Willkommen: Recherche neu denken
Entdecke, wie KI deinen Rechercheprozess verändert — und warum blindes Vertrauen die größte Falle ist.
Das 47-Tabs-Problem
Stell dir vor: Du bereitest eine Präsentation über Markttrends vor. Du googelst, öffnest den ersten Treffer, der verweist auf eine Studie, du suchst die Studie, findest einen verwandten Artikel, der erwähnt eine andere Perspektive… Zwei Stunden später hast du 47 offene Tabs, fünf halbgelesene Artikel und immer noch keine klare Antwort.
Das 47-Tabs-Problem ist nicht ein Problem des Internets. Es ist ein Problem des Prozesses. Und genau hier verändert KI das Spiel.
Nach dieser Lektion verstehst du, wie KI Recherche verändert — und wo die Grenzen liegen, die viele übersehen.
Was du in diesem Kurs lernst
Über acht Lektionen baust du einen kompletten Recherche-Werkzeugkasten auf:
- Bessere Fragen stellen — Von vagen Themen zu präzisen Forschungsfragen
- Quellen prüfen — Fakten checken und Halluzinationen erkennen
- Zusammenfassen und Synthese — Aus vielen Quellen eigene Erkenntnisse bauen
- Wissen organisieren — Ein Second Brain aufbauen, das mit der Zeit wächst
- Praxis-Workflows — Fertige Abläufe für akademische, berufliche und persönliche Recherche
- Schneller lernen — Techniken, die nachweislich funktionieren
- Abschlussprojekt — Den gesamten Workflow an einem realen Thema anwenden
Was dich erwartet
Jede Lektion dauert 10–15 Minuten. Du bekommst konkrete Prompts zum Ausprobieren, kurze Wissens-Checks und praktische Übungen. Am Ende des Kurses hast du nicht nur Wissen — du hast einen Prozess, den du sofort anwenden kannst.
Wie KI Recherche verändert
Traditionelle Recherche ist linear: Du suchst, liest, suchst weiter, liest weiter. KI macht Recherche zu einem Gespräch.
| Traditionell | Mit KI |
|---|---|
| Du bekommst Links | Du bekommst Antworten |
| Du liest ganze Artikel | Du fragst nach dem Kern |
| Du suchst mit Keywords | Du stellst Fragen in normaler Sprache |
| Du vergleichst manuell | KI vergleicht für dich |
| Du organisierst in Ordnern | KI hilft beim Strukturieren |
Aber — und das ist entscheidend — KI ist kein Orakel. Sie ist ein Werkzeug. Ein sehr mächtiges Werkzeug, das manchmal Unsinn erzählt und dabei völlig überzeugt klingt.
✅ Quick Check: Was ist der größte Unterschied zwischen einer Google-Suche und einer KI-Recherche? (Tipp: Es geht nicht um Geschwindigkeit.)
Das Vertrauensspektrum
Nicht alles, was KI dir sagt, verdient dasselbe Vertrauen. Hier ist ein Rahmen, den du ab jetzt bei jeder KI-Antwort anwenden kannst:
| Vertrauen | Wofür | Beispiel |
|---|---|---|
| Hoch | Allgemeine Konzepte erklären | „Was ist Photosynthese?" |
| Mittel | Zusammenfassungen und Vergleiche | „Vergleiche agile vs. Wasserfall-Methode" |
| Niedrig | Spezifische Fakten und Zahlen | „Wie hoch war das BIP Deutschlands 2024?" |
| Sehr niedrig | Zitate, Studiendetails, URLs | „Zitiere die Studie von Müller et al. 2023" |
Faustregel: Je spezifischer die Behauptung, desto wichtiger die Verifizierung. KI erklärt Konzepte hervorragend, erfindet aber gelegentlich Statistiken, verwechselt Studienautoren und generiert Links, die es gar nicht gibt.
Der Unterschied: Mittelmäßig vs. Brillant
Schau dir den Unterschied zwischen einer mittelmäßigen und einer starken KI-Recherche an:
Mittelmäßiger Prompt:
„Erzähl mir was über Zeitmanagement."
Starker Prompt:
„Ich bin Projektleiterin in einem 10-Personen-Team und wir verpassen ständig Deadlines. Welche drei evidenzbasierten Zeitmanagement-Methoden sind für Teams effektiver als für Einzelpersonen? Nenne für jede Methode eine Studie oder einen Experten als Beleg."
Der Unterschied? Kontext, Spezifität und die explizite Aufforderung zur Quellenangabe. Das allein verbessert die Qualität der KI-Antwort drastisch.
Dein erster Schritt
Probier das jetzt direkt aus:
Ich recherchiere zum Thema [dein Thema].
Gib mir:
1. Einen Überblick in 5 Sätzen
2. Die 3 wichtigsten Teilbereiche
3. Für jeden Teilbereich eine Schlüsselfrage,
die ich vertiefen sollte
4. 2-3 Fachbegriffe, die ich kennen sollte
Das ist dein Startpunkt für jede Recherche: Erst den Überblick, dann die Struktur, dann die Tiefe. In den nächsten Lektionen bauen wir darauf auf.
Wichtigste Erkenntnisse
- KI verändert Recherche von einer Suche-und-Lese-Schleife zu einem interaktiven Dialog
- Das Vertrauensspektrum hilft dir einzuschätzen, wie sehr du einer KI-Antwort vertrauen kannst — je spezifischer die Behauptung, desto wichtiger die Verifizierung
- Der Unterschied zwischen mittelmäßiger und brillanter KI-Recherche liegt in der Qualität deiner Fragen
- KI ist ein Denkpartner, kein Orakel — Quellenprüfung bleibt deine Verantwortung
Nächste Lektion
In Lektion 2: Bessere Fragen stellen lernst du das Fragen-Trichter-Modell — eine Technik, die dich von vagen Themen zu messerscharfen Forschungsfragen führt. Denn die Qualität deiner Recherche hängt direkt von der Qualität deiner Fragen ab.
Wissenscheck
Erst das Quiz oben abschließen
Lektion abgeschlossen!