Google AI Edge Eloquent: Kostenlose Offline-Diktier-App vs. 15$/Monat-Apps

Google hat eine kostenlose KI-Diktier-App veröffentlicht, die komplett offline funktioniert. So schlägt sie sich gegen Wispr Flow und 4 andere Konkurrenten.

Stell dir mal vor: Du diktierst einen Text in dein iPhone, die KI transkribiert alles in Echtzeit, entfernt automatisch deine “Ähms” und “Also"s — und das Ganze passiert komplett auf deinem Gerät. Keine Cloud. Keine Daten, die irgendwohin geschickt werden. Und: kostenlos.

Klingt zu gut, um wahr zu sein? Tja, Google hat am 6. April 2026 genau das veröffentlicht. Die App heißt Google AI Edge Eloquent, und sie könnte den Markt für KI-Diktier-Apps ziemlich durcheinanderbringen — vor allem, weil die Konkurrenz zwischen 8 und 15 Dollar im Monat verlangt.

Ich hab mir Eloquent mal genauer angeschaut, gegen fünf Konkurrenten getestet und — Klartext — auch die Schwächen gefunden. Hier ist, was du wissen musst.

Was ist Google AI Edge Eloquent?

Eloquent ist eine Sprache-zu-Text-App für iOS, die auf Googles Gemma-KI-Modellen basiert. Das Besondere: Die gesamte Spracherkennung (ASR — Automatic Speech Recognition) läuft direkt auf deinem iPhone. Kein Server, kein Internet, keine Cloud-Verarbeitung.

Du kannst die App kostenlos im App Store herunterladen.

Was sie von Apples eingebauter Diktierfunktion unterscheidet: Eloquent ist halt nicht einfach nur “Sprache zu Text”. Die App versteht Kontext, entfernt Füllwörter automatisch und kann den transkribierten Text in verschiedene Formate umwandeln — von Stichpunkten bis hin zu förmlichen Texten.

Und das alles ohne Abo. Ohne Nutzungslimit. Einfach so.

So bekommst du die App

Das Setup ist denkbar einfach:

  1. Herunterladen: Google AI Edge Eloquent im App Store (kostenlos, iOS 16+)
  2. KI-Modell laden: Beim ersten Start lädt die App das Gemma-Sprachmodell herunter (~1-2 GB, je nach Modellvariante). Danach brauchst du kein Internet mehr.
  3. Mikrofon freigeben: Zugriffsrechte bestätigen — und los geht’s.
  4. Optional: Gmail-Kontakte importieren, damit Eigennamen korrekt transkribiert werden.

Der ganze Vorgang dauert vielleicht drei Minuten. Danach ist die App halt eben komplett offline nutzbar. Flugmodus an, Mikrofon an, diktieren. Fertig.

Die Features im Detail

Echtzeit-Transkription

Du redest, der Text erscheint sofort. Nicht mit zwei Sekunden Verzögerung wie bei manchen Cloud-Diensten, sondern quasi simultan. Das klappt, weil die Gemma-Modelle direkt auf dem Gerät rechnen — kein Umweg über irgendeinen Server nötig.

Die Genauigkeit? Bei klarer Aussprache und ruhiger Umgebung ist sie wirklich gut. Nicht perfekt — dazu gleich mehr — aber für den Alltag absolut brauchbar.

Automatische Füllwort-Entfernung

Das ist eigentlich das Feature, das mich am meisten beeindruckt hat. Jeder, der schon mal versucht hat, eine diktierte Nachricht zu verschicken, kennt das Problem: “Also, ich wollte halt, ähm, mal fragen, ob wir uns, äh, morgen treffen können.”

Eloquent filtert das raus. Was übrig bleibt: “Ich wollte fragen, ob wir uns morgen treffen können.” Klingt simpel, macht aber einen riesigen Unterschied — vor allem, wenn du diktierte Texte beruflich nutzen willst.

