OpenAI hat dieses Wochenende einen Trends-Score von 100 für „ChatGPT for Teachers" gemessen — Höchstwert. Der Haken für Dich: ChatGPT for Teachers ist US-only. Die SheerID-Verifikation funktioniert nur für US-amerikanische K-12-Lehrkräfte. Wir Lehrer in Deutschland kommen da nicht rein.
Das ist aber nicht das Ende der Geschichte. Die Bundesländer haben in den letzten zwölf Monaten Lizenzverträge mit datenschutzkonformen KI-Plattformen abgeschlossen. fobizz ist die mit Abstand verbreitetste — die KMK hat im Februar 2026 entschieden, die im Sommer 2026 auslaufende Landeslizenz zu verlängern. Daneben laufen Telli in Hamburg, SchulKI-Pilotprojekte in mehreren Ländern, und einige Schulträger haben Verträge mit der t3n-empfohlenen ChatGPT-Schullizenz über Drittanbieter.
Dieser Artikel ist die Schuljahresende-Routine — angepasst an die deutschen Tools, die Du tatsächlich nutzen darfst. Fünf Prompts. Eine Mahnung zur Datenschutz-Grenze, die selbst die staatlich lizenzierten Tools nicht überschreiten dürfen. Plus die fünfzehn Minuten am Pfingstsonntag, die Dir die nächsten zwei Wochen den Stress nehmen.
Warum gerade jetzt
In Bayern, Baden-Württemberg und NRW sind die letzten Schultage zwischen Ende Juni und Mitte Juli. Drei bis fünf Wochen vorher kommt der Berg: 28 Zeugnisbemerkungen pro Klasse, der Elternbrief vor den Sommerferien, die Sommerleseempfehlung, IEP-Jahresberichte für die Förderschüler, der Dankesbrief an Kollegen, die in Pension gehen.
Ohne KI sind das je nach Schulform 6 bis 10 Stunden Wochenendarbeit. Mit den richtigen Prompts in einem datenschutzkonformen Tool sind es 90 Minuten zum Erstellen plus 60-90 Minuten zum Editieren. Die Zeitersparnis ist real. Die Frage ist, ob Du in einem Tool arbeitest, in dem Du keine personenbezogenen Schülerdaten verarbeiten darfst.
Die DSGVO-Grenze, die fast alle übersehen
fobizz, Telli und SchulKI sind datenschutzkonform — aber nur, wenn Deine Schule den Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abgeschlossen hat. Ohne diesen Vertrag bist Du in der gleichen Lage wie bei der direkten ChatGPT-Nutzung: personenbezogene Schülerdaten haben dort nichts zu suchen.
Mit AVV — und das ist die Mehrheit der staatlichen Schulen in Deutschland inzwischen — kannst Du Vornamen, Klassenstufen und schulinterne Daten verarbeiten. Was weiterhin tabu bleibt: vollständige Namen mit Adressen, Diagnosen aus IEPs, Atteste, Krankenakten, alle besonderen Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO.
Die einfache Regel: Was Du in den Klassenraum-Schrank schließt, gehört auch in den KI-Workflow nicht hinein. Die Bemerkung „arbeitet im Unterricht konzentriert" ist drin. Die Diagnose „F90.0 ADHS, kombinierter Typ" bleibt draußen.
Die fünf Prompts für die Schuljahresende-Routine
Diese Prompts sind so gebaut, dass Du sie in fobizz, Telli oder SchulKI direkt einfügen kannst. Die Klassendaten kommen aus Deiner Notenliste oder dem Klassenbuchexport.
