KI für Anwaltskanzleien: Mandanten-Workflows
Mandanten kommen längst mit „Die KI hat gesagt…“ — und Gerichte rügen ungeprüfte KI-Zitate. Du lernst die Kanzlei-Workflows, die wirklich tragen: Akten-Briefing, Mandantenbriefe in Klartext, Schriftsatz-Entwürfe mit Prüf-Pass. Mit klaren roten Linien bei Verschwiegenheit (§ 43a BRAO, § 203 StGB, § 43e-Vertrag) und Prüfpflicht (AG Köln, LG Frankfurt). 8 Lektionen + Zertifikat.
Worum es in diesem Kurs geht
Das Erstgespräch beginnt heute oft mit einem neuen Satz: „Die KI hat gesagt, dass …“ Mandanten kommen vorbereitet — mit ChatGPT-Auskünften, von denen ein Praktiker trocken sagt: „80 Prozent davon ist Quatsch.“ Gleichzeitig rügen deutsche Gerichte Anwälte, die erfundene KI-Zitate einreichen (AG Köln, LG Frankfurt: „komplette Fälschung“). Zwischen diesen beiden Polen liegt die eigentliche Chance: Die Kanzlei, die KI beherrscht, gewinnt doppelt — schneller in der Routine, souveräner beim Mandanten.
Dieser Kurs zeigt dir die Workflows, die wirklich tragen: das Akten-Briefing vor dem Mandantengespräch, der Mandantenbrief in Klartext, der Schriftsatz-Entwurf mit eingebautem Prüf-Pass, die souveräne Antwort auf KI-bewaffnete Mandanten. Und er zieht zwei rote Linien, die in der Kanzlei härter gelten als irgendwo sonst. Erstens Verschwiegenheit: § 43a Abs. 2 BRAO umfasst alles aus dem Mandat, und für § 203 StGB genügt nach herrschender Lesart schon die Zugriffsmöglichkeit des KI-Anbieters — deshalb gilt: anonymisieren als Standard, und ein bloßer AVV ersetzt den § 43e-Vertrag nicht. Zweitens Prüfpflicht: KI ist erlaubt, ungeprüfte Übernahme nicht — jedes Zitat, jede Zahl, jede Frist bleibt Anwaltssache. Die goldene Regel des Kurses: Die KI liefert Entwurf und Struktur — geprüft, verantwortet und unterschrieben wird von Anwält:innen.
In 8 Lektionen lernst du Schritt für Schritt:
- die goldene Regel — und warum Verschwiegenheit Bequemlichkeit schlägt, immer
- das Akten-Briefing: anonymisierte Zusammenfassung, Chronologie, Beteiligte in Minuten
- Mandantenbriefe in Klartext — verständlich, ohne Inhalte zu verfälschen
- Schriftsatz-Entwurf & Recherche — und die Zitat-Falle, die schon vor Gericht endete
- die souveräne Reaktion, wenn der Mandant mit ChatGPT kommt
- rote Linie 1: Verschwiegenheit, § 43e-Vertrag, Anonymisierung, Art.-4-Schulung
- rote Linie 2: Endkontrolle — Zitate, Zahlen, Fristen bleiben bei dir
Für wen ist der Kurs?
Für alle, die in einer Kanzlei arbeiten — Anwält:innen, ReFa/ReNo, Sekretariat, Kanzleimanagement. Du brauchst keine KI-Vorkenntnisse, nur den Anspruch, schneller zu werden, ohne Berufsrecht und Mandantenvertrauen zu riskieren.
Was du am Ende kannst
Du setzt KI dort ein, wo sie in der Kanzlei wirklich trägt: Briefing, Klartext-Kommunikation, Entwürfe. Du arbeitest dabei konsequent anonymisiert oder mit § 43e-konformen Tools, prüfst jede Fundstelle selbst — und du weißt, warum Fristen und Unterschriften niemals an die KI gehen.
