Lektion 2 12 Min.

Bessere Fragen stellen

Lerne das Fragen-Trichter-Modell, um von vagen Themen zu präzisen Forschungsfragen zu gelangen — die Grundlage jeder starken Recherche.

Einstein hatte recht

Einstein wird das Zitat zugeschrieben: „Wenn ich eine Stunde hätte, um ein Problem zu lösen, würde ich 55 Minuten damit verbringen, die richtige Frage zu formulieren." Ob er das wirklich gesagt hat, sei mal dahingestellt — der Punkt stimmt trotzdem.

Die meisten Recherchen scheitern nicht an schlechten Quellen. Sie scheitern an schlechten Fragen. „Erzähl mir was über KI" erzeugt einen Informationsbrei. „Welche drei konkreten KI-Anwendungen sparen Handwerksbetrieben mit unter 20 Mitarbeitern nachweislich Zeit?" erzeugt eine brauchbare Antwort.

Nach dieser Lektion nutzt du das Fragen-Trichter-Modell, um jedes vage Thema in eine messerscharfe Forschungsfrage zu verwandeln.

Das Fragen-Trichter-Modell

Stell dir einen Trichter vor: Oben breit, unten schmal. Deine Recherche beginnt breit und wird Schritt für Schritt spezifischer.

Stufe 1: Landschaft — „Was gibt es hier alles?"

Der Überblick. Du willst wissen, welche Teilgebiete, Perspektiven und Fachbegriffe existieren.

Ich interessiere mich für [breites Thema].

Gib mir einen strukturierten Überblick:
1. Welche Hauptbereiche umfasst dieses Thema?
2. Welche unterschiedlichen Perspektiven gibt es?
3. Welche Fachbegriffe sollte ich kennen?
4. Was sind die aktuell wichtigsten Debatten?

Stufe 2: Blickwinkel — „Was interessiert mich am meisten?"

Aus dem Überblick wählst du den Aspekt, der für dich am relevantesten ist.

Aus dem Überblick zu [Thema] interessiert mich
besonders [gewählter Aspekt].

Hilf mir, diesen Blickwinkel zu schärfen:
1. Welche spezifischen Fragen sind hier offen?
2. Wer sind die wichtigsten Stimmen in dieser Debatte?
3. Was ist der aktuelle Forschungsstand?
4. Wo gibt es Widersprüche oder Kontroversen?

Stufe 3: Tiefbohrung — „Was genau will ich wissen?"

Jetzt formulierst du eine spezifische, beantwortbare Frage.

Mein Thema ist [spezifischer Aspekt].

Hilf mir, eine präzise Forschungsfrage zu formulieren:
1. Was genau will ich herausfinden?
2. Welche Art von Antwort suche ich?
   (Vergleich, Ursache, Prognose, Bewertung)
3. Welcher Kontext ist relevant?
   (Zeitraum, Region, Zielgruppe)
4. Woran erkenne ich eine gute Antwort?

Stufe 4: Synthese — „Was bedeutet das für mich?"

Die finale Stufe verbindet Recherche mit Handlung.

Basierend auf meiner Recherche zu [Frage]:

Hilf mir, die Ergebnisse zu synthetisieren:
1. Was sind die 3-5 wichtigsten Erkenntnisse?
2. Wo sind sich die Quellen einig, wo widersprechen
   sie sich?
3. Was bedeutet das konkret für [meine Situation]?
4. Welche nächsten Schritte ergeben sich daraus?

Quick Check: Du willst über „Nachhaltigkeit im Unternehmen" recherchieren. Wie würde die erste Trichter-Stufe aussehen? Was wäre eine mögliche Forschungsfrage auf Stufe 3?

Die Frage hinter der Frage

Oft ist die Frage, die wir stellen, nicht die Frage, die wir eigentlich beantworten müssen.

Gestellte Frage: „Welches Projektmanagement-Tool ist das beste?" Frage dahinter: „Wie bringe ich mein Team dazu, Deadlines einzuhalten?"

Gestellte Frage: „Soll ich einen MBA machen?" Frage dahinter: „Wie komme ich in eine Führungsposition, ohne drei Jahre Gehalt zu verlieren?"

Gestellte Frage: „Welche Programmiersprache soll ich lernen?" Frage dahinter: „Welche Fähigkeit bringt mir in den nächsten zwei Jahren den größten Karrierevorteil?"

Die Frage hinter der Frage findest du mit diesem Prompt:

Ich habe diese Frage: [deine Frage]

Hilf mir, die Frage dahinter zu finden:
1. Warum stelle ich diese Frage? Was ist mein
   eigentliches Ziel?
2. Welche Entscheidung steckt dahinter?
3. Welche Annahmen mache ich implizit?
4. Formuliere 3 alternative Fragen, die mein
   eigentliches Problem besser adressieren

Nachfrage-Techniken

Die erste Antwort einer KI ist selten die beste. Die Magie liegt in den Nachfragen. Hier sind die drei wirksamsten Techniken:

1. Perspektivwechsel

„Wie würde ein Kritiker diese Antwort bewerten? Was würde ein Experte anders sehen?"

2. Annahmen hinterfragen

„Welche Annahmen stecken in deiner Antwort? Welche davon könnten falsch sein?"

3. Lücken aufdecken

„Was hast du ausgelassen? Welche wichtigen Aspekte fehlen in deiner Antwort?"

Diese drei Nachfragen erzeugen fast immer reichhaltigere, differenziertere Antworten als der ursprüngliche Prompt allein.

Quick Check: Du hast KI gefragt: „Was sind die Vorteile von Remote-Arbeit?" und eine Liste positiver Punkte bekommen. Welche Nachfrage-Technik würdest du als Erstes einsetzen?

Fragen für verschiedene Kontexte

KontextTypische FrageBessere Frage
Studium„Erkläre Makroökonomie"„Welche drei makroökonomischen Indikatoren sagen eine Rezession am zuverlässigsten voraus?"
Beruf„Wie verbessere ich Meetings?"„Wie reduziere ich die Meeting-Dauer um 30% ohne Informationsverlust?"
Privat„Ist Intervallfasten gesund?"„Welche Evidenz gibt es für Intervallfasten 16:8 bei Berufstätigen mit Bürojob?"

Das Muster: Spezifischer Kontext, messbare Kriterien, klare Zielgruppe.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Das Fragen-Trichter-Modell führt in vier Stufen von breiten Themen zu präzisen Forschungsfragen: Landschaft → Blickwinkel → Tiefbohrung → Synthese
  • Die „Frage hinter der Frage" zu finden spart Stunden an Recherche — weil du die richtige Frage beantwortest, nicht die oberflächliche
  • Die drei stärksten Nachfrage-Techniken sind Perspektivwechsel, Annahmen hinterfragen und Lücken aufdecken
  • Je spezifischer deine Frage (Kontext, Zielgruppe, Kriterien), desto brauchbarer die Antwort

Nächste Lektion

In Lektion 3: Quellen prüfen und Fakten checken lernst du, wie du KI-Antworten systematisch verifizierst — denn die beste Frage nützt nichts, wenn du der Antwort blind vertraust.

Wissenscheck

1. Was ist der Hauptvorteil des Fragen-Trichter-Modells?

2. Was bedeutet 'die Frage hinter der Frage' finden?

3. Was ist die effektivste Nachfrage-Technik bei KI-Recherche?

4. Was macht eine Forschungsfrage 'beantwortbar'?

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Passende Skills