4 Text-Transformationen

Hier wird’s richtig spannend. Nachdem Eloquent deinen Text transkribiert hat, kannst du ihn in vier Modi umwandeln:

ModusWas er machtWann sinnvoll
Key PointsStichpunkte aus deinem TextMeeting-Notizen, Brainstorming
FormalFörmlicher, professioneller TonE-Mails, Berichte, Anschreiben
ShortKürzt den Text zusammenSocial Media, Quick-Messages
LongErweitert und ergänzt DetailsAusführliche Dokumentation

Mal ehrlich: Allein diese vier Modi sparen im Alltag so viel Zeit. Du diktierst drei Minuten deine Gedanken zum letzten Meeting, tippst auf “Key Points” — und hast fertige Stichpunkte. Oder du diktierst grob eine E-Mail und lässt “Formal” drüberlaufen.

Custom Dictionary

Du kannst eigene Wörter hinzufügen — Firmennamen, Fachbegriffe, Abkürzungen. Das ist gerade für Leute in spezialisierten Berufen wichtig. Wenn du den ganzen Tag “Koloskopie” oder “Kubernetes” diktierst, willst du nicht jedes Mal nachkorrigieren.

Zusätzlich lässt sich über die Gmail-Import-Funktion dein Adressbuch einlesen. Damit erkennt die App Namen deiner Kontakte automatisch korrekt.

Wortzähler und WPM-Tracking

Nettes Extra: Eloquent zeigt dir in Echtzeit an, wie viele Wörter du diktiert hast und wie schnell (Words per Minute). Klingt nach Spielerei, ist aber für Content-Creator, Autoren und Podcaster echt praktisch — du siehst sofort, ob dein Text die Ziellänge erreicht hat.

Offline- vs. Cloud-Modus

Standardmäßig arbeitet Eloquent komplett offline. Alles bleibt auf deinem Gerät. Punkt.

Es gibt aber auch einen optionalen Cloud-Modus, der Googles Gemini-Modelle nutzt. Der liefert bei den Text-Transformationen etwas bessere Ergebnisse, weil die größeren Gemini-Modelle halt eben mehr Kontext verarbeiten können. Der Haken: Dafür müssen deine Daten an Googles Server geschickt werden.

Für die reine Transkription — also Sprache zu Text — brauchst du den Cloud-Modus nicht. Der Offline-Modus reicht da locker aus.

Warum das für Deutschland besonders relevant ist

Okay, jetzt mal der Teil, der für uns im DACH-Raum besonders interessant ist.

Datenschutz — on-device statt Cloud

Hand aufs Herz: Wer von uns hat nicht schon mal bei einer Diktier-App gezögert, weil unklar war, was mit den Sprachdaten passiert? Gerade in Deutschland, wo wir die DSGVO ja nicht ohne Grund so ernst nehmen, ist das ein echtes Thema.

Eloquent im Offline-Modus sendet keine Daten an Server. Alles — die Spracherkennung, die Füllwort-Entfernung, die Text-Transformationen — passiert auf deinem iPhone. Das ist aus Datenschutz-Sicht eigentlich der Idealfall.

Klar, Google ist Google — und der Konzern hat jetzt nicht gerade den besten Ruf, wenn’s um Privatsphäre geht. Aber bei einer On-Device-App, die du im Flugmodus nutzen kannst, ist die Datenschutz-Frage halt eben deutlich entspannter als bei Cloud-basierten Alternativen wie Wispr Flow, wo jedes gesprochene Wort zwingend über fremde Server läuft.

Für Berufe mit Verschwiegenheitspflicht — Ärzte, Anwälte, Steuerberater — ist das ein echtes Argument. Du kannst Patientennotizen oder Mandanteninfos diktieren, ohne dir Sorgen machen zu müssen, dass die Daten irgendwo in einer US-Cloud landen.

Kosten: 0 Euro vs. bis zu 180 Dollar pro Jahr

Deutsche Nutzer sind halt bekannt dafür, dass sie bei Abos genau hinschauen. Und hier wird’s interessant: Wispr Flow kostet 15 Dollar im Monat, SuperWhisper 8,49 Dollar. Das sind 180 bzw. 102 Dollar im Jahr — für eine Diktier-App.

Eloquent kostet nichts. Null. Kein Testmonat, kein Freemium-Modell, keine versteckten Kosten. Das ist halt schon ziemlich krass, wenn man bedenkt, was die Konkurrenz verlangt.