Prompt 1 — Zeugnisbemerkungen (28 Schüler in 25 Minuten)
Du bist eine erfahrene Klassenlehrerin der 5. Jahrgangsstufe und schreibst
Zeugnisbemerkungen für die Eltern. Schreibe für jeden Schüler in der
folgenden Liste eine Bemerkung aus 4 Sätzen. Jede Bemerkung soll:
- mit einer konkreten fachlichen Stärke beginnen, die sich auf die
tatsächliche Arbeit des Schülers bezieht
- eine Entwicklung im Vergleich zum Schuljahresanfang erwähnen
- ein Sozial- oder Arbeitsverhalten benennen, das im Unterricht beobachtet wurde
- mit einem zukunftsorientierten Hinweis für die nächste Klassenstufe schließen
Ton: warm, konkret, an Eltern gerichtet, ohne Fachjargon. Vermeide
Pauschalformeln wie „eine echte Bereicherung" oder „mit großem Engagement".
Verwende konkrete Verhaltensweisen und Lernfortschritte.
Schülerliste (einer pro Zeile, Format: Vorname | Stärken | Entwicklungsfeld):
[hier Deine Klassenliste einfügen]
Diese Struktur verhindert die häufigste Schwäche von KI-Bemerkungen: die Austauschbarkeit. Vier Sätze, vier verschiedene Funktionen. Du fügst 28 Schüler ein, bekommst 28 unterschiedliche Bemerkungen. Drei Minuten Editieren pro Schüler — das sind 84 Minuten statt sechs Stunden Tippen.
Prompt 2 — Elternbrief zum Schuljahresende (pro Kind individualisiert)
Verfasse einen Elternbrief zum Schuljahresende über die Entwicklung des Kindes.
Der Brief soll aus 3 Absätzen bestehen:
- Absatz 1: 2-3 konkrete Momente aus dem Schuljahr (fachlich, sozial,
Anstrengung), in denen der Vorname des Kindes vorkommt
- Absatz 2: das Entwicklungsfeld, in dem das Kind sich am stärksten
weiterentwickelt hat — mit einer Vorher-Nachher-Beobachtung
- Absatz 3: Sommer-Ermutigung plus 1-2 konkrete Dinge, die das Kind
vor [nächste Klassenstufe] noch üben kann
Warmer, an Eltern gerichteter Ton. Kein Lehrerjargon. Schluss:
„Ich werde [Vorname] in meiner Klasse vermissen. Schöne Sommerferien."
Vorname des Kindes: [Vorname]
Konkrete Momente (2-3 aus Deinem Klassenbuchnotizen einfügen):
[einfügen]
Größtes Entwicklungsfeld:
[einfügen]
Was im Sommer üben (1-2 Punkte):
[einfügen]
Prompt 3 — Differenzierte Sommerleseliste (30 Bücher, 4 Niveaus)
Erstelle eine differenzierte Sommerleseliste mit 30 Büchern für eine
Klasse 5, die in Klasse 6 wechselt. Gruppiere die Liste in 4 Leseniveaus
(unter Klassenstufe, auf Klassenstufe, über Klassenstufe, Vielleser),
mit 7-8 Büchern pro Niveau.
Pro Buch:
- Titel und Autor
- 1 Satz, der einen 10-Jährigen wirklich neugierig macht
- warum es ins Niveau passt (Länge, Themen, Wortschatz)
- ob es bei Onleihe / Bibliotheken als Hörbuch verfügbar ist
Nebenbedingungen:
- 60% Belletristik, 40% Sachbuch
- mindestens 4 Bücher mit Hauptfiguren aus unterrepräsentierten Hintergründen
- keine Bücher, die in [Dein Bundesland] aktuell auf einer Bedenken-Liste
stehen (überspringen statt empfehlen)
- bevorzugt nach 2015 erschienen (mind. 50%)
- 5 Reihenstarter, weil widerwillige Leser Schwung brauchen
Format: 4 Abschnitte, ein Niveau pro Abschnitt, Bücher als Aufzählung.
Die Onleihe-Verfügbarkeitsprüfung im Prompt ist die deutsche Anpassung — in den USA fragt der Prompt nach Audible/Libby. Hier ist Onleihe der Bibliotheksstandard für die meisten kommunalen Bibliotheken.
