KI-Diktat für die eigene Praxis: Was DSGVO-konform wirklich bedeutet

Niedergelassene Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen brauchen keine Klinik-IT für KI-Diktat. So findest du ein DSGVO-konformes Tool – und worauf es bei der AVV wirklich ankommt.

In den USA drehen sich gerade alle Schlagzeilen um KI-Diktiersoftware in Kliniken — Abridge, Dragon Copilot, ganze Krankenhausketten, die auf einen Schlag umstellen. Für niedergelassene Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen in eigener Praxis oder Heilpraktiker:innen bringt das alles nichts: Niemand installiert dir etwas, und ein x-beliebiges US-Tool ohne Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO einzusetzen, ist schlicht keine Option.

Die gute Nachricht: Der deutsche Markt ist tatsächlich schon weiter, als die US-zentrierte Berichterstattung vermuten lässt. Es gibt durchaus mehrere DSGVO-konforme Lösungen speziell für niedergelassene Praxen — du musst nur wissen, worauf du bei der Auswahl wirklich achten musst.

Warum die Klinik-Lösungen für dich nicht gelten

Wenn eine Klinik KI-Diktiersoftware einführt, verhandelt die Rechtsabteilung den AVV, die IT rollt die Software aus, und das Personal nutzt sie einfach. Diese ganze Vorarbeit ist bei dir in der eigenen Praxis nicht vorhanden — du bist selbst die Compliance-Abteilung. Jede Entscheidung, die in einer Klinik jemand anderes trifft, triffst du hier allein: Serverstandort, AVV-Inhalt, Schweigepflicht-Klausel, technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs).

Die deutschen Anbieter, die wirklich für Einzelpraxen gebaut sind

Anders als in den USA gibt es hierzulande mehrere Anbieter, die speziell auf niedergelassene Praxen und Psychotherapeut:innen zielen, mit deutschem oder EU-Serverstandort als Standardversprechen:

  • Diktat AI — DSGVO-konforme KI-Transkription speziell für Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen, wandelt Diktate automatisch in Text um.
  • Arztbrief.ai — DSGVO-konform, bietet 5 kostenlose Testdiktate zum Ausprobieren, bevor du dich festlegst.
  • Adiu Health — transkribiert Gespräche automatisch, erstellt strukturierte Zusammenfassungen und daraus Arztbriefe oder Therapieberichte, mit Fokus auf DSGVO-konforme Verarbeitung in Deutschland.

Der entscheidende Unterschied zu den bekannten US-Tools (Doximity Scribe, Heidi Health): Diese deutschen Anbieter sind von Grund auf für den hiesigen Rechtsrahmen gebaut — nicht nachträglich mit einer AVV “DSGVO-konform gemacht.”

Landingpage von Diktat AI mit dem Versprechen “Server in der EU” und DSGVO-konformer Erstellung von Arztbriefen per Diktat
Beispiel eines deutschen Anbieters für KI-Diktat in der Praxis. Quelle: diktat.ai

Die vier Prüfkriterien vor jedem Vertragsabschluss

Ein aktueller Vergleich mehrerer DSGVO-konformer Lösungen nennt vier Kernkriterien, die du selbst prüfen solltest, bevor du echte Patientendaten in ein Tool eingibst:

  1. Serverstandort (EU/Deutschland). Wo werden deine Aufnahmen und Transkripte tatsächlich verarbeitet und gespeichert? Ein Anbieter mit Sitz in der EU ist kein Ersatz für die explizite Zusage zum Serverstandort.
  2. Schweigepflicht-Klausel im AVV. Der Auftragsverarbeitungsvertrag muss deine ärztliche bzw. therapeutische Schweigepflicht ausdrücklich berücksichtigen — ein generischer Software-AVV reicht nicht.
  3. Zertifizierungen wie ISO 27001 oder BSI C5. Diese sind keine Pflicht, aber ein starkes Signal für echte Sicherheitsstandards jenseits der reinen Marketingaussage “DSGVO-konform.”
  4. Nachweislicher Ausschluss von Patientendaten beim Modelltraining. Frag explizit nach: Werden deine Aufnahmen zum Training des KI-Modells verwendet? Die Antwort muss ein klares Nein sein, schriftlich fixiert.

