Neue Siri AI: Warum sie nicht aufs EU-iPhone kommt

Apple bringt die neue Siri AI wegen des DMA vorerst nicht aufs iPhone in der EU. Was das konkret bedeutet — und wie du trotzdem einen guten KI-Assistenten bekommst.

Apple hat auf der WWDC 2026 am 8. Juni eine komplett neue Siri vorgestellt — gesprächig, sieht, was auf dem Bildschirm passiert, durchsucht deine eigenen Nachrichten und Fotos. Klingt gut. Hat nur einen Haken, wenn dein iPhone in der EU steht: Du bekommst sie erstmal nicht.

Apple hat das in einer eigenen Pressemitteilung bestätigt. Wegen des Digital Markets Act (DMA) startet die neue Siri AI nicht mit iOS 27 und iPadOS 27 in der Europäischen Union. Craig Federighi, Apples Software-Chef, sagt dazu: “Wir sind zutiefst enttäuscht, dass unsere EU-Nutzer Siri AI auf iPhone oder iPad nicht haben werden, wenn wir die neuen Versionen später dieses Jahr ausliefern.”

Also: kurz einordnen, was da wirklich passiert ist — und vor allem, was du als iPhone-Besitzer in Deutschland jetzt konkret tun kannst. Denn ganz ohne modernen KI-Assistenten musst du nicht bleiben.

Was Apple genau angekündigt hat — und für wen

Die neue Siri heißt jetzt Siri AI und ist Teil von Apple Intelligence. Im Gegensatz zur alten Siri kann sie ein echtes Gespräch führen, erkennt den Inhalt auf deinem Bildschirm und greift auf deine persönlichen Daten zu — Nachrichten, Mails, Fotos, Notizen. Das klassische Beispiel: “Hey Siri, wann landet der Flug meiner Mutter?”, und sie zieht die Antwort aus der Mail, die sie dir geschickt hat. Dazu kommt eine eigene App, in der du frühere Unterhaltungen wiederfindest.

Unter der Haube läuft das Ganze laut Berichten — unter anderem von MacRumors, gestützt auf Analyst Ming-Chi Kuo — auf einem angepassten Google-Gemini-Modell. Apple selbst sagt das Wort “Gemini” nirgends; offiziell heißt es nur “powered by Apple Intelligence”. Also: gut belegte Berichterstattung, keine Apple-Bestätigung. So oder so läuft das Modell auf Apples eigenen Servern (Private Cloud Compute), das ist Apples Datenschutz-Argument.

Wichtig fürs Erwartungsmanagement: Selbst dort, wo Siri AI startet, braucht sie ein iPhone 15 Pro, iPhone 16 oder neuer. iOS 27 läuft zwar ab dem iPhone 11 — die KI-Funktionen aber nicht. Der vollständige Start ist für den Herbst geplant.

Der EU-Haken im Klartext

Heise, WinFuture und Mac Life berichten übereinstimmend dasselbe wie Apples Pressemitteilung: In der EU kommt Siri AI vorerst nicht auf iPhone und iPad. Betroffen sind die dedizierte Siri-App, die erweiterte Visual Intelligence, die Schreibwerkzeuge und der Siri-Modus in der Kamera.

Apples Begründung: Die EU-Regulierer hätten in den letzten Monaten keinen von Apples Lösungsvorschlägen akzeptiert. Apple argumentiert, die Auslegung des DMA würde verlangen, dass ein Assistent praktisch unbegrenzten Zugriff auf das Gerät bekommt — auch für konkurrierende Dienste — und das sei ein Sicherheitsrisiko. Die EU sieht das anders. Wer recht hat, ist hier nicht der Punkt; der Punkt ist, dass du als Nutzer dazwischen sitzt.

Ein kurioses Detail: Auf Mac, Apple Watch und Vision Pro bekommst du Siri AI in der EU sehr wohl. Nur ausgerechnet auf dem iPhone und iPad — den Geräten, die du am häufigsten nutzt — nicht. Einen Zeitplan für eine Nachlieferung nennt Apple ausdrücklich nicht.

