Wenn dein Team in den letzten Wochen Notions Custom Agents kostenlos getestet hat — den Status‑Doc‑Drafter, das automatische Datenbank‑Befüllen, den Meeting‑Brief — ist heute der Tag, an dem sich das ändert. Ab Montag, 4. Mai 2026, verbraucht jeder Agent‑Run Notion Credits für 10 USD pro 1.000 Credits, mit grob 30–60 Credits pro Lauf. Free‑ und Plus‑Workspaces verlieren Custom Agents komplett — die Funktion ist jetzt ausschließlich Business und Enterprise vorbehalten.
Klingt erstmal nach Kostenfalle. In der r/Notion‑Petition („The new pricing of Notion Custom Agents is TERRIBLE") rechnen User vor, dass schlecht konfigurierte Agents Richtung 30 USD/Monat klettern können. In der Praxis zeigt ein offizielles Community‑Beispiel allerdings auch: 5‑Personen‑Workspace, 21 aktive Agents, 713 Läufe — 205 Credits, also unter 5 Euro im Monat. Die Wahrheit liegt halt eben dazwischen, und sie hängt komplett davon ab, wie diszipliniert du deinen Workspace heute aufstellst.
Hier ist der Audit, den jeder DACH‑PM diese Woche einmal durchziehen sollte. Plus — wichtig für dich, anders als für US‑Kollegen — die DSGVO‑Punkte, die mit dem Pricing‑Wechsel oben auf die Liste gehören.
Was sich ab heute ändert (kurz)
Drei Sachen auf einen Schlag, laut offiziellem Notion‑Help‑Center und der Rework‑Analyse:
- Credits werden gemessen. 10 USD pro 1.000 Credits, 30–60 Credits pro Run. Workspace‑weit geteilter Pool.
- Free + Plus verlieren Custom Agents komplett. Die Beta endet dort. Andere Notion‑AI‑Funktionen bleiben in den Plänen drin — aber Custom Agents nicht.
- Credits rollen nicht. Was du im Mai nicht verbrauchst, ist im Juni weg. Das war der Hauptkritikpunkt in der Reddit‑Petition, und ja, das fühlt sich nach künstlicher Begrenzung an.
Wenn du auf Free oder Plus bist: deine Entscheidung ist gemacht. Die Frage ist nur noch, ob ein Upgrade auf Business für ~20 USD/Sitzplatz/Monat plus ~25 USD Credits pro Workspace bei eurem Setup tragbar ist. Sub‑10‑Personen‑Teams sollten hier ehrlich rechnen, bevor sie zustimmen.
Der 5‑Minuten‑Audit für jeden Agent
Öffne deinen Workspace, klick links auf den Workspace‑Namen, dann Einstellungen → KI & Agents → Custom Agents. Du siehst jeden laufenden Agent plus seinen Credit‑Verbrauch der letzten 30 Tage.
Vier Fragen pro Agent. Wenn auch nur eine mit „nein" beantwortet wird: weg damit.
Frage 1 — Hat dieser Agent in den letzten 30 Tagen wirklich eine Entscheidung verändert?
Nicht „ist er gelaufen". Hat sein Output bei dir oder im Team irgendwas verändert?
Ein Monday‑Status‑Drafter, den dein Team jeden Montag liest und der wirklich die Reihenfolge der Tasks kippt — passt. Ein Wochenreport, den du grundsätzlich neu schreibst, weil 80 Prozent davon Müll sind — fällt durch. Ein Risiko‑Register‑Triage‑Agent, der genau das eine Issue gefunden hat, das im Quartalsreview hochgekocht ist — passt.
Wenn die Antwort „liest sowieso keiner" lautet, kill den Agent. Nicht den Prompt optimieren. Nicht das Cap senken. Killen. Jeder Credit für nicht gelesenen Output ist verbrannt.
Frage 2 — Läuft er in der richtigen Frequenz?
