Das Problem jedes KI-Präsentationstools war nie das Folienbauen — es war, dass die Folien am Ende nach der KI aussehen und nicht nach deiner Firma. Ein hübsches Deck in fremden Schriften ist ein Deck, das du von Hand nachbaust. Genau dieses Problem hat Google jetzt angepackt: Gemini in Google Slides generiert komplette Präsentationen, die sich an einem bestehenden Deck von dir orientieren — deine Schriften, deine Farben, deine Layout-Gewohnheiten. Und jedes Element bleibt ein ganz normales, editierbares Slides-Objekt.
Ein Berater hat den Zustand davor treffender beschrieben als jede Produktseite: Er habe einen nennenswerten Teil seiner Karriere damit verbracht, Textboxen vier Pixel nach links zu schieben. Auf genau diese Karriere zielt das Feature.
Die gute Nachricht vorweg: Anders als so manches Gemini-Feature funktioniert dieses auch in Deutschland — vorausgesetzt, du zahlst. Die ehrlichen Einschränkungen kommen weiter unten.
Was ist passiert
Zwei Termine zählen. Seit Ende Juni kann Gemini in Google Slides aus einem Prompt eine vollständige, mehrseitige Präsentation generieren — nativ, also mit echten Textfeldern, echten Diagrammen und Layouts, die du normal bearbeitest, statt eines starren Bilds von einem Deck. ad-hoc-news datiert den Rollout auf den 29. Juni; ein Google-Manager brachte den Unterschied auf X auf drei Worte: „Not Images. Not PDFs."
Der Juli-Feature-Drop legte dann die Funktion nach, die den Arbeitsalltag ändert: markenkonforme Generierung. Du gibst Gemini eine deiner bestehenden Präsentationen als Stilreferenz, und die neue übernimmt deren Formatierung. Dazu zieht sich die KI Inhalte aus deinen Docs, Sheets, PDFs und früheren Decks — und stellt vor dem Bauen Rückfragen, statt zu raten. it-boltwise beschreibt, wie eng das Ganze inzwischen mit den übrigen Workspace-Workflows verzahnt ist: Erst entsteht eine Gliederung, die du freigibst, dann die Folien.
Wer es bekommt: Workspace Business/Enterprise Standard und Plus sowie Google AI Pro/Ultra — in Deutschland genauso wie überall sonst. Die zwei ehrlichen Haken: Es läuft nur am Desktop, und die Funktion versteht zum Start nur englische Prompts. Deine Folieninhalte können deutsch sein, wenn deine Quelldokumente deutsch sind — aber die Anweisungen an Gemini formulierst du vorerst auf Englisch. Für die einen ein Ärgernis, für die meisten im Arbeitsalltag verschmerzbar.
Wichtig zur Einordnung: Ein Deck aus einem Prompt in Gemini Canvas haben wir schon im Mai auseinandergenommen — das war der schnelle Erstentwurf in Googles Styling. Das hier ist die andere Baustelle: Slides-native Generierung, die dein Design erbt.
Der 5-Minuten-Workflow zum markenkonformen Deck
Schritt 1: Dort starten, wo die Marke zu Hause ist
Leere Präsentation am Desktop öffnen (oder slides.new tippen) und die Gemini-Option wählen. Beschreib das Deck in einem klaren Satz:
A 10-slide Q3 results deck for our leadership team, focused on
the two product lines that grew.
Schritt 2: Kontext füttern — und das alte Deck
Das ist der Schritt, der dieses Feature von jedem „KI-Deck-Generator" unterscheidet, den du bisher probiert hast:
- Quellen anhängen: die Docs, Sheets oder PDFs, aus denen der Inhalt kommen soll. Gemini schlägt sogar passende Dateien aus deinem Drive vor.
- „Match presentation style": häng das Deck vom letzten Quartal an — oder dein sauberstes. Das ist der Marken-Schalter; Schriften, Farben und Layout-DNA kommen aus dieser Datei.
Die Qualität der Stilreferenz zählt mehr als der Prompt. Gib ihm dein aufgeräumtestes Deck, nicht dein neuestes.
Schritt 3: Rückfragen beantworten
Gemini fragt vor dem Bauen nach — Zielgruppe, Schwerpunkt, Länge. Nimm die Fragen ernst; genau hier trennt sich „generisches Deck" von „dein Deck".
Schritt 4: Erst die Gliederung, dann die Folien
Du bekommst zuerst einen Folienplan, den du umsortieren und kürzen kannst, bevor generiert wird. Streich überflüssige Folien im Planstadium — das geht schneller, als fertige Folien zu löschen.
