Copilot Cowork vs Claude Cowork: Welches KI-Tool passt zu dir?

Microsoft nutzt Claude, um GPT zu überprüfen. Copilot Cowork ist jetzt über Frontier verfügbar. Hier ist der ehrliche Vergleich mit Anthropics Claude Cowork.

Eine Zahl, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen sollte: Microsoft hat 18 Milliarden Dollar in OpenAI investiert. Und als es darum ging, das ambitionierteste KI-Feature in der Geschichte von Microsoft 365 zu bauen? Haben sie Anthropic angerufen.

Copilot Cowork — der agentische KI-Assistent, der quer durch Outlook, Teams, Excel und PowerPoint arbeitet — läuft auf Claude. Demselben Claude, das auch Anthropics eigenes Cowork-Produkt antreibt. Gleiches Modell. Gleicher „Agentic Harness". Gleiches Hirn.

Zwei Produkte. Eine KI. Komplett unterschiedliche Welten.

Und genau das macht den Vergleich so spannend — gerade für uns im DACH-Raum, wo Datenschutz halt nicht nur ein Buzzword ist, sondern geltendes Recht.


Was die beiden überhaupt sind

Mal eben kurz sortieren, weil die Namensgebung ja schon verwirrend genug ist.

Claude Cowork ist ein Desktop-Agent von Anthropic. Du zeigst Claude auf einen Ordner auf deinem Rechner, beschreibst eine Aufgabe, und Claude liest deine Dateien, macht einen Plan und erledigt die Arbeit. Das Ganze läuft lokal in einer Sandbox-VM. Stell dir das vor wie einen fähigen Praktikanten, der an deinem Computer sitzt — nur dass er um 3 Uhr nachts arbeitet und sich nie beschwert.

Copilot Cowork ist ein Enterprise-Agent von Microsoft. Er lebt in der Cloud, innerhalb deines M365-Tenants, und arbeitet über Outlook, Teams, Excel, Word und PowerPoint hinweg. Microsoft nennt die Datenschicht dahinter „Work IQ" — eine Intelligenzebene, die auf deinen E-Mails, Kalendern, Chats und Dokumenten aufbaut. Quasi der gleiche fähige Praktikant, nur mit Zugriff auf alle Systeme in deinem Unternehmen.

Gleiche KI. Radikal andere Verpackung.


Der direkte Vergleich

Copilot CoworkClaude Cowork
Läuft woCloud (M365-Tenant)Lokal (Desktop, Sandbox-VM)
Zugriff aufOutlook, Teams, Excel, Word, PowerPoint, SharePoint, OneDriveLokale Dateien + 38+ Konnektoren (Gmail, Slack, Notion etc.)
Preis99 $/Nutzer/Monat (M365 E7)20 $/Monat (Pro) oder 100–200 $/Monat (Max)
KI-ModellClaude + OpenAI (Multi-Modell)Nur Claude
ZielgruppeEnterprise-Teams auf M365Einzelpersonen und kleine Teams
VerfügbarJa — Frontier-Programm (E7 GA am 1. Mai)Ja, alle Bezahlpläne
Geplante AufgabenNoch nichtJa
Sub-AgentenNicht bestätigtJa (parallele Verarbeitung)
Plugins/SkillsAgent 365 (eigene Agenten bauen)38+ Konnektoren, Plugin-Marketplace
MobilzugriffÜber M365-AppsDispatch (Fernsteuerung vom Handy)
Datenschutz & GovernanceM365-Compliance, Entra, Audit-TrailsLokale Sandbox, keine Audit-Logs
Drittanbieter-AppsNur M365-ÖkosystemSalesforce, HubSpot, Jira, Figma + 30 weitere
Am besten fürÜbergreifende M365-WorkflowsLokale Dateiverarbeitung, Multi-Tool-Automatisierung

Neue Features seit dem 30. März: Critique und Model Council

Okay, jetzt wird’s richtig interessant — und ein bisschen ironisch.

Critique: Claude überprüft GPTs Arbeit

Am 30. März hat Microsoft die Critique-Funktion vorgestellt. Das Prinzip: Ein KI-Modell erstellt die Recherche (GPT), ein anderes Modell überprüft sie (Claude). Planung und Entwurf auf der einen Seite, Qualitätskontrolle auf der anderen.

Das Ergebnis: 13,8 % bessere Ergebnisse auf dem DRACO-Benchmark — dem Industriestandard für tiefgehende Recherchequalität. Damit liegt Copilot Researcher laut Microsoft vor den eigenständigen Deep-Research-Tools von OpenAI, Google, Perplexity und Anthropic.