Das lernst du
- Die goldene Regel anwenden: KI liefert Entwurf und Struktur — geprüft, verantwortet und unterschrieben wird von Anwält:innen
- Mit dem Akten-Briefing den sicheren Einstieg meistern: anonymisierte Zusammenfassung, Chronologie und Beteiligte vor jedem Gespräch
- Mandantenbriefe in Klartext schreiben: Juristendeutsch übersetzen mit „Das bedeutet konkret …“ — präzise, ohne Inhalte zu verfälschen
- Schriftsatz-Entwürfe und Recherche richtig einsetzen: Gliederung und Argumente ja — jede Fundstelle selbst in der Datenbank prüfen
- Souverän reagieren, wenn Mandanten mit ChatGPT-Auskünften kommen: anerkennen, gegenprüfen, einordnen
- Rote Linie 1 einhalten: Verschwiegenheit zuerst — keine Mandatsdaten in Consumer-KI, § 43e-Vertrag statt bloßem AVV, anonymisieren als Standard
- Rote Linie 2 einhalten: Endkontrolle vor jedem Versand — Zitate, Zahlen und Fristen bleiben Anwaltssache (§ 43, § 43a Abs. 3 BRAO)
After This Course, You Can
What You'll Build
Kursinhalt
Voraussetzungen
- Du arbeitest in einer Kanzlei — als Anwält:in, ReFa/ReNo, im Sekretariat oder im Kanzleimanagement
- Du hast schon mal mit ChatGPT, Claude oder Gemini getippt (oder bist bereit, es zum ersten Mal zu tun)
- Keine KI-Vorkenntnisse nötig — wir fangen ganz vorne an
Für wen ist das?
- Rechtsanwält:innen in Einzelkanzlei und kleinen Einheiten, die KI produktiv und BRAO-konform nutzen wollen
- ReFa/ReNo und Kanzleisekretariat — Eingangspost, Aktenführung, Mandantenkommunikation
- Kanzleimanagement, das Spielregeln gegen Schatten-KI und für die Art.-4-Schulung braucht
- Junganwält:innen und Referendar:innen, die mit KI-Workflows in den Beruf starten
- Syndikus-Anwält:innen, die dieselben Prüf- und Vertraulichkeitsregeln im Unternehmen anwenden
Häufig gestellte Fragen
Darf ich als Anwält:in überhaupt ChatGPT benutzen?
Ja — aber nicht mit Mandatsdaten im Privat-Konto. Die Verschwiegenheit (§ 43a Abs. 2 BRAO) umfasst alles aus dem Mandat, und nach herrschender Lesart genügt schon die Zugriffsmöglichkeit des Anbieters für eine unbefugte Offenbarung (§ 203 StGB). Der saubere Weg: anonymisiert arbeiten oder ein Tool mit Vertrag nach § 43e BRAO einsetzen. Genau das sortiert Lektion 6.
Reicht ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) wie in anderen Branchen?
Nein — das ist die Besonderheit für Kanzleien. Ein AVV nach Art. 28 DSGVO erfüllt die Anforderungen des § 43e BRAO typischerweise nicht: Es fehlen die Verschwiegenheitsverpflichtung mit Belehrung über die Straffolgen des § 203 StGB, die Zweckbindung und die Unterauftragnehmer-Bindung. Für Mandatsdaten brauchst du einen kombinierten Vertrag — oder du bleibst bei anonymisierten Daten.
Was ist mit den Fällen, in denen Anwälte erfundene Urteile zitiert haben?
Die gibt es auch in Deutschland: Das LG Frankfurt (Beschl. v. 25.09.2025 – 2-13 S 56/24) sprach bei drei erfundenen BGH-Zitaten von einer „kompletten Fälschung“, das AG Köln (312 F 130/25) rügte frei erfundene Fundstellen aus einer KI-Recherche. Die Linie der Gerichte: KI ist erlaubt, die ungeprüfte Übernahme nicht. Deshalb trainiert Lektion 4 und 7 den Prüf-Pass: jede Fundstelle selbst in beck-online oder juris nachschlagen.
Brauche ich teure Legal-KI wie Beck-Noxtua?
Für diesen Kurs nicht. Alle Übungen funktionieren mit den kostenlosen Versionen von ChatGPT oder Claude und anonymisierten Beispieldaten. Spezialisierte Tools (Beck-Noxtua, RA-MICRO JURA KI, Langdock & Co.) lohnen sich, wenn du täglich mit echten Mandatsdaten arbeiten willst — der Kurs gibt dir die Kriterien für die Auswahl an die Hand.
Gilt der Kurs auch für ReFa und Kanzleipersonal?
Unbedingt. Akten-Briefing, Eingangspost, Mandantenkommunikation — viele Workflows liegen genau dort. Und die Schulungspflicht aus Art. 4 der KI-Verordnung (seit Februar 2025) gilt für alle Mitarbeitenden, die KI beruflich nutzen. Dieser Kurs ist dafür ein solider Baustein.
Bekomme ich ein Zertifikat?
Ja. Wenn du alle Lektionen abschließt und die Tests bestehst, bekommst du ein Zertifikat, das du im Lebenslauf oder im Profil zeigen kannst.