Der EU AI Act: was aktuell wirklich gilt

Hier herrscht viel Verwirrung, auch in deutschen Fachartikeln: Medizinische KI-Anwendungen gelten grundsätzlich als potenziell “hochriskant” nach dem EU AI Act — das betrifft vor allem KI in Medizinprodukten sowie Triage- und Notfall-Anwendungen. Reine Diktier- und Transkriptionshilfen, die keine medizinischen Entscheidungen treffen oder vorschlagen, fallen nicht automatisch in dieselbe Kategorie — die konkrete Einstufung hängt vom genauen Funktionsumfang des jeweiligen Tools ab.

Wichtig für die Zeitplanung: Die vollständigen Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme nach Anhang III wurden im Rahmen des sogenannten “Digital Omnibus” auf den 2. Dezember 2027 verschoben — ein früher kursierendes Datum im August 2026 betraf andere, bereits laufende Pflichten (etwa zu verbotenen KI-Praktiken), nicht die vollständige Hochrisiko-Compliance für Medizin-KI. Frag deinen Anbieter trotzdem aktiv, wie er die eigene Einstufung nach EU AI Act einschätzt — das gehört zur Sorgfaltspflicht, unabhängig vom exakten Fristendatum.

Was das für dich bedeutet

Wenn du niedergelassene:r Arzt/Ärztin oder Psychotherapeut:in bist: Diktat AI oder Adiu Health sind der naheliegende erste Anlaufpunkt — beide sind explizit für den deutschen Praxisalltag gebaut, nicht nachträglich lokalisiert.

Wenn du gerade aus einer Klinikanstellung in die eigene Praxis wechselst: Die KI-Diktatlösung deines früheren Arbeitgebers geht nicht mit dir — der Vertrag und der AVV galten für die Klinik, nicht für dich persönlich.

Wenn dir Datenschutz besonders wichtig ist: Frag explizit nach dem Serverstandort und ob deine Aufnahmen zum KI-Training verwendet werden — beides gehört in eine schriftliche Zusage, nicht nur ins Marketing-Kleingedruckte.

Wenn du unsicher bist, ob dein Anwendungsfall unter den EU AI Act als Hochrisiko-KI fällt: Frag den Anbieter direkt nach dessen eigener Risikoeinstufung — das ist ein legitimer, professioneller Vorabcheck, kein Misstrauensvotum.

Häufige Fragen

Ist eine kostenlose Testversion automatisch DSGVO-konform? Nein — prüfe den AVV auch für Testzugänge, bevor du echte Patientendaten eingibst. “Kostenlos zum Testen” heißt nicht automatisch “mit vollständigem AVV abgesichert.”

Reicht die Aussage “DSGVO-konform” auf der Anbieter-Website als Nachweis? Nein. Ein rechtsverbindlicher AVV nach Art. 28 DSGVO mit expliziter Schweigepflicht-Klausel ist der eigentliche Nachweis, nicht ein Marketing-Claim.

Muss ich Patient:innen über den Einsatz von KI-Diktat informieren? Ja — Transparenz über den Einsatz von KI bei der Dokumentation gehört zur professionellen und datenschutzrechtlichen Sorgfaltspflicht, unabhängig vom konkreten Tool.

Fazit

Der deutsche Markt für KI-Diktat in der eigenen Praxis ist reifer, als die US-lastige Berichterstattung vermuten lässt — mit Anbietern, die von Anfang an für den deutschen Rechtsrahmen gebaut wurden. Die eigentliche Aufgabe bleibt trotzdem bei dir: den AVV lesen, den Serverstandort prüfen, und die Schweigepflicht-Klausel nicht als Formsache abhaken.

Mehr zur rechtssicheren Praxis-Dokumentation mit KI findest du in unserem Kurs zu KI-Therapie-Dokumentation und DSGVO.

Quellen

Echte KI-Skills aufbauen

Schritt-für-Schritt-Kurse mit Quizzes und Zertifikaten für den Lebenslauf