Prompt 4 — IEP-Jahresbericht-Struktur (nur Entwürfe, siehe Hinweis)
Erstelle eine Strukturvorlage für einen IEP-Jahresbericht für einen
Förderschüler. Die Struktur wird vom Förderpädagogen geprüft und
überarbeitet, bevor sie offiziell verwendet wird. Ausgabe ist eine
strukturierte Vorlage, KEIN finaler IEP-Text.
Abschnitte:
1. Ziel-für-Ziel-Verlauf (1 Absatz pro IEP-Ziel)
2. Förderzeit-Bilanz (geleistete Minuten vs. vereinbarte Minuten)
3. Wirksamkeit der Nachteilsausgleiche (was hat funktioniert, was nicht)
4. Empfohlene Ziele zur Übernahme ins nächste Schuljahr
5. Eltern-Zusammenfassung (Klartext, 1 Absatz, max. Klasse-7-Niveau)
Ziel-Liste und Verlaufsdaten (strukturiert einfügen):
[aus Deiner IEP-Tracking-Tabelle einfügen]
Verwendete Nachteilsausgleiche:
[einfügen]
Wichtige Beobachtungen:
[einfügen]
Nebenbedingungen:
- nur Vornamen, keine vollständigen Namen
- kennzeichne unvollständige Datenfelder mit „[FEHLENDE DATEN: ...]"
statt zu raten
- Eltern-Zusammenfassung auf Niveau Klasse 7
Wichtiger Datenschutzhinweis. fobizz und Telli sind nach Art. 32 DSGVO und nach den Bundesländer-AVV-Verträgen technisch geeignet, IEP-Daten zu verarbeiten. Aber: der finale IEP-Text gehört in das offizielle Sonderpädagogische Förder-System Deines Landes (in Bayern z. B. „SchülerOnline-LFB", in NRW „SchildNRW"-Modul Förderpädagogik). Die KI liefert Dir den Entwurf; das offizielle Dokument läuft über das Landessystem mit der Förderpädagoginnen-Prüfung.
Prompt 5 — Dankesnoten-Bank (8 Versionen)
Verfasse 8 Dankesnoten am Schuljahresende von einer Lehrkraft an
Kollegen. Jede Note soll 3-4 Sätze haben. Diese Beziehungsspanne abdecken:
1. Ein Kollege in Pension nach 30+ Dienstjahren
2. Ein Berufseinsteiger im Klassenraum nebenan
3. Die Schulpsychologin, die bei einem schwierigen Elterngespräch unterstützt hat
4. Der Hausmeister, der jeden Schülernamen kannte
5. Die Schulbibliothekarin, die einem Lesemuffel eine Reihe schmackhaft gemacht hat
6. Der Schulleiter, der eine wichtige Ressource durchgesetzt hat
7. Eine pädagogische Mitarbeiterin / Schulbegleiterin
8. Die Sekretärin, die alle Eltern-E-Mails sortiert hat
Jede Note:
- ein konkreter Moment, kein allgemeines „Danke für alles"
- klingt wie von einem echten Menschen, nicht wie HR
- vermeide „toll", „großartig", „grandios"
- Schluss handgeschrieben-wirkend, nicht „Mit freundlichen Grüßen"
Verwende [mein Name] als Platzhalter für die Unterschrift.
Was das für Dich bedeutet
Klassenlehrerin mit 25-30 Schülern: Prompt 1 + 2 sind der größte Hebel. Plane einen Sonntag: 25 Minuten Bemerkungen, 60-75 Minuten Elternbriefe, 15 Minuten Dankesnoten. Drei Stunden statt Wochenende.
Förderschullehrerin oder SoPäd-Beauftragte: Prompt 4 ist am leverage-stärksten, aber auch am ehesten überarbeitungsbedürftig. Nutze ihn als Strukturvorlage — die Sieben-Abschnitte-Vorlage, die alle Pflichtfelder erfasst. Den Verlaufstext schreibst Du selbst, in Deinem Stil. Lass die Förderpädagogin gegenlesen, bevor irgendetwas die Schule verlässt.
