Datenvisualisierung: Diagramme und Dashboards
Lerne den richtigen Diagrammtyp fuer jede Aussage, professionelle Gestaltungsprinzipien und die Grundlagen des Dashboard-Designs.
Das Diagramm, das gelogen hat
Ein Vertriebsleiter praesentierte dem Vorstand ein Balkendiagramm. “Umsatzwachstum im letzten Quartal — beeindruckend!” Die Balken zeigten einen dramatischen Anstieg. Aber dann fragte jemand nach der Y-Achse: Sie begann nicht bei Null, sondern bei 95.000. Der “dramatische Anstieg” war in Wahrheit ein Wachstum von 2%. Ein ehrliches Diagramm haette eine kaum sichtbare Veraenderung gezeigt.
Diagramme koennen informieren oder taeuschen — mit denselben Daten.
Nach dieser Lektion waehlst du den richtigen Diagrammtyp, gestaltest professionell und vermeidest die haeufigsten Visualisierungsfehler.
🔄 Recall: In Lektion 5 hast du Pivot-Tabellen erstellt, die Tausende Zeilen in wenigen Zahlen zusammenfassen. Pivot-Tabellen liefern die Daten — Diagramme erzaehlen die Geschichte. Beide zusammen sind dein staerkstes Auswertungswerkzeug.
Den richtigen Diagrammtyp waehlen
Der Diagrammtyp haengt von der Frage ab, die du beantworten willst:
| Frage | Diagrammtyp | Beispiel |
|---|---|---|
| Wie hat sich X ueber die Zeit entwickelt? | Liniendiagramm | Monatlicher Umsatzverlauf |
| Wie gross sind die Unterschiede zwischen Kategorien? | Balkendiagramm | Umsatz pro Region vergleichen |
| Wie verteilt sich das Ganze? | Kreisdiagramm | Marktanteile (max. 5-6 Segmente) |
| Gibt es einen Zusammenhang zwischen X und Y? | Streudiagramm | Werbeausgaben vs. Umsatz |
| Wie setzen sich Gesamtwerte zusammen? | Gestapeltes Balkendiagramm | Umsatz pro Region, aufgeteilt nach Produkt |
| Wie vergleichen sich Werte innerhalb einer Reihe? | Horizontales Balkendiagramm | Ranking der Top-10-Produkte |
Diagramme, die du vermeiden solltest
- 3D-Diagramme: Verzerren Proportionen, erschweren das Ablesen — nie verwenden
- Kreisdiagramme mit mehr als 6 Segmenten: Werden unlesbar. Ab 6 Kategorien lieber ein Balkendiagramm
- Doppelachsen-Diagramme: Zwei Y-Achsen verwirren fast immer. Lieber zwei separate Diagramme
✅ Quick Check: Du willst die fuenf umsatzstaerksten Produkte mit ihrem jeweiligen Anteil am Gesamtumsatz zeigen. Kreisdiagramm oder Balkendiagramm — und warum?
Gestaltungsprinzipien: Weniger ist mehr
Vier Regeln fuer professionelle Diagramme:
1. Der Titel erzaehlt die Erkenntnis
Schlecht: “Umsatz Q1-Q4” Gut: “Umsatz im Q3 um 15% eingebrochen — Saisoneffekt?”
Der Titel ist nicht die Beschreibung der Daten — er ist die Hauptaussage. Wer das Diagramm sieht, soll sofort wissen, was die Botschaft ist.
2. Entferne alles Ueberfluessige
Loesche: Gitterlinien (oder mache sie sehr hell), Rahmen, Hintergrundfarben, ueberfluessige Legenden (bei nur einer Datenreihe), dekorative Elemente.
Faustregel: Wenn du ein Element entfernst und das Diagramm dadurch verstaendlicher wird — lass es weg.
3. Farbe mit Bedeutung
- Eine Farbe fuer die Hauptdatenreihe — nicht fuer jede Kategorie eine andere
- Hervorhebungsfarbe fuer den wichtigsten Datenpunkt (z.B. Rot fuer den Problemmonat)
- Grau fuer Kontext-Daten, die weniger wichtig sind
4. Y-Achse bei Null beginnen
Bei Balkendiagrammen immer die Y-Achse bei Null starten. Sonst verzerrt das Diagramm die Proportionen — wie im Eingangsbeispiel.
