Zusammenfassen und Synthese
Lerne den Unterschied zwischen Zusammenfassung und Synthese — und wie du aus vielen Quellen eigene Erkenntnisse baust.
Mehr als Nacherzählen
Du hast fünf Artikel über KI im Bildungswesen gelesen. Du weißt, was jeder einzelne sagt. Aber weißt du auch, was sie zusammen bedeuten? Wo stimmen sie überein? Wo widersprechen sie sich? Und was folgt daraus?
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer mittelmäßigen und einer exzellenten Recherche. Zusammenfassen kann jeder. Synthetisieren — das ist die Fähigkeit, die echten Mehrwert schafft.
Nach dieser Lektion baust du aus mehreren Quellen eigene Erkenntnisse, die über eine reine Nacherzählung hinausgehen.
🔄 Recall: In der vorherigen Lektion hast du den CRAAP-Test und die Dreiecks-Methode gelernt. Erinnerst du dich, dass bei der Triangulation manchmal Quellen sich widersprechen? Genau dort beginnt die Synthese — Widersprüche sind keine Störung, sondern die wertvollsten Stellen deiner Recherche.
Zusammenfassung vs. Synthese
| Zusammenfassung | Synthese | |
|---|---|---|
| Frage | Was steht da? | Was bedeutet das zusammen? |
| Quellen | Eine | Mehrere |
| Ergebnis | Kürzere Version des Originals | Neue Erkenntnis |
| Mehrwert | Zeitersparnis | Wissensgewinn |
| Beispiel | „Studie A zeigt: Remote-Arbeit steigert Produktivität um 13%." | „Studien A, B und C zeigen: Remote-Arbeit steigert Produktivität bei Einzelarbeit, senkt sie aber bei Teamaufgaben — was nahelegt, dass hybride Modelle optimal sind." |
Die Schichten-Zusammenfassung
Bevor du synthetisierst, brauchst du gute Zusammenfassungen. Die Schichten-Technik hilft dir, jede Quelle auf den Kern zu reduzieren:
Schicht 1: Eine Zeile — Was ist die Hauptaussage in einem Satz? Schicht 2: Drei Punkte — Was sind die drei wichtigsten Belege? Schicht 3: Kontext — Wer hat das geschrieben, wann, für wen, mit welcher Methode?
Fasse diese Quelle in drei Schichten zusammen:
[Quelle einfügen]
SCHICHT 1 (Ein Satz): Die Kernaussage
SCHICHT 2 (Drei Punkte): Die wichtigsten Belege
SCHICHT 3 (Kontext): Autor, Methodik, Zielgruppe,
Einschränkungen
Wenn du fünf Quellen so zusammenfasst, hast du ein klares Bild der Landschaft — und bist bereit für die Synthese.
✅ Quick Check: Du liest einen Artikel über die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt. Die Kernaussage ist: „KI wird 15% der Arbeitsplätze ersetzen." Was wäre Schicht 2 (drei Belege) und Schicht 3 (Kontext)?
Der Drei-Schritte-Synthese-Prozess
Schritt 1: Übereinstimmungen kartieren
Wo sagen mehrere Quellen dasselbe? Das sind deine gesicherten Erkenntnisse.
Hier sind meine Zusammenfassungen zu [Thema]:
[Zusammenfassungen einfügen]
Kartiere die Übereinstimmungen:
1. Welche Punkte werden von mehreren Quellen
unabhängig bestätigt?
2. Wie stark ist der Konsens? (Alle einig vs.
Mehrheit vs. einzelne Stimme)
3. Welche Erkenntnisse sind am stärksten belegt?
Schritt 2: Widersprüche auflösen
Wo widersprechen sich die Quellen? Und warum?
Ich habe Widersprüche zwischen meinen Quellen
gefunden:
[Widersprüche beschreiben]
Hilf mir, die Ursachen zu finden:
1. Unterschiedliche Methodik?
(Studie vs. Umfrage vs. Expertenmeinung)
2. Unterschiedlicher Kontext?
(Verschiedene Länder, Branchen, Zeiträume)
3. Unterschiedliche Definitionen?
(Messen sie dasselbe?)