Während der Beta haben die meisten Teams ihre Agents auf Autopilot gesetzt — täglich, stündlich, bei jedem Datenbank‑Update. Das war kostenlos. Jetzt nicht mehr.
Ein wöchentlicher Status‑Drafter Montag früh? Passt. Ein Slack‑Follow‑Through‑Agent, der bei jedem Project‑Tracker‑Update läuft? Verbraucht 4‑ bis 6‑mal mehr Credits, als du denkst.
Setz für jeden Agent, der Frage 1 überlebt hat, die niedrigste Frequenz, bei der der Output noch nützlich ist. Wöchentlich schlägt täglich für Status‑Reports. Monatlich schlägt wöchentlich für Client‑Recaps. Meeting‑Brief‑Agents laufen am Tag des Meetings, nicht jeden Morgen.
Frage 3 — Ist das überhaupt ein Agent? Oder ein Hotkey?
Custom Agents sind die schwere Variante. Sie greifen auf Workspace‑Tools zu, laufen geplant, lesen und schreiben über mehrere Datenbanken. Kosten halt 30–60 Credits pro Run.
Vieles, was während der Testphase als Custom Agent eingerichtet wurde, ist eigentlich Notion AI inline in Verkleidung. „Fass diese Seite zusammen." „Zieh die Action‑Items aus dieser Meeting‑Notiz." „Übersetz mir das hier." Alles davon ist Notion‑AI‑Funktion in deinem bestehenden Sitzplatz — verbraucht keine Credits.
Wenn der Job deines Agents „antworte auf eine Frage zu einer Seite auf Knopfdruck" ist, ist das kein Agent. Das ist ein Hotkey. Wandle ihn um.
Frage 4 — Rechnet sich das?
Jetzt die Mathematik. Pro Agent, der 1–3 überlebt hat:
(Läufe pro Monat) × (Credits pro Run, vorsichtig 50) × (0,01 USD pro Credit) = Monatskosten
Ein wöchentlicher Status‑Drafter (4 × 50 × 0,01) kostet etwa 2 USD/Monat. Behalten.
Ein täglicher Slack‑Follow‑Through bei einem 30‑Personen‑Team (30 × 60 × 0,01) kostet 18 USD/Monat. Das sind zwei Stunden Admin‑Arbeit. Wahrscheinlich behalten, aber mit engerem Cap.
Ein Every‑Update‑Autofill bei einem aktiven Project‑Tracker (200 × 50 × 0,01) sind 100 USD/Monat. Das ist eine Gehaltsposition. Killen, downgraden auf wöchentlich, oder als manuell triggerbarer Agent neu aufsetzen.
Faustregel: Wenn der Agent mehr kostet als 30 Minuten deines Stundensatzes pro Monat und nicht mindestens 30 Minuten Fokus‑Arbeit spart, lohnt er sich nicht.
Die 3 Custom Agents, die für die meisten DACH‑PMs Sinn machen
In Gesprächen mit deutschen, österreichischen und schweizer PMs aus der Beta haben sich drei Agent‑Typen als zuverlässige Credit‑Investition herauskristallisiert:
1. Der Montag‑Status‑Drafter. Zieht aus dem Project‑Tracker, der letzten Woche und den zugewiesenen Tasks. Schreibt einen Entwurf, den du in 10 Minuten redigierst statt eine Stunde from scratch. Läuft einmal wöchentlich, Montag 7 Uhr. Kosten: rund 2–3 USD/Monat.
2. Der Freitag‑Client‑Recap‑Generator. Pro Kunde scoped — pulls aus den Wochennotizen, Meeting‑Recaps, abgeschlossenen Tasks. Der Wochenrückblick, den du sonst freitags um 17 Uhr selbst geschrieben hast. Wöchentlich. Rund 2–3 USD pro Kunde pro Monat.