Ausnahme: Bei Liniendiagrammen, die kleine Veraenderungen in grossen Zahlen zeigen sollen (z.B. Aktienkurse), kann ein angepasster Bereich sinnvoll sein — dann aber immer explizit darauf hinweisen.
Bedingte Formatierung: Daten direkt in der Tabelle visualisieren
Nicht jede Visualisierung braucht ein Diagramm. Bedingte Formatierung macht Muster direkt in den Zellen sichtbar:
Farbskalen
Niedrige Werte rot, hohe Werte gruen — oder umgekehrt. Perfekt fuer Heatmaps.
Anwendung: Markiere den Bereich > Start > Bedingte Formatierung > Farbskalen
Datenbalken
Horizontale Balken direkt in den Zellen — zeigen Groessenverhaeltnisse auf einen Blick.
Symbolsaetze
Ampel-Symbole (rot/gelb/gruen) fuer Status-Uebersichten. Pfeile fuer Trends.
Eigene Regeln
Fuer spezifische Hervorhebungen:
- Alle Werte unter Zielwert rot markieren
- Ueberfaellige Termine hervorheben
- Top-10-Werte farblich kennzeichnen
✅ Quick Check: Du hast eine Tabelle mit den monatlichen Ausgaben aller Abteilungen. Wie wuerdest du bedingte Formatierung einsetzen, damit sofort sichtbar ist, welche Abteilungen ueber Budget liegen?
Dashboard-Design: Die Grundlagen
Ein Dashboard ist eine Seite, die die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick zeigt. Grundregeln:
1. Maximal 5-7 Diagramme pro Dashboard
Mehr ueberfordert. Jedes Diagramm beantwortet genau eine Frage.
2. Wichtigstes oben links
Das Auge wandert von oben links nach unten rechts. Platziere die wichtigste Kennzahl dort, wo der Blick zuerst hinfaellt.
3. Konsistentes Layout
Alle Diagramme gleich breit, gleicher Abstand, gleiche Schriftgroesse. Ein Raster hilft.
4. Interaktive Filter
Verbinde Datenschnitte (Lektion 5) mit deinen Diagrammen. So kann der Betrachter selbst filtern — nach Region, Zeitraum oder Kategorie.
5. Diagramme mit Pivot-Tabellen verbinden
Erstelle Diagramme direkt aus Pivot-Tabellen (Rechtsklick > PivotChart einfuegen). Der Vorteil: Wenn die Quelldaten sich aendern, aktualisieren sich Pivot-Tabelle und Diagramm automatisch.
KI fuer Visualisierung
Ich habe diese Daten:
[Beschreibe deine Spalten und was die Daten zeigen]
Meine Zielgruppe ist: [Vorstand / Team / Kunden]
Die Hauptfrage ist: [Was willst du kommunizieren?]
Empfiehl mir:
1. Welche Diagrammtypen fuer welche Aussage?
2. Wie sollte das Dashboard aufgebaut sein?
3. Welche bedingte Formatierung ergibt Sinn?
Wichtigste Erkenntnisse
- Der Diagrammtyp folgt der Frage: Linien fuer Zeitverlaeufe, Balken fuer Vergleiche, Kreis fuer Verteilungen (max. 6 Segmente)
- Weniger ist mehr: Ueberflüssige Elemente entfernen, Titel als Erkenntnis formulieren, Farbe gezielt einsetzen
- Y-Achse bei Balkendiagrammen immer bei Null starten — sonst verfaelscht das Diagramm die Proportionen
- Bedingte Formatierung macht Muster direkt in der Tabelle sichtbar — Farbskalen, Datenbalken, Ampel-Symbole
- Dashboards: maximal 5-7 Diagramme, Wichtigstes oben links, interaktive Filter mit Datenschnitten
Nächste Lektion
In Lektion 7: Automatisierung und Vorlagen lernst du, wie du wiederverwendbare Templates baust, dynamische Formeln einsetzt und repetitive Arbeitsschritte automatisierst — damit du die gleiche Auswertung nie zweimal manuell machen musst.
Wissenscheck
Erst das Quiz oben abschließen
Lektion abgeschlossen!