Die Ironie daran dürfte nicht zu übersehen sein. Microsoft — OpenAIs größter Investor — nutzt Anthropics Claude, um OpenAIs Modelle zu kontrollieren. Tja. Aber es funktioniert halt eben. Eine zweite KI, die die erste überprüft, fängt Fehler, die ein Selbst-Review übersehen würde. Ist ja im Grunde wie Code-Reviews: Jemand, der den Code nicht geschrieben hat, findet die Bugs schneller.

Model Council: KI-Antworten nebeneinander vergleichen

Model Council zeigt dir die Antworten verschiedener KI-Modelle auf dieselbe Frage — wo sie übereinstimmen, wo sie abweichen, was jeweils einzigartig beigetragen wird. Nützlich für Entscheidungen mit hohem Risiko: Finanzanalysen, Rechtsrecherchen, Strategieempfehlungen. Da willst du ja nicht nur eine Meinung hören.

Für deutsche Unternehmen, die KI bereits in ihren Entscheidungsprozessen einsetzen (oder darüber nachdenken), ist das ein spannender Ansatz. Konsens statt Einzelmeinung.


Echte Workflows: Wo gewinnt wer?

Theorie schön und gut — aber wie sieht’s in der Praxis aus? Hier mal vier typische Szenarien.

Meeting-Vorbereitung

Copilot Cowork: „Bereite das Q2-Kundengespräch vor." Es zieht die Quartalszahlen aus Excel, baut eine PowerPoint, verfasst eine Vorbereitungsmail an dein Team in Outlook und blockt 30 Minuten in deinem Kalender. Eine Anweisung, vier Apps, erledigt. Das ist die Showcase-Demo — und zwar zu Recht.

Claude Cowork: Du brauchst die Dateien lokal. Excel-Tabelle und Notizen in einen Ordner, dann Claude bitten, ein Briefing-Dokument und eine Präsentationsgliederung zu erstellen. Die Dateien entstehen, aber E-Mails verschicken oder Kalender bearbeiten? Geht nur, wenn du die entsprechenden Konnektoren eingerichtet hast.

Gewinner: Copilot Cowork — wenn dein gesamtes Arbeitsleben in M365 stattfindet. Kein Wettbewerb bei diesem Use Case.

Spesenabrechnungen

Copilot Cowork: Kann Daten aus E-Mails und Belegen in Outlook ziehen, aber du bist auf das beschränkt, was in M365 liegt. Papierbelege abfotografieren? Fehlanzeige.

Claude Cowork: Zeig Claude auf einen Ordner mit 50 Belegfotos. Es liest jedes Bild, extrahiert Händlernamen, Daten, Beträge und Kategorien, und baut eine Tabelle mit funktionierenden Formeln. Das dauert Minuten. Unser Spesenkategorisierer-Skill macht’s noch schneller.

Gewinner: Claude Cowork. Lokale Dateiverarbeitung mit Bildern ist seine absolute Stärke.

Wöchentliche Statusberichte

Copilot Cowork: Fasst Informationen aus Teams-Chats, E-Mails und geteilten Dokumenten quer durch deine Organisation zusammen. Wenn die Kommunikation deines Unternehmens in M365 lebt, hat es Kontext, den kein anderes Tool liefern kann.

Claude Cowork: Richte eine geplante Aufgabe ein, die jeden Freitag läuft. Claude liest deine Meeting-Notizen, sortiert nach Projekten, markiert Blocker und formatiert als PDF. Automatisch, wiederkehrend, null Klicks. Unser Wochenbericht-Generator macht genau das.

Gewinner: Kommt drauf an. Copilot sieht mehr Organisationsdaten. Claude läuft auf Autopilot.

Recherche und Dokumentensynthese

Copilot Cowork: Durchsucht SharePoint und OneDrive nach relevanten internen Dokumenten. Stark für: „Was weiß unser Unternehmen bereits zu Thema X?"

Claude Cowork: Wirf 20 PDFs in einen Ordner. Claude spinnt Sub-Agenten auf, die jeweils einen Teil parallel verarbeiten, identifiziert Themen, markiert Widersprüche und produziert eine zusammenhängende Synthese. 30-Minuten-Job in 5 Minuten erledigt.

Gewinner: Claude Cowork für externe Recherche und Batch-Verarbeitung. Copilot Cowork fürs Schürfen im unternehmensinternen Wissensschatz.


Was es kostet — die unbequeme Wahrheit

Hier wird’s für Microsoft ein bisschen unangenehm.

Claude Cowork Pro: 20 Dollar im Monat (ca. 18,50 Euro). Da ist alles drin: Cowork, geplante Aufgaben, 38+ Konnektoren, Plugins und Dispatch (Fernsteuerung vom Handy). Ein Preis. Sofort verfügbar.