3. Der Risk‑Register‑Auto‑Triage. Liest neue Risiken, scort sie nach Impact, schlägt einen Owner vor, flaggt Duplikate. Werktäglich. 5–10 USD/Monat — und der Agent, der seine Credits in dem einen Moment einspielt, in dem etwas tatsächlich kippt.
Was bei den meisten Workspaces wegfällt: Every‑Update‑Autofills, Daily‑Digest‑Agents, die niemand liest, „Übersetze diese Slack‑Nachricht"‑Agents (besser inline Notion AI), und alles, was während der Testphase eingerichtet wurde und für das du nicht spontan sagen kannst, was es tut.
DSGVO‑Check (der Teil, den die US‑Posts überspringen)
Hier wird’s wichtig, und tja, dieser Block fehlt in den meisten englischsprachigen Artikeln zum Pricing‑Wechsel komplett. Notion ist ein US‑Anbieter, hostet auf AWS in den USA, arbeitet mit Standardvertragsklauseln (SCCs) und stellt einen AVV bereit. Das ist die Basis. Custom Agents legen oben drauf:
Was du dokumentieren solltest:
- Verarbeitungsverzeichnis aktualisieren. Custom Agents sind eine zusätzliche Verarbeitungstätigkeit. Zwecke, Datenkategorien, Empfänger, Speicherdauer — alles auf den Stand bringen, bevor du den ersten Agent in Produktion lässt.
- AVV/DPA neu prüfen. Ist die KI‑/Agent‑Komponente explizit geregelt? Welche Unterauftragsverarbeiter werden für die Modell‑Inferenz herangezogen? Wo werden Trainingsdaten gespeichert?
- Interne Tabu‑Liste definieren. Welche Datentypen dürfen Agents nicht anfassen? HR‑Einzeldaten, Mandantenakten, medizinische Infos, Bewerber‑Reviews — die typischen DACH‑Sensiblen.
Datenschutzberater Natascha Buck bringt es in ihrer Notion‑Analyse direkt auf den Punkt: Notion‑Mitarbeitende haben technisch Zugriff auf Workspace‑Daten, und für streng regulierte Bereiche (Gesundheit, HR, Recht) ist das Tool schlicht nicht gedacht. Das gilt auch für Custom Agents — und ehrlich gesagt eben besonders für die, weil Agents tiefer in den Workspace greifen als ein typischer Nutzer.
Empfehlung für deinen DSGVO‑Check: Custom Agents nur für Daten einsetzen, die ihr heute schon guten Gewissens in Notion habt. Für alles, was über diese Schwelle geht, eine on‑premise oder EU‑souveräne Alternative.
Schweiz‑Spezifika: Das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz stellt im Kern dieselben Fragen wie die DSGVO. Praktisch gleiche Antworten.
Österreich‑Spezifika: Im öffentlichen Sektor ist der Einsatz US‑basierter Cloud‑Dienste für personenbezogene Daten oft organisatorisch eingeschränkt oder gleich untersagt. Wenn du in einer Behörde oder einer öffentlichen Institution sitzt, sind Custom Agents primär für interne, nicht‑personenbezogene Projektdaten gedacht — wenn überhaupt.
DACH‑Alternativen, falls Credits zu teuer oder Datenschutz zu eng
Wenn entweder der Credit‑Verbrauch nicht passt oder die Datenschutz‑Argumentation nicht trägt: drei pragmatische Hybride.
1. Notion + n8n self‑hosted. n8n ist ein in Europa verwurzeltes Open‑Source‑Automation‑Tool mit starkem Self‑Hosting‑Fokus. Notion bleibt das UI/Wiki, n8n übernimmt die orchestrierten Flows (Mail, Ticketing, Slack, ERP) — auf eurer eigenen Infrastruktur, in eurer eigenen Cloud‑Region. Pro: volle Datenhoheit, planbare Infrastruktur‑Kosten statt Credit‑Verbrauch. Contra: Engineering‑Aufwand für Setup und Pflege.
