein Publikum: [Wer?]
Meine Kernbotschaft: [Was?]
Kategorisiere die Fragen:
- 5 zur Methodik/Datengrundlage
- 5 zur Umsetzung/Machbarkeit
- 3 zu Risiken
- 2 unangenehme persönliche Fragen
Übe die Antworten laut. Nicht nur im Kopf — laut. Das zeigt dir, wo deine Argumentation Lücken hat.
Das Antwort-Framework: ANERKENNEN → ANTWORTEN → BELEGEN → ÜBERLEITEN
- Anerkennen: „Gute Frage" / „Das ist ein wichtiger Punkt"
- Antworten: Direkte, klare Antwort (nicht drumherum reden)
- Belegen: Ein Datenpunkt oder Beispiel als Stütze
- Überleiten: Zurück zur Kernbotschaft oder zum nächsten Punkt
✅ Quick Check: Jemand fragt: „Haben Sie auch die negativen Auswirkungen untersucht?" Du hast die negativen Auswirkungen tatsächlich nicht vollständig untersucht. Was sagst du?
(Antwort: „Ehrlich gesagt haben wir den Fokus auf die Haupteffekte gelegt. Die negativen Auswirkungen sind ein guter Punkt — ich liefere bis Ende der Woche eine ergänzende Analyse nach." Ehrlichkeit + konkretes Follow-up.)
Fragen, die du nicht beantworten kannst
Vier ehrliche Antworten, die Glaubwürdigkeit aufbauen:
- „Diese Daten habe ich gerade nicht. Ich liefere sie bis Freitag nach."
- „Das liegt außerhalb unseres Fokus, aber ich kann Sie mit der richtigen Person verbinden."
- „Das haben wir geprüft und uns aus folgenden Gründen dagegen entschieden…"
- „Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Ich kläre es und melde mich."
Jedes Mal nachhalten. Wer sagt „Ich liefere nach" und es nicht tut, verliert mehr Glaubwürdigkeit als jemand, der die Frage nie hätte beantworten können.
Lampenfieber verwandeln
Nervosität verstehen
Prompt:
Ich habe Lampenfieber vor meiner Präsentation.
Meine Situation: [Was präsentiere ich? Vor wem?]
Was mir am meisten Angst macht: [konkrete Befürchtung]
Hilf mir:
1. Was ist realistisch das Schlimmste, das passieren kann?
2. Was würde ich in dem Fall tun?
3. Was kann ich vorbereiten, um das Risiko zu reduzieren?
4. Was wird wahrscheinlich wirklich passieren?
Deine Pre-Präsentations-Routine
| Zeitpunkt | Was tun |
|---|---|
| 60 Min. vorher | Spickzettel und Headlines durchgehen |
| 30 Min. vorher | Einstieg langsam 2× durchsprechen |
| 15 Min. vorher | Technik checken, Wasser hinstellen, WC |
| 5 Min. vorher | Aufstehen, 3 langsame Atemzüge, Kernbotschaft erinnern |
Die ersten 30 Sekunden sind die härtesten. Deshalb: Den Einstieg am meisten üben. Wenn die ersten Sätze sitzen, löst sich die Anspannung.
Körpertechniken
- Power Posing: 2 Minuten offene Haltung (Arme weit, Brust raus) — reduziert nachweislich Cortisol
- Box Breathing: 4 Sekunden einatmen, 4 halten, 4 ausatmen, 4 halten — beruhigt das Nervensystem
- Ankern: Erinnere dich an einen Moment, in dem du souverän warst. Halte das Gefühl fest. Rufe es vor dem Vortrag ab.
Nach der Präsentation: Feedback-Schleife
Prompt:
Hilf mir, meine Präsentation nachzubereiten.
Was gut lief: [Was hat funktioniert?]
Was nicht geklappt hat: [Wo wurde es holprig?]
Fragen, die kamen: [Was hat das Publikum gefragt?]
Reaktion des Publikums: [Wie haben sie reagiert?]
Erstelle einen Verbesserungsplan für die nächste Präsentation.
Wichtigste Erkenntnisse
- 3-4 komplette Durchläufe machen den Unterschied zwischen „ganz gut" und „überzeugend"
- Laut proben — im Kopf durchgehen reicht nicht
- Aufnehmen und anschauen — unangenehm, aber extrem lehrreich
- 15 Stressfragen generieren und laut beantworten üben
- ANERKENNEN → ANTWORTEN → BELEGEN → ÜBERLEITEN für Q&A
- „Ich weiß es nicht" + konkretes Follow-up baut Glaubwürdigkeit auf
- Lampenfieber = Unsicherheit — Vorbereitung ist das beste Gegenmittel
- Pre-Routine aufbauen: 60/30/15/5 Minuten vor dem Auftritt
- Einstieg am meisten üben — die ersten 30 Sekunden sind die härtesten
- Feedback-Schleife nach jeder Präsentation schließen
Nächste Lektion
Lektion 8 bringt alles zusammen: Du baust eine komplette Präsentation von A bis Z — Zielgruppenanalyse, Struktur, Folien, Daten, Probe und Delivery-Plan.
Wissenscheck
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Lektion abgeschlossen!