Copilot Cowork via M365 E7: 99 Dollar pro Nutzer und Monat. Aber hier die Aufschlüsselung:

KomponentePreis
M365 E560 $/Nutzer/Monat
Microsoft 365 Copilot30 $/Nutzer/Monat
Agent 36515 $/Nutzer/Monat
Entra Suite12 $/Nutzer/Monat
E7-Bundle99 $/Nutzer/Monat
Einzeln kaufen117 $/Nutzer/Monat

E7 spart also 18 Dollar im Vergleich zum Einzelkauf. Und du kommst an Copilot Cowork nicht ohne E7 ran — es ist kein eigenständiges Produkt.

Für ein 50-Personen-Team: 59.400 Dollar pro Jahr für Copilot Cowork vs. 12.000 Dollar für Claude Cowork. Fünfmal so teuer.

Aber — und das muss man fairerweise sagen — der Vergleich hinkt. E7 bündelt deinen gesamten M365-Stack: E-Mail, Office-Apps, Sicherheit, Identitätsmanagement, Compliance und KI. Wer schon E5 (60 Dollar) und Copilot (30 Dollar) zahlt, für den sind es nur noch 9 Dollar pro Nutzer und Monat mehr. Das relativiert die Sache.


Der Datenschutz-Elefant im Raum

Okay, seien wir ehrlich — hier trennt sich im DACH-Raum die Spreu vom Weizen. Und wer in einem deutschen Unternehmen KI einführen will, kommt an dem Thema nicht vorbei.

Copilot Cowork und die DSGVO

Seit Januar 2026 ist Anthropic offizieller Sub-Auftragsverarbeiter für Microsoft 365 Copilot. Das heißt: Deine Daten fließen nicht nur durch Microsofts Systeme, sondern potenziell auch durch Anthropics Infrastruktur.

Microsoft hat zwar „In-Country Data Processing" für Deutschland angekündigt, aber ob das alle DSGVO-Anforderungen abdeckt, ist unter Juristen umstritten. Datenschutzexperten empfehlen dringend eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO, bevor Copilot Cowork eingesetzt wird — schließlich verarbeitet die Funktion personenbezogene Daten und greift auf breite Unternehmensdaten zu.

Im Januar 2026 wurde zudem ein Bug dokumentiert, bei dem Copilot trotz Vertraulichkeitslabel auf geschützte E-Mails zugegriffen hat. Kein schönes Signal für Datenschutzbeauftragte.

Was Copilot bietet: M365-Compliance, Entra-basierte Zugriffskontrolle, Audit-Trails, Sensitivity Labels, EU-Datengrenze (EU Data Boundary).

Claude Cowork und Datenschutz

Claude Cowork läuft lokal in einer Sandbox-VM auf deinem Rechner. Deine Dateien bleiben auf deiner Festplatte. Was du Claude gibst, verarbeitet Claude — aber es gibt keine Audit-Logs, kein zentrales Compliance-Dashboard, keine Enterprise-Governance.

Für Freelancer und kleine Teams: Perfekt. Für eine Anwaltskanzlei oder ein Krankenhaus in Deutschland: Schwierig, weil die Nachweispflichten fehlen.

Fazit Datenschutz: Copilot Cowork hat die besseren Governance-Werkzeuge, Claude Cowork hat den kürzeren Datenfluss. Keines von beiden ist eine Plug-and-Play-Lösung für DSGVO-Compliance — es erfordert in beiden Fällen Vorbereitung.


Der Elefant hinter dem Elefanten: Warum nutzt Microsoft Anthropic?

Das ist die Story unter der Story, und sie sagt eine Menge über den Stand der KI-Branche im März 2026.

Microsoft hat 18 Milliarden Dollar in OpenAI gesteckt. Die gesamte Copilot-Strategie um GPT herum gebaut. OpenAI zum Eckpfeiler der KI-Zukunft erklärt.

Und dann — für Copilot Cowork, wohl das wichtigste Copilot-Feature seit dem Launch — haben sie sich für Anthropic entschieden. Claudes Modell. Claudes agentischen Harness. XDA hat es so formuliert: „Microsoft hat Milliarden in KI gesteckt, nur um sein ambitioniertestes Produkt auf Anthropics Hirn aufzubauen."

Und das war keine Randnotiz. Anthropic hat sich verpflichtet, 30 Milliarden Dollar auf Azure-Infrastruktur auszugeben. Microsoft gibt laut PYMNTS fast 500 Millionen Dollar jährlich für Anthropics Modelle aus.

Warum? Weil Claude in Unternehmen gewinnt. Anthropic holt 70 Prozent der neuen Enterprise-Deals im direkten Wettbewerb mit OpenAI. Microsoft hat dasselbe gesehen, was seine Kunden sehen: Für komplexe, mehrstufige agentische Arbeit — also genau das, worum es bei Cowork geht — ist Claude das stärkere Modell.