Was du stattdessen tun kannst (und zwar heute)

Hier ist die gute Nachricht. Du brauchst die neue Siri gar nicht, um auf dem iPhone einen erstklassigen KI-Assistenten zu haben. Die Modelle, die laut Berichten ohnehin hinter Siri AI stehen, gibt es als eigene Apps — direkt, ohne Umweg über Apple.

  • Lade dir die App direkt. ChatGPT, Claude und Google Gemini gibt es alle als kostenlose iPhone-App im App Store. Damit hast du genau das Modell, das in den USA hinter der neuen Siri werkelt — nur eben als eigene App statt über Siri.
  • Leg dir ein Kurzbefehl-Widget an. Über die App “Kurzbefehle” kannst du dir einen Ein-Tipp-Zugriff auf deine bevorzugte KI auf den Homescreen legen. Fast so schnell wie “Hey Siri”.
  • Behalte iOS 27 trotzdem. Das normale iOS-27-Update bekommst du in der EU ganz normal — nur die Siri-AI-Schicht fehlt. Die Geschwindigkeits-Verbesserungen, die schnellere Fotos-App und der bessere Foto-Editor sind da.

Apple plant zudem ein Extensions-System, mit dem man ChatGPT, Claude oder Gemini direkt als Standard-Assistenten festlegen könnte (Einstellungen → “Apple Intelligence und Siri”). Ob und wie das in der EU ankommt, ist nach der Siri-AI-Sperre offen — verlass dich vorerst auf die direkten Apps. Wer wissen will, welches Modell sich für welche Aufgabe lohnt, findet das in unserem Beitrag Claude, Gemini oder ChatGPT: Wähle deine iOS-27-Siri.

Was das für dich bedeutet

Wenn du ein neueres iPhone hast (15 Pro+). In den USA bekämst du Siri AI — in der EU nicht. Kein Drama: Lade ChatGPT oder Claude als App und du hast praktisch dieselbe Power, nur in einer eigenen App.

Wenn du ein älteres iPhone hast. Du hättest die neue Siri sowieso nicht bekommen (sie braucht ein 15 Pro oder neuer). Die KI-App auf deinem iPhone funktioniert dagegen auch auf älteren Modellen.

Wenn dich Datenschutz umtreibt. Verständlich — und der DMA-Streit dreht sich ja genau um Datenzugriff. Bei den Einzel-Apps entscheidest du selbst, was du eingibst. Gib nie sensible persönliche oder berufliche Daten in einen öffentlichen Chatbot.

Wenn dir das alles zu technisch ist. Dann ist genau jetzt der richtige Moment, den Umgang mit so einem Assistenten zu lernen — egal ob er Siri, ChatGPT oder Claude heißt. Die Fähigkeit ist dieselbe.

Was auch die Apps nicht können

Damit hier keine falsche Erwartung entsteht — drei ehrliche Grenzen:

  1. Keine tiefe System-Integration. Eine ChatGPT-App kann nicht so selbstverständlich deine Mails und Fotos durchsuchen wie eine ins System eingebaute Siri AI. Du kopierst Inhalte selbst hinein.
  2. Sie können sich irren. Jeder dieser Assistenten erfindet gelegentlich selbstbewusst Unsinn. Prüfe alles, was du nicht selbst verifizieren kannst.
  3. Gratis hat Grenzen. Die kostenlosen Tarife reichen für den Einstieg, sind aber gedeckelt. Für Vielnutzer kommt irgendwann ein Abo.

Fazit

Die neue Siri AI ist echt, sie ist deutlich besser als die alte — und in der EU kommt sie vorerst trotzdem nicht aufs iPhone. Ärgerlich, aber kein Grund zu warten: Die KI-Modelle, die hinter Siri AI stecken, hast du als eigene App in fünf Minuten auf dem Homescreen. Das eigentliche Können liegt ohnehin nicht in der Siri-Hülle, sondern darin, einen Assistenten gut zu bedienen.

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Quellen

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