Google hat am 26. März ein Import-Tool für Gemini veröffentlicht. Damit lassen sich Chatverläufe und „Erinnerungen" aus ChatGPT und Claude direkt übernehmen. Bloomberg, TechCrunch, The Verge — alle haben darüber berichtet.
Tja, und dann der Haken: Im EWR, in Großbritannien und in der Schweiz funktioniert das Tool nicht. Sprich: Deutschland, Österreich und die Schweiz sind erstmal außen vor.
Trotzdem lohnt es sich, die Funktion zu verstehen — sie kommt irgendwann auch bei uns. Und für alle, die z. B. über ein US-Google-Konto Zugang haben, funktioniert es jetzt schon.
Was Google gelauncht hat
Zwei Methoden:
Methode 1: Erinnerungen importieren (2 Minuten)
Gemini gibt dir einen Prompt, den du in ChatGPT oder Claude einfügst. Die KI fasst zusammen, was sie über dich weiß — Arbeitsstil, Vorlieben, wiederkehrende Themen. Diese Zusammenfassung kopierst du zurück in Gemini. Fertig.
Ergebnis: Gemini „kennt" dich dann ungefähr so gut wie dein bisheriges KI-Tool. Ohne die eigentlichen Chatverläufe.
Methode 2: Kompletter Chatverlauf als ZIP (5 Minuten)
- In ChatGPT: Einstellungen → Datensteuerung → Daten exportieren → ZIP herunterladen
- In Claude: Settings → Account → Export data → ZIP herunterladen
- In Gemini: Einstellungen → Import chat history → ZIP hochladen
Limit: 5 GB pro Datei, maximal 5 Uploads pro Tag.
Warum es in der EU nicht geht
Google hat das Feature bewusst für den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), Großbritannien und die Schweiz ausgeschlossen. Ein offizieller Grund wurde nicht genannt, aber es liegt nahe:
- DSGVO-Konformität — Chatverläufe enthalten oft personenbezogene Daten. Die Verarbeitung durch Google erfordert eine saubere Rechtsgrundlage, die bei importierten Drittanbieter-Daten komplex ist.
- Datenschutz-Folgenabschätzung — Wenn du deine ChatGPT-Gespräche zu Google hochlädst, überträgst du Daten, die unter OpenAIs Datenschutzrichtlinie entstanden sind, in Googles Infrastruktur. Rechtlich halt nicht trivial.
- KI-Verordnung (AI Act) — Die EU-KI-Verordnung tritt schrittweise in Kraft. Google agiert vermutlich vorsichtig.
Kein Zeitplan für die Verfügbarkeit in der EU. Wer ein US-Google-Konto hat (z. B. durch einen früheren Auslandsaufenthalt), kann das Feature nutzen — aber mit den Datenschutz-Implikationen sollte man sich bewusst sein.
Lohnt sich der Wechsel überhaupt?
Ehrliche Einschätzung: Komplett wechseln lohnt sich für die meisten nicht. Hier ist der Grund:
| Einsatzzweck | Bestes Tool | Warum |
|---|---|---|
| Schreiben & Content | Claude | Natürlichste Sprache, bester Tonfall |
| Schnelle Alltagsaufgaben | ChatGPT | Schnellste Antworten, größtes Plugin-Ökosystem |
| Recherche & Google-Ökosystem | Gemini | Internetzugang, 1M+ Token Kontext, Workspace-Integration |
| Coding & Entwicklung | Claude | Claude Code + Cowork |
| Bildgenerierung | ChatGPT | DALL-E 3 |
| KI-Musik | Gemini | Lyria 3 Pro (im Abo enthalten) |
Wechsel zu Gemini ergibt Sinn, wenn:
- Du tief im Google-Ökosystem steckst (Gmail, Docs, Sheets, Calendar)
- KI-Musik für dich wichtig ist (Lyria 3 Pro — kostenlos im Abo)
- Recherche dein Hauptanwendungsfall ist
Bei ChatGPT bleiben, wenn:
- Du Custom GPTs oder den GPT Store nutzt
- Voice Mode für dich wichtig ist
Bei Claude bleiben, wenn:
- Arbeitstools-Integrationen zählen (Figma, Canva, 38+ Konnektoren)
- Code-Qualität Priorität hat
Die Marktverschiebung
| Metrik | ChatGPT | Gemini | Claude |
|---|---|---|---|
| Marktanteil (Anfang 2025) | 86% | 5,7% | ~2% |
| Marktanteil (Anfang 2026) | 64% | 21,5% | ~2% |
| Veränderung | -22 Punkte | +15,8 Punkte | Stabil |
ChatGPT dominiert noch, aber Gemini hat seinen Anteil in einem Jahr fast vervierfacht. Das Import-Tool ist Googles Versuch, den Trend zu beschleunigen.
Interessant dabei: Auf X/Twitter hat noch niemand tatsächlich gepostet, dass er den Import durchgeführt hat. Riesen Medienecho, null Erfahrungsberichte. Die Neugier ist da — die Aktion noch nicht.
Datenschutz: Ein Punkt zum Nachdenken
Wenn du deine ChatGPT-Gespräche zu Gemini importierst, landest Monate oder Jahre persönlicher Unterhaltungen auf Googles Servern. Geschäftsstrategien, medizinische Fragen, Code, private Themen — alles.
Das ist nicht per se falsch. Aber es lohnt sich, vor dem Upload darüber nachzudenken — besonders in Deutschland, wo Datenschutzbewusstsein halt zu Recht tief verankert ist.
Mindestens: Exportdatei durchschauen. Gespräche löschen, die du nicht übertragen willst. Googles Datenschutzrichtlinie für Gemini lesen.
Fazit
Google hat den Wechsel einfach gemacht. Das ist gut für den Wettbewerb. Aber „einfach zu wechseln" heißt nicht „du solltest wechseln."
Für den DACH-Raum gilt im Moment sowieso: Abwarten, bis das Feature hier verfügbar ist. In der Zwischenzeit ist die klügste Strategie, alle drei Tools je nach Aufgabe zu nutzen.
Und wenn das Import-Tool dann in der EU startet — du weißt jetzt genau, wie es funktioniert.
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