Für den DACH-Markt hat das eine besondere Dimension. Japanische Enterprise-Nutzer waren bei der Vorstellung von Copilot Cowork besonders begeistert — eine Demo, die japanische Projektmanagement-Formate verstand, erreichte über 1.000 Likes auf X. Ob deutsche Unternehmen ähnlich reagieren werden? Ich bin gespannt. Die deutsche Enterprise-IT ist halt eben etwas vorsichtiger als die japanische — was ja nicht unbedingt schlecht ist.


Was noch nicht funktioniert (bei beiden)

Mal ehrlich — kein Produkt ist perfekt. Hier die Schwachstellen:

Cross-Session-Gedächtnis. Beide starten jede Sitzung frisch. Claude Cowork hat Context Files als Workaround. Copilot hat Work IQ, das organisatorischen Kontext behält, aber keinen Gesprächsverlauf.

Volle Autonomie. Beide zeigen dir einen Plan und fragen um Erlaubnis, bevor sie handeln. Gut fürs Vertrauen. Nervt, wenn du willst, dass es einfach gemacht wird.

Browser-Automatisierung. Copilot Cowork ist auf M365 beschränkt. Claude Cowork kann begrenzte Browser-Arbeit über Konnektoren erledigen, ist aber kein Web-Agent wie OpenAIs Operator.

Zuverlässigkeit. Copilot Cowork ist jetzt im Frontier-Programm (breiter als Research Preview, aber immer noch früh). Claude Coworks Dispatch-Feature hat sich verbessert, aber komplexe Aufgaben haben noch Ecken und Kanten. Beide reifen schnell.


Wer sollte was nehmen?

Copilot Cowork ist richtig für dich, wenn:

  • Dein Unternehmen Microsoft 365 E5 oder höher nutzt
  • Deine Workflows in Outlook, Teams, Excel und SharePoint leben
  • Enterprise-Compliance, Audit-Trails und Governance Pflicht sind
  • Die IT-Abteilung über KI-Beschaffung entscheidet (Copilot ist für Procurement gebaut)
  • Übergreifende M365-Automatisierung dein größter Zeitfresser ist
  • Du in einer regulierten Branche arbeitest und Daten innerhalb der M365-Vertrauensgrenze bleiben müssen

Claude Cowork ist richtig für dich, wenn:

  • Du als Einzelperson, Freelancer oder kleines Team arbeitest
  • Du viele lokale Dateien verarbeitest (Belege, PDFs, Bilder, Tabellen)
  • Du 38+ Drittanbieter-Konnektoren brauchst (Salesforce, HubSpot, Slack, Figma, Jira)
  • Budget eine Rolle spielt (20 Dollar vs. 99 Dollar pro Monat)
  • Du geplante, wiederkehrende Automatisierung heute willst
  • Du nicht im Microsoft-Ökosystem eingesperrt bist

Beide nutzen? Gar nicht so abwegig.

Klingt erstmal übertrieben, aber: Manche nutzen Copilot Cowork für M365-Workflows während der Arbeit und Claude Cowork für persönliches Dateimanagement, Nebenprojekte und alles außerhalb von Microsofts Walled Garden. Bei 20 Dollar im Monat für Claude Pro obendrauf ist das keine verrückte Rechnung.


Das Fazit

Copilot Cowork und Claude Cowork sind dieselbe KI in unterschiedlichen Uniformen.

Copilot Cowork steckt Claude in einen Anzug und schickt es ins Büro. Es kennt dein Organigramm, liest deine E-Mails und arbeitet über jede Microsoft-App hinweg. Seit dem 30. März ist es über das Frontier-Programm verfügbar — und die Critique-Funktion (Claude überprüft GPTs Arbeit) macht die Ergebnisse spürbar zuverlässiger als jedes Modell allein. E7 wird ab 1. Mai allgemein verfügbar.

Claude Cowork steckt Claude in Jeans und setzt es an deinen Schreibtisch. Es ist günstiger, flexibler, arbeitet mit Dutzenden Drittanbieter-Tools — und du kannst es heute nutzen. Aber es sieht deine Teams-Chats nicht und zieht keine Daten aus SharePoint.

Nimm das, was zu deinem Arbeitsleben passt. Und wenn dein Arbeitsleben in beiden Welten stattfindet — dann nimm halt beides.

So oder so: Der eigentliche Gewinner ist Anthropic. Die haben eine KI gebaut und an alle verkauft — einschließlich der Firma, die 18 Milliarden Dollar in den Versuch gesteckt hat, einen Konkurrenten aufzubauen.


Weiterlernen


Quellen:

Echte KI-Skills aufbauen

Schritt-für-Schritt-Kurse mit Quizzes und Zertifikaten für den Lebenslauf