Was Eloquent (noch) nicht kann

Nö, die App ist nicht perfekt. Wär ja auch zu schön. Hier die Einschränkungen, die du kennen solltest:

Nur Englisch

Das ist für den DACH-Raum natürlich der größte Haken. Eloquent unterstützt aktuell nur Englisch. Keine deutsche Spracherkennung, kein Französisch, kein Spanisch. Wer primär auf Deutsch diktieren will, muss also weiter warten.

Aber — und das ist der Silberstreif: Für alle, die beruflich viel auf Englisch kommunizieren (und das sind im DACH-Raum ja nicht wenige), ist die App schon jetzt sehr brauchbar. E-Mails an internationale Kollegen, englische Reports, Slack-Nachrichten — dafür funktioniert Eloquent einwandfrei.

Nur iOS

Android-Nutzer schauen erstmal in die Röhre. Google hat angekündigt, dass eine Android-Version kommt — wann genau, ist aber noch unklar. Etwas ironisch bei Google, muss man sagen.

Keine Keyboard-Integration

Das ist der Punkt, der mich am meisten stört. Du kannst Eloquent nicht als systemweite Tastatur nutzen. Du musst die App öffnen, diktieren, den Text kopieren und dann in die Ziel-App einfügen. Das ist halt ein Extra-Schritt, den Wispr Flow zum Beispiel nicht hat — dort diktierst du direkt in jedes Textfeld.

Für längere Texte ist das kein großes Problem. Aber für eine kurze WhatsApp-Antwort? Da ist der Copy-Paste-Umweg schon nervig.

Keine Meeting-Transkription

Eloquent ist für persönliches Diktieren gedacht, nicht für Meeting-Aufnahmen mit mehreren Sprechern. Wer Zoom-Calls oder Team-Meetings transkribieren will, braucht weiterhin ein Tool wie Otter.ai.

Der große Vergleich: 5 Diktier-Apps im Check

Jetzt wird’s konkret. Hier ist, wie sich Eloquent gegen die wichtigsten Konkurrenten schlägt:

FeatureEloquentWispr FlowSuperWhisperOtter.aiApple Diktat
PreisKostenlos15 $/Monat8,49 $/MonatFreemium (Pro: 16,99 $/Monat)Kostenlos (in iOS)
Offline-ModusJa (Standard)Nein (Cloud-only)Ja (Apple Silicon)NeinTeilweise
On-Device KIJa (Gemma)NeinJa (Whisper)NeinTeilweise
Füllwort-EntfernungJa, automatischJaJaBegrenztNein
Text-Transformationen4 ModiJaBegrenztJa (Meeting-fokussiert)Nein
Keyboard-IntegrationNeinJa, systemweitJa, systemweitNeinJa (nativ)
SprachenNur Englisch100+100+Englisch + weitere30+
Meeting-TranskriptionNeinNeinNeinJa (Kernfeature)Nein
Custom DictionaryJaJaBegrenztJaNein
PlattformiOSmacOSmacOSWeb, iOS, AndroidiOS, macOS
DatenschutzDaten bleiben auf GerätCloud-VerarbeitungLokal (Apple Silicon)Cloud-VerarbeitungGemischt

Puh, und was sagt die Tabelle aus?

Kommt drauf an, was du brauchst:

  • Bestes Datenschutz-Paket: Eloquent gewinnt klar. Komplett offline, komplett kostenlos. SuperWhisper ist auch lokal, kostet aber Geld und läuft nur auf dem Mac.
  • Beste Alltagsintegration: Wispr Flow, weil du direkt in jede App diktieren kannst. Kostet halt 15 Dollar im Monat.
  • Beste Meeting-Lösung: Otter.ai, keine Frage. Aber das ist eben auch ein ganz anderes Tool.
  • Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis: Eloquent. Schwer, gegen “kostenlos mit KI-Transformationen” zu argumentieren.

Was das für dich bedeutet

Okay, kommen wir mal weg von den Features und hin zu den konkreten Szenarien. Für wen ist Eloquent wirklich sinnvoll?

Du schreibst beruflich viel auf Englisch

Journalisten, Content-Creator, Übersetzer, Berater mit internationalen Kunden — wenn du regelmäßig englische Texte produzierst, ist Eloquent ein ziemlich starkes Tool. Du diktierst deinen Entwurf, lässt Füllwörter automatisch entfernen und wählst den passenden Transformations-Modus. Das spart realistisch 30-40% der Zeit, die du sonst mit Tippen und Überarbeiten verbringst.