Schritt 5: Der menschliche Durchgang
Alles, was rauskommt, ist natives Slides-Material — die Korrekturrunde ist also normales Folienbearbeiten, kein Kampf gegen ein plattgerechnetes Bild. Gleich jede Zahl mit den Quelldateien ab (Gemini zieht sie von dort, aber präsentieren musst du sie), und schreib die eine Folie um, die dein eigentliches Argument trägt. Die war nie automatisierbar.
Was das für dich heißt
Wenn du ein wiederkehrendes Deck baust (wöchentlich, monatlich, quartalsweise): Das ist der größte Gewinn — und der klassische Mittelstands-Fall. Monatsreport für die Geschäftsführung, Vertriebsdeck, Beiratssitzung: Die letzte Ausgabe ist zugleich perfekte Stilreferenz und Strukturvorlage. Aus Stunden wird eine Kontrollrunde.
Wenn du berätst oder frei arbeitest: Kundendecks im Kunden-Design sind der unterschätzte Anwendungsfall. Lass dir von jedem Kunden ein repräsentatives Deck geben, und jedes Angebot, das du generierst, erscheint in dessen Marke statt in deiner. Das fällt auf — und hat dich bisher jedes Mal einen Abend Formatierung gekostet.
Wenn du einen kleinen Betrieb ohne „Brand-Team" führst: Dein Corporate Design ist das, was dein bestes Deck sagt. Kür es zur Standard-Referenz und hör auf, um 23 Uhr Schriftentscheidungen zu treffen.
Wenn du schon Gamma, Canva oder Beautiful.ai nutzt: Der ehrliche Vergleich dreht sich darum, wo das Ergebnis am Ende landet. Diese Tools liefern oft Web-Layouts oder Exporte, die nach dem Import in Slides oder PowerPoint Nacharbeit brauchen. Wenn deine Firma in Google Workspace arbeitet, schlägt „nativ und editierbar" das hübschere Fremdformat — spätestens dann, wenn nach dir noch eine Kollegin an die Folien muss.
Wenn du im Gratis-Tarif unterwegs bist: Dann ist das hier noch nichts für dich — ohne bezahlten Workspace- oder AI-Tarif taucht der Menüpunkt gar nicht erst auf. Der Canvas-Weg bleibt die kostenlose Route zum Erstentwurf, nur eben ohne Markenabgleich.
Was es nicht kann
- Es kopiert Stil, nicht Urteilsvermögen. Schriften und Farben übernimmt es treu — und genauso treu produziert es Bullet-Wüsten, wenn deine Referenz eine Bullet-Wüste ist. Schlechte Marke rein, schlechte Marke raus.
- Es weiß nicht, welche Zahl die Geschichte trägt. Es holt Werte aus deinen Sheets, aber welche Kennzahl aufs Titelchart gehört — und ob jede Zahl stimmt —, bleibt dein Job.
- Desktop und Englisch, vorerst. Keine mobile Generierung, keine deutsche Prompt-Eingabe zum Start.
- Die Kontingent-Schonfrist ist vorbei. Googles großzügige Promo-Limits liefen offiziell „mindestens bis 1. August" — also bis gestern. Ab jetzt gelten tarifabhängige Deckel; Ultra wirbt mit dem Fünf- bis Zwanzigfachen von Pro.
- Die letzten 10 Prozent bleiben Arbeit. Alle frühen Tests kommen zum selben Schluss: Es produziert das Deck, das du überarbeitest, nicht das Deck, das du hältst. Plan die Kontrollrunde ein — sie dauert jetzt nur noch Minuten statt Abende.
Fazit
„Eine Präsentation in Sekunden" führen KI-Tools seit zwei Jahren vor; offen war immer, nach wem die Präsentation aussieht. Markenabgleich im Werkzeug, das die Firma sowieso benutzt — das ist die Variante dieses Features, die einen echten Montag übersteht.
Wenn Präsentationen ein ernsthafter Teil deines Jobs sind: Unser Kurs KI-Präsentationen meistern deckt den kompletten Workflow ab — Struktur, Story und die KI-Tools, die bleiben dürfen —, und Präsentationen mit KI schärft die menschliche Hälfte, an die kein Generator herankommt. Wer tiefer in die Workspace-Seite will: Google Workspace mit KI.
Quellen
- Google Workspace — Create on-brand presentations in minutes with Gemini in Google Slides
- ad-hoc-news — Google Slides: Gemini generiert komplette Präsentationen ab 29. Juni
- ad-hoc-news — Google Slides: Gemini generiert Präsentationen aus Dokumenten
- it-boltwise — Google Slides: Gemini erstellt Präsentationen aus Dokumenten und koppelt Workspace-Workflows enger
- Google Hilfe — Create presentations with Gemini in Google Slides