Schulleiter und Medienkoordinatoren: Wenn Eure Schule noch keinen AVV mit fobizz oder Telli hat, ist das Schuljahresende der falsche Zeitpunkt für überstürzte Verträge. Plane den AVV für die Sommerferien-Verwaltungstage. Die Bundesländer-Lizenzen vereinfachen den Prozess — Du musst meist nur dem schon ausgehandelten Rahmenvertrag beitreten.
Lehrkräfte an Privatschulen oder freien Schulen: Eure Träger haben oft eigene Verträge. Frag in der Geschäftsstelle, mit welcher Plattform der AVV besteht, bevor Du irgendetwas einfügst.
Lehrkräfte an Berufsschulen: Die Routine funktioniert für Halbjahres-Beurteilungen genauso wie für Zeugnisse. Tausch „Jahrgang" gegen „Berufsfeld" und „Sommerleseliste" gegen „berufsspezifische Sommerlernempfehlung".
Was es nicht kann
Kein Ersatz für Deine pädagogische Beurteilung bei sensiblen Daten. fobizz und Telli sind datenschutzrechtlich geeignet — aber Du entscheidest, was rein darf und was nicht. Die Tabletbeispiele auf datenschutz-schule.info sind hilfreiche Orientierung.
Kein Ersatz für die Förderpädagogin bei IEP-Texten. Der finale IEP-Text gehört ins Schul-Verwaltungssystem mit Förderpädagogen-Prüfung. Die KI liefert den Entwurf, nicht das Dokument.
Kein Ersatz für persönlichen Kontakt in den Elterngesprächen. Die Sommer-Elterngespräche und das Schuljahresende-Eltern-Sprechtag-Gespräch sind weiterhin Deine Aufgabe. Die KI hilft beim Brief; das Gespräch hilfst Du.
Keine Umgehung der schulischen KI-Richtlinie. Manche Schulen haben eigene AI-Use-Policies, die noch über die DSGVO hinausgehen. Frag den Personalrat oder den Datenschutzbeauftragten, bevor Du startest.
Fazit
Die Schuljahresende-Routine ist die wichtigste Zeitersparnis-Entscheidung des Jahres für deutsche Lehrkräfte. Fünf Prompts, einmal sonntags durchgespielt, ersetzen sechs bis acht Stunden Sonntagsschreibtisch. fobizz, Telli oder SchulKI mit AVV ist die rechtliche Voraussetzung. Die Prompts sind der Rest.
Drei Dinge in dieser Woche:
- Prüfe, ob Deine Schule den AVV mit fobizz oder einem äquivalenten Tool unterzeichnet hat
- Pflege Dein Klassenbuch dieses Jahr so, dass Du im Mai 2027 wieder zwei bis drei konkrete Momente pro Schüler hast — Eltern merken den Unterschied
- Probier Prompt 1 mit drei bis fünf Schülern aus, bevor Du die ganze Klasse einfügst — die Editier-Routine willst Du verstehen, bevor Du sie skalierst
Wenn Du den vollständigen KI-Lehrkräfte-Workflow möchtest — inklusive Schul-Rollout-Plan, Eltern-Einwilligungstexten und der vollständigen Prompt-Bibliothek — siehe den Kurs KI für Lehrkräfte.
Quellen
- telli, fobizz und Co: Diese KI-Tools können Schulen nutzen — Deutsches Schulportal
- ChatGPT & DSGVO — Datenschutzkonforme Nutzung in Schule und Unterricht — Unterrichten Digital
- ChatGPT in Schulen: Einwilligung der Eltern nötig — Table.Briefings
- fobizz Tools für Schule und Unterricht — fobizz
- ChatGPT und der Datenschutz — eine aktuelle Einschätzung — Unterrichten Digital
- A free version of ChatGPT built for teachers — OpenAI (US-only)
- datenschutz-schule.info — KI in Schule und Unterricht