Du arbeitest mit sensiblen Daten

Ärzte, Therapeuten, Anwälte, Steuerberater — alle, die eine Verschwiegenheitspflicht haben, kennen das Dilemma: Cloud-basierte Tools sind bequem, aber datenschutzrechtlich halt problematisch. Eloquent im Offline-Modus löst das. Patientennotizen diktieren, ohne dass die Daten dein Gerät verlassen? Genau das.

Natürlich nur auf Englisch aktuell — aber für Praxen und Kanzleien mit internationaler Klientel ist das schon jetzt relevant.

Du willst einfach schneller Texte verfassen

Kennst du das? Du sitzt vor einer leeren E-Mail und die Worte wollen nicht kommen. Manchmal ist es halt einfacher, Gedanken auszusprechen statt zu tippen. Eloquent macht genau diesen Workflow reibungslos: Reden, korrigieren lassen, absenden.

Ich hab’s selbst getestet: Drei Minuten diktieren, “Formal” drauflegen — und die E-Mail war besser als das, was ich in zehn Minuten getippt hätte. (Muss ich zugeben: Das hat mich schon etwas überrascht.)

Du bist Student oder hast ein kleines Budget

180 Dollar im Jahr für Wispr Flow sind halt nicht nichts — schon gar nicht, wenn du Studierende/r bist oder gerade dein erstes Start-up hochziehst. Eloquent bietet vergleichbare Kernfunktionen für null Euro. Das ist echt ein starkes Argument, auch wenn die App noch nicht so ausgereift ist wie die bezahlten Alternativen.

Blick nach vorn: Was kommt noch?

Google hat Eloquent als Teil seiner “AI Edge”-Initiative positioniert — also KI-Modelle, die direkt auf Endgeräten laufen, ohne Cloud-Anbindung. Das ist ein Trend, der sich gerade massiv beschleunigt: Apple macht es mit Apple Intelligence, Samsung mit Galaxy AI, und jetzt halt auch Google mit Gemma on-device.

Für die Diktier-App-Branche bedeutet das: Die Zeiten, in denen man 15 Dollar im Monat für Cloud-basierte Transkription verlangen konnte, dürften so langsam vorbei sein. Wenn ein Tech-Riese wie Google die Basis-Features kostenlos anbietet, wird es für die kleinen Anbieter echt eng.

Na ja — andererseits haben Wispr Flow und SuperWhisper einen Vorteil, den Eloquent (noch) nicht hat: Keyboard-Integration und Mehrsprachigkeit. Wer auf Deutsch diktiert, kommt an den bezahlten Alternativen aktuell nicht vorbei.

Spannend wird es, wenn Google deutsche Sprachunterstützung nachliefert. Dann wird’s für die Konkurrenz richtig ungemütlich.

Fazit

Google AI Edge Eloquent ist keine perfekte Diktier-App — die fehlende deutsche Sprache und keine Keyboard-Integration sind echte Schwächen. Aber für das, was sie bietet, ist sie beeindruckend: Echtzeit-Transkription mit KI-Aufbereitung, komplett offline, komplett kostenlos.

Wenn du beruflich auf Englisch diktierst und Wert auf Datenschutz legst, gibt es gerade keinen Grund, dafür zu bezahlen. Lad dir die App runter, teste sie eine Woche — und entscheide dann, ob du dein Wispr-Flow-Abo wirklich noch brauchst.

Und für alle, die auf deutsche Sprachunterstützung warten: Bleibt dran. Bei dem Tempo, mit dem Google gerade On-Device-KI ausbaut, dürfte es nicht mehr allzu lange dauern.


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Quellen

  1. Google AI Edge Eloquent — Apple App Store
  2. Google AI Edge — Gemma On-Device Models (ai.google.dev)
  3. Wispr Flow — Voice-to-Text for Professionals (wispr.ai)
  4. SuperWhisper — Offline AI Dictation (superwhisper.com)
  5. Otter.ai — AI Meeting Assistant (otter.ai)
  6. Apple Dictation — iOS Built-in Speech Recognition (support.apple.com)
  7. Gemma: Open Models by Google DeepMind (blog.google)
  8. Bitkom: Digitalisierung und KI in deutschen Unternehmen 2026 (bitkom.org)

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