2. Notion + Make (EU‑Region). Make ist EU‑ansässig, low‑code, visuell. Pricing ist ausführungsbasiert, aber bei sauber geplanten Szenarien meist kalkulierbarer als Credits. Empfehlung: Notion als Frontend, Make für die externe Orchestrierung.
3. Hybrid: Notion für „High‑Value", n8n/Make für „Low‑Value". Die Empfehlung der meisten DACH‑Berater. Status‑Reports, Risiko‑Register, Client‑Recaps bleiben in Notion (echter Mehrwert pro Run). Cronjobs, einfache Datenbank‑Updates, Notification‑Routing wandern raus in n8n oder Make. So ziehen Notion‑Credits nur für Workflows mit klarem ROI.
Was dieser Audit nicht löst
Ein paar ehrliche Grenzen:
- Plus‑Plan rettet er nicht. Wenn ihr auf Plus seid, sind Custom Agents weg. Die Entscheidung lautet: Upgrade auf Business für die Agents, die ihr behalten wollt — oder Wechsel zu n8n/Make für genau diese Workflows.
- Die 30–60‑Credit‑Spanne ist eine Spanne, keine Garantie. Agents mit vielen Datenbankzugriffen, langen Outputs oder externen Connectoren (Slack, Calendar) landen näher an 60 als an 30. Watch den ersten Monat aufmerksam.
- „Bald verfügbar"‑Cross‑Workspace‑Queries sind weiterhin „bald verfügbar". Wenn du auf Portfolio‑Level‑Agents über mehrere Workspaces hinweg gewartet hast: dieser Pricing‑Wechsel löst das Feature nicht ein.
- Caps fangen nicht alles ab. Workspace‑Cap stoppt neue Runs ab Limit, aber bereits gestartete Läufe an dem Tag laufen durch. Konservativ setzen, später nachjustieren.
- „Soll ich zahlen?" ≠ „Sind Agents sinnvoll?" Sind sie. Die meisten DACH‑PMs landen ehrlich gerechnet bei 10–30 USD/Monat und sparen damit mehrere Stunden Fokuszeit pro Woche. Der Audit dreht sich um welche Agents, nicht ob.
Tja, was nimmst du jetzt mit?
Der Pricing‑Wechsel ist die sauberste „behalte ich das?"‑Entscheidung, die ein PM dieses Quartal trifft. Vier Fragen pro Agent durchgehen, durchgefallene killen, das Workspace‑Cap konservativ setzen, die Überlebenden auf die niedrigste sinnvolle Frequenz, und einmal im Monat das Credit‑Dashboard checken.
Plus den DSGVO‑Block dokumentieren, bevor der erste Agent in Produktion geht. Das ist der Punkt, an dem deutsche, österreichische und schweizer PMs sich von den US‑Kollegen unterscheiden müssen — und wo „im Mai mal eben einrichten" zur DSGVO‑Lücke wird.
Wenn du den längeren Weg willst — Agents bauen, die ihre Credits einspielen, Prompt‑Patterns mit echtem Nutzen, das Cadence‑Playbook für PMs, die Notion täglich live im Einsatz haben — unser AI for Product Managers Kurs geht das Lektion für Lektion durch. Kostenlos starten, Pro für den vollen Pfad.
Quellen
- Notion Credits für Custom Agents kaufen und verfolgen — Notion Help Center DE
- Was ist neu — Notion Releases
- Notion Custom Agents: volumenbasiertes Add‑on — Rework EU
- r/Notion: „The new pricing of Notion Custom Agents is TERRIBLE" Petition
- Notion DSGVO‑Übersicht (offiziell)
- Datenschutz‑Bewertung Notion — Natascha Buck
- n8n.io — EU‑basierte Open‑Source‑Automation
- Make.com — EU‑ansässige Low‑Code‑Automation