4. Welcher Erklärung vertraue ich am meisten
und warum?
Schritt 3: Die eigene Erkenntnis formulieren
Jetzt verbindest du alles zu etwas, das mehr ist als die Summe der Teile.
Basierend auf meiner Analyse:
- Konsens: [Punkte, wo Quellen übereinstimmen]
- Widersprüche: [aufgelöste Widersprüche]
- Lücken: [was keine Quelle adressiert hat]
Hilf mir, eine Synthese-Aussage zu formulieren:
1. Was ist die neue Erkenntnis, die erst durch
die Verbindung der Quellen sichtbar wird?
2. Wie stark ist mein Vertrauen in diese Erkenntnis?
3. Was müsste ich noch recherchieren, um sicherer
zu sein?
Der „Na und?"-Test
Nachdem du deine Synthese formuliert hast, stell dir die brutale Frage: Na und?
Wenn deine Synthese nur wiedergibt, was die Quellen sagen — ohne eigene Erkenntnis — ist sie halt doch nur eine Zusammenfassung. Eine gute Synthese enthält mindestens einen Punkt, den du nur machen kannst, weil du mehrere Quellen zusammen betrachtet hast.
Schwach: „Quellen A, B und C sagen alle, dass KI die Produktivität steigert."
Stark: „A, B und C bestätigen Produktivitätssteigerung — aber A misst Output pro Stunde, B misst Mitarbeiterzufriedenheit und C misst Kundenqualität. Die Quellen stimmen überein, messen aber Verschiedenes. Die eigentliche Frage ist: Welche Produktivitäts-Definition zählt für meine Situation?"
✅ Quick Check: Du hast drei Quellen über Homeoffice synthetisiert. Dein Ergebnis: „Homeoffice hat Vor- und Nachteile." Besteht das den „Na und?"-Test? Warum oder warum nicht?
Synthese-Vorlagen
Für Lernzwecke
Die Forschung zu [Thema] zeigt drei zentrale Erkenntnisse: [1], [2], [3]. Besonders bemerkenswert ist der Widerspruch zwischen [X] und [Y], der sich durch [Erklärung] auflösen lässt. Die wichtigste Implikation für Lernende ist [eigene Schlussfolgerung].
Für Entscheidungen
Die Evidenz spricht für [Position], gestützt durch [Konsens-Punkte]. Allerdings zeigen [abweichende Quellen], dass [Einschränkung]. Für meine Situation ([Kontext]) bedeutet das: [konkrete Handlungsempfehlung].
Für Berichte
Aus [Anzahl] Quellen zu [Thema] ergeben sich drei Handlungsfelder: [1], [2], [3]. Die stärkste Evidenz liegt bei [Feld], wo [Details]. Offene Fragen bleiben bei [Feld], besonders [spezifische Lücke].
Wichtigste Erkenntnisse
- Zusammenfassung gibt wieder, was eine Quelle sagt — Synthese verbindet mehrere Quellen zu neuen Erkenntnissen
- Die Schichten-Zusammenfassung (Kernaussage → Belege → Kontext) schafft die Grundlage für gute Synthese
- Der Drei-Schritte-Prozess: Übereinstimmungen kartieren → Widersprüche auflösen → eigene Erkenntnis formulieren
- Widersprüche zwischen Quellen sind keine Störung — sie sind die wertvollsten Stellen
- Der „Na und?"-Test prüft, ob deine Synthese echten Mehrwert bietet oder nur nacherzählt
Nächste Lektion
In Lektion 5: Wissen organisieren — dein Second Brain lernst du, wie du dein recherchiertes Wissen so organisierst, dass es nicht in verstreuten Notizen versickert, sondern zu einem System wird, das mit der Zeit immer wertvoller wird.
Wissenscheck
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